Dieter H. Jütting

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Dieter H. Jütting (* 4. Januar 1943 in Neu-Oderberg) ist ein pensionierter Professor für Sportkultur und Weiterbildung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jütting wuchs in Neermoor/Ostfriesland (1950 bis 1954) und in Münster/Westfalen (1954–1958) auf und besuchte dort die jeweiligen Volksschulen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Jungwerker bei der Deutschen Bundesbahn (1958–1960), arbeitete als Bahnhofsarbeiter (1960–1961), absolvierte eine Ausbildung für den mittleren, nichttechnischen Dienst (1961–1963) und arbeitete danach als Schalterbeamter auf dem Bahnhof Clarholz/Westfalen (1963–1964).

Jütting erwarb auf dem Zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife (Berufsaufbauschule Osnabrück 1964) und das Abitur (Overberg Kolleg Münster 1967). Im Wintersemester 1967/1968 begann er ein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in den Fächern Germanistik, Pädagogik, Soziologie, Niederländisch und Leibeserziehung, das er mit dem Erwerb des Staatsexamens für das Lehramt an Gymnasien 1972 abschloss.

Während seines Studiums wurde er von der Stiftung Mitbestimmung (heute Hans-Böckler-Stiftung) gefördert, war Sprecher der Münsteraner Stipendiaten und Mitglied im Auswahlausschuss der Stiftung.

Jütting war von 1973 bis 1979 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Allgemeine Pädagogik/Erwachsenenbildung (Wilhelm Niggemann) an der Gesamthochschule (heute Universität) Essen. 1975 promovierte er dort mit der Arbeit „Freizeit und Erwachsenensport“.

1979 wurde Jütting auf den Lehrstuhl Erwachsenenbildung am Institut für Jugendbildung und Erwachsenenbildung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main berufen.

Jütting wechselte 1983 auf den Lehrstuhl Erwachsenenpädagogik an der Gesamthochschule (heute Universität) Paderborn.

1990 wurde Jütting auf den Lehrstuhl Sportkultur und Weiterbildung am neugegründeten Institut für Sportkultur und Weiterbildung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster berufen und zum geschäftsführenden Direktor ernannt. Hier lehrte und forschte er bis zu seiner Pensionierung 2008.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt von Jüttings Lehr- und Forschungstätigkeit standen zunächst Fragen im Zusammenhang mit drei bildungspolitischen Innovationen der frühen 1970er Jahre, der Verabschiedung von Erwachsenen- und Weiterbildungsgesetzen, der Einrichtung von Lehrstühlen für Erwachsenenbildung und der Einrichtung des Diplomstudienganges Erziehungswissenschaft sowie den gesellschaftlichen und politischen Gründen für diese Innovationen. Diese Gründe können mit dem Stichwort „Bildungskatastrophe“, die Georg Picht 1964 diagnostizierte, und den politischen Programmformeln „Bildung für alle“, „Kultur für alle“ und „Sport für alle“ benannt werden.

Jütting entwickelte in diesem historischen Kontext die Arbeitsschwerpunkte Erwachsenenleben mit den Aspekten Freizeitverhalten und Lernen im Erwachsenenalter und Professionalisierung der Erwachsenenbildung/Weiterbildung.

Er setzte sich in einem Teil seiner frühen Arbeiten mit dem Begriff der Freizeitgesellschaft und dem Theorem der wachsenden Freizeit auseinander. In seiner Dissertation „Freizeit und Erwachsenensport“ und weiteren zahlreichen Beiträgen konnte er zeigen, dass das Erwachsenenleben von Zeitknappheit und von schichtenspezifischen Barrieren geprägt war und dies gerade auch für das Sporttreiben im Erwachsenenalter galt. Er engagierte sich in diesem Zusammenhang bei den Bildungswerken der Landessportbünde und als Breitensportwart des Deutschen Volleyballverbandes.

