Disentis/Mustér

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Disentis/Mustér
Wappen von Disentis/Mustér
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Surselva
BFS-Nr.: 3982i1f3f4
Postleitzahl: 7180
UN/LOCODE: CH DIS
Koordinaten: 707938 / 173057Koordinaten: 46° 42′ 0″ N, 8° 51′ 0″ O; CH1903: 707938 / 173057
Höhe: 1130 m ü. M.
Fläche: 90,98 km²
Einwohner: 2098 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 23 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Robert Cajacob
Website: www.disentis.ch
Blick über Disentis nach Westen

Blick über Disentis nach Westen

Karte
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Disentis/Mustér (deutsch Disentis, rätoromanisch Mustér Audio-Datei / Hörbeispiel [muˈʃteː]?/i; seit 1963 ist Disentis/Mustér die offizielle Bezeichnung) ist eine politische Gemeinde in der Region Surselva des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Disentis leitet sich von Desertina (‚Einöde‘) ab[2], das romanische Mustér vom lateinischen monasterium (‚Kloster‘).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wintersport- und Kurort liegt in der Cadi im oberen Teil der Surselva, am Zusammenfluss des Medelser Rheins mit dem Vorderrhein. Zur Gemeinde gehören die Dörfer Segnas, Mompé Medel und Cavardiras.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 8. Jahrhunderts errichtete der Mönch Sigisbert aus einem burgundischen Kloster eine Zelle in der «Desertina»[3]. Der einheimische Rätier Placidus half ihm dabei und wurde auf Weisung des Landesherrn ermordet. Um 720/750 errichtete Bischof Ursicin über den Grabstätten der Heiligen Sigisbert und Placidus ein Kloster nach den Regeln des Heiligen Benedikt. 940 wurde das Kloster mit seinen wertvollen Kunstgegenständen von Sarazenen durch Brand zerstört (Deckengemälde in der Klosterkirche). Die nach der Flucht zurückkehrenden Mönche bauten die Abtei wieder auf. Ihre Hauptfunktion war dann die von «Hütern des Lukmanierpasses», über den die deutschen Kaiser Otto I., Heinrich II., Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) und Sigismund in ihre italienischen Reichsteile reisten. Es entstand der reichsunmittelbare Klosterstaat Cadi (Casa Dei – ‚Haus Gottes‘), zu dem nicht nur das Gebiet von Brigels bis jenseits des Oberalppasses gehörte, sondern zeitweise auch Gebiete in der Lombardei. Der Disentiser Abt wurde Reichsfürst. Die Fürstäbte wirkten bei der Gründung des Grauen Bundes und des Kantons Graubünden mit, wodurch sie allerdings ihre Machtstellung einbüssten. Das Kloster blieb kultureller Mittelpunkt von Graubünden.

Ende des 17. Jahrhunderts entstand im barocken Baustil eine neue Klosteranlage und 1696 bis 1712 die Klosterkirche St. Martin mit Doppelturmfassade nach Plänen von Caspar Moosbrugger. 1799 steckten französische Truppen das Dorf Disentis, Kloster und Kirche in Brand, nachdem sich die Einwohner gegen die Besatzer erhoben hatten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Klosteranlage umfassend restauriert. Seit 1880 führt das Kloster ein Gymnasium mit Mönchen als Lehrkräften. Bis 2002 blieb Disentis Gerichtsort der Cadi, dem oberen Teil des Bündner Oberlandes.

Um 1750 errichtete Sebastian von Castelberg das Schloss Caschliun. Es brannte 1830 ab und verfiel anschliessend ganz.

Wie im Kanton Graubünden üblich, wurden die Kreiswahlen in einer Landsgemeinde abgehalten. Nach der Einführung des Frauenstimmrechts wurde 1973 die Beibehaltung dieser Tradition beschlossen.[4] Erst im Jahr 2000 wurde diese 600-jährige Tradition (wegen der Stimmen der anderen Kreisgemeinden) abgeschafft.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zai AG hat seit 2003 ihren Sitz in Disentis/Mustér. Aus der Lehrwerkstatt der Landis & Gyr aus den Siebzigerjahren entstand 1989 die Distec AG, welche im Formen- und Metallbau tätig ist. Dort werden Präzisionsteile für die Aviatik, den Fahrzeugbau und die Industrie gefertigt.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Disentis/Mustér, historisches Luftbild vom Oktober 1954, aufgenommen von Werner Friedli
Badesee Fontanivas

Auf dem Areal des zerfallenen Schlosses Caschliun errichtete der Arzt Augustin Condrau 1877 das Hotel «Disentiser Hof», das ab 1909 die Radonquelle S. Placidus nutzte. Dadurch entwickelte sich ein erster Badetourismus. Die Quelle ist inzwischen nicht mehr in Betrieb. Das alte Hotel wurde 1967 durch einen Neubau ersetzt.

