Dieter B. Kapp

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Dieter B. Kapp (* 15. Februar 1941 in Heidelberg) ist ein pensionierter deutscher Indologe, Sprachwissenschaftler und Universitätsprofessor der Universität zu Köln. Kapp ist bekannt mit Arbeiten über die Stammesgesellschaften Südindiens und als Übersetzer literarischer Texte aus dem Hindi und dem Tamil.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapp machte 1960 das Abitur am humanistischen Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg in Heidelberg. 1960 bis 1971 studierte er Klassische Philologie, Indogermanistik (besonders vedisches Sanskrit, mykenisches Griechisch und Hethitisch), Ägyptologie, Altorientalistik (Sumerisch und Akkadisch), Islamwissenschaft (Arabisch und Neupersisch), Indologie (vedisches und klassisches Sanskrit, Pali und Prakrit), moderne Sprachen und Literaturen Indiens (Hindi, Urdu und Tamil) an der Universität Heidelberg. 1964 bis 1971 war Kapp als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Heidelberg tätig. 1971 wurde er zum Dr. phil. (Indologie, Islamwissenschaft und Moderne Sprachen und Literaturen Indiens) an der Universität Heidelberg promoviert und 1980 nach einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Angestellter (1971 bis 1972) sowie als wissenschaftlicher Assistent (1972 bis 1974 und 1976 bis 1982) an der Universität Heidelberg habilitiert. 1983 bis 1988 erhielt Kapp ein Heisenberg-Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1985 bis 1986 hatte er eine Gastprofessur (Fach Ethnologie) an der Universität München inne. 1987 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Heidelberg ernannt und erhielt 1989 eine Gastprofessur (Fach Ethnologie) an der Freien Universität Berlin. 1990 bis 2006 war Kapp Universitätsprofessor und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Indologie und Tamilistik an der Universität zu Köln.

1993 organisierte und leitete er „The First International Conference-Seminar on Dravidian Studies“, Stuttgart. 1999 und 2015 bis 2016 nahm er Kurzzeitdozenturen (Fach Ethnologie) an der Pondicherry University, Pondicherry (Indien), sowie an der Periyar Maniammai University, Thanjavur (Indien), wahr, jeweils gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst.[1]

Dieter B. Kapp ist ein Bruder des Dermatologen Alexander Kapp.

Wissenschaftlicher Beitrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte in der Lehre Kapps sind Klassische und moderne Sprachen sowie Literaturen Indiens (Sanskrit, Pali und Prakrit; Hindi und Tamil), Hinduismus (bes. Mythologie und Volkskulte). Dabei widmet er sich der Erforschung und Dokumentation schriftloser (drawidischer und Munda-)Sprachen sowie Kulturen südindischer (Tamilnadu) und ostindischer (Orissa) Berg- und Waldstämme. Er arbeitet fachübergreifend auf den Gebieten der Philologie, der Allgemeinen und Historischen Sprachwissenschaft, der Ethnologie/Folkloristik und der Archäologie. Im Vordergrund stehen dabei Dokumentationen vom Aussterben bedrohter Stammessprachen und -kulturen in verschiedenen Regionen Indiens auf der Grundlage intensiver Feldforschungen. Kapp widmete besonderes Einfühlungsvermögen in die Kulturen, speziell von Randgruppen der indischen Gesellschaft. Seine verdienstvolle Bereitschaft, diese nicht nur in wissenschaftlichen Medien, sondern auch in Vorträgen einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, zeichnet sein Wirken aus.[2]

Kapp unternahm Studienreiseleitungen nach Nord-, Zentral- und Südindien (1987, 1988 bis 1989 und 1989 bis 1990), hielt sich zu Forschungsaufenthalten in Indien auf (Tamilnadu, Pondicherry, Karnataka, Orissa), 1974 bis 1976 (Deutsche Forschungsgemeinschaft), 1981 bis 1982 (Government of India und Deutsche Forschungsgemeinschaft), 1990 (Government of India und Deutscher Akademischer Austauschdienst), 1994 bis 1995 (Volkswagen-Stiftung), 1998 bis 1999 (Fritz Thyssen Stiftung), 1999 (Government of India und Deutscher Akademischer Austauschdienst), 2000, 2001 und 2002 (privat), 2003 bis 2004 (Fritz Thyssen Stiftung), 2014 (Fritz Thyssen Stiftung), 2017 (privat).

