Digitales Kamerasystem

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Einige Komponenten eines digitalen Kamerasystems (von links oben nach rechts unten): Portraitobjektiv, Telezoomobjektiv, Superzoomobjektiv, Weitwinkelobjektiv, Standardzoomobjektiv, Kameragehäuse mit schwenkbarem elektronischen Sucher, Kameragehäuse mit festem elektronischen Sucher, Systemblitzgerät, Aufsteckblitz, Dreiersatz Zwischenringe, mechanischer Bajonettadapter für anderes Kamerasystem, Polfilter, Lochblendenobjektiv, Makrozoomobjektiv

Digitale Kamerasysteme sind Kamerasysteme, in denen digitale Bildsensoren zur Bildgebung eingesetzt werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für viele bereits in der analogen Fotografie verbreiteten Mittelformatkameras, Spiegelreflexkameras und Messsucherkameras gibt es mittlerweile digitalen Varianten, bei denen die Objektive und das Anschlussbajonett unverändert oder zum verkleinerten Bildkreis kompatibel geblieben sind. In einigen Fällen wurden auch die für die Analogfotografie entwickelten Kameragehäuse beibehalten, die mit einer digitalen Kamerarückwand ausgestattet wurden. Ferner wurde neue, meist spiegellose digitale Systemkameras entwickelt, bei denen dem Fotografen das Motiv im Live-View auf einem Monitor oder mit Hilfe eines elektronischen Suchers angezeigt wird.

Die digitale Elektronik von Kameragehäusen kann die Messwerte von Sensoren, wie zum Beispiel für Belichtungswerte, Kamerabewegungen, Motivbewegungen, Objektivbrennweiten oder Objektweiten, aber auch identifizierte Motive sowie manuelle Vorgaben des Fotografen automatisch auswerten, um durch die Steuerung von Belichtungsparametern wie zum Beispiel der Belichtungszeit, der Blendenzahl, der Sensorempfindlichkeit oder einer Gegenlichtkorrektur ein möglichst gutes digitales Bild aufnehmen und mit Hilfe der internen Datenverarbeitung speichern zu können.

Bei einigen Kamerasystemen können von den Objektiven auch der Aufnahmesituation entsprechende Korrekturdaten zur automatischen Kompensation von Abbildungsfehlern, wie Verzeichnung, Randlichtabfall oder Farbquerfehler an das Kameragehäuse übertragen werden.[1][2]

Die zu den Aufnahmen gehörenden Metadaten können zusammen mit den Bilddaten gespeichert werden, wie zum Beispiel in EXIF-Datensätzen oder im standardisierten digitalen Negativ.

Digitale Schnittstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb des Kamerasystems kommunizieren die Systemkomponenten in der Regel über proprietäre Schnittstellen. Hierzu zählen Bajonettanschlüsse für Objektive oder Zubehörschuhe für Blitzgeräte, Mikrophone oder Videoleuchten, aber es gibt zum Beispiel auch Infrarot-Fernbedienungen oder Adapter für das Geotagging.

Viele Kamerasysteme können auch über standardisierte digitale Schnittstellen mit Geräten außerhalb des Kamerasystems kommunizieren. Hierzu werden vor allem Speicherkarten, USB-Anschlüsse (Universal Serial Bus), HDMI-Anschlüsse (High Definition Multimedia Interface), aber auch Funknetze wie Wireless Local Area Network (WLAN), Near Field Communication (NFC) und Bluetooth eingesetzt.[3] Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass der Einsatz von mobilen Apps für Kameras mit drahtlosen Datenschnittstellen dazu führen kann, dass abgeschaltete Kameras von Dieben aufgespürt werden können[4] oder dass teilweise sogar sensible Daten an Server im Internet übertragen werden, die für die Kommunikation zwischen Mobilgerät und Kamera gar nicht erforderlich sind.[5]

Systemkomponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Systemkomponenten von digitalen Kamerasystemen sind:

