Dirk Kurbjuweit

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Dirk Kurbjuweit (2011)

Dirk Kurbjuweit (* 3. November 1962 in Wiesbaden) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Seit dem 25. Mai 2023 ist er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurbjuweit wuchs als Sohn des kaufmännischen Angestellten Kuno Kurbjuweit und seiner Frau Margret, geb. Bösel, in Berlin und Essen auf.[2] Sein Vater entstammt einer Dattelner Kaufmannsfamilie; seine Mutter war die Tochter eines Bergmanns aus Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) und eine Klassenkameradin von Irmhild Indenbirken, der Mutter des Schauspielers Leonardo DiCaprio.[2] Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium in Essen-Kettwig 1982 studierte Kurbjuweit seit 1983 Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und schloss 1989 als Diplom-Volkswirt ab.[3][4][5] Gleichzeitig besuchte er die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft und erhielt 1988 von der Heinz-Kühn-Stiftung ein dreimonatiges Auslandsstipendium in Sambia. Von 1990 bis 1999 war er Redakteur bei der Zeit, ab 1999 beim Spiegel.[6] Ab 2002 war er stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros, danach Autor. Von Juli 2007 an war er zusammen mit Georg Mascolo Leiter des Hauptstadtbüros. Nach der Berufung von Georg Mascolo zum Chefredakteur im Januar 2008 war Kurbjuweit bis März 2012 alleiniger Leiter des Hauptstadtbüros. Von Februar 2015 bis Dezember 2018 war Kurbjuweit einer von drei stellvertretenden Chefredakteuren und seit Januar 2019 wieder Leiter des Hauptstadtbüros.[7] Im Mai 2023 wurde bekannt, dass Kurbjuweit als Nachfolger von Steffen Klusmann Chefredakteur des Spiegels werden solle.[1][8]

Er ist auch als Autor von erzählerischen Werken, Sachbüchern und Drehbüchern (zusammen mit dem Regisseur Jobst Oetzmann sowie dem Filmmusik-Komponisten Dieter Schleip verwirklicht) hervorgetreten. Kurbjuweit ist Stifter des Recherche-Stipendiums Seminyak.

Kurbjuweit hat drei Kinder, mit seiner Lebensgefährtin lebt er heute in Berlin.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei seiner Reportagen wurden mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet (1. Preis in den Jahren 1998 und 2002).[9] 2011 wurde er mit dem Roman-Herzog-Medienpreis ausgezeichnet.[10] 2012 erhielt er für seine Reportage Die halbe Kanzlerin den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Bester Essay.[11][12] 2013 wurde ein Artikel, der im Spiegel erschienen ist, mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnet; Kurbjuweit war einer der sechs Autoren.[13]

In einem Spiegel-Artikel vom 11. Oktober 2010 prägte Kurbjuweit den Begriff „Wutbürger“ im Kontext der Debatten um Thilo Sarrazin und das Bahnprojekt Stuttgart 21. Er definierte ihn als wohlhabenden konservativen Menschen, der „nicht mehr jung“, früher gelassen und „staatstragend“, jetzt aber „zutiefst empört über die Politiker“ sei. Er breche „mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört“, wie etwa Gelassenheit. Das Verhalten des Wutbürgers sei ein Wehren gegen den Wandel, er möge nicht Weltbürger sein.[14] Der Begriff wurde zum Wort des Jahres 2010 gewählt und wurde in den Duden aufgenommen.[15]

Kurbjuweits Novelle Zweier ohne von 2001 ist seit 2011 Pflichtlektüre im Abschlussjahrgang an Realschulen in Baden-Württemberg.[16] Die darin geschilderte Sexszene zwischen Jugendlichen – von der Literaturkritik als „eher zart und sicher nicht pornografisch“ bezeichnet – erregte Kritik, die vorwiegend von christlichen und christlich orientierten Privatschulen vorgetragen wurde. Eine frühere Benennung als Pflichtlektüre wurde aufgrund der Kritik zurückgezogen. Im Schuljahr 2013/14 wurde nach erneuten Protesten und einer Debatte, in der Kurbjuweit die Kritik öffentlich thematisierte, jeder Schule die Wahl zwischen Zweier ohne und Andorra von Max Frisch ermöglicht.

