Dissen (Gudensberg)

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Koordinaten: 51° 11′ 41″ N, 9° 24′ 18″ O

Dissen
Stadtteil von Gudensberg
Höhe: 228 (198–238) m ü. NHN
Fläche: 6,1 km²[1]
Einwohner: 700 (ca.)[2]
Bevölkerungsdichte: 115 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 34281
Vorwahl: 05603

Dissen ist der nördlichste Stadtteil der Kleinstadt Gudensberg im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis und im historischen Chattengau.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Odenberg zum Scharfenstein

Dissen liegt zwischen seinem Wahrzeichen, dem weithin Scharfenstein (304 m ü. NN), im Westsüdwesten und dem Neuselsberg (247,7 m ü. NN) im Nordosten. Die Nachbarorte, im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten, sind Haldorf, Wolfershausen, Deute, Gudensberg, Besse und Holzhausen.

Im Dorf entspringt ein Bächlein, das nach Ostsüdosten über den kleinen Sommerbach in die nahe Eder fließt, die etwas weiter nördlich in die Fulda mündet.

Nördlich von Dissen zweigt von der die Ortschaft westlich passierenden Bundesautobahn 49 an der Anschlussstelle Felsberg die sie östlich tangierende Bundesstraße 254 nach Süden ab, von der man in das Dorf gelangen kann. Durch das Dorf führt die Kreisstraße 90.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1061 wird Dissen als Dusinum in der Grafschaft Maden erstmals urkundlich erwähnt. Der Edle Irmfrid schenkte dem Abt Widerad von Fulda Güter zu Dissen und erhielt sie zu Lehen zurück. Erzbischof Siegfried I. von Mainz bestätigte im Jahre 1081 Besitzungen des Klosters Hasungen in Dissen. Von 1209 bis etwa um 1450 hatte das St. Petri-Stift in Fritzlar Zehnteinkünfte in Dissen. 1298 erhielt das Kloster Breitenau von den Brüdern von Berninghausen zwei Hufen Land in Dissen. 1319 erhielt das Kloster dort weitere Besitzungen von denen von Besse. 1324 belehnte Landgraf Otto I. die Herren von Elben nach den Gebrüdern von Gudenberg mit Allod zu Dissen. 1335 schenkten die Gebrüder von Gudenberg mit landgräflicher Genehmigung ein Allod an Dietrich von Elben. 1357 schenkten die von Böddiger ihre Güter zu Kirch-Dissen dem Zisterzienserinnen-Kloster Nordshausen.

Zu Dissen gehörten Unseligen- und Mitteldissen, im Mittelalter wüst gefallene Orte, von denen man bei Grabungen um 1880 Überreste fand. Eine weitere Wüstung in der Gemarkung von Dissen, Stockhausen, befand sich nördlich des heutigen Dorfs.[3]

Postkutschenstation und Bahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1805 eröffnete das Kurfürstentum Hessen-Kassel eine Postlinie nach Fritzlar, und in Dissen wurde eine Postkutschenstation eingerichtet, wo die Pferde gewechselt und Post sortiert wurde und wo Postreisende ihre Reise antreten oder beenden konnten. Um 1850 kam das Ende für die Poststation mit der Inbetriebnahme der Main-Weser-Eisenbahnlinie Kassel-Frankfurt (Main) und der hessischen Nordbahn. Heute befindet sich die ehemalige Station in Privatbesitz; sie trägt noch immer den Namen Posthof.

1899 erhielt Dissen einen Bahnhof an der neu eröffneten Bahnstrecke Grifte–Gudensberg, einer 7,72 Kilometer langen Bahnstrecke, die von Grifte an der Main-Weser-Bahn nach Gudensberg führte.

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Ortskern mit zahlreichen gut erhaltenen Fachwerkhäusern ist bestimmend für das Dorf.

Der im 15. Jahrhundert erbaute gotische Wehrturm der Kirche ist von Weitem sichtbar. Das Kirchenschiff ist außen ein achteckiger und innen ein ovaler Querbau. Ab 1439 gehörte die Kirche zum Kloster Breitenau. Die Wetterfahne stammt aus dem Jahr 1740. Vermutlich bereits ab dem 12. Jahrhundert bestand eine Vorgängerkirche, hierauf deutet ein aus Sandstein gehauener Christuskopf hin, der Ende der 1960er Jahre im Außenmauerwerk bei Restaurierungen gefunden wurde. Er könnte in der Vorgängerkirche als Schlußstein gedient haben.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten in und nahe Dissen gehören neben dem historischen Ortskern:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Hördemann: Dissen: Liebeserklärung an ein hessisches Dorf. Zum 950-jährigen Jubiläum von Dissen. Hg. Heimatverein Dissen, Dissen, 2011
  • Heinrich Grunewald: Chronik der Gemeinde Dissen, Kreis Fritzlar. In: Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Jahrgang 1901, Kassel, 1903, S. 54-69 (Auszüge bei google books)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Dissen (Kirchdissen), Schwalm-Eder-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 4. November 2010, abgerufen am 6. Dezember 2011.
  2. Ort im Internetauftritt der Stadt Gudensberg, abgerufen im Januar 2016
  3. Wüstung Stockhausen auf „Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 22. Besse“. Historische Kartenwerke. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Kirche in Dissen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]