Die Einführung des Diplomstudienganges Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung Anfang der 1970er Jahre stieß auf eine Personalsituation in den Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die durch eine geringe Hauptberuflichkeit und eine große Nebentätigkeit geprägt war. Jütting konnte in einer Absolventenbefragung der ersten Generation von Diplompädagogen zeigen, dass diese sich erfolgreicher im Beschäftigungssystem platzieren konnten als in der öffentlichen Diskussion dargestellt. Mit weiteren theoretischen und empirischen Arbeiten begleitete er die Institutionalisierung des Diplomstudienganges und die Professionalisierung in den Einrichtungen und Verbänden der Erwachsenenbildung. Im Zusammenhang mit diesen und weiteren Arbeiten gründete er (zusammen mit Klaus Harney) die Reihe „Studien zur Erwachsenenbildung“ im Verlag Peter Lang. Ab 1990 entwickelte Jütting das Lehr- und Forschungsgebiet lokal-globale Sportkultur. Die Arbeitsschwerpunkte waren Vereine als Nonprofit-Organisationen, Aus- und Fortbildung für Sportorganisationen, Ehrenamtlichkeit als Engagementform, Sportsysteme in Europa und Laufbewegung in Deutschland. Die empirischen Arbeiten orientierten sich am Theoriekonzept „Dritter Sektor“. Aus dieser Perspektive wurden Vereine als sozialer Reichtum beschrieben. Entgegen der dominanten Auffassung in Theorie und Praxis, konnte Jütting keine „Krise des Ehrenamtes“ erkennen und dafür empirische Befunde liefern.

Jütting entwickelte das Weiterbildungsformat „Sommer-Universität Münster“ (SUM), das 1993 mit dem Titel „Bewegungskultur in der modernen Stadt“ startete. In diesem Zusammenhang gründete er den Volkslauf „Rund um das Schloss“ (1993–2000), den er 2001 in den Leonardo-Campus-Run überführte.

Jütting war Mitglied der European Association for Sociology of Sport (EASS) und von 2001 bis 2009 Herausgeber der Zeitschrift European Journal for Sport and Society (ejss). 2007 organisierte er in Münster die 4. EASS-Konferenz unter dem Titel „Local Sport in Europa“.

Im Jahr 2000 gründete Jütting im Hinblick auf die FIFA-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland das Akademische Fußballteam an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Dies war ein freiwilliger Zusammenschluss von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen, die in Forschung, Lehre und Weiterbildung die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu ihrem Gegenstand machten. In diesem Rahmen entstand eine Vielzahl von Dissertationen und Qualifizierungsarbeiten, von denen die Mehrzahl in der Reihe „Edition lokal-globale Sportkultur“ veröffentlicht wurde. Das Akademische Fußballteam veranstaltete wissenschaftliche Tagungen und über vier Jahre die öffentliche Vortragsreihe „Die lokal-globale Fußballkultur“, in deren Rahmen Wissenschaftler aus Deutschland und Europa sowie Fußballexperten und Fußballprominente aus den Verbänden, den Medien und der Politik vortrugen. Jütting wurde in diesem Kontext 2004 Mitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur und leitete mehrfach die Jury „Lernanstoß“ – der Fußball-Bildungspreis.

2008 organisierte das Institut für Sportkultur und Weiterbildung seine letzte öffentliche Veranstaltung unter dem Titel „Gesellschaftlicher Wandel und Sportentwicklung – Bilanz und Perspektiven“, auf der Kollegen und Mitarbeiter des Instituts referierten und Jütting seine Abschiedsvorlesung mit dem Titel „Bedeutung des Sports – das gesellschaftliche Phänomen“ hielt.