Akkumulatoren, Balgengeräte, Batteriegriffe, Blitzgeräte, Fernauslöser, Kameragehäuse, Ladegeräte, Monitore, Nahlinsen, Neutraldichtefilter, Objektive, Polarisationsfilter, Remote-Apps, aufsteckbare Sucher, Telekonverter, Televorsatzlinsen, Tethering-Hard- und -Software, Tilt-und-Shift-Objektive, Unterwassergehäuse, Telekompressoren, Zwischenringe

Chronologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erweiterung bestehender Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegelreflextechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten digitalen Kamerasysteme basierten auf einigen bereits in der Fotografie mit Film etablierten Bajonettanschlüssen, so dass aufgrund der unveränderten Auflagemaße und den Anforderungen an die Bildkreisdurchmesser die bereits verfügbaren Objektive ohne mechanische Anpassungen verwendet werden konnten.

Die erste digitale Spiegelreflexkamera Kodak DCS 100 basierend auf dem Kleinbildkameragehäuse Nikon F3

Kodak bot 1991 Kodak DCS 100 die erste digitale Spiegelreflexkamera an, die aus einer adaptierten Nikon F3 mit digitaler Kamerarückwand besteht, sie verfügte über eine Bildauflösung von 1,3 Megapixeln. 1995 führten Nikon und Fujifilm mit Nikon E2 und E2S sowie Fujix DS-505 und DS-515 Digitalkameras ein, die erstmals nicht auf Adaptierung oder Umbau von Kleinbildkameras basierten, sondern ein neu konstruiertes Gehäuse mit Nikon-F-Bajonett verwendeten. Obwohl der Sensor nur eine Größe von 2/3 Zoll hatte, war bei diesen Kameras aufgrund eines eingebauten optischen Systems kein Formatfaktor zu berücksichtigen. Mit der Dimage RD-3000 stellte Minolta 1999 die erste Kamera vor, deren Sensorformat exakt dem Bildkreis des Systems entspricht, die Kamera verwendet einen Sensor in Größe des APS-Filmformats vor (nicht zu verwechseln mit den heutigen Sensoren, die von einigen Herstellern als „APS-C“ bezeichnet werden und deutlich kleiner sind) und ist Teil des Minolta-Vectis-Systems. 1999 führte Nikon mit der Nikon D1 die Basis seines heutigen digitalen Kamerasystems vor, und ein Jahr später folgte Canon mit seiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera EOS D30, an das Objektive mit dem verbreiteten Canon-EF-Bajonett angeschlossen werden konnten.[6]

Sigma stellte sein erstes digitales Spiegelreflexgehäuse Sigma SD9 mit dem alten Sigma-SA-Bajonett vor, das als Besonderheit über einen Foveon-X3-Bildsensor verfügte, und ebenfalls auf den zuvor schon angebotenen Kleinbildkameragehäusen basierte. Konica Minolta entwickelte mit der Konica Minolta Dynax 7D (2004) das erste Kameragehäuse mit Bildstabilisierung, in dem der beweglich gelagerte Bildsensor Verwacklungen der Kamera passend zur jeweils verwendeten Brennweite der Objektive des Minolta-A-Bajonettanschlusses ausgleichen konnte. Minolta hatte bereits zuvor die MS-C1100 (1992) und RD-175 (1995) mit eher experimenteller Ausrichtung angeboten. 2006 übernahm Sony das Minolta-A-Bajonett, stellte die Spiegelreflexkameras mit diesem Anschluss aber bis 2012 zugunsten der 2010 Kameras der SLT-Reihe mit gleichem Anschluss und elektronischem Sucher ein.

