Klasse-D-Verstärker

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Ein Klasse-D-Verstärker, anglisiert und im allgemeinen Sprachgebrauch Class-D-Verstärker (engl. class-D amplifier), auch schaltender Verstärker, Digitalendstufe oder Digitalverstärker genannt, ist ein elektronischer Verstärker, der vor allem als Leistungsverstärker (Endstufe) verwendet wird. Kennzeichnend ist, dass ein analoges oder auch digitales Audiosignal mittels eines geeigneten Verfahrens, beispielsweise durch Pulsweitenmodulation (PWM), in eine Folge von Pulsen gebracht wird. Dadurch kann die Endstufe im Schaltbetrieb gefahren werden, wodurch die Schaltelemente (praktisch immer Transistoren) entweder maximal leitend oder maximal isolierend sind und somit nur zwei Zustände kennen. Diese beiden Arbeitsbereiche weisen, im Gegensatz zu den in konventionellen Class-A, -B oder -AB-Verstärkern benutzten Zwischenzuständen des linearen Betriebs, nur wenig Verlustleistung auf. Mit dem PWM-Signal werden dann sowohl die Frequenzauflösung der Zeitachse (entsprechend der Abtastrate in der digitalen Audiotechnik), als auch die Dynamikauflösung des Pegels (entsprechend der Quantisierung bzw. Bit-Tiefe des Audiosignals) beschrieben. Durch einen Rekonstruktionsfilter (Tiefpass) hinter der Leistungsstufe wird ein dem Eingangssignal entsprechender kontinuierlicher Spannungsverlauf erzeugt. Eine andere Methode ist die Pulsfrequenzmodulation.[1]

Die Klasse D ergibt sich aus der Fortführung der mit Buchstaben gekennzeichneten Verstärkerbetriebsarten. Der gebräuchliche Begriff Digitalendstufe oder Digitalverstärker beschreibt eigentlich den Sonderfall des umgangssprachlich auch "volldigital" bezeichneten Class-D-Verstärkers und erweckt den falschen Eindruck, dass ein PWM-Verstärker die Verstärkung mittels Digitaltechnik vornehmen oder ausschließlich ein digitales Eingangssignal verstärken würde. Tatsächlich ist das generierte Pulsweitensignal ein analoges Signal mit grundsätzlich unendlicher Auflösung auf der Zeitachse. Auf Grund der Rechteckspannung ähnelt es einem durch die Clockrate in der Breite der Rechteckimpulse genau definierten Digitalsignal. Die Entwicklung eines Verstärkers für digitale Eingangssignale bis zur Ansteuerung der erforderlichen Leistungs-Schalttransistoren stellt dabei eine Herausforderung an analoge Schaltungsentwickler dar.[2]

Class-D-Verstärkertypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Class-D-Verstärker mit Pulsweitenmodulation, MOSFETs und analogem Eingang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blockdiagramm einer Halbbrücken-PWM-Endstufe

Im Folgenden wird ein Verstärker mit Pulsweitenmodulation (PWM) und analoger Ansteuerung beschrieben. Es gibt verschiedene andere analoge und digitale Verfahren bzw. Verfeinerungen, denen jedoch gemeinsam ist, dass ein Signal mit nur zwei Spannungszuständen entsteht, das im zeitlichen Mittel dem Eingangssignal entspricht. Beispiele sind die Pulsdichtemodulation (Pulsfrequenzmodulation), Delta-Sigma-Modulation oder Sliding-Mode-Regelung. Im Gegensatz zur Class-AB-Gegentaktendstufe, die ein Signal analog zum Originalsignal soweit verstärken kann, bis es die maximal vom Netzteil zur Verfügung stehende Spannung erreicht, arbeitet die PWM-Endstufe nach einem anderen Prinzip: Ein symmetrisch arbeitender Dreiecksgenerator schwingt mit einer typischen Frequenz von ca. 250 kHz (entsprechend einer Frequenzauflösung von 96 kHz Samplerate) bis zu einigen MHz, dessen Pegel von einem Komparator mit dem Pegel des zu verstärkenden Eingangssignals verglichen wird. Um ein mit 44,1 kHz gesampeltes 20-kHz-Audiosignal korrekt abzubilden, muss die Schaltfrequenz (oder Arbeitsfrequenz) des Class-D-Verstärkers mindestens 100 kHz betragen, da so wenigstens fünf Schaltzyklen die 20-kHz-Welle beschreiben können. Durch den Aufbau als Komparator verändert die Schaltung das analoge Tonsignal in eine Rechteckschwingung, wie in dem Blockdiagramm zu erkennen ist. Ist das Dreiecksignal größer als das Tonsignal, springt der Ausgang auf „high“, ist es kleiner, springt er auf „low“. Die maximale Impulsbreite ist dabei kleiner, als die Zykluszeit der Arbeitsfrequenz, und kann somit nie länger als ein Taktzyklus ein- oder ausgeschaltet (high oder low) sein. Das Tonsignal liegt nun im Tastverhältnis des PWM-Signals vor. Der Mittelwert ist dadurch etwa proportional zum Mittelwert des Tonsignals. Dieses PWM-Signal wird der Endstufe zugeführt, in welcher die eigentliche Verstärkung stattfindet, bestehend aus zwei Leistungstransistoren im Schaltbetrieb für je eine positive und eine negative Halbwelle.

