Dietersdorf (Schwabach)

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Dietersdorf
Gemeinde Schwabach
Koordinaten: 49° 22′ 3″ N, 11° 0′ 1″ O
Höhe: 330–360 m ü. NHN
Einwohner: 613 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91126
Vorwahl: 0911
Dietersdorf, Blick auf die Pfarrkirche St. Georg mit dem Zwieselbachtal im Vordergrund
Dietersdorf, Blick auf die Pfarrkirche St. Georg mit dem Zwieselbachtal im Vordergrund

Dietersdorf ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Schwabach im Regierungsbezirk Mittelfranken.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dietersdorf, Blick aus westlicher Richtung mit dem Zwieselbachtal im Vordergrund

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrdorf liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Schwabach und elf Kilometer vom Zentrum von Nürnberg entfernt in einem Ur-Donautal. Der Zwieselbach, ein linker Nebenfluss der Rednitz, durchfließt den Ort. Im Norden liegt das Flurgebiet Weingarten, im Süden das Wirtsfeld, im Osten der Rotenberg, im Südosten der Heroldsberg, im Südwesten das St. Peterholz und im Westen der Holzgraben.[2]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landschaftsraum von Dietersdorf wird durch Sandsteinkeuper bestimmt. Die Keuperlandschaft weist eine klassische Schichtabfolge entlang des Zwieselbaches auf. Auf den tonigen Lehrbergschichten der Steigerwald-Formation lagern Blasensandstein und Coburger Sandstein der Hassberge-Formation. Die Talaue wird durch quartäre Talfüllungen bedeckt.[3]

Auf dem Sandsteinkeuper haben sich Braunerdeböden entwickelt. In der Talaue des Zwieselbaches dominieren hingegen grundwasserbeeinflusste Böden wie Gley. Kleinräumig tritt Pseudogley auf.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert wird der Ort als „Dietrichstorff“ erstmals urkundlich erwähnt.[5] Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname des Gründers Dietrich. Der Ort gehörte zur Hofmark Schwabach, die ursprünglich in Besitz des Klosters Ebrach war. 1281 wurde die Hofmark an Rudolf von Habsburg verkauft.[6] Die Burggrafschaft Nürnberg hatte im Ort Ansprüche, in dessen Nachfolge die Markgrafschaft Ansbach. In den markgräflichen Salbüchern von 1434 und 1530 wird für „Dietersdorff“ ein Gut verzeichnet, das jährlich ein Vogthuhn als Gefälle zu leisten hatte.[5] Das Kloster Ebrach verkaufte seine grundherrschaftlichen Ansprüche an Nürnberger Patrizier, so dass 1623 7 von 10 Anwesen nürnbergisch waren.[6] 1732 gab es laut den Oberamtsbeschreibungen von Johann Georg Vetter in Dietersdorf 14 Haushalte, von denen 7 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Kastenamt Schwabach: 6, Spital Schwabach: 1) unterstanden und 7 Anwesen nürnbergischen Hintersassen.[5] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Dietersdorf 16 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherrn: 8 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Kastenamt Schwabach: 7, Stadtrichteramt Schwabach: 1), 4 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Amt St. Klara und Pillenreuth: 1, Amt St. Katharina: 3), 3 Anwesen dem Nürnberger Eigenherrn von Fürer und 1 Anwesen einem Herrn Pflieger zu Hersbruck. Neben den Haushalten gab es noch die Pfarrkirche und kommunale Gebäude (Hirtenhaus, Schule).[7] 1799 gab es im Ort 14 Haushalte, von denen 7 dem Oberamt Schwabach unterstanden und 7 nürnbergischen Fremdherren.[8]

1806 kam Dietersdorf an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Dietersdorf gebildet. Zur Sektion I gehörten die Orte Dietersdorf, Holzheim und Mühlhof, zur Sektion II gehörten die Orte Oberbaimbach, Raubershof, Unterbaimbach und Wolkersdorf. 1818 wurde die Ruralgemeinde Dietersdorf gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war mit Ausnahme von Mühlhof, das der Ruralgemeinde Deutenbach zugewiesen wurde. Die Ruralgemeinde Dietersdorf unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1920 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 wurde Dietersdorf vom Bezirksamt Schwabach (1938 in Landkreis Schwabach umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Schwabach und kam ab 1880 zum Amtsgericht Schwabach.[9] Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 13,335 km².[10] Nach 1950 wurde Gemeindegebiet an die Stadt Nürnberg abgetreten, so dass sich die Fläche auf 12,213 km² verringerte.[11]

