Dimenhydrinat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Dimenhydrinat1.svg     Dimenhydrinat2.svg
Allgemeines
Freiname Dimenhydrinat
Andere Namen
  • (2-Benzhydryloxyethyl)-dimethylammonium-8-chlor-1,3-dimethyl-3,7-dihydropurin-2,6-dion
  • Dramamine
Summenformel C24H28ClN5O3
Externe Identifikatoren/Datenbanken0[Ein-/ausblenden]
CAS-Nummer 523-87-5
PubChem 441281
DrugBank DB00985
Wikidata Q420439
Arzneistoffangaben
ATC-Code

R06AA02

Wirkstoffklasse

Antihistaminikum, Antiemetikum

Wirkmechanismus

Kompetitiver Antagonismus zum Histamin am H1-Rezeptor.

Eigenschaften
Molare Masse 469,96 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [1]
Toxikologische Daten

1320 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Dimenhydrinat ist ein Salz aus Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin und damit eine Kombination zweier Wirkstoffe. Diphenhydramin ist ein H1-Rezeptor-Antagonist (Antihistaminikum der 1. Generation) und wird vorwiegend als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetikum) und Beruhigungsmittel (Sedativum) eingesetzt. Chlortheophyllin ist ein mildes Anregungsmittel (Stimulans) und wird zugesetzt, um die Müdigkeit zu vermindern. Diphenhydramin ist zudem ein nichtselektiver Serotoninwiederaufnahmehemmer und hat somit ggf. auch eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Medikament wirkt auf das zentrale Nervensystem, wo es primär kompetitiv H1-Rezeptoren blockiert. Das Diphenhydramin wirkt dabei als inverser Agonist. Wie andere H1-Antihistaminka der ersten Generation, handelt es sich zudem um ein Dirty-Drug, welches auch anticholinerge Eigenschaften aufweist. Ferner wird das 8-Chlortheophyllin als A-Rezeptor-Antagonist eingesetzt, um die Müdigkeit, welche durch die H1-Blockade ausgelöst wird, (im Sinne eines funktionellen Antagonisten) einzudämmen.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dimenhydrinat darf gemäß deutscher, österreichischer und Schweizer Zulassung zur Vorbeugung und symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen unterschiedlicher Ursache, insbesondere von Reiseübelkeit, angewendet werden.

Dimenhydrinat ist zur alleinigen Behandlung von durch Chemotherapie hervorgerufener Übelkeit und Erbrechen nicht geeignet.[2]

In den USA ist Dimenhydrinat als Tablette und als Kautablette frei erhältlich[3] sowie als verschreibungspflichtige Injektion verfügbar.[4]

Gegenanzeigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Dimenhydrinat zur intravenösen Injektion (Handelsname Vomex A) werden in der Fachinformation folgende absolute Gegenanzeigen aufgezählt:[2]

Vomex A darf nicht angewendet werden bei

Folgende relative Gegenanzeigen (als Gabe unter besonderer Vorsicht bezeichnet) werden angegeben:

  • Eingeschränkte Leberfunktion
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)
  • Kaliumarmut (Hypokaliämie), Magnesiumarmut (Hypomagnesiämie)
  • Langsames Herz (Bradykardie)
  • Angeborenes Langes QT-Syndrom oder andere klinisch signifikante Herzstörungen (insbesondere koronare Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen)
  • Gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern (z. B. Antiarrhythmika Klasse IA oder III, Antibiotika, Malaria-Mittel, Antihistaminika, Neuroleptika) oder zu einer Hypokaliämie führen
  • Chronische Atembeschwerden und Asthma
  • Übelkeit durch verengten Magenausgang (Pylorusstenose)

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Kauens von Dimenhydrinat-Präparaten kann ein vorübergehendes Taubheitsgefühl der Mundschleimhäute auftreten. Abhängig von der individuellen Empfindlichkeit und der eingenommenen Dosis kann Dimenhydrinat u. a. zu Schläfrigkeit und Benommenheit führen. Als sogenannte anticholinerge Begleiterscheinungen können Mundtrockenheit, Erhöhung der Herzschlagfolge, Gefühl einer verstopften Nase, Sehstörungen, Erhöhung des Augeninnendrucks und Störungen beim Urinieren auftreten. Patienten mit angeborenem Long-QT-Syndrom sollten auf eine Einnahme verzichten, da das QT-Intervall im EKG durch Dimenhydrinat bei entsprechender Veranlagung gefährlich verlängert werden kann.

Diphenhydramin kann in höheren Dosierungen (von ca. 400 mg) halluzinogen und delirant wirken. In der Drogenszene wird es als "DMH" bezeichnet. In diesem Zusammenhang werden jedoch reine Diphenhydramin-Produkte (ohne 8-Chlortheophyllin-Komponente) bevorzugt.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Antemin (CH), Emedyl (A), Reisefit Hennig (D), Reisegold (D), Reisetabletten (D), Superpep (D), Travel-Gum (A), Trawell (CH), Vertigo-Vomex (D), Vertirosan (A), Vomacur (D), Vomex A (D), RubieMen (D)

Kombinationspräparate

Antemin compositum (CH), Arlevert (D, A), Dropa (CH), Gem Voyage (CH), Neo-Emedyl (A), Rhin-X (CH), Rotpunkt Apotheke Reisedragées (CH), Synkapton (A), Tesero (CH), Vertirosan Vitamin B6 (A)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Datenblatt Dimenhydrinate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 25. März 2011 (PDF).
  2. a b Fachinformation, Firma Astellas, Vomex A Injektionslösung, Stand 11/2008, abgerufen 24. September 2012.
  3. Food & Drug Administration – MedlinePlus: Dimenhydrinate. Abgerufen am 8. April 2014.
  4. Food & Drug Administration: Dimenhydrinate. Abgerufen am 8. April 2014.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!