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapp erhielt 2006 die Gottfried Wilhelm Leibniz Medaille in Silber durch die Leibniz-Sozietät.[3] 2009 erhielt er den Rabindranath Tagore-Kulturpreis von der Deutsch-Indischen Gesellschaft zusammen mit Peter Pannke.[4]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972 Das Verbum paraba in seiner Funktion als Simplex und Explikativum in Jāyasīs Padumāvatī. (Schriftenreihe des Südasien-Instituts der Universität Heidelberg; 13.) Wiesbaden: Harrassowitz. 273 p.
  • 1977 Ein Menschenschöpfungsmythos der Mundas und seine Parallelen (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes; 43/2.) Wiesbaden: Steiner. X, 67 p.
  • 1982 Ālu-Kuṟumbaru Nāyaⁿ. Die Sprache der Ālu-Kuṟumbas. Grammatik, Texte, Wörterbuch. (Neuindische Studien; 7.) Wiesbaden: Harrassowitz. XXXIII, 442 p., 1 Karte.
  • 2006 Ālu-Kuṟumba-Texte. Band I: Mythen. Gesammelt, übersetzt und herausgegeben. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen; 16.) Wiesbaden: Harrassowitz. VIII, 214 p.
  • 2010 Tamil-Rätsel aus mündlicher Überlieferung. Gesammelt, übersetzt und herausgegeben. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen; 20.) Wiesbaden: Harrassowitz. 269 p.
  • 2014 Ālu-Kuṟumba-Texte. Band II. Gesammelt, übersetzt und herausgegeben. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen; 16,2.) Wiesbaden: Harrassowitz. IV, 308 p.
  • 2015 Ālu-Kuṟumba-Texte. Band III. Gesammelt, übersetzt und herausgegeben. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen; 16,3.) Wiesbaden: Harrassowitz. IV, 193 p.

Übersetzungswerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 Putuvai Cantirahari: Kuṟiñcip puṉṉakai – Das Strobilanthes-Lächeln. Tamil – Deutsch. Übersetzt und herausgegeben. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 1.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 184 p.
  • 2006a Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben. Aachen: Shaker Verlag, 2006. IV, 313 p.
  • 2006b Laghukathā-Saṁgrah – Eine Anthologie von Kürzestgeschichten. Hindi – Deutsch. Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 2.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 297 p.
  • 2007 Kaṇṇatācaṉ: Kuṭṭik kataikaḷ – Kleine Geschichten. Tamil – Deutsch. Übersetzt und herausgegeben. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 3.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 128 p.
  • 2008 Bambhadattavuttaṁtaṁ – Die Lebensgeschichte von Bambhadatta. Jaina-Māhārāṣṭrī – Deutsch. Übersetzt und herausgegeben. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 4.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 66 p.
  • 2009 Der Ursprung des Regenbogens. Stammesmythen aus Südindien. Gesammelt, [aus dem Ālu-Kuṟumba] übersetzt und herausgegeben. Heidelberg: Draupadi Verlag. 118 p.
  • 2014 (zusammen mit Albert Prümm:) Snehmayī Caudhrī – Gedichte. Eine Anthologie. Hindi – Deutsch. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 5.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 506 p.
  • 2015 (zusammen mit Albert Prümm:) Aśok Vājpeyī: Agar itne se – Gedichte. Hindi – Deutsch. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 6.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 153 p.
  • 2016 (zusammen mit Albert Prümm:) Madan Ḍāgā: Yah kaisā mazāq hai – Gedichte. Hindi – Deutsch. (Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben; 7.) Aachen: Shaker Verlag. IV, 237 p.
  • 2017 Chudamani Raghavan: Der Nagalinga-Baum. Erzählungen. Aus dem Tamil übersetzt. Heidelberg: Draupadi Verlag. 163 p.

Artikel in Fachzeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981 (zusammen mit Hermann Berger und Ayyadurai Dhamotharan:) Aruṇantis Śivajñānasiddhiyār. Die Erlangung des Wissens um Śiva oder um die Erlösung. Unter Beifügung einer Einleitung und Meykaṇṭadevas Śivajñānabodha aus dem Tamil übersetzt und kommentiert von Hilko Wiardo Schomerus. (Beiträge zur Südasien- Forschung; 49a und 49b.) XVI, 745 p. ISBN 3-89913-087-1 ISBN 3-89913-087-1.
  • 1996 Nānāvidhaikatā. Festschrift für Hermann Berger, dargebracht von ehemaligen Schülern und Kollegen. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen; 4.) Wiesbaden: Harrassowitz. XXVIII, 342 p. ISBN 3-447-03916-7.
  • 1996–2016 Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen. Band 1–25. Wiesbaden: Harrassowitz. ISBN 978-3-447-06479-8 (pdf)
  • 2011 Klaus Mylius: Aufsätze und Rezensionen zur Indologie. (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen;22.) Wiesbaden: Harrassowitz. XXIV, 868 p.
  • 2005ff. Literatur aus Südasien. Zweisprachige Textausgaben. Aachen: Shaker Verlag. ISBN 978-3-8440-4943-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter B. Kapp und Peter Pannke erhalten den Rabindranath Tagore-Kulturpreis 2009. mehriran.de, 9. November 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. a.D. Dr. Dieter B. Kapp Curriculum Vitae
  2. Dieter B. Kapp und Peter Pannke erhalten den Rabindranath Tagore-Kulturpreis 2009 mehriran.de 9. 11. 2009
  3. Mitteilungen der Leibniz-Sozietät- begründet im Jahre 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften - Nr. 31 vom 20. Mai 2006
  4. Der Rabindranath Tagore-Kulturpreis pdf