2003 folgte Pentax der Marktentwicklung mit einem digitalen Spiegelreflexkameragehäuse, dem Pentax *ist D, das den aus der Kleinbildfotografie bekannten Pentax-K-Bajonettanschluss mit Autofokus-Funktionalität (KAF) verwendete, jedoch mit einem Bildsensor mit Formatfaktor 1,5 ausgestattet war, der kleiner ist als der Kleinbildfilm, für den das KAF-Bajonett entwickelt wurde. Teilweise wurden diese Kameras geringfügig modifiziert ab 2008 von Samsung angeboten.[7]

Leica Camera bot 2005 ein digitales Rückteil für seine analogen Spiegelreflexgehäuse R8 und R9 an, das gegen die Rückwand der analogen Kameras ausgetauscht werden musste, um die Kameras zu Digitalkameras aufzurüsten.[8]

2016 brachte Ricoh mit dem Modell Pentax K-1 sein erstes digitales Spiegelreflexgehäuse mit einem Bildsensor im Vollformat heraus, dessen Bajonettanschluss KAF4 zum ersten Mal auch eine elektronische Blendensteuerung erlaubt.[9]

Spiegellose Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 kam von Epson die erste digitale Messsucherkamera R-D1 auf den Markt.[10] Das Kameragehäuse verfügte über einen Leica-M-Bajonettanschluss, der im Folgejahr auch von Leica selbst mit der digitalen Leica M8 verwendet wurde.

Neuentwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegelreflextechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kamera des Kamerasystems Four-Thirds Olympus E-1 mit Standardzoomobjektiv 14-54 mm f/2,8-3,5

Das erste vollständig für digitalen Einsatz konstruierte System war das 2000 eingeführte Contax-N-System.[11] Die anfangs angekündigte Contax N digital kam jedoch erst 2002 auf den Markt. Im Contax-N-System konnten aufgrund der Auslegung auf Vollformat auch Kameras zur Verwendung mit Kleinbildfilm realisiert werden.

2003 wurde von Kodak und Olympus das erste vollständig im digitalen Design entwickelte Kamerasystem Four Thirds für Spiegelreflexkameras mit deutlich geringerem Bildkreisdurchmesser und kleinerem Auflagemaß vorgestellt, das die halbe Bildsensordiagonale des Vollformats hat. 2004 schlossen sich auch Panasonic und Sigma diesem Standard an. Bei diesem Standard konnten Objektive erstmals Informationen zur digitalen Bildkorrektur an das Kameragehäuse übermitteln. Panasonic stieg 2006 mit seinem ersten digitalen Four-Thirds-Systemkameragehäuse Lumix DMC-L1 in diesen Markt ein.[12] Dieses Modell wurde bauähnlich auch von Leica unter der Bezeichnung Digilux 3 angeboten.

Leica startete 2008 mit seinem ersten digitalen Spiegelreflexsystem S im Mittelformat.[13]

2016 stelle Ricoh mit dem Kameragehäuse Pentax K-1 ein Gerät vor, bei dem mithilfe integrierter Positionsbestimmung, Neigungs- sowie Richtungssensoren und dem beweglich gelagerten Bildsensor nicht nur die Bildstabilisierung, sondern auch die Astro-Tracer-Funktion realisiert werden konnte. Mit dieser Funktion können bei langen Belichtungszeiten die sich gegenüber dem Horizont scheinbar bewegenden Sterne mitverfolgt und nicht als Strichspuren, sondern als Punkte aufgenommen werden.[14]

Spiegellose Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kamera des Kamerasystems Micro-Four-Thirds Panasonic Lumix DMC-G1 mit Standardzoomobjektiv 14-45 mm f/3,5-5,6

Panasonic stellte 2008 das erste Systemkameragehäuse Lumix DMC-G1 mit elektronischem Sucher im aus dem Four-Thirds-System weiterentwickelten und aufwärtskompatiblem Micro-Four-Thirds-System vor.[15]

Im Folgejahr bot auch Olympus ein erstes spiegelloses Kameragehäuse, das Pen E-P1, für dieses System an.[16] Beim Micro-Four-Thirds-System können individuelle Eigenschaften des Objektivs wie beispielsweise die Kenndaten der chromatischen Aberration oder der Verzeichnung an das Kameragehäuse übertragen werden, was eine automatisierte rechnerische Kompensation dieser Abbildungsfehler ermöglicht.[17]

