Dieulefit

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Dieulefit
Wappen von Dieulefit
Dieulefit (Frankreich)
Dieulefit
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Drôme
Arrondissement Nyons
Kanton Dieulefit (chef-lieu)
Gemeindeverband Dieulefit-Bourdeaux
Koordinaten 44° 31′ N, 5° 4′ OKoordinaten: 44° 31′ N, 5° 4′ O
Höhe 323–969 m
Fläche 27,42 km2
Einwohner 3.061 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 112 Einw./km2
Postleitzahl 26220
INSEE-Code
Website www.mairie-dieulefit.fr

Ortsmitte

Dieulefit ist eine französische Gemeinde im Süden des Départements Drôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Gemeinde mit 3061 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) ist Hauptort (Chef-lieu) des gleichnamigen Kantons Dieulefit und zählt zum Arrondissement Nyons.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieulefit liegt auf etwa 323 m Höhe im Tal des Flusses Jabron, welcher über den Roubion bei Montélimar in die Rhône entwässert. Aufgrund seines milden Klimas hat sich der Ort zu einem Luftkurort für die Behandlung von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt.

Die Nachbargemeinden sind im Westen Le Poët-Laval, im Norden Félines-sur-Rimandoule im Kanton Bourdeaux, östlich liegen Comps und Montjoux und südlich Roche-Saint-Secret-Béconne.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Hinweise, dass ursprünglich der keltische Stamm Voconces in diesem Gebiet sesshaft war. Später hinterließen hier die Römer ihre Spuren. Erste schriftliche Aufzeichnungen über die Existenz des Ortes stammen aus dem Mittelalter. Es gab in dieser Gegend schon früh eine protestantische Minderheit. Während der Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert konnten sich in Dieulefit viele Hugenotten vor Verfolgungen retten.

Während des Vichy-Regimes und der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg fanden mehr als 1500 Flüchtlinge in Dieulefit einen sicheren Zufluchtsort. Unter ihnen waren jüdische Kinder und Erwachsene, Aktivisten der Résistance, Künstler und Schriftsteller wie René Char, Pierre Jean Jouve, Louis Aragon, Elsa Triolet und der deutsche Maler Wols. Keine dieser Personen wurde von den Einheimischen verraten, niemand kam durch die Nationalsozialisten ums Leben. Die Gedenkstätte Yad Vashem hat neun der damaligen Helfer, darunter der Rathaussekretärin Jeanne Barnier, die tausend Ausweise gefälscht hat, den Titel Gerechte unter den Völkern verliehen.[1] Der Verein PMH (Patrimoine Memoire et Histoire du Pays de Dieulefit) bemüht sich um die Anerkennung Dieulefits als „Ort der Gerechten“.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhalb des Uhrturmes liegt die Altstadt (viale) mit ihren alten Gassen, der romanischen Kirche St. Pierre, Resten der Stadtbefestigung und vielen Renaissancehäusern. Im Stadtzentrum, der Rue du Bourg, laden zahlreiche Geschäfte, Boutiquen, Galerien und Restaurants zum Bummeln und Verweilen ein. Wöchentlich findet der provenzalische Markt mit Produkten der Region regen Zuspruch: Ziegenkäse (Picodon), Oliven und Olivenöl, Nougat, Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, Honig, Wein, Marmeladen, Liköre, Blumen, Lavendel und Textilien.

Dieulefit ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen, Rad- und Klettertouren. Sanfte Hügel, Lavendelfelder und Olivenbäume prägen eine Landschaft, die auch Heimat der Côtes du Rhône-Weine ist. Touristen finden Unterkunft in den Hotels, Ferienwohnungen, chambres d’hôte und auf Campingplätzen. Sehenswerte Ausflugsziele wie Montélimar, Orange, Avignon, Vaison-la-Romaine, der Mont Ventoux und die Ardèche sind in weniger als einer Stunde zu erreichen.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1974 unterhält Dieulefit eine Partnerschaft mit der Stadt Lich in Deutschland.[3] Zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Élysée-Verträge wurde in Lich eine Ausstellung über die Zivilcourage in der französischen Partnerstadt im Zweiten Weltkrieg gezeigt.[4]

Radiobeitrag/Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Delpal, Anna Tüne (Hrsg.): Rettungswiderstand in Dieulefit: Topographien der Menschlichkeit. AJZ, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-86039-030-6
  • Anna Tüne: Von der Wiederherstellung des Glücks. Eine deutsche Kindheit in Frankreich. Galiani, Berlin 2013, ISBN 978-3-86971-013-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dieulefit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tanja Stelzer: Flüchtlinge: Das geschenkte Leben. In: Die Zeit, 12. Februar 2015, S. 13–15.
  2. Patrimoine Mémoire Histoire du Pays de Dieulefit. Abgerufen am 2. September 2016 (französisch).
  3. Comité de jumelage Lich-Dieulefit. Website der Stadt Dieulefit, abgerufen am 2. September 2016 (französisch).
  4. Reverenz an stille Helden in der französischen Provinz. In Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2013, S. 54.