Ein PWM-Class-D-Verstärker wird entweder als Halbbrücke mit zwei Transistoren und symmetrischer Versorgungsspannung (positive und negative Versorgungsspannung gegen Masse) aufgebaut, oder bei einfacher Spannungsversorgung mit vier Transistoren als Vollbrücke, welche zur Lastaufteilung zwei Halbbrückenstufen verwendet, welche jeweils die Hälfte des Stroms an den Ausgang liefern. Ein Vollbrückenverstärker hat jedoch auf Grund der höheren Schaltverluste einen bis zu 10 % niedrigeren Gesamtwirkungsgrad.[3][4] Die Transistoren einer Halbbrücke schalten dabei grundsätzlich mit jedem Taktzyklus um (ein Transistor für den Schaltzustand high, der andere für low). Um den Audiopegel - (minus unendlich) zu beschreiben, schalten die Transistoren also gleichmäßig ein und aus, das Verhältnis von Low- und High-Zuständen des Impulsbreitensignals beträgt dann 50 %. Um hingegen ein Audiosignal mit 100 Hz bei Vollausschlag zu beschreiben, werden beispielsweise zur Darstellung des sich über mehrere Taktzyklen der Arbeitsfrequenz erstreckenden Scheitels einer positiven Halbwelle immer ein Transistor die maximale Zeit und der andere Transistor die minimal mögliche Zeit eingeschaltet. Um einen Kurzschluss durch gleichzeitiges Schalten beider Transistoren auszuschließen, wird zwischen den Schaltzyklen eine zwangsweise Zeitverzögerung, die sog. Deadtime eingefügt. Durch diese Verzögerung kommt es sowohl in der Frequenz-, als auch in der Quantisierungsauflösung zu Verlusten sowie durch die damit bedingte Verfälschung des Signals zu einem erhöhten Klirrfaktor (THD) des Verstärkers. Aus diesem Grund wird versucht, die Deadtime so klein wie möglich zu halten, wobei bei den üblicherweise im Audiobereich verwendeten MOSFETs eine effektive Deadtime (10 % der Anstiegs- und Abfallzeiten der Transistoren mit eingerechnet) von 10 ns Anwendung findet.[5][6][7][8][9]

Der MOSFET IRF6645 hat beispielsweise eine Anstiegszeit von 5,0 ns (rise time) und eine Abfallzeit (fall time) von 5,1 ns,[10] exemplarisch der IRFI4212H-117P eine Anstiegszeit von 8,3 ns und eine Abfallzeit von 4,3 ns.[11][12]

