Digitale Revolution

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Der Begriff Digitale Revolution bezeichnet den durch Digitaltechnik und Computer ausgelösten Umbruch, der seit Ausgang des 20. Jahrhunderts einen Wandel nahezu aller Lebensbereiche bewirkt und der in eine Digitale Welt führt, ähnlich wie die industrielle Revolution 200 Jahre zuvor in die Industriegesellschaft führte. Deshalb ist auch von einer dritten industriellen Revolution die Rede oder in technischer Hinsicht von mikroelektronischer Revolution.

Die mit der Digitalen Revolution einhergehenden Veränderungen in Wirtschafts- und Arbeitswelt, in Öffentlichkeit und Privatleben vollziehen sich in großer Geschwindigkeit überall dort, wo die materiellen Voraussetzungen für Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten der fortschreitenden Digitalisierung bestehen. Neue Medien beeinflussen zunehmend Kommunikationsverhalten, Sozialisationsprozesse und Sprachkultur. Anwendungsbereiche und Entwicklungspotenziale von künstlicher Intelligenz gehören zu den Trends und offenen Zukunftsfragen der Digitalen Revolution.

Entwicklungsdynamik und Trends[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitgehend unstrittig ist heute die Verwendung des Revolutionsbegriffs für gravierende Kontinuitätsbrüche, die nicht nur Technik und Wirtschaft berühren, sondern alle Lebensbereiche umwälzen, wie das schon Friedrich Engels für die industrielle Revolution formulierte: eine „Revolution, die zugleich die ganze bürgerliche Gesellschaft umwandelte“.[1] Doch während die industrielle Revolution heute im Wesentlichen durch eine lange Periode außergewöhnlichen wirtschaftlichen Wachstums definiert wird,[2] gingen die Wachstumsraten in wichtigen OECD-Ländern und weltweit seit den 1970er Jahren und verstärkt seit 1995 zurück.[3]

Wenn man als Revolutionstreiber die weitreichenden informationsechnologischen Durchbrüche im Vorfeld und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ansieht, wie das Manuel Castells mit seinem Begriff des informationellen Kapitalismus und viele andere tun, stellt sich die Frage, warum sich diese Revolution ausgerechnet in einer Phase stagnierender und sinkender Wachstumsraten abgespielt haben soll bzw. noch abspielt. Darauf gibt es verschiedene Antworten: Zum einen kann die Digitale Revolution in der Produktionstechnik als Versuch verstanden werden, angesichts gesättigter Massenmärkte und hoher Rohstoff- und Energiekosten (Ölpreiskrisen 1973 und 1979/80) sowie sinkender Kapitalrenditen auch in Hochlohnländern flexibler, kundenorientierter, material- und energieeffizienter und damit arbeits- und kapitalsparend zu produzieren (v. a. durch Ersetzung von mechanischer und analoger Technik mittels digitaler Technik, durch Miniaturisierung und Integration von Bauteilen, durch einen steigenden Informations- und einen sinkenden Rohstoffanteil in den Produkten usw.) und gleichzeitig rascher auf neue Bedürfnisse zu reagieren. Das ist durchaus mit einer sinkenden Investitionsquote vereinbar: Weltweit sank diese bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt von etwa 23–25 % in den 1970er Jahren auf unter 20 % nach 2008,[4] was dennoch zu höheren Unternehmensprofiten führte.

Zum anderen werden viele Leistungen der digitalen Wirtschaft nicht vollständig in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgebildet, u. a. die Arbeit der Kunden, die bei der Leistungserstellung immer stärker kostenlos mitwirken (z. B. bei einer Flugbuchung, bei Umfragen oder bei der Konfiguration von Produkten). Hinzu kommen die sinkenden Distributionskosten für digitale Produkte über Netze, die tendenziell gegen Null gehen.[5] Alle diese Faktoren tragen zur Erhöhung der Unternehmensgewinne trotz relativ sinkender Wachstumsraten bei.[6] Auch der (Gratis-)Nutzen der von privaten Akteuren preisgegebenen Informationen und von ihnen erstellten Wissensbasen im Netz (z. B. der Nutzen Wikipedia) wird in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht abgebildet.

Drittens berührt die Digitale Revolution – anders als die industrielle Revolution mit ihren langfristigen Auswirkungen auf Städtebau, Hygiene, Arbeitsschutz usw. – die Gesundheit und Lebenserwartung der Menschen bisher kaum in direkter Form; sie ist auch mit einer stagnierenden oder schrumpfenden Bevölkerungsentwicklung und in deren Folge mit demographisch bedingten geringeren wirtschaftlichen Wachstumsraten vereinbar (z. B. mit einer langjährigen Dauerstagnation in Japan trotz fortschreitender Digitalisierung).

Schließlich werden durch die Substitutionskonkurrenz der digitalen Branchen traditionelle Branchenstrukturen und vor allem viele nur lokal operierende Unternehmen zerstört; deren Umsätze gehen schneller verloren als in den neuen Branchen Umsatz und vor allem Gewinn generiert wird. Wichtige Akteure dieser Entwicklung sind vor allem rasch expandiere Born Globals, die durch das Internet die Möglichkeit haben, ihre Aktivitäten und Marktanteile auch ohne internationale Niederlassungen global auszuweiten und so Investitionsrisiken, Mobilitäts- und Vertriebskosten zu senken.

All das entspricht durchaus dem Schumpeterschen Modell einer schöpferische Zerstörung, führt jedoch nicht mehr zwingend zu messbarem volkswirtschaftlichen Wachstum, sondern vor allem zu massiven Strukturverschiebungen, die in ihrer Reichweite vermutlich mit dem Übergang von der agrarischen zur industriellen Gesellschaft vergleichbar sind. Zugespitzt kann man sagen, dass die Digitale Revolution dazu führt, dass aufgrund einer zunehmenden Entmaterialisierung der Produktion und vor allem von Dienstleistungen Unternehmensgewinne auch ohne gesamtwirtschaftliches Wachstum steigen können. Sie wirkt also dem von Karl Marx angenommenen Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate entgegen und führt weiterhin dazu, dass die Lohnquote seit Mitte der 1980er Jahre sinkt, da durch Verbilligung der Investitionsgüter die Schwellen für die Ersetzung von Arbeitskraft durch digitale Technologie gesunken sind. Eine Aufteilungsquote von 70 % Lohneinkommen zu 30 % Kapitaleinkommen war viele Jahre lang bis in die 1970er Jahre konstant. John Maynard Keynes sprach in diesem Zusammenhang von einem „ökonomischen Wunder“. Diese Aufteilungsregel gilt heute nicht mehr: Derzeit (2015) beträgt die weltweite Lohnquote nur noch 58 %, was begleitet ist von einer Schwächung der Angebotsposition der Arbeitnehmer.[7] Ein Gesamtbild muss jedoch alle Sektoren der Gesellschaft in den Blick nehmen und fragen, wie deren Entwicklung mit der Digitalen Revolution verknüpft ist.

