Disjunktion (Ökologie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Disjunktion (Biologie))
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Disjunktion ist in der Ökologie ein Teilareal (Exklave), das vom übrigen Verbreitungsgebiet einer Pflanzen- oder Tierart räumlich getrennt wurde und mit den üblichen Verbreitungsmitteln dieser Art nicht überbrückt werden kann, aber noch ein Habitat darstellt.

Disjunktion ist beispielsweise Folge von Bestands- und Arealverlusten. So können durch Eisvorstöße während der Eiszeiten Gebiete voneinander getrennt worden sein. Umgekehrt blieben nach einer neuerlichen Klimaänderung oft nur weit voneinander entfernte Reliktpopulationen übrig, beispielsweise in Gebirgen oder kühleren Zonen. Als bekannteste und auffälligste Disjunktion ist die Arkto-alpine Verbreitung eine direkte Folge der Kaltzeiten während der arktische Arten die Mittel- und Südeuropäischen Gebirge besiedelten und nacheiszeitlich als Glazialrelikte in mikroklimatischen Gunsträumen überdauerten. Diese arkto-alpine Verbreitung gliedert sich in vier Untertypen:[1]

  • Zirkum arkto-alpin oder Nordamerikanisch-Eurosibirisch Arkto-Alpin (Circ Arct-Alp)
  • Amphiatlantisch arktisch-alpin oder Nordamerikanisch-Europäisch (W-Sibirisch) arkto-alpin (Amph Atl. Arct-Alp)
  • Eurasisch arkto-alpin oder eurosibirisch arkto-alpin (EAs Arct-Alp)
  • Europäisch arkto-alpin (Eu Arct-Alp)

Für die (Sub-)Population in einer solchen Disjunktion kann diese Trennung der Beginn einer neuen Artbildung (Speziation) sein. Verliert die Disjunktion die Habitatfunktion (wird also unbewohnbar), kann die Population nicht migrieren und stirbt zwangsläufig aus. Die Artbildung erfolgt also entweder durch spezialisierende Anpassung an das lokale Habitat bei gleichbleibenden Verhältnissen oder durch notwendige Anpassung an Veränderung der Disjunktion.

Mit dem Trittsteinkonzept versucht man, einer Disjunktion entgegenzuwirken.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Storch, Ulrich Welsch und Michael Wink: Evolutionsbiologie. 2. Auflage, Springer 2007, S. 37–38 ISBN 978-3-540-36072-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • disjunkte Verbreitung, Stichwort bei Wissenschaft-Online, Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft (abgerufen am 31. Juli 2013)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vladmir Stevanović, Snežana Vukojičić, Jasmina Šinžar-Sekulić, Maja Lazarević, Gordana Tomović, Kit Tan: Distribution and diversity of Arctic-Alpine species in the Balkans. Plant Systematics and Evolution, Dezember 2009, 283.219, (PDF)