Diepensee

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Koordinaten: 52° 18′ 0″ N, 13° 35′ 21″ O

Diepensee
Fläche: 5,54 km²
Einwohner: 305
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner/km²
Eingemeindung: 2004
Postleitzahl: 15711
Vorwahl: 03375

Diepensee ist ein Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald im Bundesland Brandenburg der Bundesrepublik Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der ursprüngliche Ort Diepensee lag ca. 7 km nordwestlich seiner heutigen Stelle () und gehörte als selbstständige Gemeinde seit dem 26. Juni 1992 dem Amt Schönefeld an.[1]

Das Gemeinschaftshaus im neuen Diepensee

Nach der Auflösung des Amtes Schönefeld am 23. Oktober 2003[2] wurde die damalige Gemeinde Diepensee von der nun amtsfreien Gemeinde Schönefeld mitverwaltet. Durch den Bau des Flughafens Berlin Brandenburg wurden die damals 335 Einwohner des Ortes bis zum Dezember 2004 in den komplett neu gebauten Ort Diepensee nördlich des Ortsteils Deutsch Wusterhausen der Stadt Königs Wusterhausen umgesiedelt.[3][4] Die Gemeinde Diepensee war bereits zu dem Zeitpunkt, an dem sich drei Viertel der dort am 30. Juni 2002 gemeldeten Einwohner mit Hauptwohnsitz umgesiedelt hatten, aufgelöst worden. Dieses Kriterium war am 29. Februar 2004 erreicht, sodass das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Teil der Gemeinde Schönefeld und Rechtsnachfolger der aufgelösten Gemeinde die Stadt Königs Wusterhausen wurde.[5]

Archäologische Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Verlegung des Ortes wurden umfangreiche archäologische Ausgrabungsarbeiten durchgeführt. Wie jedes Großbauprojekt musste auch die Flughafengesellschaft mit dem Bau des BER die Auflage nach dem Landesdenkmalschutzgesetz befolgen. Diese schrieb vor, die Dokumentation der von Zerstörung betroffenen Bodendenkmale auf dem Baugebiet zu finanzieren. Unter Leitung des BLDAM wurde hier das größte Ausgrabungsvorhaben der Region betreut. Insbesondere die Umsiedlung der Ortslage Diepensee ermöglichte eine zweijährige archäologische Erforschung der 14 Hektar großen Fläche. Dabei kam das mittelalterliche Dypensey, dessen Geschichte bislang weitgehend unbekannt war, sehr gut erhalten zu Tage. Die Rekonstruktion ergab ein komplettes Angerdorf des 13. und 14. Jahrhunderts mit einer Dorfbefestigung und zwei – den Anger mit dem Tiefen See umschließenden – Straßen. Besonders überraschend waren zahlreiche Hauskeller aus Feldsteinen und der Grundriss einer kleinen Dorfkirche,