Im Spiegel-Leitartikel vom 5. März 2021 Es reicht, Herr Spahn! plädierte Kurbjuweit im Zusammenhang mit in der Corona-Pandemie aufgetretenen Missständen für einen Rücktritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.[17]

Kurbjuweits 2022 erschienener Roman Der Ausflug handelt von Rechtsextremismus in Ostdeutschland.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane und Sachbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen und Drehbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspielbearbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Will: Textanalyse und Interpretation zu Dirk Kurbjuweit, Zweier ohne, eine Novelle. Bange, Hollfeld 2013, ISBN 978-3-8044-3097-6 (= Königs Erläuterungen Spezial, Infos zur Analyse der Ganzschrift – Realschulabschluss Baden-Württemberg).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dirk Kurbjuweit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dirk Kurbjuweit übernimmt SPIEGEL-Chefredaktion von Steffen Klusmann. In: Pressemitteilung der Spiegel-Gruppe. 25. Mai 2023, abgerufen am 25. Mai 2023.
  2. a b Dirk Kurbjuweit: (S+) Tschyss. In: Der Spiegel. 14. September 2014, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 10. Juni 2023]).
  3. Dirk Kurbjuweit - Munzinger Biographie. Abgerufen am 10. Juni 2023.
  4. Autor und Journalist Dirk Kurbjuweit besuchte Kettwig. 3. Mai 2017, abgerufen am 10. Juni 2023 (deutsch).
  5. Kurbjuweit, Dirk. Abgerufen am 10. Juni 2023.
  6. Porträt. In: munzinger. Abgerufen am 6. März 2021.
  7. Umbau im Hauptstadtbüro. In: media. Abgerufen am 6. März 2021.
  8. Michael Hanfeld: Steffen Klusmann verlässt „Spiegel“: Dirk Kurbjuweit übernimmt. In: FAZ.NET. 25. Mai 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 25. Mai 2023]).
  9. Ausgezeichnet wurden diese Texte: Dirk Kurbjuweit: Die Folter war sauber und ordentlich, in: Die Zeit vom 10. Oktober 1997 (hier online); Dirk Kurbjuweit und Dietmar Hawranek: Die drei-Welten-AG, in: Der Spiegel Nr. 9 vom 24. Februar 2001, S. 96 bis 109 (Digitalisat hier).
  10. Dirk Kurbjuweit (Der Spiegel) wird mit dem „Roman-Herzog-Medienpreis 2010/2011“ ausgezeichnet. (Memento vom 9. Januar 2012 im Internet Archive) presseportal.de
  11. Dirk Kurbjuweit: Die halbe Kanzlerin, in: Spiegel Nr. 48 vom 28. November 2011, S. 32 bis 39 (Digitalisat hier).
  12. Mit dem Preis wurden 2012 zwei Essays ausgezeichnet: neben Kurbjuweits Text wurde auch ein Essay von Sabine Rennefanz prämiert, der in der Berliner Zeitung erschienen war: Uwe Mundlos und ich, in: Berliner Zeitung vom 31. Dezember 2011 (Abschrift des Textes hier (Memento des Originals vom 28. September 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.reporter-forum.de).
  13. Dirk Kurbjuweit, Christoph Pauly, Jan Puhl, Mathieu von Rohr, Christoph Scheuermann und Christoph Schult: Die Kuhhändler, in: Der Spiegel Nr. 52 vom 22. Dezember 2012, S. 57 bis 65 (Digitalisat hier).
  14. Der Wutbürger. Abgerufen am 20. August 2020.
  15. Duden | Wutbürger | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 20. August 2020.
  16. Joachim Güntner: Fromme gegen Schullektüre: Auch zarter Sex geht manchem zu weit. Die Taschenbuchausgabe hat bereits vierzehn Auflagen erfahren, und in Baden-Württemberg ist sie zurzeit Pflichtlektüre für die Abschlussprüfungen der Klasse 10 an Realschulen. In: NZZ, 15. Februar 2014
  17. Es reicht Herr Spahn! In: Der Spiegel. 5. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  18. Dirk Kurbjuweits Stalking-Roman „Angst“ brillant verfilmt. Neue Osnabrücker Zeitung
  19. @1@2Vorlage:Toter Link/www1.wdr.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven.) Angst Von Dirk Kurbjuweit, WDR