Das impulsbreitengesteuerte Rechtecksignal, welches nun an seinen Schaltflanken dem Audiosignal eine unendlich hohe Frequenz überlagert, wird dann mittels eines Tiefpassfilters von den höheren Frequenzanteilen außerhalb des Audiospektrums befreit und an die Lautsprecher gegeben. Durch den hochfrequenten Schaltbetrieb ergeben sich verstärkt Störsignale im Bereich der PWM-Frequenz bzw. deren Oberschwingungen, welche bevorzugt durch die Lautsprecherleitungen abgestrahlt werden und die erhöhte Entstörmaßnahmen zur Vermeidung von Funkstörungen und Einhaltung der EMV-Vorschriften erforderlich machen. Zur Vermeidung von Phasenverschiebungen durch die kapazitiven und induktiven Elemente des Ausgangsfilters sowie der Funkentstörung kommen auch filterlose Modulationsverfahren wie die Frequenzspreizung zur Anwendung, wodurch die Störungen über einen größeren Frequenzbereich gestreut werden.[13][14] Damit realisierte Class-D-Verstärker sind als sogenannte Spread-Spectrum-Class-D-Verstärker erhältlich und benötigen je nach Ausgangsleistung und Länge der Verbindung zum Lautsprecher keinen Tiefpassfilter am Ausgang.[15]

Quantisierungsauflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Frequenzauflösung durch Erhöhung der Arbeitsfrequenz verfeinert werden kann, steht das Dynamikauflösungsvermögen in Abhängigkeit der Arbeitsfrequenz, der effektiven Deadtime, sowie des Eingangssignalpegels. Das Dynamikauflösungsvermögen zwischen zwei nacheinander folgenden Schnittpunkten von Eingangssignal und Dreiecksspannung ist zwar analog bzw. unendlich fein, wobei sich mit jeder geänderten Amplitude des Audiosignals auch der Abstand bzw. die Breite des Pulsweitensignals ändern müssten, jedoch können diese Abstände bzw. Breiten niemals feiner bzw. kürzer als die vorgegebene, effektive Deadtime werden. Dies macht sich statistisch insbesondere bei sehr hohen (positiven oder negativen) Werten des abzutastenden Eingangssignals bemerkbar, also insbesondere bei den Pegelspitzen eines Audiosignals in Vollaussteuerung, welche sich jeweils in sehr kurzen zeitlichen Abständen mit den Pegelspitzen der Dreiecksspannung schneiden. Sobald ein Schnittpunkt in die Deadtime fällt, erfolgt die Schaltflanke erst nach Ende der Deadtime, womit der entsprechende Dynamikwert nicht dargestellt werden kann. Da die Schaltflanke im ungünstigsten Fall um die gesamte Deadtime hinausgezögert wird und zu diesem Zeitpunkt bereits ein ganz anderer Amplitudenwert am Eingang anliegen kann, kann die Auflösung im ungünstigsten Fall generell durch die Deadtime begrenzt sein.[16] Sind die Schaltflanken des PMW-Signals länger als die Deadtime, so unterliegt die nachfolgende Schaltflanke wieder der analogen und unendlich feinen Auflösung. Ausgehend von einer Schaltfrequenz von 100 kHz (entsprechend einer digitalen Frequenzabtastung mit 44,1 KHz Samplerate) mit einer Zykluszeit von 10 µs (10.000 ns) sowie einer effektiven Deadtime von 10 ns wird also im ungünstigsten Fall bzw. in allen anderen Fällen eine generell vereinfachte, auf einen Taktzyklus beschränkte relative Auflösung von 1:1000 erreicht (für den gesamten Aussteuerungsbereich mit positiver und negativer Halbwelle zusammen), mit = 1024 also entsprechend einer 10 bit Digitalauflösung. Diese theoretische Berechnung der Auflösung lässt zur Vereinfachung einerseits etwaige Aussteuerungsreserven sowie weitere Anstiegs- und Abfallzeit der Transistoren, die sich durch thermische Veränderungen, induktive oder kapazitive Anteile im Signalverlauf oder lastbedingt verlängern und somit die Auflösung verschlechtern, sowie andererseits eine analoge bzw. unendlich feine Auflösung zwischen zwei Halb- oder Viertelperioden eines Zyklus bzw. den einzelnen Schnittpunkten von Eingangssignal und Dreiecksspannung außen vor. Wird der Class-D-Verstärker bei einer Arbeitsfrequenz von rund 250 kHz mit einer Zykluszeit von 4 µs (4.000 ns) betrieben (in der Frequenzauflösung entsprechend 96 kHz Abtastrate), liegt die relative, auf einen Taktzyklus bezogene Dynamikauflösung, wiederum bei einer effektiven Deadtime von 10 ns, bei 1:400, mit = 256 entsprechend 8 bit digitaler Auflösung. Bei einer Schaltfrequenz von 1 MHz, entsprechend einer Zykluszeit von 1 µs (1.000 ns), verbleibt innerhalb eines Taktzyklus die relative Auflösung von 1:100, mit = 64 also entsprechend einer Auflösung von 6 bit. Zum Vergleich beträgt das 16 bit Dynamikauflösungsvermögen im CD-Standard 1:65536 (mit = 65536).

