Dirk Laabs

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Dirk Laabs (* 1973 in Hamburg) ist ein deutscher Autor mit dem Schwerpunkt Terrorismus, investigativer[1] Journalist und Filmemacher. Für die Dokumentarfilme Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger töten und Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses wurde er ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Journalistischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laabs, aus Hamburg stammend, studierte Philosophie und Politische Wissenschaften und lebte zwei Jahre in Israel. Er begann 1992 als Reporter bei der Boulevardzeitung Hamburger Morgenpost. Nach biografischen Angaben war er von 1995 bis 1996 freier Mitarbeiter für die Fernsehsendungen DAS! und Extra 3 des Norddeutschen Rundfunks. Danach arbeitete er u.a. für die Privatsender MTV und Sat.1. Von 1999 bis 2001 absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.[2]

Von 2001 bis 2003 war er mit dem thematischen Schwerpunkt Terroranschläge am 11. September 2001 für die Los Angeles Times tätig. Ferner war er Berater für islamistischen Terrorismus des John Jay College of Criminal Justice der City University of New York. Mehreren nationalen und internationalen Rundfunkanstalten (u.a. BBC Four und France 24) gab er Interviews. In den folgenden Jahren arbeitete er journalistisch für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Financial Times Deutschland, den Spiegel und den Stern.

Er wirkte u.a. als Dozent an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, wo er heute lebt.

Tätigkeit als Dokumentarfilmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laabs ist seit 2001 Regisseur, Drehbuchautor und Produzent zahlreicher Dokumentarfilme und Features, produziert für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Arte, ZDF, 3sat, NDR, SWR, BR, ARD und WDR.[3] Eines seiner Essays diente 2006 als Grundlage für den Dokumentarfilm Hamburger Lektionen von Romuald Karmakar.[4] 2007 führte er Regie für den die politischen Hintergründe der OPEC-Geiselnahme analysierenden Dokumentarfilm Operation OPEC – Terroranschlag in Wien[5] und 2008 war er gemeinsam mit Karmakar Autor des WDR-Hörspiels „Na hören sie doch mal auf zu grinsen“ – Fragmente des Stammheim-Prozesses.[6] Ursprünglich federführend war er 2012 an der Ausarbeitung des Dokumentarfilms Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand beteiligt, zog dann allerdings aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Produzenten Thomas Kufus die Regie zurück.[7]

Politischer Sachbuchautor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laabs ist Autor mehrerer politischer Sachbücher. Seine erste Monografie,Tödliche Fehler. Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. September, die er 2003 gemeinsam mit Oliver Schröm publizierte, wurde trotz zurückhaltender Resonanz als außerordentliche Rechercheleistung beschrieben.[8] Das Buch Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand von 2012 wurde zum Teil in der Wirtschaftsgeschichte besprochen, die es als gelungenes populäres, mitunter als polarisierendes Werk einordnete.[9][10] Eckhard Jesse merkte kritisch an, dass es nicht frei von „verschwörungstheoretischen Elementen“ gewesen sei.[11] Laabs war mit seinem Band von April bis August 2012 in der Bestsellerliste des Manager Magazins vertreten.[12] 2014 veröffentlichte er gemeinsam mit Stefan Aust ein breit in den Medien rezensiertes Werk über den NSU. Das Buch wurde von weiten Teilen der Feuilletons vor allem als umfangreiche und gut recherchierte, einführende Chronik wahrgenommen. Sie sei notwendig, reiche aber nach Meinung einiger Meinungsmacher nicht an Austs Arbeit zur RAF (Der Baader-Meinhof-Komplex) heran.[13] Laabs und Aust waren im Juni 2014 mit Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher gelistet.[14]

Im Zuge der jüngsten Buchveröffentlichung war er vielfältig zu Autorenlesungen und Vorträgen eingeladen. Auch wurde er von politischen Parteien und deren Stiftungen als Podiumsgast hinzugezogen, so von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg sowie der Linksfraktion im Bund und Hessen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Laabs und Aust waren ferner Tagungsteilnehmer der „Rechtsextremismuskommission“ von Bündnis 90/Die Grünen unter der Leitung von Cem Özdemir und Gesine Agena.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise

  • 2004: Gewinner des Treatment-Wettbewerbs für Dokumentarfilme/Dokumentationen (Kategorie Dokumentation) des Bayerischen Rundfunks für Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger töten[15]
  • 2007: Axel-Springer-Preis für junge Journalisten (2. Preis, Kategorie Fernsehen)[16] für Die Fremden im Paradies – Warum Terroristen töten
  • 2015: Gewinner des Georg von Holtzbrinck-Preises für Wirtschaftspublizistik (Kategorie Elektronische Medien) für Der Fall Deutsche Bank[17]

Förderpreise und Stipendien

Nominierungen und Shortlists

  • 2009: Nominierung für den Grimme-Preis (Kategorie Serien & Mehrteiler) für Who‘s Afraid of America? Gewalt und Gnade[19]
  • 2010: Nominierung für den Juliane Bartel Medienpreis für Ruandas starke Frauen
  • 2014: Shortlist zum NDR Kultur Sachbuchpreis für Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie des NSU[20]
  • 2016 Nominierung TV Festival Monte-Carlo in der Kategorie Current Affairs Documentary "Der Fall Deutsche Bank"

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: Das Meer als Supermarkt? Buch und Regie
  • 2002: Irgendwo da unten – Ein Jahr 1. Liga[21] Buch, Regie und Produktion (mit Julia Möhn)
  • 2003: Tödliche Fehler – Wie die Todespiloten den Geheimdiensten entkamen Buch, Regie und Produktion
  • 2004: The Hamburg Cell Entwicklung und Produktion
  • 2005: Die großen Kriminalfälle (Der Polizistenmörder und Bandenchef Bernhard Kimmel) Buch und Regie (mit Roland May)
  • 2005: die Story (Ein fast perfekter Mord – Wer erschoss Marta Russo?) Buch und Regie
  • 2006: Schliemanns Erben (Das Geheimnis der Wüstenkönige) Buch und Regie
  • 2006: Die Fremden im Paradies – Warum Gotteskrieger töten Produktion, Buch und Regie
  • 2006: Warum Terroristen töten – eine Analyse Produktion, Buch und Regie
  • 2007: Operation OPEC – Terroranschlag in Wien Buch und Regie
  • 2008: Disco Sucks Buch und Regie
  • 2008: Who‘s Afraid of America? Gewalt und Gnade Buch und Regie
  • 2008: 24h Berlin – Ein Tag im Leben Episoden-Regie
  • 2009: Ruandas starke Frauen Buch und Regie
  • 2013: Experiment Energiewende – Deutschlands einsame Revolution Produktion und Regie (mit Michael Wech)
  • 2013: Europa – Nein Danke! England und die EU Regie
  • 2015: Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcus Böick: D. Laabs: Der deutsche Goldrausch. H-Soz-u-Kult, 29. Mai 2012; Jörg Roesler: „Mythos und schwelende Wunde“ die Treuhandanstalt. Deutschland Archiv (2012), 10.
  2. a b NDR Kultur Sachbuchpreis für David Van Reybrouck. boersenblatt.net, 13. November 2012.
  3. Filmografie, Webseite von Dirk Laabs, abgerufen am 18. November 2014.
  4. Christian Böhme: „Es gibt kein definitives Begreifen“. In: Jüdische Allgemeine, Ausgabe 43, 25. Oktober 2007.
  5. Thomas Riegler: Im Fadenkreuz. Österreich und der Nahostterrorismus 1973 bis 1985 (= Zeitgeschichte im Kontext. Band 3). V & R Unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89971-672-6, S. 12.
  6. Svea Bräunert: Soundscape Stammheim. In: Norman Ächtler, Carsten Gansel (Hrsg.): Ikonographie des Terrors? Formen ästhetischer Erinnerung an den Terrorismus in der Bundesrepublik 1978–2008 (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte. Nr. 273). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8253-5709-2, S. 199-221, hier: S. 211.
  7. Hanns-Georg Rodek: Erna Schmidt, übernehmen Sie!. In: Die Welt, 28. August 2012, Nr. 201, S. 21; David Ensikat: VEB Abwicklung. In: Der Tagesspiegel, 30. August 2012, Nr. 21438, S. 31.