Eine angebotsgetriebene Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig von der Frage, wie sich die Digitale Revolution in wirtschaftlichen Kerndaten ausdrückt und ob ihr Nutzen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung überhaupt einen Ausdruck findet, ist aus technischer Perspektive zu konstatieren, dass der Prozess der technologischen Transformation bisher fast exponentiell expandiert, und zwar nicht nur durch die Zunahme der Rechen-, Speicher- und Kommunikationskapazitäten, sondern „aufgrund seiner Fähigkeit, durch digitale Sprache eine Schnittstelle zwischen technologischen Bereichen zu schaffen, in der Informationen erstellt, gespeichert, aufgerufen, verarbeitet und weitergeleitet werden können.“[8] Die Verbindung eingebetteter Softwaresysteme zur sensorgestützten Überwachung und Steuerung der physischen Realität mit globalen digitalen Netzinfrastrukturen (dem Cyberspace) erlaubt vielfältige Applikationen und Problemlösungen mit hohem wirtschaftlichen Potential und starker Innovationskraft: Angebotsseitig entstehen immer mehr Nutzungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten von Daten, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen, während bisherige Medien- und Technologiebrüche und damit verbundene Tätigkeiten der Datenerfassung und -transformation entfallen. Man kann daher sagen, dass die Digitale Revolution weitgehend angebots-, nicht nachfragegetrieben abläuft, weil immer mehr flexible Nutzungsmöglichkeiten von immer mehr potenziellen Anwendern „entdeckt“ und kostensenkend und profitsteigernd genutzt werden.

So war durch die Existenz einer miniaturisierten, leichtgewichtigen und integrierten Steuerungstechnik, deren Entwicklung in den 1950er und 1960er Jahren vor allem von der Nachfrage des Militärs nach Raketen mit großer Nutzlast getrieben war,[9] seit den 1970ern angesichts einer weltweiten Wachstumskrise plötzlich die Möglichkeit gegeben, arbeits- und kapitalsparende flexible Steuerungstechnologien (Speicherprogrammierbare Steuerungen) in Werkzeugmaschinen, Robotern und bei anderen zivilen Anwendungen einzusetzen.

Die Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsprozessen führte aber auch zu einer Informationsexplosion auf der Angebotsseite, die sich bei den Nutzern zum Teil als Informationsüberflutung niederschlägt. Vor allem die weltweiten Telekommunikations- und Informationsspeicherkapazitäten pro Kopf sind in den zwei Jahrzehnten zwischen 1986 und 2007 zwischen 23 % und 28 % pro Jahr gewachsen[10] (zum Vergleich: bei den jährlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft geht es regelmäßig um Prozentzahlen im oft niedrigen einstelligen Bereich).

Es wird angenommen, dass es im Jahr 2002 das erste Mal möglich war, mehr Informationen digital als im Analogformat zu speichern,[11] ein Anhaltspunkt für den Beginn des „Digitalen Zeitalters“. Die fast vollständige Digitalisierung der weltweit gespeicherten Informationsmenge vollzog sich in weniger als 10 Jahren während des Jahrzehnts um die Millenniumswende.[12] Die weltweite Telekommunikationskapazität (bidirektionaler Informationsaustausch) war bereits 1986 zu 20 %, 1993 zu zwei Dritteln (68 %), und im Jahr 2000 zu 98 % digitalisiert.[11] Die globale Broadcast und Rundfunk­kapazität hingegen (unidirektionale Informationsübermittlung), blieb demgegenüber zurück: Im Jahre 2007 waren erst 25 % digital.[11]

Die Leistungsfähigkeit der Computerchips wächst in der dem Mooreschen Gesetz entsprechenden Weise immer schneller, indem die vorgenommenen Verbesserungen sich vervielfachen und die Leistungsfähigkeit der Technologie sich etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Binnen 40 Jahren ist die Leistung von Mikroprozessoren, so Jaron Lanier, millionenfach erhöht worden. „Niemand weiß, wie lange sich dieser Prozess fortsetzen lässt.“[13]

Im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium arbeitet unterdessen die gleichfalls digital basierte Forschung zur künstlichen Intelligenz, deren Anwendungsbereiche sich unter anderem bereits auf Handschriften- und Gesichtserkennung, auf Spracherkennung und Sprachassistenz erstrecken. Welche Formen und Spielarten künstlicher Intelligenz weiterhin realisiert werden, bleibt eine der offenen Zukunftsfragen wissenschaftlicher Forschung und menschlicher Existenz. Allerdings erlebt der Mensch heute erstmals das Ausmaß und die Bedeutung des technischen Fortschritts selbst zu seinen eigenen Lebzeiten in dramatischer Form – man denke nur an die verschiedenen Formen der Speicherung und Wiedergabe von Musik seit 1970, die zur Obsoleszenz mehrerer Mediengenerationen führte.

Technische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage der Digitalen Revolution ist der Mikrochip (integrierter Schaltkreis), der unter anderem die Einführung der flexiblen Automatisierung in der Produktion und den Aufbau des Internets ermöglichte. Mit der Computerisierung einher ging der Trend, Arbeitsprozesse durch elektronische Datenverarbeitung zu rationalisieren. Seit den 1980er Jahren wurden Computer nicht nur in Beruf und Forschung, sondern vermehrt auch im privaten Bereich genutzt. Grafische Benutzeroberflächen und Computermaus, fortgeschrittene Betriebssysteme, Softwareentwicklungen und Computerspiele erweiterten die Verwendungsmöglichkeiten und den Nutzerkreis der neuen Technologie, die nun auch miniaturisiert im Smartphone oder Stick-PC eingesetzt wird.

Ausgangspunkt der digitalen Entwicklung waren die Turingmaschine und die ihr in den 1940er Jahren nachfolgenden Rechenmaschinen. Steuerungen in der Raumfahrt ab den 1960er Jahren wurden mit Hilfe von Rechnern überhaupt erst möglich.[14] Ende 1969 wurden erste Taschenrechner hergestellt.

Als PC wurde der Computer (Apple II) ab 1977 allgemein halbwegs erschwinglich; jedoch löste er in den Unternehmen nur sehr langsam die Großrechnertechnik bzw. die sog. Mittlere Datentechnik ab. Einen kommerziellen Durchbruch brachte erst die Bereitstellung billiger Standardsoftware für Büroanwendungen. In den 1980er Jahren kamen das Global Positioning System (GPS), die CD, bildgebende Verfahren und Kernspintomographie hinzu, in den 1990er Jahren das Mobiltelefon, der Roboter, das Internet, die DVD und Computeranimationen, insbesondere für Simulationen und in der Filmkunst. 1996 konnte der Großrechner Deep Blue erstmals den amtierenden Schachweltmeister in einer Partie schlagen. Es folgten Digitalkamera, digitale Videokamera, Digitalfernsehen, Digitalradio, Navigationssystem, RFID, Drohnen, selbstfahrende Autos.