Ricoh ging 2010 einen ganz anderen Weg und entwickelte das Kameramodulssystem GXR, bei dem die Bildsensoren nicht im Kameragehäuse, sondern jeweils und mit unterschiedlichen Sensorgrößen in den Objektivmodulen untergebracht war[18], während Samsung erste Produkte für sein erstes spiegelloses NX-System mit Bildsensoren im APS-C-Format und Sony das spiegellose Kamerasystem Sony NEX mit dem E-Bajonett ankündigte, das zunächst mit APS-C-Sensoren angeboten wurde.

Nikon startete 2011 mit Bildsensoren in der Ein-Zoll-Sensorklasse mit ersten Produkten seines ersten digitalen spiegellosen Kamerasystems Nikon 1.

Im Jahr 2012 bot Ricoh unter der Marke Pentax ein digitales spiegelloses Kamerasystem Q an, das über eine sehr kleine Bilddiagonale verfügt, wohingegen Fujifilm mit ersten Produkten seines ersten digitalen spiegellosen Kamerasystems Fujifilm X und Canon mit ersten sucherlosen Produkten seines ersten digitalen spiegellosen Kamerasystems Canon EOS M startete, die beide mit Bildsensoren der APS-C-Klasse arbeiten. Es kamen die ersten Kameras auf, bei denen zur Unterstützung der manuellen Entfernungseinstellung nicht nur eine Softwarelupe sondern auch das Fokus-Peaking eingesetzt werden kann. Olympus brachte mit dem Modell OM-D E-M5 sein erstes Systemkameragehäuse mit elektronischem Sucher heraus.[19]

Das E-System von Sony wurde 2013 auf das größere FE-System im Vollformat erweitert, dessen Kameragehäuse zur Sony-alpha-7-Serie gehören.[20]

Leica Camera bietet 2014 sein erstes digitales spiegelloses Kamerasystem im APS-C-Format Leica T an[21] und kündigte 2015 sein erstes spiegelloses Kamerasystem im Vollformat Leica SL an, das zum kleineren Leica-T-System kompatibel ist.[22] Mit dem Kameragehäuse Panasonic Lumix DMC-GH4 wurde die hochauflösende Videoaufzeichnung im 4k-Videomodus mit digitalen Systemkameras eingeführt.[19]

Sony alpha 7 Mark II

2015 brachte Olympus mit dem Modell OM-D E-M5 Mark II ein Kameragehäuse auf den Markt, bei dem der eigentlich für die Bildstabilisierung beweglich gelagerte Bildsensor bei mehreren aufeinanderfolgenden Einzelaufnahmen eines unbewegten Objektes geringfügig verschoben werden kann (Pixel-Shift), um daraus eine höher aufgelöste Gesamtaufnahme zusammenzustellen.[23] Im gleichen Jahr wurden mit der Sony A7 II und der Panasonic Lumix DMC-GX8 erste Kameragehäuse vorgestellt, bei denen die Bildstabilisierung im Kameragehäuse mit der Bildstabilisierung in Objektiven kombiniert werden kann. Bei Sony werden die verschiedenen zu stabilisierenden Achsen automatisch zwischen Objektiv und Kameragehäuse aufgeteilt, wohingegen bei Panasonic ("Dual-IS") sowie seit 2016 auch bei Olympus ("Sync-IS") alle vorhandenen Stabilisatoren sogar synchronisiert werden.[24] Von DJI Innovations wurde mit den Modellen Zenmuse X5 und X5R und von Yuneec mit dem Modell CGO4 (Drohnen) mit integrierten spiegellosen Systemkameragehäusen vorgestellt.[25][26] Ende 2015 wurde von Samsung mitgeteilt, dass der Vertrieb des 2010 eingeführten NX-Systems in Deutschland eingestellt wird.[27]