Rund um Disentis erstrecken sich über 150 km Wanderwege und 30 km Loipen für den Wintersportler. Das auf knapp 3000 m ü. M. reichende Skigebiet wird unter dem Namen «Disentis 3000» durch die Bergbahnen Disentis AG betrieben.

Beim Campingplatz Fontanivas am Vorderrhein ist ein Badesee mit grossem Kinderspielplatz angelegt. Daneben besteht die Möglichkeit, Gold aus dem Rhein zu waschen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Disentis gabelt sich die Strasse aus Chur zum Lukmanierpass und zum Oberalppass. Ausserdem endet hier die Vorderrheinlinie der Rhätischen Bahn. Sie wird nach Westen von der Matterhorn-Gotthard-Bahn weitergeführt. Der Bahnhof dient somit auch dem Lokwechsel bei den durchgehenden Glacier-Express-Zügen, da die Strecke der MGB über den Oberalppass mit Zahnstangenabschnitten ausgerüstet ist.

Über den Lukmanierpass führt eine Postautolinie. Seit 2000 ist die Strasse auch im Winter offen, allerdings besteht die Postautoverbindung in den Süden nur im Sommer.

Disentis/Mustér ist Mitglied der Alpine Pearls, die sich für umweltfreundliche Mobilität im Alpenraum einsetzen.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kloster Disentis mit der Klosterkirche St. Martin, der Marienkirche, sowie dem Klostermuseum (sakrale mittelalterliche Kunst, kostbare Textilien und Naturschätze) ist das bedeutendste Bauwerk im Ort.
  • Sehenswert sind auch die Kapelle St. Agatha, die barocke Marienkapelle in Acletta[7], die St. Placiduskirche und die barocke Pfarrkirche St. Johannes Baptist mit ihrem prachtvollen spätgotischen Strigel-Altar[8].
  • Schulhaus[9]
  • Ein moderner Sakralbau ist das Evangelische Gemeindezentrum Aua Viva
  • Klosterhof Salaplauna, 2010, Architekt: Gion A. Caminada[10]
  • Mädcheninternat, 2004[11]
  • Kapelle St. Luzius, in Disla[12]
  • Im Mineralienmuseum Cristallina sind einheimische Bergkristalle von besonderer Schönheit ausgestellt.
  • An der Grenze zur Nachbargemeinde Sumvitg liegt die alte Russeinerbrücke.
  • Der Verein Stalusa zeigt die alten Festungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Der Große ADAC Alpenführer. ADAC, München 1992, S. 334–335, ISBN 3-87003-470-X.
  • Gion Condrau (Hrsg.): Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Gemeinde Disentis 1996, ISBN 3-952108-10-3.
  • Kurt Derungs: Baumzauber. Die 22 Kultbäume der Schweiz. Edition Amalia, Grenchen 2008, ISBN 978-3-905581-27-0 (Eiche im heiligen Hain).
  • Das Kloster Disentis. Informations-Broschüre. Hrsg. Kloster Disentis, etwa 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Disentis/Mustér – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Hrsg. Gion Condrau. Disentis 1996. S. 1
  3. Disentis – Mustér. Geschichte und Gegenwart. Hrsg. Gion Condrau. Disentis 1996. S. 37
  4. Bündner Monatsblatt Chronik 1973
  5. Die Disentiser Landsgemeinde Cumin gibt es nicht mehr, SDA, 24. September 2000
  6. Urlaub Disentis/Mustér mit der Mobilitätsgarantie der Alpine Pearls. Abgerufen am 24. März 2017.
  7. Kapelle St. Maria auf www.graubuendenkultur.ch.
  8. Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist auf www.graubuendenkultur.ch.
  9. Schulhaus auf www.graubuendenkultur.ch.
  10. Klosterhof Salaplauna auf www.graubuendenkultur.ch.
  11. Mädcheninternat auf www.graubuendenkultur.ch.
  12. Kapelle St. Luzius auf www.graubuendenkultur.ch.