Dieter Grimm

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Dieter Grimm (2008)

Dieter Grimm (* 11. Mai 1937 in Kassel) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler. Von 1987 bis 1999 war Grimm Richter des Bundesverfassungsgerichts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur am Wilhelmsgymnasium Kassel im Jahr 1957 studierte Dieter Grimm Jura und Politikwissenschaft an den Universitäten Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau sowie an der Freien Universität Berlin, der Pariser Sorbonne und der Harvard-Universität. Als Student war er Stipendiat des Cusanuswerks, einer Stiftung der katholischen Bischöfe Deutschlands. 1965 erwarb er den Grad eines Master of Laws (LL.M.). 1967 legte er das 2. Juristische Staatsexamen ab. 1971 wurde er in Frankfurt am Main promoviert und 1979 habilitiert. Während dieser Zeit war Grimm beim Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main beschäftigt.

1979 nahm Grimm einen Ruf auf eine Professur für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld an, wo er bis 1987 lehrte und von 1984 bis 1990 auch als Direktor des dortigen Zentrums für interdisziplinäre Forschung tätig war. Seit 1999 war er ordentlicher Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und wurde 2005 emeritiert. Außerdem war er von Oktober 2001 bis März 2007 Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Seit 2002 gehört Grimm auch dem ZDF-Verwaltungsrat an. Als Richter gehörte Grimm dem Ersten Senat des Verfassungsgerichts an. Er machte wiederholt durch in der rechtswissenschaftlichen Literatur breit beachtete Sondervoten von sich reden, z. B. zur Entscheidung „Reiten im Walde“[1]. Sein Vorgänger war Konrad Hesse; sein Nachfolger war Wolfgang Hoffmann-Riem.

Mit seinem Aufsatz „Reformalisierung des Rechtsstaats als Demokratiepostulat?“ löste er 1980 eine Kontroverse aus.[2] Seine Darlegung über „Macht und Medien“ bei den Mainzer Tagen der Fernsehkritik 2006 im ZDF ist als wegweisend eingestuft worden.[3]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1999 wurde Grimm mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2008 verlieh ihm die University of Toronto[4], 2009 die Georg-August-Universität Göttingen die Ehrendoktorwürde[5]. Für 2015 wurde ihm die Lichtenberg-Medaille zugesprochen. Seit 2001 ist Grimm Mitglied der American Academy of Arts and Sciences[6][7]. 2004 wurde er durch den französischen Staatspräsidenten zum Commandeur de l'Ordre national du Mérite ernannt, seit 2005 ist er außerordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, vormals Preußischen Akademie der Wissenschaften..

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Solidarität als Rechtsprinzip: Die Rechts- und Staatslehre Léon Duguits in ihrer Zeit. Athenäum, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-7610-2511-4.
  • Recht und Staat der bürgerlichen Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-37858-9.
  • Deutsche Verfassungsgeschichte 1776–1866: Vom Beginn des modernen Verfassungsstaats bis zur Auflösung des Deutschen Bundes. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11271-6.
  • Die Zukunft der Verfassung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-28568-8.
  • mit Heinz Mohnhaupt: Verfassung. Zur Geschichte des Begriffs von der Antike bis zur Gegenwart. Zwei Studien. Duncker und Humblot, Berlin 1995; 2. Auflage 2002, ISBN 3-428-10952-X.
  • Die Verfassung und die Politik: Einsprüche in Störfällen. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48205-8.
  • Souveränität: Herkunft und Zukunft eines Schlüsselbegriffs. Berlin University Press, Berlin 2009, ISBN 978-3-940432-60-5.
  • Das öffentliche Recht vor der Frage nach seiner Identität. Mohr Siebeck, Tübingen 2012, ISBN 978-3-16-152254-3.
  • Die Zukunft der Verfassung II: Auswirkungen von Europäisierung und Globalisierung. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-29627-1.
  • Europa ja – aber welches? Zur Verfassung der europäischen Demokratie. C. H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-68869-0.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dieter Grimm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BVerfGE 80, 137
  2. Dieter Grimm: Reformalisierung des Rechtsstaats als Demokratiepostulat? In: Juristische Schulung. 1980, S. 704–709; dazu die Replik von: Friedhelm Hase, Karl-Heinz Ladeur, Helmut Ridder: Nochmals: Reformalisierung des Rechtsstaats als Demokratiepostulat? In: Juristische Schulung. 1981, S. 794–798, und die Stellungnahme von: Volker Neumann: Rechts- und verfassungstheoretische Positionen der staatsrechtlichen Linken. In: Der Staat. 1982, S. 551–575 (568 mit Fn. 68).
  3. ZDF Jahrbuch 2006 3./4. April
  4. http://grimm.rewi.hu-berlin.de/cv
  5. http://www.uni-goettingen.de/de/112354.html
  6. http://grimm.rewi.hu-berlin.de/cv
  7. Book of Members. Abgerufen am 26. Juli 2016 (englisch).