Dieter Frielinghaus

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Dieter Frielinghaus (* 14. November 1928 in Braunschweig) ist ein deutscher evangelisch-reformierter Pastor.

Dieter Frielinghaus (2005)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frielinghaus studierte in Göttingen evangelische Theologie und wurde zum Pfarrer der Reformierten Kirche berufen. 1956 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. Frielinghaus wurde Mitglied von sozialistischen und kommunistischen Gruppen, engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und in der Friedensbewegung der Bundesrepublik. 1957 ging er auf Wunsch des gesamtdeutschen Bundes reformierter Gemeinden nach Dresden. Am 9. November 1957 wurde er ordiniert und Pfarrer der dortigen reformierten Gemeinde.[1] 1975 zog er nach Bergholz und war bis zu seiner Pensionierung 1993 dort Pfarrer. Von 1984 bis 1990 war er Vorsitzender des Moderamens der Reformierten Gemeinden in der DDR und vertrat diese in der berlin-brandenburgischen Kirchenleitung.

Frielinghaus zog aufgrund seiner Übersiedlung aus der Bundesrepublik, seiner politischen Positionierung und seines Berufes das Interesse des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf sich. Entsprechend gab es zwischen 1957 und 1959 sowie zwischen 1970 und 1976 Anwerbungsversuche, außerdem führte das MfS zeitweilig eine Akte über ihn.[2] Eine durch das Moderamen der reformierten Kirche 1995 veranlasste Untersuchung unter Auswertung dieser Akte bestätigte jedoch seine Aussage, dass er es stets abgelehnt hatte, Auskünfte zu erteilen.

Frielinghaus wurde 1991 als Präsident des Kuratoriums der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM) gewählt.[3] 1996 erhielt er den Menschenrechtspreis der GBM. Er gehörte 1995 zu den Gründungsmitgliedern eines Fördererkreises der Freien Deutschen Jugend (fdj).[4] Er publiziert in den Weißenseer Blättern,[5] der Zeitschrift Topos – Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie,[6] dem Icarus und der Jungen Welt. Er unterstützte u. a. das Komitee zur Verteidigung von Slobodan Milošević,[7] die palästinensischen Befreiungsbewegungen und forderte die Erhaltung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals.[8] Er ist Mitglied der DKP und lebt mit seiner Ehefrau Gisela in Brüssow.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ecclesia und vita. Eine Untersuchung zur Ekklesiologie des Andreas Hyperius. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag 1966 (Beiträge zur Geschichte und Lehre der Reformierten Kirche; Bd. 23) Druckfassung der Dissertation Göttingen, Theol. F., v. 4. Okt. 1956
  • Sie wissen, was sie tun: über Förderer und Bewunderer der sogenannten Jesusbewegung. (Ost-)Berlin: Union Verlag VOB 1973 (Fakten, Argumente)
  • Unfrieden in Deutschland. Teil 4., Kirche im Sündenfall: Als Pfarrer in Kapellendorf (Peter Franz)/ mit einem Nachwort von Dieter Frielinghaus. Hrsg.: Wolfgang Richter, GNN-Verlag Schkeuditz 1995, ISBN 3-929994-42-9
  • Wo bleibt das prophetische Nein der Kirchen zum globalen Wirtschaftskrieg? Vortrag auf der Tagung der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in Berlin am 8. November 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dieter Frielinghaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 50-jähriges Ordinationsjubiläum von Pfr. Dr. Frielinghaus (PDF; 132 kB), Gemeindebrief der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Dresden, 14 (2008), 1. Ausgabe, Februar/März 2008, S. 3f
  2. Gerhard Besier: Der SED-Staat und die Kirche 1969–1990. Die Vision vom „Dritten Weg“; Frankfurt a. Main: Propyläen 1995; ISBN 3-549-05454-8; S. 893
  3. Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde: Chronik der GBM e.V.: Das Jahr 1991; abgerufen am 10. Januar 2013.
  4. Freie Deutsche Jugend: Gründungsaufruf des Fördererkreises der Freien Deutschen Jugend; 29. Dezember 1995.
  5. Dieter Frielinghaus: Ein Theologe als Kommunist; Weißenseer Blätter, Heft 01/2001
  6. Vgl. das Inhaltsverzeichnis von Topos-Heft 31 „Mythologie“
  7. Internationales Komitee „Slobodan Milosevic“ – Nationale Souveränität & Soziale Gerechtigkeit: Das ICDSM ; Stand 26. Dezember 2012
  8. Danksagung; in: Ossietzky 15/2007