Digitale Welt

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Grafisch-künstlerische Umsetzung der digitalen Welt aus zufälligen Einsen und Nullen

Digitale Welt bezeichnet alles, was im Zusammenhang mit digitalen Sachverhalten steht. Der Begriff umfasst also die Gesamtheit aller Einzelerscheinungen, die mit Digitalsignalen beschrieben oder von diesen beeinflusst werden können.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Digitaltechnik hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Einführung von Computern verbreitet und als eine Schlüsseltechnologie etabliert (vergleiche auch Digitale Revolution). Digitale Daten können beliebig oft und ohne Informationsverlust kopiert und können mittlerweile kostengünstig und in großen Mengen in Massenspeichern aufbewahrt und kurzfristig von dort abgerufen werden.

Durch die Verknüpfung und Strukturierung von digitalen Daten mit Hilfe von Algorithmen und Computerprogrammen kann eine Datenverarbeitung durchgeführt werden, und es können Datenbanken zur Massenspeicherung aufgebaut werden.

Vernetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Erfindung von Rechnernetzen können digitale Daten auch mit hoher Geschwindigkeit im Rahmen der digitalen Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten ausgetauscht werden. Mit der Etablierung des Internets besteht ein weltumspannendes Netzwerk, in dem die Datenübertragung zu jedem Zeitpunkt zwischen beliebigen Netzwerkknoten erfolgen kann.

Mit Hilfe von digitalen Funknetzen, wie zum Beispiel digitalem Bündelfunk, dem Universal Mobile Telecommunications System (3G), der Long Term Evolution (LTE) oder dem Wireless Local Area Network (WLAN), funktioniert eine solche Datenübertragung bidirektional auch mit mobilen Geräten, wie zum Beispiel mit Smartphones, Phablets oder Tablet-PCs.

Unabhängig davon gibt es im digitalen Rundfunk auch unidirektionale, digitale Funkübertragungen, wie sie zum Beispiel beim digitalen Fernsehen oder beim Digitalradio eingesetzt werden.

Ferner gibt es mit dem Energy Harvesting Möglichkeiten, zum Beispiel autarke Sensoren über lange Zeiträume mit Energie zu versorgen und somit auch deren drahtlose Kommunikation zu ermöglichen.[2]

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der digitalen Welt sind die Daten ubiquitär, also allgegenwärtig,

Es ergeben sich daraus zahlreiche neue Anwendungen und Wirtschaftsfelder. Beispiele dafür sind digitale Medien, E-Banking, E-Business, E-Commerce, E-Government, E-Learning, Industrie 4.0, Satellitennavigation, Soziale Netzwerke oder Wikis.

Über Referenzarchitekturen kann in vereinheitlichter Form auf große Datenmengen (Big Data) zugegriffen werden, um zum Beispiel Inhalte von Webportalen, Data-Warehouse-Systemen oder föderierte Informationssystemen zu organisieren. Das digitale Objektgedächtnis ist ein Grundbaustein des Internets der Dinge, das eine weitere Ausbaustufe in der digitalen Welt darstellt.

Unternehmen passen ihre Strategien, Strukturen und Prozesse mit Hilfe der Digital Business Transformation den Möglichkeiten in der digitalen Welt an. In der digitalen Welt liegen Vertrauen und Sicherheit im gemeinsamen Interesse von Staat, Wirtschaft und Verbrauchern.[3]

Digitalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analog vorliegende Informationen wie beispielsweise – auch bewegte – Abbilder der Umwelt des Menschen mit Licht oder Musik und Sprache mit Schall werden mit Hilfe von Analog-Digital-Umsetzern bei Technologien wie Digitalfotografie und digitale Tonaufnahmen bereits in den Aufnahmegeräten, wie zum Beispiel Digitalkameras, digitalen Camcordern oder digitalen Audiorekordern, in eine digitale Form überführt und gespeichert. Auch bereits aufgezeichnete analoge Information kann durch nachträgliche Digitalisierung, wie zum Beispiel beim Scannen von Druckerzeugnissen oder bei der Abtastung von analogen Tonaufzeichnungen oder fotografischen Filmen, als Digitalisat in die digitale Welt übertragen werden.

Umgekehrt können auch Daten aus der digitalen Welt wieder in die analoge Welt überführt werden, indem mit Hilfe von Digital-Analog-Umsetzern digitale Bilder und Filme auf entsprechenden Bildschirmen, mit digitalen Druckern oder mit Videoprojektoren wieder sichtbar gemacht werden (siehe auch digitales Kino). Digitale Tonaufnahmen oder sprachsynthetisierte Inhalte können auf diese Weise mit Verstärkern (zunehmend mit digitalen Verstärkern) und Lautsprechern hörbar gemacht werden.

Begriffsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der frühesten Erwähnungen des englischen „digital world“, wenn auch als wenig konkrete Aussage, findet sich bei Douglas Hartree 1947: „In the digital world, great things were about to happen, but had not happened yet.“[4] Eine Konkretisierung des Begriffes erfolgte Ende der 1950er Jahre im Kapitel A Digital World in einer Publikation der Bell Telephone Laboratories.[5]

Im Deutschen lässt sich der Begriff „digitale Welt“ – der Gegensatz zur „analogen Welt“ – Anfang der 1970er Jahre nachweisen.[6][7]

Die Reduktion von Fakten und Zusammenhängen auf im Computer speicherbare Daten wird auch als Verdatung der Welt bezeichnet; die dadurch gewonnenen großen Menge an Daten und die Technologien zum Sammeln und Auswerten dieser Datenmengen werden weitläufig unter dem Begriff Big Data zusammengefasst.

Personen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, werden auch als Digital Natives bezeichnet.

Rechtliche Herausforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die neuen Technologien ergeben sich aber auch Herausforderungen, wie zum Beispiel den Schutz der Privatsphäre und der Datenschutz oder beim Urheberrecht.[1] Die Politik versucht zunehmend, steuernd in die Entwicklung der digitalen Welt einzugreifen, unter anderem um das Vertrauen in die digitalen Technologien zu fördern[8], aber nicht zuletzt auch um die Computerkriminalität und Datendiebstahl einzudämmen.[9] Der Ende 2014 ins Leben gerufene Sachverständigenrat für Verbraucherfragen der deutschen Bundesregierung soll sich im besonderen Maß mit Themen der digitalen Welt befassen, und der ständige Ausschuss Digitale Agenda des Deutschen Bundestags beschäftigt sich federführend oder beratend mit den entsprechenden Gesetzentwürfen, Anträgen und Berichten. Auf der Ebene der Europäischen Union ist der Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Thema betraut. Auch Grundrechte sind von der digitalen Welt betroffen und müssen neu formuliert werden.[10]

Digitaler Nachlass kann zur Erbschaft gehören und muss entsprechend verwaltet werden.[11]

Seit Frühjahr 2015 soll der Marktwächter Digitale Welt in Deutschland den Markt der digitalen Produkte und Dienstleistungen beobachten und helfen, Lösungen für Probleme zu finden, die Interessen der Verbraucher durchzusetzen und mehr Transparenz bei den Angeboten zu schaffen.[12] Die Initiative ist ein gemeinsames Vorhaben der Verbraucherzentralen und wurde finanziell durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz angeschoben.[13]

Digitale Barrieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn es für bestimmte Bevölkerungsgruppen Hindernisse gibt, die eine Teilhabe an der digitalen Welt erschweren oder verhindern, führt dies zur sogenannten digitalen Kluft zwischen diesen Bevölkerungsgruppen und denen, die an der digitalen Welt teilhaben.

Weniger erfahrene oder beeinträchtigte Benutzer, wie beispielsweise ältere oder sehbehinderte Menschen, brauchen besondere Unterstützung und einen barrierefreien Zugang zur digitalen Welt, um Anteil zu nehmen und sich zurechtfinden zu können.[14] Digitale Barrieren können die Nutzung von digitalen Diensten erschweren oder sogar unmöglich machen und können bei der Meldestelle für digitale Barrieren der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe gemeldet werden.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans-W. Micklitz, Andreas Oehler, mit Ergänzungen von T. Becker, U. Hansen, Michael-Burkhard Piorkowsky, Lucia Reisch und Ansgar Staudinger: Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirates zum Komplex Verbraucherpolitik in der digitalen Welt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 28. November 2006
  2. Drahtlos und völlig autark, ABB, 15. Juni 2015, abgerufen am 7. Juli 2015
  3. Messen & Märkte – CeBIT 2012, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), 6. März 2012, abgerufen am 17. Dezember 2014
  4. Douglas Rayner Hartree (1947). Calculating machines: recent and prospective developments and their impact on mathematical physics; and, Calculating instruments and machines. MIT Press. ISBN 978-0-262-08147-4.
  5. Bell Telephone Laboratories: Bell Telephone System Technical Publications. 1957.
  6. Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene: Travaux de chimie alimentaire et d'hygiène.. Drucksachen- und Materialzentrale, 1971.
  7. Manfred Feilmeier: Hybridrechnen.. Birkhäuser, 1974, ISBN 978-3-7643-0671-7.
  8. Vertrauen und Sicherheit, Digitale Agenda, abgerufen am 17. Dezember 2014
  9. Digitale Welt, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, abgerufen am 17. Dezember 2014
  10. Digitale Welt – Keine Verstecke, Die Zeit, 9. Januar 2014, abgerufen am 17. Dezember 2014
  11. Erben – Den digitalen Nachlass verwalten, test.de, 10. April 2013, abgerufen am 17. Dezember 2014
  12. Finanzmarktwächter und Marktwächter Digitale Welt starten und bauen Marktbeobachtung auf, vzbv.de vom 26. März 2015, abgerufen am 15. Juli 2015
  13. Verbraucherzentrale Bundesverband: Start der Marktwächter, verbraucher politik kompakt (vpk), Ausgabe 3/2014
  14. Wegweiser durch die digitale Welt – für ältere Bürgerinnen und Bürger, Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, abgerufen am 17. Dezember 2014
  15. Christian Radek: Barrierefreies E-Learning: Digitale Hürden überwinden, test.de, 6. Mai 2014, abgerufen am 17. Dezember 2014