Dieter Albrecht

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Dieter Albrecht (1996)

Dieter Albrecht (* 9. Mai 1927 in Pasing; † 8. Oktober 1999 in Regensburg) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Dieter Albrecht, Sohn eines Lehrers, wurde noch als Schüler im Zweiten Weltkrieg eingezogen und kurzzeitig amerikanischer Kriegsgefangener. Er studierte ab 1947 in München Geschichte und Germanistik und wurde dort 1951 bei Max Spindler mit einer Arbeit zur Grafschaft Andechs promoviert. Nach der Promotion war er zunächst bei der Kommission für bayerische Landesgeschichte tätig, wo er mehrere Bände des Historischen Atlasses von Bayern bearbeitete.

1954 kam er in den Genuss des bayerischen Staatsstipendiums für Nachwuchshistoriker und konnte sich zwei Jahre in Rom aufhalten. Er wurde Mitarbeiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für die Edition der Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. 1958 habilitierte er sich wiederum bei Spindler mit einer Arbeit über die Außenpolitik des Kurfürsten Maximilian.

Nach Tätigkeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Bamberg (ab 1963) wurde er 1964 als Nachfolger von Leo Just an die Universität Mainz berufen. Bereits 1967 nahm er einen Ruf an die Universität Regensburg auf eine Professur für Neuere Geschichte an, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. Zu seinen Schülern gehören Alois Schmid, Hans-Michael Körner, Maximilian Lanzinner, Friedrich Hartmannsgruber, Franz J. Bauer und Bernhard Löffler.

Seine dortigen Arbeitsgebiete deckten zum einen die Frühe Neuzeit ab, insbesondere die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und die Person des Kurfürsten Maximilian von Bayern. Albrechts Biographie Maximilians von Bayern wurde in der Fachwelt durchgängig positiv rezipiert und sogar als „meisterhaft“ apostrophiert.[1] Zum anderen widmete sich Albrecht nicht zuletzt editorisch Themen der neuesten Geschichte bzw. der Zeitgeschichte. Zu seinen Arbeiten auf diesen Gebieten zählen vor allem die Edition des Notenwechsels zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl zwischen 1933 und 1945, des Briefwechsels von Edmund Jörg und der Fraktionssitzungsprotokolle der Bayerischen Zentrumspartei.

Daneben arbeitete er zur Geschichte der Stadt Regensburg und steuerte unter der Herausgeberschaft Max Spindlers wesentliche Beiträge zum Handbuch der Bayerischen Geschichte bei.

Er war seit 1962 außerordentliches, seit 1966 ordentliches Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, deren Sekretär er von 1987 bis 1997 war. Seit 1968 leitete er die Abteilung „Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“, seit 1991 auch die Abteilung „Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1954“, zudem kommissarisch 1987–1989 die Abteilung „Deutsche Reichtstagsakten, Jüngere Reihe“. Albrecht gehörte ferner der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 1980), der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte in Bonn und der Kommission für Zeitgeschichte an.

Albrecht war Schwiegersohn des Architekten und Diplomaten Dieter Sattler. Er lebte mit seiner Frau und seinen vier Söhnen in Regensburg.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Editionen[Bearbeiten]

  • Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Neue Folge: Die Politik Maximilians I. von Bayern und seiner Verbündeten 1618–1648. Herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. II. Teil Band 5: Juli 1629 bis Dezember 1630, München/Wien: Oldenbourg 1964.
  • Joseph Edmund Jörg: Briefwechsel 1846–1901 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte Reihe A Band 41), Mainz: Grünewald 1988.
  • Die Protokolle der Landtagsfraktion der Bayerischen Zentrumspartei 1893–1914:
    • Band 1: 1893–1899 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte Band 91), München: C. H. Beck 1989;
    • Band 2: 1899–1904 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte Band 92), München: C. H. Beck 1989;
    • Band 3: 1905–1907 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte Band 93), München: C. H. Beck 1991;
    • Band 4: 1907–1911 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte Band 94), München: C. H. Beck 1992;
    • Band 5: 1912–1914 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte Band 103), München: C. H. Beck 1993.
  • Der Notenwechsel zwischen dem Heiligen Stuhl und der deutschen Reichsregierung 1933–1945:
    • Band I: Von der Ratifizierung des Reichskonkordats bis zur Enzyklika »Mit brennender Sorge« (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte Reihe A Band 1), Mainz: Grünewald (2. Aufl.) 1974;
    • Band II: 1937–1945 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte Reihe A Band 10), Mainz: Grünewald 1969;
    • Band III: Der Notenwechsel und die Demarchen des Nuntius Orsenigo 1933–1945 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeigeschichte Reihe A Band 29), Mainz: Grünewald 1980.

Monographien (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern 1618–1635 (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Band 6), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1962.
  • Regensburg im Wandel. Studien zur Geschichte der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert (Studien und Quellen zur Geschichte Regensburgs Band 2), Regensburg: Mittelbayerische Druckerei- und Verlagsgesellschaft 1984.
  • Maximilian I. von Bayern 1573–1651, München: Oldenbourg 1998.

Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Zur Finanzierung des Dreißigjährigen Krieges. Die Subsidien der Kurie für Kaiser und Liga 1618–1635, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 19 (1956), S. 534–567.
  • Döllinger,die bayerische Regierung und das erste Vatikanische Konzil, in: Konrad Repgen/Stephan Skalweit: Spiegel der Geschichte. Festgabe für Max Braubach, Münster/Westfalen: Aschendorff 1964, S. 795–815.
  • Der Regensburger Kurfürstentag 1630 und die Entlassung Wallensteins, in: Dieter Albrecht (Hg.): Regensburg – Stadt der Reichstage (Schriftenreihe der Universität Regensburg Band 3), Regensburg: Mittelbayerische Druckerei- und Verlagsgesellschaft 1980, S. 51–71.
  • Die Kriegs- und Friedensziele der deutschen Reichsstände, in: Konrad Repgen (Hg.): Krieg und Politik 1618–1648. Europäische Probleme und Perspektiven (Schriftenreihe des Historischen Kollegs/Kolloquien Band 8), München: Oldenbourg 1988, S. 241–273.
  • Die Sozialstruktur der bayerischen Abgeordnetenkammer 1869–1918, in: Karl-Dietrich Bracher u. a. (Hg.): Staat und Parteien. Festschrift für Rudolf Morsey zum 65. Geburtstag, Berlin: Duncker & Humblot 1992, S. 427–452.
  • König Ludwig II. von Bayern und Bismarck, in: Historische Zeitschrift 270 (2000), S. 39–64.

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried Becker/Werner Chrobak (Hg.): Staat, Kultur, Politik. Beiträge zur Geschichte Bayerns und des Katholizismus. Festschrift zum 65. Geburtstag von Dieter Albrecht, Kallmünz/Opf.: Laßleben 1992.
  • Andreas Kraus: Dieter Albrecht (1927–1999) [Nachruf]. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte (ZBLG). Bd. 62, 1999, S. 857–861.
  • Konrad Repgen: In Memoriam Dieter Albrecht (1927–1999). In: Historisches Jahrbuch. Bd. 121, 2001, S. 581–592.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So Thomas Ott in Rezension zum D. Heil: Die Reichspolitik Bayerns unter der Regierung Herzog Albrechts V. (1550–1579)