2016 stellte das schwedische Unternehmen Hasselblad das erste spiegellose Kamerasystem mit Autofokusobjektiven vor, das einen Bildsensor verwendet, der größer ist als das Kleinbildformat. Der Bildsensor im Bildseitenverhältnis 4 zu 3 hat eine Bilddiagonale von 54,78 Millimetern, die Normalbrennweite des X-Systems beträgt entsprechend rund 64 Millimeter.[28][19] Auf der Messe photokina stellte auch Fujifilm Mitte September mit seinem GFX-System ein neues spiegelloses Kamerasystem im Mittelformat vor.[29] Sigma stellte mit der Modellreihe sd Quattro eine spiegellose Variante seiner Systemkameragehäuse vor, die mit dem Sigma SA Bajonett aus der Zeit der analogen Fotografie kompatibel ist und dasselbe Auflagemaß verwendet.[30]

Panasonic Lumix DC-GH5

Anfang 2017 kündige Panasonic mit dem Modell GH5 ein wetterfestes Kameragehäuse an, dass zeitlich unbegrenzte Ultra-HD-Aufnahmen mit 60 Vollbildern pro Sekunde, Videoaufnahmen mit einer Datenrate von bis zu 400 Megabit pro Sekunde und mit einer Farbunterabtastung von 4:2:2 mit 10 Bit Farbtiefe sowie Full-HD-Aufnahmen mit bis zu 180 Bildern pro Sekunde aufnehmen kann. Es ist ferner das erste Modell mit einem 6k-Fotomodus, mit dem bis zu 30 18-Megapixel-Bilder pro Sekunde aufgezeichnet werden können.[31] Des Weiteren kamen Kameragehäuse auf den Markt, bei denen auch beim Fotografieren von Serienbildern ein kontinuierliches Sucherbild angezeigt werden kann.[32] Bei der Bildfolgefrequenz wurden mit automatischer Schärfenachführung und mit elektronischem Verschluss mittlerweile 20 Bilder pro Sekunde erreicht.[32][33]

Vergleich verschiedener Bildgrößen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zusammenhang zwischen Bildgröße und Bildweite bei einer reellen Abbildung mit einer Sammellinse mit konstanter Öffnungsweite und konstantem Bildwinkel

Äquivalente Brennweiten erzeugen in den zu vergleichenden Kamerasystemen Bilder mit dem gleichen Bildwinkel , und sie hängen vom Bildkreisdurchmesser und somit von der Bildsensordiagonale ab. Die Normalbrennweite erzeugt ein Bild mit einem Bildwinkel von rund 47°, und sie ist um zirka 16 Prozent größer als der jeweils verwendete Bildkreisdurchmesser. Kürzere Brennweiten erzeugen weitwinklige Aufnahmen mit größerem Bildwinkel und längere Brennweiten erzeugen teleskopische Aufnahmen mit kleinerem Bildwinkel.

Bei der gleichen Öffnungsweite und gleichem Bildwinkel ergibt sich bei allen Kamerasystemen die gleiche Schärfentiefe und die gleiche relative Beugungsunschärfe. Dies bedeutet, dass die äquivalente Blendenzahl im gleichen Maße kleiner oder größer ist wie die äquivalente Brennweite.

Unter diesen Voraussetzungen ergibt sich im Objektiv der gleiche Lichtstrom und je kleiner die Bildsensorfläche ist, desto größer ist daher die äquivalente Beleuchtungsstärke in der Bildebene. Gleichzeitig ist wegen der kleineren Bildweite und des somit größeren Raumwinkels, der durch den größeren bildseitigen Öffnungswinkel des Objektivs erfasst wird, die äquivalente photometrische Lichtstärke in der Bildebene kleiner. Auf dem Bildsensor resultiert daher bei allen Kamerasystemen für die Aufnahmen die gleiche Leuchtdichte und somit auch der gleiche Belichtungswert.

