Dieter Bednarz

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Dieter Bednarz (* 3. September 1956 in Bochum) ist ein deutscher Journalist, Buchautor, Dozent und Vortragsreisender. Bednarz war von 1981 bis 2017 politischer Redakteur beim Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Er fand internationale Beachtung durch seine exklusiven Gespräche mit Staats- und Regierungschefs aus dem Nahen und Mittleren Osten. Bednarz lehrt zudem an der TU Hamburg-Harburg und an der privaten Medien-Hochschule University of Applied Sciences Europe (UE), Campus Hamburg-Altona, ehemals Business and Information Technology School (BITS).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bednarz, geboren in Bochum-Langendreer und aufgewachsen in Essen, volontierte nach dem Abitur bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), für die er anschließend in der Lokalredaktion Witten als Redakteur arbeitete. 1979 ging er mit der Berliner Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum zivilen Ersatzdienst nach Israel. Aus Jerusalem berichtete er zudem als akkreditierter Israel-Korrespondent für die WAZ und verfasste gemeinsam mit seinem Mit-Freiwilligen, dem heutigen Islamwissenschaftler Michael Lüders seine beiden ersten Bücher, die im Frühjahr 1981 nahezu zeitgleich mit seiner Rückkehr nach Deutschland herauskamen: Palästina Protokolle – Bestandsaufnahme und Perspektive (Vorwort: Udo Steinbach) sowie Blick zurück ohne Hass – Juden aus Israel erinnern sich an Deutschland (Vorwort: Helmut Gollwitzer).

Seine Spiegel-Laufbahn begann Bednarz am 1. Oktober 1981 als politischer Redakteur im Düsseldorfer Landesbüro des Nachrichtenmagazins. 1984 wechselte er in die Hamburger Zentrale des Spiegel und schrieb im Ressort Deutschland über nahezu alle aktuellen Themen. Im Frühjahr 1991 berief ihn die Chefredaktion zum Nahost-Korrespondenten mit Wohnsitz in Kairo. Knapp drei Jahre später kehrte er vom Nil an die Elbe zurück und übernahm die Betreuung der Region von Hamburg aus. Zahlreiche Reisen führten ihn seither immer wieder in den Nahen und Mittleren Osten.

Internationale Beachtung fanden die Spiegel-Gespräche mit Staatschefs der Region, die Bednarz gemeinsam mit den jeweiligen Chefredakteuren Stefan Aust, Mathias Müller von Blumencron, Georg Mascolo und Klaus Brinkbäumer führte. Mit außergewöhnlicher Schärfe befragte Bednarz etwa den syrischen Herrscher Baschar al-Assad (2009 und 2013) oder den ägyptischen Staatschef Abd al-Fattah as-Sisi (2015). Als einziger westlicher Journalist sprach er jeweils ausführlich in Teheran sowohl mit Präsident Akbar Hāschemi Rafsandschāni (1996) wie auch mit dem Staatschef Mahmud Ahmadinedschad (2006 und 2009). "Kaum ein deutscher Journalist dürfte so viele Despoten interviewt haben wie er", schrieb Paul-Josef Raue im Mediendienst kress.de[1]. Bednarz interviewte aber auch den Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi und traf den Regimekritiker und Kleriker Mehdi Karroubi zum Gespräch, als jener schon unter Hausarrest stand und Kontaktverbot hatte.

Über den Journalismus hinaus bekannt wurde Bednarz ab 2009. Nachdem er auch über das Thema Familie und Erziehung geschrieben hatte, erschien in jenem Jahr bei der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) in München sein persönlich gefärbtes Sachbuch Überleben an der Wickelfront: Vom Elternglück in den besten Jahren, das die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte und als "ebenso unterhaltsamen wie gesellschaftspolitisch wichtigen Denkanstoß" empfahl. Die Berliner Produzentin Regina Ziegler verfilmte das Buch 2011 unter dem Titel Überleben an der Wickelfront für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF). Bei der Ausstrahlung im März 2012 im ZDF wurde der Film Tagessieger bei den Einschaltquoten. 2013 erschien die fiktive Fortsetzung der Familiengeschichte als Roman unter dem Titel Man darf sich doch mal irren – Unser Leben nach der Wickelfront bei dem Langen Müller Verlag und wurde gleichfalls von Ziegler-Film unter dem Titel Überleben an der Scheidungsfront verfilmt. Die Ausstrahlung im April 2015 wurde ebenfalls ein Quotenhit für das ZDF.

Eine gewisse Anlehnung an die eigene Biographie zeigt auch der Roman "Schwer erleuchtet", der im Sommer 2017 im Verlag Droemer Knaur erschienen ist und die Geschichte eines Hamburger Paares beschreibt, das durch den überraschenden Besuch eines buddhistischen Mönchs aus Sri Lanka auf den so genannten Pfad der Weisheit geführt wird. Fassungen fürs Kino und die Bühne sind in Arbeit.

Mit seinem jüngsten Werk "Zu jung für alt – Vom Aufbruch in die Freiheit nach dem Arbeitsleben" (Edition Körber, September 2018) kehrte Bednarz zum erzählenden Sachbuch zurück. In sehr persönlichen Gesprächen mit führenden deutschen Altersforschern und Experten für den demografischen Wandel beschreibt er die Herausforderungen, aber auch die Chancen, die mit dem Ende des Berufslebens und dem Beginn von Un-Ruhestand sowie Rente verbunden sind.

Als Dozent beschäftigt sich Bednarz in seinen Seminaren und Vorlesungen mit den politischen Umbrüchen im Nahen Osten sowie den Herausforderungen durch die Neuen Medien an den klassischen Journalismus. Als Vortragsreisender spricht er darüber hinaus zu den Themen Work-Life-Balance, Wandel, Demographie und Alter.

Bednarz ist seit 2002 mit der Juristin Esther Göttling verheiratet. Das Paar lebt mit drei Töchtern in Hamburg-Rotherbaum.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://kress.de/news/detail/beitrag/135587-spiegel-redakteur-dieter-bednarz-ueber-interviews-mit-despoten-ein-journalist-scheut-den-schlagabtausch-nicht.html
  2. http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=215718