Manche Zukunftprojektion der Digitalen Revolution schließt die Erwartung einer technologischen Singularität ein, eines Entwicklungsstadiums, in dem die künstliche Intelligenz fähig wäre, von sich aus technischen Fortschritt hervorzubringen.[15]

Wirtschafts- und Arbeitswelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Computer und Internet sind nicht nur in Dienstleistungssektor und Industrie, sondern teilweise selbst in der Agrarwirtschaft wichtiger Bestandteil des heutigen Arbeitslebens. Sie senkten in den 1990er Jahren die Zugangsschwelle zum Markt für viele kleine Unternehmen. Heute spielt der Mobilfunk eine ähnliche Rolle für Kleinproduzenten in Entwicklungsländern, die durch den Netzzugang ihre Marktchancen besser ausloten können.[16]

Die Digitalisierung erleichterte die Verlagerung von Produktionsstandorten und Arbeitsplätzen im Zuge der Globalisierung. So konnten z. B. Farben an Textilien elektronisch vermessen werden und die Daten an Farbmischmaschinen an entfernten Standorten weitergegeben werden, wodurch das Hin- und Herschicken von Proben entfiel. Im Dienstleistungsbereich ließen sich Arbeitsplätze nun dislozieren (Telearbeit). In Konstruktionsabteilungen beispielsweise wurde eine Kontinente übergreifende Arbeitsverteilung praktikabel, die auf der Basis der globalen digitalen Kommunikationsnetze eine „Rund-um-die-Uhr-Produktivität“ ermöglichte: „Dadurch, dass irgendwo auf der Welt immer ein Teil der Firma wach und am Arbeiten ist, kann jederzeit an den Produkten weitergearbeitet werden. Zuerst die in Asien oder Australien lebenden Mitarbeiter, gefolgt von den Europäern und Afrikanern, bevor dann die Kollegen in Nord- und Südamerika weitermachen.“[17]

Für die Beschäftigten und Heranwachsenden besonders in den technologisch fortgeschrittenen Staaten erzeugt die Digitale Revolution neue Herausforderungen hinsichtlich der beruflichen Qualifikation und der Flexibilität im Erwerbsleben. Kaum ein jüngerer Mensch werde sein Berufsleben noch nach dem Muster der klassischen Erwerbsbiographie vorheriger Generationen verbringen, so Beckedahl und Lüke: „Der einmal erlernte Beruf ändert sich unter den Händen der Arbeitenden.“ Wer in den 1970er Jahren Informatik studiert habe oder in der Industrie ausgebildet worden sei, finde sich in einer völlig umgestalteten Arbeitswelt wieder, ebenso wie der Paketbote, Biologe oder Romanautor. „Mal ist es die Digitalisierung der Arbeitsmittel wie der programmierten CNC-Fräsen, mal der Einzug der Robotik in die Autoindustrie, dann die Vernetzung der wissenschaftlichen Gemeinschaft über den ganzen Globus hinweg oder auch der Einzug der Navigationsgeräte in die Taxen.“[18]

Beträchtlich durchgewirbelt von den mit der Digitalen Revolution verbundenen neuen Möglichkeiten präsentieren sich Banken und Finanzwelt, deren digitale Vernetzung in den 1980er Jahren begann. Immer leistungsstärkere Server gelangen seither zum Einsatz. Sie hatten bereits 1987 im automatisierten Handel ihren Anteil am Börsencrash vom Schwarzen Montag, dem 19. Oktober.[19] Zu den jüngeren Entwicklungen im digitalisierten Finanzsektor zählt der umstrittene Hochfrequenzhandel auf der Basis programmierter Algorithmen, bei dem Rechnerkapazitäten und Datenübertragungsgeschwindigkeit für die Gewinnaussichten maßgeblich sind.[20]

Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee von der MIT Sloan School of Management nahmen frühere optimistische Vorannahmen zu den wirtschaftlichen Folgen der Digitalisierung 2015 teilweise wieder zurück: „In den 80er Jahren geriet das Wachstum des durchschnittlichen [US-]Haushaltseinkommens ins Stottern. In den vergangenen 15 Jahren war es sogar negativ. Inflationsbereinigt verdient ein amerikanischer Privathaushalt in der Mitte der Einkommensverteilungskurve heute weniger als 1998 – selbst unter Berücksichtigung von Veränderungen der Haushaltsgröße. Auch das Beschäftigungswachstum in der Privatwirtschaft hat nachgelassen [...] Dieses Phänomen bezeichnen wir als die große Abkopplung. [...] Der gesamtwirtschaftliche Reichtum im Sinne von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Produktivität setzt den Aufwärtstrend fort, während es mit dem Einkommen und den Karriereaussichten für die typischen Arbeitnehmer bergab geht. So etwas haben wir noch nie erlebt seit 30 Jahren.“ Dieser Trend gelte auch für Schweden, Finnland und Deutschland, wenn auch nicht im gleichen Maße wie in den USA. „Die Mittelschicht wird weiter schrumpfen, Wachstum werden wir ganz unten und ganz oben erleben. Brillante Manager, Unternehmer, Investoren und Schriftsteller profitieren. Yo-Yo Ma wird wohl kaum demnächst durch einen Roboter ersetzt werden, aber die Nummer 100 unter den Cellisten dieser Welt würde ich zumindest aus finanzieller Sicht nicht sein wollen.“[21]

Nach Auffassung des US-Ökonomen Jeremy Rifkin wird durch die digitale Revolution langfristig jedoch die Arbeit verschwinden: „Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als die Maschine.“[22] Auf Grundlage dieser Annahme argumentiert ein Teil der Befürworter eines Grundeinkommens. In Deutschland waren laut Bundesagentur für Arbeit im ersten Quartal 2018 mehr als 800.000 Menschen bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Die soziale Grundsicherung der Betroffenen durch das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) wird von den Parteien Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, und Teilen der SPD strikt abgelehnt oder zunehmend kritisiert. Robert Habeck, so Der Tagesspiegel, verweise diesbezüglich auch auf den durch Digitalisierung und Automatisierung ausgelösten Wandel der Arbeitswelt und plädiere für eine sanktionsfreie, aufgestockte Grundsicherung. Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister, fordere zur Besserung der Lage ein „solidarisches Grundeinkommen“ in Verbindung mit kommunalen Jobangeboten.[23]

Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Wirtschafts- und Arbeitsleben unterliegen auch viele andere Bereiche des privaten, sozialen und öffentlichen Lebens den von der Digitalen Revolution hervorgerufenen Veränderungen und Folgewirkungen. Dies betrifft zwischenmenschliche Interaktionsformen ebenso wie zum Beispiel Mediennutzung, Bildungswesen und wissenschaftliches Forschen.

Informationsnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internet und neue Medien versetzen alle mit einem anschlussfähigen Gerät Ausgestatteten in die Lage, nahezu überall auf der Welt jederzeit Informationen aller Art aus den elektronischen Netzwerken abzurufen oder eigene Impulse und Beiträge zu versenden. Das in pluralistischen politischen Systemen verfassungsrechtlich verbürgte Grundrecht auf Informations- und Meinungsfreiheit[24] wird – so gesehen – in der Digitalen Revolution auf ein erweitertes Fundament gestellt. Anwendungsbereiche wie Telearbeit, Telebanking und Elektronischer Handel bieten den Nutzern eine Vielzahl neuer Optionen hinsichtlich Zeiteinteilung und Alltagsgestaltung in den elektronisch mediatisierten Kommunikationsräumen.[25]

Wandel der Kommunikationsweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als im unmittelbaren Kontakt face to face ist die Kommunikation mit Interaktionspartnern unter elektronischen Bedingungen allerdings von eingeschränkten Wahrnehmungs- und Kontrollmöglichkeiten mitbestimmt, etwa Mimik, Gestik und Tonfall betreffend, und kann unter diesen Umständen einen unverbindlichen, anonymen Charakter annehmen. So bleibt es fraglich, ob bzw. auf welche Weise hierbei Verbindlichkeit oder Beziehungsnähe und -wärme entstehen können.[26] Diese Defizite können teilweise durch Metakommunikation (z. B. Emoticons) ausgeglichen werden.

Gleichzeitig erweitert sich der Kommunikationsradius erheblich. Das erlaubt die Etablierung globaler Communities (z. B. internationaler Interessengemeinschaften, Identitätsgruppen oder NGOs) oder privater grenzüberschreitender Informationsnetzwerke bereits mit relativ geringem Aufwand. Internet und Mobiltelefonie werden von Entwicklungspolitikern und Hilfsorganisationen mittlerweile als Bestandteil der Grundbedürfnisse definiert, da diese in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Partizipation förderten.[27] Die erweiterten Filtermöglichkeiten der Kommunikation können jedoch zur Bildung von Informations- und soziokulturellen Blasen führen.

Veränderte Wirkkräfte im medialen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie die einzelnen Menschen beruflich und privat, stehen öffentlicher Raum und mediale Öffentlichkeit im Wirkungsfeld der Digitalen Revolution. Ihre Auswirkungen erstrecken sich auch auf die politische Praxis und bergen Gefahren für das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Wenn früher Wandel durch Handel ein wirksames Schutzprinzip westlicher Demokratien gewesen sei, so gehe es nun ums Vernetzen „unter demokratischen Prämissen nach westlichen, aufgeklärten Werten“. Die digitale Technik werde unverzichtbar werden und den Lebensalltag immer weiter durchdringen. „Wenn sie im Besitz weniger ist und von ihnen kontrolliert wird, dann steht der Idee einer besseren, digitalen Gesellschaft eine mächtige Dystopie entgegen: der Missbrauch der digitalen Macht.“[28]

Die vormalige Dominanz des Journalismus, der in Zeitungswesen, Rundfunk und Fernsehen, bei öffentlicher Berichterstattung, Meinungsbildung und in seiner politischen Kontrollfunktion eine „vierte Gewalt“ in pluralistischen Systemen bildete, hat das weitgehende Monopol verloren, Informationen massenhaft zu verbreiten.[29] Es ändere sich etwas, so Beckedahl und Lüke, wenn beispielsweise die 56 Sekunden währende Videoaufnahme, die einen Fünfjährigen mit einem Dreijährigen unter dem Titel Charlie bit my finger (Charlie hat mich in den Finger gebissen) zeigt, auf YouTube annähernd 400 Millionen Mal betrachtet werde oder wenn das, „was in irgendeiner Kneipe passiert und besprochen wird“, per Livestream vom Mobiltelefon aus beliebig viele andere Menschen weltweit erreichen könne.[30]

Zunehmend stelle sich auch in den Redaktionen der diversen Medien vorrangig die Frage „Was klickt?“ Online sei jeder Klick durch einen Nutzer bares Geld wert. „Wer viel angeklickt wird, kann mehr Geld für Werbung verlangen. So will es die Werbebranche, so funktioniert das Geschäftsmodell.“ Den Werbenden sei es qualitativ egal, neben welchen Inhalten ihre Erzeugnisse auftauchten, ob zusammengewürfelte Bildergalerien, sensationsheischende Antexter oder Rätselspiele: „Mit Journalismus hat dies alles nichts zu tun. Es geht um Klicks, Klicks und nochmals Klicks.“[31]

Journalistische Medien treten immer häufiger zusätzlich oder allein mit Online-Ausgaben auf, die sie als werbungsgestützte Plattformen teils mit ergänzenden Angeboten bestücken. Sie präsentieren sich auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter – im Massenwettbewerb um die Aufmerksamkeit des Publikums. Auch für Politiker geht es nicht mehr allein darum, in den Medien öffentlich aufzutreten, um Beachtung für eigene Positionen und die eigene Person zu wecken. Auch sie betreiben persönliche Webseiten, äußern sich immer öfter auf Blogs bzw. in sozialen Netzwerken und sammeln dort Follower. Wie problematisch der so entstehende öffentliche Raum zum Teil beschaffen ist, zeigt eine in Science publizierte Studie zum viel genutzten Kurznachrichtendienst Twitter. Sie betrifft den englischen Sprachraum und bezieht sich auf den Zeitraum 2006 bis 2017: „Den Forschern zufolge hat unwahrer Inhalt – ein Bild, eine Behauptung oder ein Link zu einem Onlineartikel – eine um 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, weiterverbreitet zu werden.“ Am häufigsten betroffen seien politische Inhalte. „Der Schneballeffekt für Unwahres nahm mit der Zeit zu und war in den US-Wahlkampfjahren 2012 und 2016 besonders stark.“ Ein zum Weiterleiten speziell unwahrer Inhalte anregender Faktor dürfte demzufolge sein, dass diese auf Twitter-Nutzer oft besonders spannend und neuartig wirkten.[32]

Mimetische Rivalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sozialen Medien werden zum „Resonanzraum der Nachahmung par excellence“.[33] Das bezieht sich nicht nur auf die erweiterten Möglichkeiten zum einfachen und schnellen Kopieren und Teilen von Inhalten. Das Internet wird darüber hinaus zum Instrument der „mimetischen Konkurrenz“. René Girard bezeichnet mit diesem Begriff das nachahmende Begehren im Kampf um gemeinsam begehrte Objekte. Er postuliert, dass wir – sofern die Grundbedürfnisse gedeckt sind – Dinge nicht mehr um ihretwillen begehren, sondern erst dadurch, dass sie von anderen als begehrenswert gehalten werden.[34] Das fördere einerseits Enkulturations- und Lernprozesse, andererseits die Nachahmung und Fixierung an Autoritäten (der Popkultur usw.).

