Digital Object Identifier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
DOI-Logo

Ein Digital Object Identifier (DOI; deutsch Digitaler Objektbezeichner) ist ein eindeutiger und dauerhafter digitaler Identifikator für physische, digitale oder abstrakte Objekte. Er wird vor allem für Online-Artikel von wissenschaftlichen Fachzeitschriften verwendet. Das DOI-System baut auf dem Handle-System auf[1][2][3] und ist vereinfacht ausgedrückt mit ISBN und ISSN vergleichbar, geht jedoch durch seine integrierte Lokalisierungsfunktion darüber hinaus.

Identifikation und Lokalisierung digitaler Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitale Objekte lassen sich im Internet über die Adresse, unter der sie abgelegt wurden, ansprechen. Eine Möglichkeit dazu stellt der Uniform Resource Locator (URL) dar, unter der Voraussetzung, dass die Adresse dauerhaft erhalten bleibt. Im Allgemeinen sind Adressen im Internet jedoch mehr oder weniger kurzlebig (siehe auch Error 404).

DOI schafft ein System, das ein Objekt selbst identifiziert – nicht den Ort oder die Ressource, unter der es (momentan) abgelegt ist. Um den Zugriff auf identifizierte Objekte zu ermöglichen, stellt die International DOI Foundation (IDF) als Betreiber des DOI-Systems ein System zur Verfügung, das dem DOI den (oder die) aktuellen Standort(e) des Dokuments zuordnet. Das heißt, es kann über den DOI jedem digitalen Objekt ein oder mehrere URLs zugeordnet werden. Wenn sich der Standort (also der URL) eines digitalen Objektes ändert (z. B. weil der Inhalte-Anbieter seinen Server umstrukturiert), so hat dies keinen Einfluss auf den DOI, es muss lediglich die Zuordnung in der DOI-Datenbank aktualisiert werden. Bei der Adressierung eines Dokuments über den DOI erfolgt eine Weiterleitung zu der URL, unter der das Objekt aktuell verfügbar ist, oder, wenn das Objekt an mehreren Orten abgelegt ist, zu einer Übersicht der zugehörigen URLs. Die DOI Foundation speichert laut eigener Privacy Information folgende Punkte: „Our logs collect and store only domain names or IP addresses, dates and times of visits, and the pages visited.“

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Struktur und der Aufbau des Digital Object Identifiers werden in der internationalen Norm ISO 26324:2012[4] beschrieben. DOI-Namen beginnen immer mit 10. und haben die Form 10.ORGANISATION/ID, wobei Organisationen (vor allem Verlage) jeweils eine eigene Nummer zugewiesen bekommen (beginnend bei 1000) und die ID selbst vergeben können. Verschiedene Organisationen setzen hier unterschiedliche Schemata ein: Manche benutzen die ISBN, mitunter werden Objekte schlichtweg durchnummeriert. Die Groß- oder Kleinschreibung von Buchstaben innerhalb von DOI-Namen ist irrelevant.

Als Uniform Resource Identifier werden DOIs die Schema-Kennzeichnung doi: vorangestellt, so dass sie die Form doi:10.ORGANISATION/ID haben.

In einer Publikation, die durch einen DOI identifiziert ist (z. B. doi:10.1371/journal.pbio.0020449), können weitere DOI wiederum Teile identifizieren; so ist im angegebenen Beispiel eine Abbildung zu finden mit doi:10.1371/journal.pbio.0020449.g001. Dies findet man besonders oft bei Artikeln in einem Journal oder Kapiteln in einem Buch. Man kann aber nicht allgemein davon ausgehen, dass man eine DOI an einem Punkt oder Schrägstrich kürzen kann, um zu einem derartigen „übergeordneten Objekt“ zu gelangen, da es hier kein festes Schema gibt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DOI 10.1000/182 identifiziert das Dokument 182 bei der Organisation 1000 (der DOI-Stiftung selbst). Es handelt sich hierbei um das DOI-Handbuch. Es kann im Internet gefunden werden, indem man entweder den DOI in die dafür vorgesehene Eingabemaske (DOI Resolver) der DOI-Stiftung einträgt oder indem man direkt den URL

https://dx.doi.org/10.1000/182

aufruft. Dazu entfernt man ein eventuell vorhandenes Präfix doi: und ersetzt es durch den URL des DOI-Servers https://dx.doi.org/. Die so gefundene Webseite ist aber typischerweise nicht das referenzierte Dokument selbst, sondern eine Seite über das entsprechende Dokument, mit der Möglichkeit, es herunterzuladen oder zu erwerben.