Diese vereinfachte relative oder unter Annahme des ungünstigsten Falls erfolgte Berechnung zeigt neben den sich somit ergebenden, statistisch verteilt auftretenden Verlusten in der Quantisierungsauflösung, dass der Class-D-Verstärker mit zunehmender Arbeitsfrequenz mehr und mehr einem hochfrequenten 1 bit DA-Wandler ähnelt, dessen Dynamikauflösung jedoch bei weitem nicht erreicht werden kann.[17]

Class-D-Treiber-ICs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem klassischen Schaltungsaufbau mit MOSFETs gibt es auch integrierte Class-D-Verstärker, beispielsweise der Si824x mit analoger Eingangssektion, Halbbrückenschaltung, 120 W Leistung pro Kanal bei einer PMW-Frequenz von bis zu 8 MHz (entsprechend einer Zykluszeit von 125 ns), einer programmierbaren, minimalen Deadtime von 0,4 ns, einer Anstiegszeit von 20 ns, sowie einer Abfallzeit von 12 ns. Definiert man die effektive Deadtime wieder als Deadtime zuzüglich jeweils 10 % der Anstiegs- und Abfallzeit, so erreicht man mit dieser integrierten Schaltung eine minimale effektive Deadtime von 3,6 ns bzw. – im schlechtesten Fall – eine Quantisierungsauflösung von 1:34.[18][19][20]

Digitale Class-D-Verstärker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei schaltenden Verstärkern ist es möglich, die meisten Funktionen digital auszuführen. Das Eingangssignal ist dann meist ein pulscodemoduliertes Signal, das von einem Signalprozessor oder einer spezialisierten digitalen Modulatorschaltung in ein Ansteuersignal für die Endstufe umgewandelt wird. Neben der schon beschriebenen Pulsweitenmodulation wird hier die Delta-Sigma-Modulation benutzt. Wegen der durch die digitale Verarbeitung bedingten Quantisierungsfehler im Endstufensignal kommen Verfahren zur Rauschformung zum Einsatz. Erst bei der Ansteuerung der Endstufe wird die digitale Domäne verlassen – daher stellt ein digitaler Verstärker im Prinzip einen „Leistungs-Digital-Analog-Umsetzer“ dar.[21]

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungsaufnahme verschiedener (idealer) Gegentakt-Endverstärker
Wirkungsgrad verschiedener (idealer) Gegentakt-Endverstärker

Class-D-Verstärker zeichnen sich sowohl bei Netz- als auch bei Batteriebetrieb durch sparsameren Verbrauch und geringere Abwärme aus. Da somit kleinere Kühlkörper, bei integrierten Schaltungen sogar ein Verzicht auf Kühlkörper möglich sind, ergibt sich ein kompakterer Aufbau. Der theoretisch ideale Class-D-Verstärker hat einen leistungsunabhängigen Wirkungsgrad von 100 %. Der Wirkungsgrad idealer (Gegentakt-)Analogverstärker hingegen liegt bei Vollaussteuerung zwischen 78,5 % (Class-B) und 50 % (Class-A), der aber im Teillastbereich (bei Class-B linear mit der Ausgangsspannung, bei Class-A quadratisch mit der Ausgangsspannung) weiter abfällt und entsprechend ein Vielfaches der Ausgangsleistung an Abwärme erzeugt. Reale Class-D-Verstärker weisen bei Vollaussteuerung Wirkungsgrade von 85 bis 94 % auf, wobei selbst im Niederlastbereich bei 1 % der maximalen Ausgangsleistung noch Wirkungsgrade über 60 % möglich sind.[22]