Wissenschaftliche Beratung und bürgerschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied im wissenschaftlichen Lenkungsausschuss Freizeitsport des Siedlungsverbandes Ruhr (heute Regionalverband Ruhr) (1976 bis 1978)
  • Mitglied im Pädagogischen Beirat des Bildungswerkes des Landessportbundes NRW (1976 bis 1996)
  • Vorsitzender der Kommission der Bildungswerke des Deutschen Sportbundes (1980 bis 1996)
  • Mitglied im Bundesausschuss Ausbildung des Deutschen Sportbundes (1980 bis 1996)
  • Mitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur (seit 2001)
  • Breiten- und Freizeitsportwart des Deutschen Volleyballverbandes (1981 bis 1989)
  • Gründer und Manager des Volkslaufes „Rund um das Schloss“ (1991 bis 2001)
  • Gründer und Manager des Volkslaufes „Leonardo Campus-Rund“ (2001 bis 2008)
  • Leiter der Forschungsgruppe „Akademisches-Fußball-Team“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität (2000 bis 2007)
  • Mitglied im Qualifizierungsausschuss des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (2004 bis 2008)
  • Vorsitzender der Kommission Vereinsentwicklung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen
  • Vorsitzender des Fördervereins Münsteraner Sportwissenschaft (seit 2008)
  • Vorsitzender der Kommission „Zukunftspreis des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen“ (2008 bis 2018)
  • Vorsitzender der Jury „Bernd Feldhaus-Engagementpreis“ (seit 2013)

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freizeit und Erwachsenensport. München, Basel 1976
  • Freie Zeit – zum Zeitkonzept und Zeithaushalt in der Industriegesellschaft. In: Sport und Freizeit. Hrsg.v. E. Franke. Reinbek b. Hamburg 1983, S. 27–41
  • Die Mitarbeiterfrage in der Erwachsenenbildung. Ein Literatur- und Forschungsbericht. In: Professionalisierung der Erwachsenenbildung. Hrsg. v. K. Harney/D.H. Jütting/B.Koring. Frankfurt am Main u. a. 1987. S. 1–58
  • Ansichten zu Sportvereinen in der Bundesrepublik Deutschland. In: Sport der Zukunft – Zukunft des Sports. Aachen 1996, S. 66–85
  • Geben und Nehmen: ehrenamtliches Engagement als sozialer Tausch. In: Dritter Sektor – Dritte Kraft. Versuch einer Standortbestimmung. Hrsg. v. R. Graf Strachwitz. Stuttgart 1998, S. 271–289
  • Sportvereinssysteme in Europa: nationale Strukturen – europäische Gemeinsamkeiten – vergleichende Bemerkungen. In: Sportvereine in Europa zwischen Staat und Markt. Hrsg. v. D. H. Jütting. Münster u. a. 1999, S. 35–59
  • (mit an N. Bentem) Sportvereine in Deutschland und in den Niederlanden. Münster u. a. 1999
  • Olympischer Sport und kulturelle Hegemonie. Zur globalen Expansion eines europäischen Kulturmusters. In: Spitzensport. Chancen und Probleme. Hrsg. v. H. Digel. Schorndorf 2000, S. 80–97
  • (mit van N. Bentem u. V. Oshege) Vereine als sozialer Reichtum. Münster u. a. 2003
  • Zivilgesellschaft und Fußball in Deutschland. In: Journal für politische Bildung. 3/2005, S. 20–27
  • Joggend auf den Spuren der Skulpturen. Zum Verhältnis von Politik, Kunst und Sport im öffentlichen Raum. In: Wer läuft denn da? Studien zur Laufbewegung. Hrsg. v. D. H. Jütting. Münster 2007, S. 9–28
  • (mit K. Harney) Massenhaftes Zuschauen, FIFA-WM und Projekt Klinsmann: Beobachtungen zur FIFA-Weltmeisterschaft 2006. In: Die Welt ist wieder heimgekehrt. Studien zur Evaluation der FIFA-WM 2006. Hrsg. v. D. H. Jütting. Münster 2007, S. 11–23
  • (Hrsg. mit B. Schulze u. U. Müller) Local Sport in Europe. Münster u. a. 2009
  • Bedeutung des Sports – das gesellschaftliche Phänomen. In: Gesellschaftlicher Wandel und Sportentwicklung. Bilanz und Perspektiven. Hrsg. v. B. Schulze/U. Marker. Münster u. a. 2011, S. 11–16
  • Stadt und Land. König und Zaunkönig. Zum Inklusions- und Prestigepotential des Fußballs. In: Sport – Geschichte – Pädagogik. Hildesheim 2015, S. 149–156
  • Sport für alle: Erlebte Geschichte. In: Sport für alle. Idee und Wirklichkeit. Hrsg. v. D. H. Jütting/M. Krüger. Münster 2017, S. 139–154

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]