Dissoziativum

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Ein Dissoziativum (plural Dissoziativa) ist eine psychotrope Substanz, welche eine dissoziative Wirkung entfaltet.[1] Die Wirkung erfolgt anders als bei Psychedelika durch antagonistische Aktivität an NMDA-Rezeptoren.[2][3] Bekannte dissoziative Drogen sind z. B. DXM, Ketamin, MXE, Lachgas und PCP.[2] Das in Salvia divinorum enthaltene Salvinorin A ist ein atypisches Psychedelikum mit dissoziativen Eigenschaften, wird jedoch nicht zu den Dissoziativa gerechnet.[4]

Merkmale des dissoziativen Rauschzustandes[Bearbeiten]

Der durch Dissoziativa ausgelöste Rausch unterscheidet sich qualitativ deutlich vom psychedelischen Rausch, allerdings können je nach Droge durch Dopamin-Wiederaufnahmehemmung und insbesondere Aktivierung von Sigma-1-Rezeptoren in hohen Dosen ebenfalls psychedelische und transzendente Bewusstseinszustände ausgelöst werden. Durch die dissoziative Wirkung, also das teilweise Entkoppeln mentaler Prozesse vom Bewusstsein, kann es zu außerkörperlichen Erfahrungen, dem Eindruck, es existierten mehrere Existenzebenen nebeneinander, sowie einem allgemeinen Gefühl der Unwirklichkeit oder Andersweltigkeit kommen. Dieses Gefühl der Unwirklichkeit kann auch noch Tage oder Wochen nach einem dissoziativen Rausch anhalten, da möglicherweise Flashbacks auftreten. Es können in höheren Dosen zudem lebhafte, detaillierte, zum Teil äußerst realistische Pseudohalluzinationen auftreten, auch Synästhesien sind möglich, etwa die Visualisierung von gehörter Musik oder das Hören von Gefühlen.

Pharmakologische Mechanismen[Bearbeiten]

Die meisten Dissoziativa wirken als Antagonisten an NMDA-Rezeptoren und dort typischerweise nicht-kompetitiv als Kanalblocker. Eine Ausnahme stellt das Salvinorin A dar, welches ein Agonist am K-Opioid-Rezeptor mit kurzer Wirkungsdauer ist.[5]

Toxikologie[Bearbeiten]

Einige (kanalblockierende) NMDA-Antagonisten rufen im Tierversuch Gehirnschäden hervor. John W. Olney beschrieb die neurologischen Schäden als „kleine Löcher“ in bestimmten Bereichen des Gehirns. Sie werden im Englischen Olney’s Lesions (deutsch: Olneys Läsionen) oder NMDA Antagonist Neurotoxicity (NAN) genannt. Diese Gehirnschäden sollen sich vorwiegend in Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten äußern. Inwieweit man die Versuchsergebnisse auch auf Menschen übertragen kann, ist noch nicht geklärt. Stichhaltige wissenschaftliche Studien an Dissoziativakonsumenten gibt es wegen grundsätzlicher instrumenteller Schwierigkeiten nicht.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. J. Giannini, R. H. Loiselle, M. C. Giannini, W. A. Price: Phencyclidine and the dissociatives. In: Psychiatric medicine. Band 3, Nummer 3, 1985, S. 197–217, ISSN 0732-0868. PMID 2893430.
  2. a b Richard K. Ries, Shannon C. Miller, David A. Fiellin: Principles of Addiction Medicine In: M – Medicine Series. Lippincott Williams & Wilkins, 2009. ISBN 9780781774772. S. 231ff.
  3. Jan Dirk Blom: A Dictionary of Hallucinations. Springer Science & Business Media, 2009. ISBN 9781441912237. S. 148f.
  4. Henry R. Kranzler, Domenic A. Ciraulo, Leah R. Zindel: Clinical Manual of Addiction Psychopharmacology, 2. Ausgabe, American Psychiatric Pub, 2014. ISBN 9781585625284. S. 268.
  5. K. A. MacLean, M. W. Johnson, C. J. Reissig, T. E. Prisinzano, R. R. Griffiths: Dose-related effects of salvinorin A in humans: dissociative, hallucinogenic, and memory effects. In: Psychopharmacology. Band 226, Nummer 2, März 2013, S. 381–392, ISSN 1432-2072. doi:10.1007/s00213-012-2912-9. PMID 23135605. PMC 3581702 (freier Volltext).