Auswahl registrierter Organisationen[5]
DOI-Präfix Besitzer
10.1016 Elsevier
10.1055 Thieme Verlagsgruppe
10.1038 Nature Publishing Group
10.1007 Springer-Verlag
10.1098 Royal Society
10.1111 John Wiley & Sons: Blackwell Publishing
10.1093 Oxford University Press
10.1002 John Wiley & Sons: Wiley-Blackwell
10.1021 American Chemical Society
10.1136 American Association for the Advancement of Science (AAAS)
10.1080 Informa UK (Taylor & Francis)
10.1128 American Society for Microbiology
10.1001 American Medical Association
10.1088 Institute of Physics
10.1073 National Academy of Sciences
10.3897 Pensoft Publishers (ZooKeys, PhytoKeys etc.)
10.1063 American Institute of Physics
10.1109 IEEE

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl mancherorts empfohlen wird, DOIs als volle URL anzugeben, ist genau genommen nur der Teil, der mit 10. beginnt, die DOI. Der Teil davor ist ein HTTP-Proxy, den man DOI-Resolver nennt. DOI-Resolver lösen eine DOI auf, d. h., sie leiten den Webbrowser oder einen anderen Web-Client auf eine andere Website um, indem sie eine HTTP-Antwort senden, die die Kopfzeile Location: gefolgt von einer Ziel-URL enthält. Die Ziel-URL wird typischerweise über das Handle-System des CNRI herausgefunden.

Als DOI-Resolver muss keineswegs immer der Resolver der IDF (http://dx.doi.org/ oder http://doi.org/) verwendet werden: So lässt sich auch der Handle-Resolver hdl.handle.net[6] nutzen, um DOIs aufzulösen – etwa bei Ausfällen des DOI-Resolvers der IDF. Daneben bieten einige DOI-Registrierungsagenturen eigene DOI-Resolver an, z.B. die mEDRA[7] und das PANGAEA Projekt.[8]

Der alternative DOI-Resolver doai.io versucht mittels der wissenschaftlichen Suchmaschine BASE eine frei verfügbare Version des referenzierten Dokuments zu finden, und leitet im Erfolgsfall zu dieser um.[9]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die meisten wissenschaftlichen Artikel seit dem Jahr 2000, teilweise aber auch bis zur Gründung der Zeitschriften zurückgehend, sind DOIs verfügbar. Der DOI eines Artikels kann bei dem dafür zuständigen Verlag ermittelt werden und findet sich meist auf der offiziellen Webseite des Verlages zu dem Artikel.

Manche Literaturverwaltungsprogramme können per Eingabe des DOI die Metadaten eines Artikels importieren. Wurde zu einem Artikel ein DOI angegeben, so kann die zugehörige Webseite oft direkt angezeigt werden.

Die Technische Informationsbibliothek nutzte 2005 als erste Institution DOIs für die Registrierung von Forschungsdatensätzen.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sam Sun, Larry Lannom, Brian Boesch: Handle System Overview. RFC 3650, November 2003.
  2. Sam Sun, Sean Reilly, Larry Lannom: Handle System Namespace and Service Definition. RFC 3651, November 2003.
  3. Sam Sun, Sean Reilly, Larry Lannom, Jason Petrone: Handle System Protocol (ver 2.1) Specification. RFC 3652, November 2003.
  4. ISO 26324:2012. Information and documentation -- Digital object identifier system. im ISO-Katalog
  5. The Topmost Cited DOIs on Wikipedia (Memento vom 25. Juni 2015 im Internet Archive), 10. April 2014
  6. hdl.handle.net
  7. doi.medra.org, multilingual European Registration Agency of DOI.
  8. doi.pangaea.de, Data Publisher for Earth & Environmental Science mit Sitz in Deutschland.
  9. doai.io, Digital Open Access Identifier, Frankreich.
  10. H. Neuroth, A. Oßwald, R. Scheffel, S. Strathmann, M. Jehn: nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung (Version 2.0), 2009: Kapitel 9.4.2 „Der Digital Object Identifier (DOI)“.