Bei einer kleineren äquivalenten Blendenzahl muss die fotografische Abbildung bei gleichem Belichtungsindex (ISO-Lichtempfindlichkeit) mit einer kürzeren äquivalenten Belichtungszeit beziehungsweise bei gleicher Belichtungszeit mit einer kleineren äquivalenten Belichtungsindex aufgenommen werden und umgekehrt. Bei äquivalentem Belichtungsindex sind die motivbedingte Bewegungsunschärfe respektive die kamerabedingte Verwacklungsunschärfe der Aufnahmen demzufolge gleich. Ferner ergibt sich auch dieselbe erforderliche Leitzahll für Blitzlichtaufnahmen.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft einige äquivalente Bildparameter für einige gängige digitale Bildsensorformate, bei denen die fotografische Bildgestaltung identisch ist: Ferner ist angegeben, wie um welche Länge die Bildebene aus der Brennebene verschoben werden muss, um ein Objekt in einem Meter Objektweite bei Normalbrennweite scharfzustellen.[34]

Bildsensor-
größenklasse
Brennweite bei
Weitwinkelaufnahme
(diagonaler Bild-
winkel ≈ 75°)
Brennweite bei
Normalwinkelaufnahme
(diagonaler Bild-
winkel ≈ 47°)
Brennweite bei
Teleaufnahme
(diagonaler Bild-
winkel ≈ 29°)
Blendenzahl bei
gleicher Schärfentiefe
und gleicher relativer
Beugungsunschärfe
Belichtungsindex
(ISO-Wert) bei gleicher
Schärfentiefe, Beugungs-
und Bewegungsunschärfe
Stellweg im Bildraum in mm
bei der Scharfstellung
von unendlich auf
ein Meter im Objektraum
Nikon 1 10 mm 18 mm 31 mm 1,7 100 0,33
Micro Four Thirds 14 mm 25 mm 42,5 mm 2,4 200 0,64
APS-C 18 mm 33 mm 57 mm 3,2 400 1,1
Vollformat 28 mm 50 mm 85 mm 4.8 800 2,6
Mittelformat 40 mm 70 mm 120 mm 6.3 1600 5,3