Die permanente Darstellung des Lebens der anderen schafft darüber hinaus einen Druck zur Darstellung des eigenen Lebens, das zum Designobjekt wird, und verstärkt die Inszenierungsspirale durch Selfies und Körperkult. 39 Prozent der befragten Jugendlichen gaben in einer vom Marktforschungsinstitut IKW in Auftrag gegebenen Studie an, wöchentlich Selfies zu machen, 26 Prozent machten sie täglich, 14 Prozent sogar mehrmals täglich. Sie kontrollieren dabei jedes einzelne Bild bis ins Detail, um möglichst viele Likes zu erzielen. 30 Prozent der jungen Menschen sehen das Berühmtwerden als explizites Lebensziel. 10 Jahre zuvor waren es 14 Prozent. [35]

Gegenwartsorientierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar ist die Zeitperspektive einer Person zunächst eine Persönlichkeitseigenschaft, die über verschiedenen Situationen hinweg relativ stabil bleibt. Sie wird von der Kultur, dem sozialen Umfeld und individuellen Erfahrungen, aber ebenso von äußeren Faktoren und Medien beeinflusst. Eine starke Gegenwartsorientierung, die oft mit Hedonismus und gesundheitsgefährdendem (z. B. Sucht-)Verhalten einhergeht,[36] werde durch exzessive Nutzung sozialer Medien gefördert. Die dauernde Aktualisierung der Inhalte im Internet und in den sozialen Medien führe zu immer schnellerer Obsoleszenz des Vergangenen. Auch die Streamingdienste fördern die Gegenwartsorientierung: das Individuum sei permanent von Musik umgeben. Infolge der starken Gegenwartsorientierung gehe auch der Bezug auf die Zukunft verloren.[37]

Sozialisation und Bildungswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Markus Beckedahl und Falk Lüke relativiert sich in der digitalen Gesellschaft die Bedeutung der Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen für das Bildungswesen. Nötig dazu komme heute als vierte Komponente das Methodenwissen als „Kompetenzkompetenz“: „Wenn man weiß, wie man sich Wissen erschließen kann, muss man es nicht im Kopf haben.“ Es stelle sich die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen, „dass einmal gelerntes Wissen uns nicht mehr durch das Leben bringt“.[38] Das ungleiche Wissen um die Nutzung digitaler Technik werde zum Problem, wenn ganze gesellschaftliche Gruppen kaum Chancen hätten, sich damit angemessen zu befassen, sei es wegen Mängeln der Netzinfrastruktur oder –geschwindigkeit, sei es aufgrund geringer Bildungschancen oder wegen fehlender finanzieller Eigenmittel: „Dann gibt es diejenigen, die können und haben und damit für die Zukunft gerüstet sind. Und diejenigen, die chancenlos sind. […] Wenn ein Kind einer Geringverdienerfamilie nicht lernt, einen Computer zu benutzen, dann ist das für seine Zukunft eine inakzeptabel große Hypothek. […] Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung werden manche herkömmliche Struktur, manche Berufsbilder und vielleicht sogar Einkommensformen grundsätzlich in Frage stellen. Nur wer das sieht, kann diesen Wandel auch gestalten. Wer es hingegen ignoriert, wird von diesem früher oder später überrollt werden.“[39]

Der Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer warnt mit Blick auf erkennbare sensomotorische Entwicklungsdefizite und depressionsträchtige psychosoziale Folgeerscheinungen des Gebrauchs elektronischer Kommunikationsgeräte speziell im Kindes- und Jugendalter vor Unterforderung der Hirnfunktionen und „digitaler Demenz“.[40] Unter Berufung auf wissenschaftliche Studien, die negative Auswirkungen beim Einsatz neuer Medien in der Schule aufzeigten, wendet Spitzer sich gegen „digitale Klassenzimmer“ und gegen Vorstellungen, dass Kinder am besten schon in der Grundschule mit dem Programmieren von Computern vertraut gemacht werden sollten: „Wir tun den Schülern keinen Gefallen, was ihre Gesundheit und ihre Bildung anbelangt, wenn wir Bildungseinrichtungen digitalisieren. Darüber müssen wir uns klar sein. Alles andere ist postfaktische Bildungspolitik.“[41]

Implikationen für Forschung und Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ansicht von Pieter Drenth, Ex-Präsident der All European Academies, hat die digitale Revolution Fortschritte der Wissenschaft auf verschiedensten Gebieten ermöglicht: Erfolge in der Genom-Entschlüsselung, Voraussagen der Klimaforschung, komplexe Modelle in Physik und Chemie, Nanotechnologie, neurophysiologische Grundlagen der Sprachentwicklung und der kognitiven Funktionen, ökonomische Simulationen sowie vergleichende Studien in Sprach- und Literaturwissenschaften. Eigentlich habe jede wissenschaftliche Disziplin von den Entwicklungen der Computertechnologie profitiert.[42]

Bisher mussten Forschungsergebnisse Filter (sog. gatekeepers) passieren, in denen über die Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung ent­schieden wurde. Heute kann prinzipiell jeder im Internet publi­zieren. Wis­senschaftler können daher bereits fortlaufend über den Forschungsprozess be­richten (Open Science), die Daten zugänglich machen, auf denen ihre Befunde ba­sieren (Open Data) oder vorab ihre Ergebnisse veröffentlichen (Pre-Publishing), ohne den Prüfprozess eines Journals zu durchlaufen haben. Auch dieser Prüfprozess kann transparenter gestaltet werden (Open Peer Review).[43] Gleichzeitig forcieren die Möglichkeiten der online-Kommunikation die Konkurrenz um Erstveröffentlichungen von Forschungsergebnissen: Auf den einschlägigen Servern wird der Eingang von Texten sekundengenau protokolliert. Das führt einerseits dazu, dass die Publikationsflut schneller steigt als die Zahl der Leser der elektronischen Journale und dass oft unzureichend überprüfte Ergebnisse hastig publiziert werden; andererseits verbessern sich die Möglichkeiten der Überprüfung (z. B. auf mögliche Plagiate) durch die wissenschaftlichen Communities.

Diskursaspekte und kritische Reflexion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So vielfältig und weitreichend die von der Digitalen Revolution ausgehenden Veränderungsimpulse sich bei den Individuen und im öffentlichen Raum auswirken, so aspektreich wird der darauf bezogene gesellschaftliche Diskurs geführt. Neue Rahmenbedingungen für menschliche Interaktion, für Sozialisation, Wirtschaft, Politik und Kultur zeichnen sich ab: als vorwiegend verheißungsvoller Fortschritt für die einen, als in den Folgen eher skeptische zu betrachtendes Geschehen bei anderen.