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei nicht rückgekoppelten Class-D-Verstärkern, bei denen also etwaige Störsignale im Ausgang nicht gegengesteuert werden, kommt es durch lastbedingte Schwankungen der Versorgungsspannung durch Über- und Unterschwingen der Halbbrücken zu Verzerrungen des Ausgangssignals, da die Versorgungsspannung sowohl die Verstärkerschaltung, als auch die Last an sich versorgt. Bei nicht vollständig geglätteter Versorgungsspannung (bedingt durch ein minderwertiges Netzteil oder Brummschleifen) kommt es zudem im Leerlauf ohne Eingangssignal, insbesondere in niederpreisigen Aktivmonitoren, mitunter zu einem hörbaren 50-Hz-Brummen, was zusammen mit dem Grundrauschen je nach Einstellung der Eingangsverstärkung oftmals bereits aus einem Meter Entfernung hörbar wird. Eine Gegenkopplung ist zur Vermeidung von Instabilitäten auch nur begrenzt möglich, da bei etwaigen induktiven und kapazitiven Filterkomponenten am Ausgang des Verstärkers frequenzabhängige Phasenverschiebungen auftreten, welche zudem auf Grund der damit verbundenen Laufzeitdifferenzen (entsprechend einer passiven Frequenzweiche) die Ortbarkeit des Stereobildes beeinträchtigen. Ferner können das Hochfrequenzsignal des Modulators sowie die leistungsseitig generierte Rechteckspannung sowohl innerhalb des Verstärkers, als auch über die Lautsprecherleitungen zu Störungen in anderen Baugruppen führen, wenn dieses nicht sorgfältig entkoppelt und abgeschirmt wird. Im Vergleich zu anderen Verstärkertypen weisen Class-D-Verstärker aufgrund der Deadtime im Schaltzyklus mit den beschriebenen, statistisch verteilten Dynamikauflösungsverlusten ein erhöhtes Phasenrauschen bzw. einen eingeschränkten Rauschspannungsabstand sowie insb. bei sehr lauten Pegeln einen erhöhten THD-Wert auf, bei integrierten Schaltungen wie dem MAX9709 oder TAS5630B an der Leistungsgrenze mit einem THD > 10 %.[23][24] Ebenfalls weist der Class-D-Verstärker auf Grund der hohen Innenwiderstände der Schalttransistoren sowie der Induktivitäten der Ausgangsfilterung nicht den Dämpfungsfaktor eines Class-AB-Verstärkers auf und ist somit empfindlicher für induktive Rückkopplungen mit der Schwingspule des Lautsprechers.

Anwendungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Class-D-Verstärker finden Anwendung als Audioverstärker hauptsächlich im Bereich von Beschallungsanlagen mit hoher Leistung bei hoher Energieeffizienz, als Modulationsverstärker bei amplitudenmodulierten Rundfunksendern sowie zur drahtlosen Stromversorgung medizinischer Implantate.[25] Ein weites Anwendungsfeld findet sich darüber hinaus als HiFi-Verstärker und in Aktivboxen im Consumer- und Homerecording-Bereich, sowie überall dort, wo bei kleiner Leistung ein hoher Wirkungsgrad wichtig ist, z. B. in Endstufen für Kopfhörer in akkubetriebenen Geräten, Mobiltelefonen und MP3-Spielern. Aufgrund der Kombination von geringer Anforderung an die Bandbreite und des im Vergleich zu höheren Frequenzen erhöhten Leistungsbedarfs finden sie auch Anwendung in Verstärkern für Subwoofer. In Vollbrückenschaltung finden sich Class-D-Verstärker auch in der reinen Leistungselektronik in Schaltnetzteilen, Wechselrichtern und Frequenzumrichtern.