Je größer der Stellweg für die Scharfstellung ist, desto mehr Energie und Zeit ist bei der mechanischen Verschiebung der optischen Komponenten im Bildraum erforderlich. Gleichzeitig ist allerdings die für einen maximalen Fokussierungsfehler geforderte Präzision der Scharfstellung bei größeren Bildsensoren geringer.[35]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Next Generation: Wandel in der Aufnahmetechnik, film-tv-video.de, News - Reports, 9. Juni 2010, abgerufen am 26. Dezember 2015
  2. Richard Butler: A distorted view? In-camera distortion correction, dpreview.com, 2. September 2011, abgerufen am 26. Dezember 2015
  3. Nikon stellt mit der neuen Snapbridge-Konnektivität die Kamera ins Zentrum der Personal Devices, Pressemitteilung, Nikon, 5. Januar 2016, abgerufen am 23. April 2016
  4. Nikon mit SnapBridge: Bluetooth besser abschalten, test.de vom 15. August 2017, abgerufen am 5. September 2017
  5. Kamera-Apps und Daten­schutz: Yi funkt persönliche Daten nach China, test.de vom 5. September 2017, abgerufen am 5. September 2017
  6. Phil Askey: Canon EOS-D30 Review, dpreview vom Oktober 2000, abgerufen am 5. November 2015
  7. Karl Stechl: Samsung GX-1L/GX-1S, pc-magazin.de vom 9. Januar 2008, abgerufen am 5. November 2015
  8. Digitalrückteil für Leica R8 und R9: Scharfe Bilder wie noch nie, test.de vom 23. Januar 2006, abgerufen am 7. November 2015
  9. Kamera Pentax K-1: Spiegelreflexkamera für hohe Ansprüche, test.de vom 3. August 2016, abgerufen am 20. September 2016
  10. Digitale Messsucherkamera Epson R-D1: Zurück zu den Wurzeln?, test.de vom 26. Mai 2005, abgerufen am 5. November 2015
  11. Hans-Jürgen Kuc: Auf den Spuren der Contax. Band II. 2. Auflage, 266 Seiten, Wittig Fachbuchverlag, 2003, ISBN 3930359340, Seite 253–257
  12. Panasonic Lumix DMC-L1, test.de vom 16. November 2006, abgerufen am 26. Dezember 2015
  13. Legendäre Leicas, leica-camera.com, abgerufen am 5. November 2015
  14. Kamera Pentax K-1: Spiegelreflexkamera für hohe Ansprüche, test.de vom 3. August 2016, abgerufen am 31. Dezember 2017
  15. Systemkamera Panasonic Lumix G1: Meilenstein der Fototechnik, test.de vom 6. Februar 2009, abgerufen am 5. November 2015
  16. Olympus Pen E-P1, digitalkamera.de, abgerufen am 5. November 2015
  17. Richard Butler: A distorted view? In-camera distortion correction, dpreview.com, 2. September 2011, abgerufen am 23. Januar 2016
  18. Michael Ludwig: Baukasten-Kamera, chip.de vom 19. Januar 2010, abgerufen am 5. November 2015
  19. a b c Andy Westlake: The rise of mirrorless compact system cameras, Amateur Photographer, 15. September 2016, abgerufen am 20. September 2016
  20. Leif Bärler: Sony Alpha und NEX: Alle Systemkameras im Test, pc-magazin.de von 27. Oktober 2013, abgerufen am 5. November 2015
  21. Leica T: Edel-Systemkamera im Test, computerbild.de vom 14. Juni 2014, abgerufen am 5. November 2015
  22. Christoph Jehle: Leica SL: Spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor, heise.de vom 20. Oktober 2015, abgerufen am 5. November 2015
  23. Olympus OM-D E-M5 Mark II: Systemkamera mit Gimmick für Posterfreunde, test.de vom 17. Juni 2015, abgerufen am 31. Dezember 2017
  24. Benjamin Kirchheim: Vor- und Nachteile von Sensor- und Objektiv-Bildstabilisatoren, digitalkamera.de vom 7. März 2016, abgerufen am 24. Juni 2017
  25. DJI - weltweit erste Micro-Four-Third Kamera für kommerzielle Luftbildaufnahmen, presseportal vom 11. September 2015, abgerufen am 14. September 2015
  26. Jan-Markus Rupprecht: Yuneec CGO4 Micro-Four-Thirds-Kamera für H920 Hexakopter vorgestellt, digitaleyes.de, 12. November 2015, abgerufen am 28. Dezember 2015
  27. Samsung zieht sich aus dem deutschen Markt zurück, test.de, 10. Dezember 2015, abgerufen am 28. März 2016
  28. X System X1D-50c, hasselblad.com, abgerufen am 22. Juni 2016
  29. Fujifilm lanciert das Mittelformat GFX System mit der Fujifilm GFX 50S, fotointern.ch vom 19. September 2016, abgerufen am 20. September 2016
  30. Sophia Zimmermann: sd Quattro: Erster Eindruck von Sigmas spiegelloser Systemkamera, heise.de vom 12. August 2016, abgerufen am 7. Januar 2017
  31. Moritz Wanke: Panasonic Lumix GH5 im Praxis-Test: Power-DSLM mit 6K ausprobiert, chip.de vom 4. Januar 2017, abgerufen am 7. Januar 2017
  32. a b Martin Vieten: Kurz ausprobiert: Sony Alpha 9, photoscala vom 1. Mai 2017, abgerufen am 30. Dezember 2017
  33. Luca Diggelmann: Test: Panasonic Lumix G9, PCtipp vom 18. Dezember 2017, abgerufen am 30. Dezember 2017
  34. Auswirkung der Bildgröße auf Abbildungsparameter, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Bildaufnahme, abgerufen am 28. Dezember 2015
  35. Äquivalenter Fokussierungsfehler, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Bildaufnahme, abgerufen am 1. Dezember 2017