Zygmunt Bauman sieht u. a. durch die Digitalisierung und Entpersonalisierung der Kommunikation die Stabilität und die Innen-Außen-Grenzen von sozialen Strukturen infrage gestellt.[44] Diese werden immer fluider: „Verschwunden sei die Gewissheit, dass ‚wir uns wiedersehen werden‘, [...] dass es mehr als eine nur vorübergehende Bedeutung hat, wie wir miteinander umgehen, weil die Folgen unserer Handlungen uns noch lange begleiten werden – aufbewahrt im Denken und Handeln von Augenzeugen, die immer um uns sind“.[45]

Orientierungs- und Wertewandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manuel Castells sieht einen rückläufigen Einfluss von Religion, Moral, Autorität, traditionellen Werten und politischen Ideologien in dem neuen, auf digitalisierter elektronischer Produktion und Distribution sowie auf einem demgemäßen Austausch beruhenden Kommunikationssystem: „Nicht dass sie ganz verschwänden, aber sie werden geschwächt, es sei denn, sie codieren sich neu innerhalb des neuen Systems, wo ihre Durchschlagskraft sich durch die elektronische Materialisierung spirituell übertragener Angewohnheiten vervielfacht: Elektronische Prediger und interaktive fundamentalistische Netzwerke sind in unseren Gesellschaften eine effizientere und durchdringendere Form der Indoktrination, als die von Person zu Person verlaufende Vermittlung einer fernen, charismatischen Autorität.“ Im Netz mit beliebigen anderen Angeboten auf einer Ebene konkurrierend, verlören transzendentale Botschaften ihren „übermenschlichen Status“; die Säkularisierung gelange damit zum Abschluss: „Die Gesellschaften sind endgültig und wahrhaft entzaubert, weil alle Wunder online zu haben sind und zu selbst konstruierten Vorstellungswelten kombiniert werden können.“[46]

Anzeichen von „Digitalisierungswahn“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Thiede setzt sich aus der Perspektive eines evangelischen Theologen kritisch mit der Digitalen Revolution auseinander. Dabei steht für ihn nicht „das Digitale schlechthin“ in Frage, sondern dessen „impliziter Durchsetzungs- und robuster Herrschaftsanspruch.“[47] Was er befürchtet, skizziert er drastisch: „In der Tat droht die Gefahr, dass immer mehr Technologen, Ökonomen und Politiker über unsere Zukunft bestimmen, die selber geistig abgedriftet und mehr oder weniger digitaler Demenz verfallen sind. Und eine immer mehr dement gewordene, dem digitalen Massenwahn erlegene Gesellschaft wird davon nicht einmal mehr viel mitbekommen, denn sie ist weitgehend kritiklos geworden.“[48]

Überwachungsmöglichkeiten wie nie zuvor sieht Thiede mit der Verbreitung „funkender Computerbrillen“ kommen, die allen Nutzern interessante, womöglich suchterzeugende Möglichkeiten eröffneten und damit zugleich den datenverarbeitenden Diensten Rohmaterial in Fülle lieferten. Derartiges zeichne sich auch für ein digitalisiertes Gesundheitswesen ab, in dem bald alle eine virtuelle Kopie des eigenen Körpers als Prognoseinstrument zum Beispiel für Medikamentenwirkung oder Krankheitsvorbeugung besitzen könnten: „Der sich unseres Leibes bemächtigende Digitalisierungswahn dient dem Big-Data-Konzept: Er entfremdet uns in dem Maße von uns selbst, indem er der Manipulation Tür und Tor öffnet.“[49]

Im Zeichen der Social Media sieht Thiede die Möglichkeiten individueller Lebensgestaltung schwinden: „Wer entschleunigen statt weiter beschleunigen möchte, wer die analoge Welt der digitalen eindeutig vorzieht, der hat es unter der Herrschaft digitaler Technokratie immer schwerer; seine Freiheit nimmt ab.“[50] In der letzten von 95 Thesen zum Thema Digitaler Turmbau zu Babel heißt es eingangs: „Für Theologie und Kirche stellt sich angesichts der Entwicklungsspirale der digitalen Revolution die ernste Frage, ob nicht expliziter Widerstand gegen kommende Auswüchse die ethisch gebotene Handlungsweise sein sollte.“[51]

Datenabschöpfung als Eingriff in die Privatsphäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit der Digitalen Revolution verbundene massenhafte Sammlung, Speicherung und Übertragung digitaler Daten hat zuvor ungekannte Möglichkeiten der Überwachung eröffnet, die sich rechtsstaatlicher Kontrolle teilweise entziehen. Dadurch gefährdet ist das Recht auf Privatsphäre, und gläserne Bürger werden zu einer möglichen Realität.

Yuval Noah Harari hält den Siegeszug einer „Religion des Dataismus“ für möglich.[52] Deren Anhänger glaubten, dass die Intelligenz, die durch Vernetzung von Computern und die Entwicklung eines „Internets der Dinge“ entstehe, zu einem „posthumanistischen Zeitalter“ führen werde, in dem Datenschutz und Demokratie sinnlose Begriffe seien. So seien soziale Netzwerke wie facebook bereits heute in der Lage, durch die Analyse von 300 „I like“-Klicks eines Menschen besser als dessen Lebenspartner zu wissen, welche Vorlieben und Abneigungen der betreffende Mensch habe. Bald schon würden entsprechend „gefütterte“ Netzwerke genauer als ein bestimmter Wähler wissen, welches Wahlverhalten für ihn am nützlichsten sei, ihn aber auch hocheffektiv manipulieren können.[53]

Jaron Lanier ruft dazu auf, man möge sich neben den „Gratis-Verlockungen“ der neuen Netzwelt auch die Kehrseiten der schicken Gadgets, Smartphones und Tabletcomputer vor Augen führen: „Wir kommunizieren regelmäßig mit Menschen, von deren Existenz wir vor dem Netzwerkzeitalter nicht einmal gewusst hätten. Wir können jederzeit Informationen zu fast jedem Thema finden. Aber wir haben auch erfahren, dass unsere Geräte und die aus idealistischen Motiven entstandenen digitalen Netzwerke von ultra-mächtigen, fernen Organisationen genutzt werden, um uns auszuspionieren. Wir werden stärker analysiert als wir analysieren.“ In den meisten Fällen könne man einen Tabletcomputer nicht einmal einschalten, ohne persönliche Informationen preiszugeben.[54]

Ohne Datenerhebung und Datenanalyse, so Beckedahl und Lüke, könne eine moderne Gesellschaft nicht funktionieren, und sie seien in mancher Hinsicht auch für die Bürger sehr vorteilhaft. Die Frage sei jedoch nicht, ob das stattfinde, sondern „wie und nach welchen Regeln es stattfindet, um den Missbrauch von Daten zu verhindern. Grundlegend sollte sein, dass nichts ohne unser Wissen und Zustimmung gespeichert werden darf. Dieser Gedanke ist in Politik und Wirtschaft noch nicht angekommen.“[55] Für Juristen seien Digitalisierung und Netzwelt ein besonders schwieriges Feld, weil es sich bei den Rechtswissenschaften um „nachlaufende Wissenschaften“ handle: Hier gehe es zumeist erst dann um passende Regelsetzung, „wenn etwas in der Welt oder zumindest vorstellbar ist“. Das technische Normensystem des Internets sei aber mit dem juristischen nicht kompatibel. „Rechtswissenschaftler haben über Jahrhunderte versucht, staatliche Souveränität zu definieren und eine Weltgemeinschaft souveräner Staaten inklusive Völkerrecht zu definieren und auszugestalten. Das Netz sagt: Ich bin überall. […] Es schert sich auch nicht darum, was es da transportiert, und von wem zu wem. Das hat die Juristen dieser Welt vor Probleme gestellt: Ihre nationalen und internationalen Regelwerke wollen allzu oft nicht so recht passen.“ Letztlich seien politische Willensbildung, Gesetzgebung und Vertragsschlüsse aber auch keine juristische Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche und politische.[56]