Class-D-Hybrid-Verstärker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kombinierung der Energieeffizienz der Class-D-Verstärker mit der Linearität der Class-AB-Verstärker wird erreicht durch eine Verschränkung beider Systeme. Ein mögliches Schaltungsdesign sieht z.B. vor, dass der Laststromkreis des Class-AB-Verstärkers von dem gefilterten Ausgangssignal des Class-D-Verstärkers versorgt wird, wobei beide Verstärker vom Eingangssignal angesteuert werden. Während so quasi sämtliche Nachteile des Class-D-Verstärkers vom Lautsprecher bzw. der Last entkoppelt werden, trägt der Class-AB-Verstärker selber nur noch mit einer anteilsmäßig relativ kleinen Leistung zur Gesamtleistung des Hybridverstärkers bei. Der Class-D-Verstärker alleine hätte beispielsweise (mit einem Wirkungsgrad von 90 %) bei 100 W Ausgangsleistung eine Verlustleistung von 10 Watt, ein Class-AB-Verstärker alleine (mit einem ungünstigen Wirkungsgrad von 50 %) hingegen volle 100 W Verlustleistung. Der hier beschriebene Hybridverstärker kommt mit rund 80 % Wirkungsgrad auf eine Verlustleistung von 30 W.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klasse-D-Verstärker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eric Gaalaas: Class D Audio Amplifiers: What, Why, and How. Analog Devices, Inc., Juni 2006, abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch).
  2. David Jones: Comparison of feedback implementations for digital audio amplifiers. AspenCore, 4. November 2007, abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch).
  3. Hubert Reith: Netzteile für class d. Abgerufen am 2. Januar 2017.
  4. Class D Amplifiers: Fundamentals of Operation and Recent Developments. Maxim Integrated Products, Inc., abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch).
  5. Karl Stephan: Analog and Mixed-Signal Electronics. John Wiley & Sons, Inc., Januar 2015.
  6. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche (Abschnitt 10.12)
  7. Jun Honda, Jonathan Adams: Class D Audio Amplifier Basics. Infineon Technologies AG, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 305 kB, englisch).
  8. Sergio Sánchez Moreno: Class D audio amplifiers: theory and design. Juni 2005, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 310 kB, englisch).
  9. Class-D-Verstärker, Schaltverstärker. fairaudio HiFi Lexikon, abgerufen am 2. Januar 2017.
  10. IRF6645 DirectFET Power MOSFET. Infineon Technologies AG, 5. August 2005, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 252 kB, englisch, Datenblatt).
  11. IRFI4212H-117P Digital Audio MOSFET. Infineon Technologies AG, 21. August 2006, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 254 kB, englisch, Datenblatt).
  12. Hubert Reith: Prinzipielle Fehlerquellen von class d. Abgerufen am 2. Januar 2017 (Oszillographenbild der tatsächlichen Schaltflanken).
  13. Texas Instruments ermöglicht deutlich niedrigere Systemkosten bei Consumer-Audioprodukten. Texas Instruments, 24. August 2009, abgerufen am 2. Januar 2017.
  14. Kristin Rinortner: Störspektren bei mehreren Schaltreglern verringern. Vogel Business Media GmbH & Co.KG, 14. Dezember 2010, abgerufen am 2. Januar 2017.
  15. MAX9709 25W/50W, Filterless, Spread-Spectrum, Stereo/Mono, Class D Amplifier. Maxim Integrated Products, Inc., 2014, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 1,3 MB, englisch, Datenblatt).
  16. Glen Ballou: Handbook for Sound Engineers. Hrsg.: Audio Engineering Society. Focal Press, 2015, S. 851 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  17. Ashish Gokhale: Know-how: 1-Bit-Wandlertechnik. music support group GmbH, abgerufen am 2. Januar 2017.
  18. Si824x Class D Audio Amplifier Reference Design. Silicon Laboratories, abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch).
  19. Si824x Class D Audio Drivers . Silicon Laboratories, abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch, Datenblätter, Schaltpläne und Benutzerhandbücher).
  20. Ashish Gokhale: Performance und Zuverlässigkeit in Class-D-Verstärkerschaltungen verbessern. Hüthig GmbH, 2. August 2011, abgerufen am 2. Januar 2017.
  21. Matt Felder, Evan Ragsdale: Klasse-D-Verstärker mit Digitaleingang. Hüthig GmbH, 25. März 2013, abgerufen am 2. Januar 2017.
  22. David Jones: TAS5630B 300-W Stereo and 400-W Mono PurePath HD Analog-Input Power Stage. Texas Instruments, November 2010, abgerufen am 2. Januar 2017 (PDF; 2,6 MB, englisch, White Paper).
  23. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  24. Johan Huijsing, Michiel Steyaert, Arthur van Roermund: Analog Circuit Design. Springer Science & Business Media, 20. März 2013.
  25. Stefan Stark: A High-Power CMOS Class-D Amplifier for Inductive-Link Medical Transmitters. University College of London, August 2015, abgerufen am 2. Januar 2017 (englisch).
  26. Glen Ballou: Handbook for Sound Engineers. Hrsg.: Audio Engineering Society. Focal Press, 2015, S. 852 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).