Am 14. Oktober 1959 wurde die Gemeinde nach Wolkersdorf umbenannt. Am 1. Juli 1972 wurde diese im Zuge der Gemeindegebietsreform aufgelöst: Dietersdorf, Oberbaimbach, Raubershof, Unterbaimbach und Wolkersdorf wurden nach Schwabach eingegliedert und Holzheim nach Nürnberg.[12]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alte Dietersdorfer Str. 2: Pfarrhaus
  • Alte Dietersdorfer Str. 12: Bauernhaus
  • Kirchenberg 5: Evang.-luth. Pfarrkirche St. Georg

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Dietersdorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 499 561 675 667 736 644 647 658 703 678 650 662 642 680 785 837 957 1174 1400 2182 2205 2280 2677 3546
Häuser[13] 88 95 112 109 130 154 328 539
Quelle [14] [15] [16] [16] [17] [16] [18] [16] [16] [19] [16] [16] [20] [16] [16] [16] [21] [16] [16] [16] [10] [16] [11] [22]

Ort Dietersdorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 139 169 206 171 183 174 229 496 560 688 613
Häuser[13] 24 20 32 34 37 53 110 184
Quelle [14] [15] [17] [18] [19] [20] [21] [10] [11] [22] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 13. Jahrhundert gab es die St. Peterskapelle, die auf einem Bergrücken zwischen Dietersdorf und Oberbaimbach errichtet wurde. Daran erinnert heute noch die Flurnamen St. Peterholz, Kapellenacker und Petersacker. 1616 wird berichtet, dass die Kapelle bereits abgebrochen war. Im Tal wurde im 15. Jahrhundert die St. Michaelskirche errichtet,[6] die 1914 abbrannte und durch die St. Georgskirche ersetzt wurde. Diese Kirche ist die einzige Jugendstilkirche in der Region.

Bis 1836 war Dietersdorf eine Filiale der Stadtkirche St. Johannes und St. Martin (Schwabach). Der erste selbstständige Pfarrer bezog 1849 die Pfarrei Dietersdorf. Zu der evangelisch-lutherischen Pfarrei gehören die Ortschaften Ober- und Unterbaimbach, Holzheim und Nemsdorf sowie ein Teil von Wolkersdorf. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Hedwig (Dietersdorf) gepfarrt.[23]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dietersdorf verfügt über eine größere Anzahl von Gewerbetreibenden. Neben der alteingesessenen Schreinerei und einem Metallverarbeitungsbetrieb bzw. einer Schmiede findet man eine Schnapsbrennerei, eine Zimmerei, einen Blumenladen und eine Metzgerei sowie ein Geschenkelädchen und eine Elektrofirma.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisstraße RH 11/SC 1 führt nach Nemsdorf bzw. nach Wolkersdorf zur Bundesstraße 2. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Krottenbach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dietersdorf (Schwabach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 324 (Digitalisat).
  2. Dietersdorf im BayernAtlas
  3. UmweltAtlas Bayern: Digitale Geologische Karte 1:25.000. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. Mai 2018.
  4. UmweltAtlas Bayern: Übersichtsbodenkarte von Bayern 1:25.000 (ÜBK25). Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. Mai 2018.
  5. a b c F. Eigler, S. 243.
  6. a b c W. Ulsamer (Hrsg.), S. 649.
  7. F. Eigler, S. 386.
  8. J. K. Bundschuh, Bd. 1, Sp. 596.
  9. F. Eigler, S. 469.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1123 (Digitalisat).
  11. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 827–828 (Digitalisat).
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 568.
  13. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 18 (Digitalisat). Für die Gemeinde Dietersdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Baimbach (S. 7), Holzheim (S. 43), Raubershof (S. 74) und Wolkersdorf (S. 105).
  15. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 234 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 581 Einwohner.
  16. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 184, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  17. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1086, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  18. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1251, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1186 (Digitalisat).
  20. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1258 (Digitalisat).
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1295–1296 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  23. W. Ulsamer (Hrsg.), S. 650.