Neue Entfremdungsaspekte in datenbasierten Machtkonstellationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer gegenwartsbezogenen Würdigung sozioökonomischer Theoreme von Karl Marx anlässlich dessen 200. Geburtstag 2018 verknüpft Jürgen Neffe Erscheinungsformen der Digitalisierung des Wirtschafts- und Arbeitslebens mit Marxschem Denken: Wie der Fabrikarbeiter der ihm zugewiesenen Maschine diene der Einzelne im „Datenkapitalismus“ heute über das von ihm genutzte Gerät der „digitalen Weltmaschine“, die vampirartig Lebensdaten absauge. „Der Rohstoffzufluss durch lebendige Tätigkeit lässt den toten Mechanismus aus Prozessoren und Speicherchips umso mehr leben, je mehr wir ihm geben. Er verarbeitet sie zu durchaus nützlichen Informationen, die er uns schenkt, wenn er uns dafür Empfehlungen und Werbung zuspielen darf. So macht uns etwas, das von uns abhängt, umgekehrt zu seinen Abhängigen. Indem uns formt, was wir füttern, werden wir zum Produkt unserer eigenen Hervorbringung.“[57]

Im Maschinenfragment von 1857 habe Marx bereits die Frage aufgeworfen, wie das kapitalistische System funktionieren würde, wenn sich auf der Basis von Wissen alle Waren und Dienstleistungen vollautomatisch herstellen ließen. „Indem uns die Verheißung zeitnaher, bedarfsgerechter und automatischer Produktion wieder ein Stück weiter zu Untertanen unserer eigenen Schöpfung macht, erleben wir so etwas wie einen marxschen Moment.“ Dabei hält Neffe auch bei im Kern fortbestehender wirtschaftlicher Freiheit eine Entwicklung für möglich, „in der Basisbedürfnisse wie Nahrung und Wasser, Mobilität und die Teilhabe am kulturellen Leben mit freier Kommunikation und Netzzugang selbstverständlich erfüllt werden.“ Ihm schwebt vor, dass diese Güter zu Gemeineigentum würden wie öffentliche Grünflächen, Straßenland und Plätze, die jenseits kommerzieller Interessen instand gehalten werden und allen zur Verfügung stehen. „Auch ohne Umsturz ließe sich eine digitale Moderne vorstellen, in der die Herrschaft über die wachsende Datenmenge nicht unkontrolliert in den Händen Einzelner liegt.“[58]