  8. Vgl. Jochen Bittner: Der 11. September – Fakten und Fiktionen. In: Die Zeit, 11. September 2003, Nr. 38.
  9. Vgl. Achim Engelberg: Auftritt der Zyniker. derfreitag.de, 4. Juni 2012; Stephan Hilsberg: Die Treuhandgeschichte und ihre Wahrnehmung. Deutschlandradio Kultur, 13. Mai 2012; Richard Schröder: Dirk Laabs, Der deutsche Goldrausch. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 25. Jahrgang (2013), ISBN 978-3-8487-1034-8, S. 331–334.
  10. Vgl. Rainer Karlsch: Dirk Laabs: Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 100 (2013) 2, S. 253–254; Marcus Böick: D. Laabs: Der deutsche Goldrausch. H-Soz-u-Kult, 29. Mai 2012; Jörg Roesler: „Mythos und schwelende Wunde“ die Treuhandanstalt. Deutschland Archiv (2012), 10; Andreas Rödder: Schlachthaus des Westens?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2012.
  11. Eckhard Jesse: Hauptbesprechungen: Trotz guter Recherchen zu den NSU-Morden – viele Unklarheiten bleiben. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 27. Jahrgang (2015), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2522-9, S. 309–311, hier: S. 309.
  12. Siehe: Bestsellerliste des Manager Magazins vom 20. April 2012, S. 124; 25. Mai 2012, 22. Juni 2012, S. 118; S. 116; 20. Juli 2012, S. 106; 24. August 2012, S. 112
  13. Vgl. Samuel Salzborn: Stefan Aust / Dirk Laabs: Heimatschutz. München: 2014. Portal für Politikwissenschaft, 17. Juli 2014; Birgit Güll: Der Verfassungsschutz und der rechte Terror. In: Vorwärts, 22. Mai 2014; Winfried Dolderer: Fesselnde Chronik des Rechtsterrorismus. Deutschlandfunk, 26. Mai 2014; Georg Seeßlen: Rechter Terror, Tiefer Staat. derfreitag.de, 2. Juni 2014; Aschot Manutscharjan: Kurz notiert. In: Das Parlament, Nr. 27, 30. Juni 2014; Holger Schmidt: Das Versagen der Behörden (Memento vom 24. Dezember 2014 im Internet Archive). NDR Kultur, 31. Oktober 2014; Toralf Staud: Extrem rechts. In: Die Zeit, 3. Juli 2014, Nr. 28, S. 44; Claus Christian Malzahn: Was weiß der Verfassungsschutz über den NSU?. In: Die Welt, 22. Mai 2014, Nr. 118, S. 8; Wolfgang Gast: NSU und amtliches Versagen. In: taz, 21. Juni 2014, S. 27; Florian Sendtner: Heimatschützer, Neonazis, Mörder. In: Bayerische Staatszeitung, 13. Juni 2014, S. 4; Frank Jansen: Angeklagter Staat. In: Der Tagesspiegel, 28. Mai 2014, Nr. 22058, S. 29; Nils Minkmar: Das doppelte Deutschland. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2014, Nr. 137, S. 9; Eckhard Jesse: Hauptbesprechungen: Trotz guter Recherchen zu den NSU-Morden – viele Unklarheiten bleiben. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 27. Jahrgang (2015), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2522-9, S. 309–311.
  14. Siehe: Spiegel-Bestsellerliste vom 2. Juni 2014, S. 128; 7. Juni, S. 129; 16. Juni, S. 113.
  15. Dokuwettbewerb: Alle Gewinner, br.de, abgerufen am 30. Mai 2014.
  16. Barbara Möller: Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten. In: Hamburger Abendblatt, 16. Mai 2007, Nr. 113, S. 10.
  17. HB: Ausgezeichnete Wirtschaftsberichterstattung. handelsblatt.com, 26. November 2015.
  18. Sechs neue Gerd Ruge-Stipendiaten. In: Rheinische Post, 20. August 2009, Nr. 192.
  19. Nominierte Information und Kultur 2009, Grimme-Preis, abgerufen am 18. November 2014.
  20. Wissenschaft, Wahn und Weltkrieg. buchjournal.de, 28. Oktober 2014.
  21. Andreas Höfer (Red.): Doppelpass. Fussball und Film. Hrsg. vom Deutschen Filmmuseum, Belleville Verlag, München 2002, ISBN 3-936298-44-0, S. 86, 136.