Im Sommer 2005 wurde überraschend auch der Friedhof des mittelalterlichen Diepensee entdeckt und vollständig ausgegraben. Mit mindestens 485 Individuen lag erstmals eine komplette Skelettserie aus der Zeit vom frühen 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts im Land Brandenburg vor. Die Skelette wurden von der Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die meisten der Bestatteten starben im Alter von 40–59 (23 %), gefolgt von Kleinkindern bis zu 7 Jahren (21 %), was für eine gewachsene, vorindustrielle Bevölkerung charakteristisch ist. Frauen starben gehäuft als Jungerwachsene, Männer häufig im fortgeschrittenen Alter. Auffällig war ein hohe Anteil Jugendlicher, was auf Pest oder eine andere Infektionserkrankung in Diepensee hinweisen könnte. Die Kindersterblichkeit war für mittelalterliche Verhältnisse mit 33 % mäßig hoch. Die Lebenserwartung von knapp 30 Jahren war eher hoch. Im mittelalterlichen Diepensee war die Belastung mit Zahnkaries vergleichsweise gering. Das verweist darauf, dass die mittelalterlichen Diepenseeer eine Mischkost aus Getreide- und Milchprodukten mit mäßigem Fleischanteil zu sich nahmen. Anzeichen für Mangelernährung und körperliche Belastung waren selten. Kinder im Alter von drei bis sechs wiesen jedoch Zeichen für Blutarmut (Cribra orbitalia) und Wachstumsstörungen (Schmelzhypoplasien und Harris-Linien) auf. Kinder dieser Altersspanne unterlagen also Fehlernährung und Infektionsrisiken, überlebten diese Phase jedoch recht gut. Die Gelenke und Wirbel zeigten eine für die harte Arbeit im bäuerlichen Lebensumfeld typische Belastung durch degenerative Veränderungen. Die Beine der Männer waren stärker belastet als die der Frauen, was auf eine Arbeitsteilung hindeutete. Insgesamt zeichnete sich ein Bild von Diepensee als ein Dorf der mittelalterlichen Mark Brandenburg mit günstigen Lebensumständen für die Bewohner.[6][7][8][9][10][11][12][13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Haase, Michael Pilz (Hrsg.): Diepensee: Ein Dorf siedelt um. be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2003, ISBN 3-937233-03-2.
  • Sabine Eickhoff: Zwischenlandung im Mittelalter: Archäologie für den Hauptstadtflughafen BBI. Die Ausgrabungen in Diepensee – Ausstellung der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH und des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums in der Airportworld BBI in Berlin-Schönefeld vom 23. März bis 30. Juni 2006. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf 2006, ISBN 3-910011-41-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Diepensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bildung des Amtes Schönefeld. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 23. Juni 1992. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg. 3. Jahrgang, Nr. 47, 10. Juli 1992, S. 894.
  2. Sechstes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße (6. GemGebRefGBbg). In: Der Präsident des Landtages Brandenburg (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg. Teil I – Gesetze. Nr. 5. Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft, Potsdam 24. März 2003, S. 93 (brandenburg.de [abgerufen am 13. Juni 2017]).
  3. Jürgen Schwenkenbecher: Umsiedlungsvertrag garantiert weitreichende Rechte: Umzügler aus Diepensee sollen auf nichts verzichten müssen. In: Berliner Zeitung. 23. Juni 1999, ISSN 0947-174X (berliner-zeitung.de [abgerufen am 13. Juni 2017]).
  4. Jürgen Schwenkenbecher: Am nächsten Sonntag hört die Gemeinde offiziell auf zu existieren: Im April zieht auch der Friedhof aus Diepensee weg. In: Berliner Zeitung. 24. Februar 2004 (berliner-zeitung.de [abgerufen am 13. Juni 2017]).
  5. Gesetz über die Auflösung der Gemeinde Diepensee vom 24. März 2003. In: Der Präsident des Landtages Brandenburg (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg. Teil I – Gesetze. 14. Jahrgang, Nr. 5. Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft, Potsdam 27. März 2003 (brandenburg.de [abgerufen am 13. Juni 2017]).
  6. Projekt Diepensee. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  7. Bettina Jungklaus: Nicht schlecht gelebt: anthropologische Ergebnisse vom Friedhof des mittelalterlichen Diepensee, Lkr. Dahme-Spreewald. In: Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum und dem Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2006, ISSN 0948-311X, S. 102–105.
  8. Bettina Jungklaus: Sit tibi terra levis - "Die Erde möge Dir leicht sein". Sonderbestattungen auf dem Friedhof des mittelalterlichen Diepensee, Lkr. Dahme-Spreewald. In: Felix Biermann (Hrsg.): "Die Dinge beobachten..." Archäologische und historische Forschungen zur frühen Geschichte Mittel- und Nordeuropas. Festschrift für Günter Mangelsdorf zum 60. Geburtstag. Rahden 2008, ISBN 978-3-89646-462-0, S. 379–387.
  9. Bettina Jungklaus: Palaeodemographical and palaeopathological aspects of the comprehensively documented late medieval village population at Diepensee (Brandenburg). In: Gisela Grupe (Hrsg.): Limping together through the ages: joint afflictions and bone infections. Rahden 2008, ISBN 978-3-89646-621-1, S. 81–118.
  10. Bettina Jungklaus: Ein kompletter Dorffriedhof aus dem späten Mittelalter: Diepensee – ein Glücksfall für die Anthropologie. In: Einsichten - Archäologische Beiträge für den Süden des Landes Brandenburg 2006/2007 - Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 2006/2007. Heft 18. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf 2008, ISBN 978-3-910011-50-2, S. 123–131.
  11. Blandine Wittkopp, Susanne Hanik, Bettina Jungklaus, Dirk Sudhaus: Diepensee – Wüstungsprozess unter der Lupe. In: Archäologie in Deutschland. Nr. 4. Konrad Theiss Verlag, 2011, ISSN 0176-8522, S. 30–33.
  12. Bettina Jungklaus: Harte Arbeit für die Bauern in Brandenburg – Degenerative Gelenkveränderungen in der spätmittelalterlichen Population von Diepensee (Lkr. Dahme-Spreewald). In: Beiträge zur Archäozoologie und Prähistorischen Anthropologie. VIII. Beier & Beran, Langenweißbach 2011, ISBN 978-3-941171-55-8, S. 147–154.
  13. Bettina Jungklaus: Von Arthrosen geplagt. Die Arbeitsbelastung der Bauern aus Diepensee, Lkr. Dahme-Spreewald. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2010, ISSN 0948-311X, S. 120–122.