Völkerrechtliche Fragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die völkerrechtlichen Fragen, die durch die Digitale Revolution aufgeworfen werden, rückten im Zuge der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 sprunghaft in den Fokus der gesellschaftlichen und politischen Diskussion. Dies schließt weitgehend ungelöste Fragen bezüglich der Menschenrechte, der Spionageabwehr und der staatlichen Souveränität ein.[59]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. (1845) MEW 2, Berlin 1976, S. 237.
  2. Walt Whitman Rostow: The Stages of Economic Growth. Cambridge University Press, 3. Auflage 1990.
  3. Harm Bandholz, Gebhard Flaig, Johannes MaWachstum und Konjunktur in OECD-Ländern: Eine langfristige Perspektive. In: ifo Schnelldienst 58. Jahrgang, H. 4 (2005); Weltbankdaten auf google.de{publicdata
  4. World Bank Data Group: World Development Indicators, growth (annual %&). Laufende Berichterstattung.
  5. Erik Brynjolfsson: Some estimates of the contribution of information technology to consumer welfare. Leopold Classic Library, 2015.
  6. Thomas Piketty: Le capital au XXI siècle. Paris 2013.
  7. Dalia Marin: Gegen den Verfall der Lohnquote. In: www.Handelsblatt.com, 30. Mai 2017.
  8. „Die prophetische Pose und die ideologische Manipulation, die für die meisten Diskurse über die Revolution in der Informationstechnologie charakteristisch sind, sollten uns nicht dazu verleiten, ihre wirklich grundlegende Bedeutung zu unterschätzen.“ (Manuel Castells: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Teil I der Trilogie „Das Informationszeitalter“. Opladen 2004, S. 32)
  9. www.raumfahrtkelander.de
  10. Videoanimation über The World’s Technological Capacity to Store, Communicate, and Compute Information from 1986 to 2010. (Memento des Originals vom 18. Januar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ideas.economist.com In: ideas.economist.com
  11. a b c Martin Hilbert, Priscila López (2011): The World’s Technological Capacity to Store, Communicate, and Compute Information. In: Science, 332(6025), 60–65; kostenfreien Zugriff auf den Artikel gibt es hier: martinhilbert.net/WorldInfoCapacity.html
  12. Es wird geschätzt, dass im Jahr 1993 lediglich 3 % der weltweiten Informationsspeicherkapazität digital war, 2007 bereits 94 %.
  13. Jaron Lanier: "Wem gehört die Zukunft?" 3. Aufl., Hamburg 2014, S. 32 f.
  14. Interview mit Konrad Zuse: (Memento vom 23. Juni 2012 im Internet Archive) Zuse: „Selbstverständlich. Wernher von Braun selbst hat ja gesagt, ohne Computer wäre die Raumfahrt nicht möglich gewesen. (…)“
  15. Brynjolfsson: „Man könnte das zweite Maschinenzeitalter in Phasen unterteilen. In Phase 2a bringen wir Menschen den Maschinen Schritt für Schritt bei, was wir wissen. So funktioniert traditionelle Softwareprogrammierung. In Phase 2b lernen die Maschinen selbstständig und entwickeln Wissen und Fähigkeiten, die wir nicht mehr erklären können. Maschinelle Lernprozesse zeigen bereits erste Erfolge in den unterschiedlichsten Bereichen, vom Sprachverstehen über die Erkennung von Betrug bis hin zum Spielen von Videospielen.“ (Die große Abkopplung. (...) Ein Gespräch mit Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson. In: Harvard Business Manager 9/2015)
  16. Das Handy macht den Sardinenpreis: Eine Langzeitstudie zu lokalen Fischmärkten in Südindien beschreibt erstmals exakt die ökonomischen Effekte von Handy-Netzen auf Mikroökonomien in Entwicklungsländern. Demnach profitieren die Fischer spürbar vom Mobilfunk. In: spiegel.de
  17. Beckedahl/Lüke 2012, S. 142 f.
  18. Beckedahl/Lüke 2012, S. 76.
  19. Jaron Lanier: "Wem gehört die Zukunft?" 3. Aufl., Hamburg 2014, S. 108.
  20. Jaron Lanier gibt ein Anwendungsbeispiel für die logistischen Potenziale digitaler Netzwerke, die beispielsweise auszunutzen in der Lage sind, dass Banken die Konten zu einem bestimmten Tageszeitpunkt abgleichen: „Mit einem ausreichend entwickelten Netzwerk kann Geld zu einem ganz konkreten Zeitpunkt automatisch auf Konten transferiert und wieder abgezogen werden. Dadurch entstehen komplizierte Kreisläufe perfekt getimter Transaktionen, die durch viele Länder gehen. […] So konnte beispielsweise dasselbe Geld bei zwei verschiedenen Banken auf entgegengesetzten Seiten der Erdkugel gleichzeitig Zinsen bringen.“ (Jaron Lanier: "Wem gehört die Zukunft?" 3. Aufl., Hamburg 2014, S. 110 f.)
  21. Die große Abkopplung. Ein Gespräch mit Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson. Harvard Business Manager Heft 9/2015 online.
  22. „In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Wohin sie schauen, dasselbe Bild: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab.“ Interview in der Stuttgarter Zeitung, 29. April 2005 (Memento vom 3. Mai 2005 im Internet Archive)
  23. Ähnliche Pläne äußert Hubertus Heil als neuer Bundesminister für Arbeit und Soziales, indem er für einen staatlich geförderten sozialen Arbeitsmarkt eintritt. (Es reicht. Für Kanzler Schröder war es das größte Projekt. Jetzt steht es zur Disposition. Ist die Hartz-VI-Reform gescheitert? In: Der Tagesspiegel, 21. März, S. 2.)
  24. Heinz Pürer: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz 2003, S. 84.
  25. Heinz Pürer: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz 2003, S. 89.
  26. Heinz Pürer: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz 2003, S. 96 f.
  27. Internet und Handy für Demokratie in Afrika wichtig. In: golem.de
  28. Beckedahl/Lüke 2012, S. 218 f.
  29. „Früher war es von den Entscheidungen einer Redaktionskonferenz, eines Blattmachers, eines Chefs vom Dienst abhängig, was an die Öffentlichkeit kam. Die Deutsche Presseagentur, die DPA, hat mit ihren Berichten oder auch Nichtberichten maßgeblich die Frage beeinflusst, was Deutschland bewegte oder nicht. Genau betrachtet hat die Auswahl der Frühinterview-Gäste des Deutschlandfunks das Thema des Tages schon weitgehend gesetzt. […] Ein politischer Kommentar in der ›FAZ‹ oder der Leitartikel in der ›Zeit‹ hatten eine Meinungsmacht, die kaum zu überbieten war. Ganz zu schweigen vom ›Spiegel‹, wenn er ein Thema zur Titelgeschichte erhob.“ (Beckkedahl/Lüke 2012, S. 171)
  30. Beckkedahl/Lüke 2012, S. 170 f.
  31. Beckkedahl/Lüke 2012, S. 172–174.
  32. Lügen laufen bei Twitter am besten. In: Der Tagesspiegel, 9. März 2018, S. 22.
  33. Milosz Matuschek: Generation Fake. In: NZZ, 4. April 2016.
  34. René Girard: Figuren des Begehrens. Das Selbst und der Andere in der fiktionalen Realität. Münster 1998.
  35. Selfies ungeschminkt. www.ikw-jugendstudie.org, ohne Jahr (ca. 2016).
  36. P. G. Zimbardo, J. N. Boyd: Putting time in perspective: A valid, reliable individual-differences metric. In: Journal of Personality and Social Psychology, 77(1999)6, S. 1271–1288.
  37. Robert Barry: Die Musik der Zukunft. Berlin 2018.
  38. Beckedahl/Lüke 2012, S. 75 f.
  39. Beckedahl/Lüke 2012, S. 214 f.
  40. Manfred Spitzer: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München 2014.
  41. „Wenn Kinder nur noch wischen, haben sie einen großen Nachteil“. Interview des Deutschlandfunks mit Manfred Spitzer vom 8. März 2018.
  42. Die digitale Revolution in den Wissenschaften (Memento vom 14. November 2012 im Internet Archive)
  43. Wie das Internet die Wissenschaftskommunikation verändert, wordpress.com, 24. März 2015.
  44. Zygmunt Bauman: Gemeinschaften. Edition Suhrkamp, Frankfurt 2009, S. 21.
  45. Bauman 2009, S. 61.
  46. Manuel Castells: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Teil I der Trilogie „Das Informationszeitalter“. Opladen 2004, S. 428 f.
  47. Thiede 2015, S. 9. „Worum es in den entsprechenden Debatten geht und gehen muss, das ist die Frage einer angemessenen, humaneren Ausgestaltung der Technisierung unserer Lebenswelt – einschließlich möglicher Korrekturen bisher schon eingeschlagener Wege, sofern sie sich bei näherer Betrachtung als gefährlich oder ethisch zweifelhaft erweisen.“ (Ebenda, S. 12)
  48. Thiede 2015, S. 31.
  49. Thiede 2015, S. 42 f.
  50. Thiede 2015, S. 103.
  51. Thiede 2015, S. 162.
  52. Adrian Lobe: Die Macht der Datenkonzerne – Lieber Computer, sag mir, wen ich heiraten soll. faz.net, 15. September 2016
  53. Yuval Noah Harari: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen. München, C.H. Beck, 2017, S. 458f. ISBN 978-3-406-70401-7
  54. Jaron Lanier: "Wem gehört die Zukunft?" 3. Aufl., Hamburg 2014, S. 22 f.
  55. Beckkedahl/Lüke 2012, S. 57. Das Thema Datenschutz langweile oder überfordere wegen seiner vermeintlichen Komplexität viele Normalbürger, weil es mit einer Vielzahl von technischen und juristischen Begrifflichkeiten befrachtet sei. „So komplex ist es aber gar nicht, wenn man sich auf den Kern der Frage besinnt: Wer weiß was über uns, und was darf er mit diesen Informationen machen?“ (Ebenda, S. 53)
  56. Beckkedahl/Lüke 2012, S. 216 f.
  57. Jürgen Neffe: Kontrollverlust. Der Mensch ist zum Objekt seiner mächtigsten Schöpfung geworden – des Kapitalismus. Karl Marx war dessen hellsichtiger Analytiker. Selbst unsere digitale Gegenwart lässt sich noch mit seinen Begriffen fassen. In: Die Zeit, 26. April 2018, S. 23.
  58. Jürgen Neffe: Kontrollverlust. Der Mensch ist zum Objekt seiner mächtigsten Schöpfung geworden – des Kapitalismus. Karl Marx war dessen hellsichtiger Analytiker. Selbst unsere digitale Gegenwart lässt sich noch mit seinen Begriffen fassen. In: Die Zeit, 26. April 2018, S. 23.
  59. vgl. z. B. Werner Thiede: Die digitalisierte Freiheit, 2. Auflage Berlin 2014; Byung-Chul Han: Im Schwarm: Ansichten des Digitalen, Berlin 2013.