Diptychon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Diptychon (Gemälde))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt bestimmte zweigeteilte Kunstwerke – zu anderen Bedeutungen siehe Diptychon (Begriffsklärung).

Als Diptychon (Plural: Diptychen, Diptycha; von altgriechisch díptychos „doppelt gefaltet“) werden zweiteilige Relieftafeln oder zweigeteilte Gemälde bezeichnet, die in der Regel mit Scharnieren zum Aufklappen verbunden sind.

Konsulardyptichon des Manlius Boetius, 487 n. Chr.

Spätantike[Bearbeiten]

Diptychen waren ursprünglich paarweise zusammenhängende Schreibtäfelchen, zum Beispiel aus Holz oder Metall, deren vertiefte Innenflächen mit einer Wachsschicht bedeckt waren und mit einem Metallstift zu beschreiben waren. Mit Riemen oder Ringen zusammengehalten, konnte der Inhalt durch Zusammenklappen geschützt werden. Besonders kostbar sind die von spätantiken Konsuln ("Konsulardiptychen")[1] und anderen Würdenträgern verschenkten Diptychen aus Elfenbein, die sich aus dem 4. bis 6. Jahrhundert erhalten haben. Die Darstellungen auf ihren Außenseiten beziehen sich auf den Anlass (Jahreswechsel, Amtsantritt, etc.). Einige Kaiserdiptychen bestehen aus Hälften, die jeweils aus fünf Elfenbeinplatten zusammengesetzt sind.

Mittelalter[Bearbeiten]

Elfenbeindiptychon aus Genoels-Elderen, 9. Jahrhundert, linke Hälfte
Elfenbeindiptychon aus Genoels-Elderen, 9. Jahrhundert, rechte Hälfte

Einige dieser Reliefs haben sich erhalten, weil sie im Mittelalter wiederverwendet wurden, doch dienten sie nicht mehr als Schreibtafeln, sondern als Buchdeckel oder Hüllen für Verzeichnisse von Lebenden und Toten, derer im Gottesdienst besonders zu gedenken war (→ Hauptartikel Diptychon (Liturgie)). byzantinische und weströmische Elfenbeinreliefs dieser Art dürften im Besitz Karls des Großen gewesen sein, wie am Stil der Elfenbeinarbeiten aus der Hofschule Karls des Großen ablesbar ist. [2] Von der karolingischen bis in die romanische Zeit wurden solche Werke nachgeahmt.

Maria, von Engel gekrönt und Kreuzigung. Elfenbeinrelief, Paris, spätes 14. Jahrhundert. Bonnefantenmuseum Maastricht

Nachdem sich in ottonischer Zeit die Kunst des Elfenbeinreliefs vom hochrechteckigen Zuschnitt der klassischen Schreibtafeln abgewandt hatte, wird in der Gotik das Diptychonformat in diesem Zweig der Reliefkunst wiederbelebt. Pariser Werkstätten des späten 13. Jahrhunderts produzierten bis ins 15. Jahrhundert in großer Menge diese kleinen Doppeltäfelchen. Ihre Bildschemata zeigen auf den Innenseiten teils flächenfüllende Einzeldarstellungen, teils gegliederte Felderteilungen mit szenischen Folgen: Passionserzählungen und mariologische Themen herrschen vor und verweisen auf den Andachtsbildcharakter der als Haus- und Reisealtärchen gebrauchten Kleinkunstwerke.[3] An ihr hohes künstlerisches Niveau reichen die deutschen, italienischen und englischen Nachahmungen nicht heran.

Gemalte Diptychen[Bearbeiten]

Gleichzeitig mit diesen gotischen Elfenbeindiptychen treten in Italien auch gemalte Diptychen erstmals auf. Im frühen 14. Jahrhundert folgen Deutschland, später auch Frankreich und die Niederlande. Auch die Außenseiten eines Diptychons können bemalt sein. Seine Rolle als privates Devotionsobjekt brachte es mit sich, dass sich im Spätmittelalter die Stifter oder Auftraggeber auf der einen Hälfte des Bildpaars im Gestus der Verehrung einer gegenüber angebrachten Darstellung darstellen ließen. Von da war es nicht mehr weit zum rein profanen Diptychontyp mit Doppelporträt, wie es aus Anlass von Verlobung oder Hochzeiten in den Jahrzehnten um 1500 gehäuft vorkommt. Wo es die mechanische Verbindung, das kleine Format, den privaten Charakter verliert und zu zwei einzelnen, wenn auch korrespondierenden, repräsentativen Tafelbildern wird, ist allerdings der Begriff Diptychon nicht mehr angemessen.

Beispiel für ein Andachtsbild-Diptychon

Wilton-Diptychon (um 1395, National Gallery London)

  

Beispiel für ein weltliches Diptychon

Hans Holbein der Jüngere (1516, Kunstmuseum Basel)

Berühmte Diptychen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Delbrück: Die Consulardiptychen und verwandte Denkmäler. Studien zur spätantiken Kunstgeschichte II. Berlin 1929.
  2. Hermann Schnitzler: Die Elfenbeinwerke der Hofschule, in: Karl der Große, Katalog zur Ausstellung Aachen 1965, S. 309-347, bes. S. 320.
  3. Raymond Koechlin: Les Ivoires gothiques francais, 2 Bände , Paris 1924. Digital: [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Diptychon, in: Lexikon des Mittelalters, Band 3, München 1986, Spalte 1102f.
  • Wolfgang Kermer: Studien zum Diptychon in der sakralen Malerei: von den Anfängen bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. Stehle, Düsseldorf 1967 (Doktorarbeit Universität Tübingen).
  • John Oliver Hand, Catherine A. Metzger, Ron Spronk: Anmut und Andacht: das Diptychon im Zeitalter von Jan van Eyck, Hans Memling und Rogier van der Weyden. Belser, Stuttgart 2007, ISBN 3-7630-2473-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diptychen – Bilder und Mediendateien