Diplom-Handelslehrer

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Diplom-Handelslehrer (Dipl.-Hdl., Diplom-Wirtschaftspädagoge) ist in Deutschland ein Hochschulabschluss. Er wurde im Allgemeinen über ein Studium der Wirtschaftspädagogik an einer Universität oder Technischen Universität mit den Pflichtstudienfächern Betriebswirtschaftslehre (BWL), Volkswirtschaftslehre (VWL), Recht, Rechnungswesen, Pädagogik, Psychologie und ggf. Wahlfächern wie Englisch, Deutsch, Geschichte, Theologie oder Informatik erworben. Ausbildung und Abschluss wurden über eine Prüfungsordnung der Hochschule geregelt. Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurden die bisherigen Diplom-Studiengänge in äquivalente Bachelor- und Master-Studiengänge umgewandelt. Die fachliche bzw. wissenschaftliche Ausrichtung blieb jedoch weitgehend gleich.

Studieninhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studium wurde mit einer Diplomarbeit abgeschlossen und berechtigt zum Führen des akademischen Grades Dipl.-Hdl., seltener des Dipl.-Wirtsch.-Päd. Das Studium war sehr praxisorientiert und ermöglichte den Absolventen sowohl einen Einsatz im schulischen Bereich (Sekundarstufe II) als auch im universitären Bereich und in der Wirtschaft.

Die Technische Universität Kaiserslautern bot eine Ausbildung zum Diplomhandelslehrer/Technik an. An der Otto-Friedrich-Universität Bamberg gab es die Ausbildung zum Diplom-Handelslehrer/WI mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Inzwischen ist diese durch einen entsprechenden Studienschwerpunkt im BWL-Studium und wirtschaftspädagogische Master-Programme ersetzt worden.

Der größere Teil der Diplom-Handelslehrer wählte den Schulbereich und wird in erster Linie an Wirtschafts- und Berufsschulen, Berufskollegs und Kollegschulen eingesetzt. Sie unterrichten primär in wirtschaftsbezogenen Fächern wie Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen (Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung, einschließlich Finanzbuchhaltung), Volkswirtschaftslehre und weitere ausbildungsspezifische Fachinhalte oder je nach Studiengang auch beispielsweise Sprachen.

In der freien Wirtschaft werden Diplom-Handelslehrer oft in Bereichen der Dualen Ausbildung eingesetzt, um dort den Auszubildenden theoretische Bezugspunkte und Hintergrundwissen zu vermitteln. Die heutige Internationalisierung und Globalisierung bietet für Diplom-Handelslehrer wegen der weit gefächerten Studieninhalte zusätzlich gute Berufschancen in international tätigen Unternehmen, insbesondere wenn fundierte Fremdsprachenkenntnisse vorliegen. Der Bedarf überstieg zeitweise das Angebot an Absolventen.

Umstellung auf Bachelor und Master[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Problematisch ist derzeit die Zukunft des Studiengangs Wirtschaftspädagogik: Mit Umstellung auf Bachelor und Master ergibt sich das Problem, dass der Bachelor in Wirtschaftspädagogik nicht zum Lehramt an beruflichen Schulen befähigt. Somit müssten alle Bachelor-Absolventen zusätzlich den Master absolvieren. Andererseits wird von Seiten der Universität gefordert, dass nur 20 bis 30 % der Bachelorabsolventen einen Master machen dürfen. Ob große Teile der Absolventen ohne Masterabschluss einer Anstellung in der freien Wirtschaft nachgehen können, ist zurzeit noch nicht absehbar. Alternativ zu einem auf Wirtschaftspädagogik ausgerichteten Bachelorabschluss gibt es auch Pläne, den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften zu machen und den folgenden Master speziell auf Wirtschaftspädagogik auszurichten. Da sich bisher das Grundstudium der Wirtschaftspädagogik und der Wirtschaftswissenschaften weitestgehend deckten, kann davon ausgegangen werden, dass ein spezieller Bachelorstudiengang nicht bzw. relativ selten eingerichtet wird.

Vor einem beruflichen Einsatz an Schulen im öffentlichen Bereich ist nach dem abgeschlossenen Studium noch eine ein- bis zweijährige Referendarzeit (Referendariat) zu absolvieren. Danach erfolgt bei ausreichender Eignung und Leistung die Einstellung als Studienrat. Das Einstiegsamt gehört zu Besoldungsgruppe A 13. Weitere Beförderungsmöglichkeiten bestehen im Rahmen der üblichen Beförderungsämter im höheren Dienst.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]