Division 1 1941/42

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Saison 1941/42 war die dritte Austragung der französischen Fußball-Division 1 während des Zweiten Weltkriegs, der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht (Sommer 1940) und der nachfolgenden Aufteilung des nach Annexion von Elsass und Teilen Lothringens verbleibenden Gebietes in eine freie, eine besetzte und – in Grenznähe zu Belgien, Deutschland und der Schweiz – eine verbotene Zone (zone libre, zone occupée, zone interdite). Diese sogenannten „Kriegsmeisterschaften“ (championnats de guerre) zwischen 1939 und 1945 zählen – anders als der Landespokal – nicht als offizielle Wettbewerbe, und die jeweiligen Sieger einer von deren Spielzeiten haben demzufolge auch keinen offiziellen Titel gewonnen. Gewinner der Nordgruppe wurde Stade Reims, Gewinner der Südgruppe der FC Sète.

Sämtliche 16 Mannschaften, die der ersten Liga in der vorangehenden Spielzeit angehört hatten, nahmen auch an dieser Ausspielung teil. Dazu kamen mit Amiens und Rennes zwei Mannschaften neu hinzu. Allerdings fehlten weiterhin Vertreter aus der grenznahen „verbotenen Zone“; in den dazugehörenden nordfranzösischen Départements Nord und Pas-de-Calais trugen zwölf Mannschaften eine eigene regionale Doppelrunde aus, deren Verlauf in der verwendeten Literatur nicht näher dargestellt wird, weil sie auch schon seinerzeit nicht als zum offiziellen Ligenbetrieb gehörig betrachtet wurde. Teilnehmer waren die US Tourcoing, aus Roubaix Excelsior, Racing und Stade Roubaisien, aus Lille der 1941 durch Fusion von Olympique und Iris Club entstandene OICL sowie der SC Fives, dazu die „Bergarbeiterteams“ Racing Lens (Sieger dieses Wettbewerbs), Stade Orchies, ES Bully, US Ouvrière Bruay, Racing Arras und die US Valenciennes-Anzin.[1]

Die 18 Teilnehmer der ersten Liga wurden in zwei regionale Gruppen (Nord und Süd) aufgeteilt, deren jeweiliges Gebiet dem der besetzten beziehungsweise der unbesetzten Zone entsprach:

Verlauf, Ergebnisse und Tabellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung. Der Fußballverband hatte auf Anweisung des Sportkommissars der Vichy-Regierung die Spieldauer auf 80 Minuten reduziert[1] und zudem verfügt, dass Profisportler – und somit auch die Spieler in der Fußballliga – im Zivilleben einen Beruf ausüben mussten.[2]

Mit insgesamt 456 Treffern in 144 Matches ergab sich ein Mittelwert von 3,2 Toren pro Partie. Allerdings war der Unterschied zwischen der Torfreudigkeit in den beiden Gruppen signifikant: während im Norden durchschnittlich 3,6 Treffer je Begegnung zu verzeichnen waren, waren es im Süden bloß 2,8. Erfolgreichster Torschütze war José Mandaluniz von den „Roten Teufeln“ aus Rouen, der 17 Treffer und damit exakt die Hälfte der Tore seiner Mannschaft erzielte.

Zur folgenden Saison wurde die erste Division auf 32 Teilnehmer aufgestockt, nachdem ab dann auch die Vereine aus der verbotenen Zone wieder am landesweiten Spielbetrieb teilnehmen durften. Außer Lens, OIC Lille, Fives und Excelsior Roubaix kamen dadurch im Norden AS Troyes-Savinienne, US Le Mans sowie eine Peugeot-„Werksklub“-Fusion aus FC Sochaux und AS Valentigney hinzu, während im Süden die neuen Erstligisten FC Annecy, FC Grenoble, Lyon OU, AS Clermont-Ferrand, ESA Brive, USA Perpignan und AS Avignon hießen.

Gruppe Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überraschende Gruppensieger aus Reims, in der vorherigen Saison nur im Tabellenmittelfeld angesiedelt, sicherte sich insbesondere dank seiner Auswärtsstärke (12:4 Punkte) einen knappen Vorsprung gegenüber Rouen (10:6) und Red Star (8:8). Reims und die Elf aus Saint-Ouen waren zudem auch im Pokalwettbewerb die beiden erfolgreichsten Mannschaften aus dem besetzten Landesteil. Dagegen war Neuling Amiens in dieser Gruppe sportlich überfordert, wies die torärmste Angriffs- und die schwächste Abwehrreihe auf und musste sich insgesamt mit drei Unentschieden auf der Habenseite begnügen. Aufgrund der folgenden Ligaaufstockung zog diese trostlose Bilanz allerdings hinsichtlich des Ligaverbleibs der Elf aus der Picardie keine Konsequenzen nach sich.

AC
Ami
Gir.
Bor
CA
Par
AC
LeH
RC
Par
RSt
Ol.
St.
Rei
SUC
Ren
FC
Rou
AC Amiens 0:0 0:1 1:2 2:4 1:3 2:6 1:2 2:2
Girondins AS du Port 5:0 0:1 5:3 3:0 0:3 1:2 2:1 0:1
CA Paris 2:2 1:1 1:3 2:0 0:1 0:2 1:2 1:2
Le Havre AC 3:1 3:4 1:0 2:5 4:1 0:1 2:1 2:3
Racing Paris 3:1 3:3 1:3 3:1 3:2 0:3 1:0 3:1
Red Star Olympique 9:1 2:0 4:2 4:1 1:1 2:1 3:1 0:0
Stade Reims 2:0 0:2 1:1 3:2 5:3 2:0 5:0 0:0
Stade Rennes UC 4:3 1:1 1:2 2:2 2:2 0:2 0:0 1:1
FC Rouen 5:1 3:1 3:2 4:1 4:0 4:1 1:1 0:4
Pl. Mannschaft Sp G U V Tore Tor-
diff.
Pkte.
1. Stade Reims 16 10 4 2 34:14 24:08
2. FC Rouen 16 9 5 2 34:20 23:09
3. Red Star Olympique 16 10 2 4 38:21 22:10
4. Racing Paris 16 7 3 6 32:35 17:15
5. Girondins ASP Bordeaux 16 6 4 6 28:24 16:16
6. CA Paris 16 5 3 8 20:24 –4 13:19
7. Stade Rennes UC (N) 16 4 5 7 22:28 –6 13:19
8. Le Havre AC 16 6 1 9 32:39 –7 13:19
9. AC Amiens (N) 16 0 3 13 18:53 03:29

Gruppe Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in der Süd-Staffel setzte sich mit Sète eine Mannschaft durch, die zwölf Monate zuvor mit dem Gruppensieg nichts zu tun gehabt hatte, und das sogar mit deutlichem Vorsprung vor dem Zweitplatzierten aus Toulouse. Hinter diesen beiden Teams enttäuschte insbesondere der Gruppensieger des Vorjahres, Olympique Marseille, mit diesmal sogar negativem Punktverhältnis. Aus dieser Gruppe stieg ebenfalls keine Mannschaft ab, sondern es kamen ab dem Spätsommer 1942 sieben weitere hinzu.

Ol.
Alè
AS
Can
Ol.
Mar
USO
Mon
OGC
Niz
Ol.
Nîm
AS
StÉ
FC
Sèt
FC
Tou
Olympique Alès 4:2 3:2 4:1 4:1 0:0 1:2 2:1 0:0
AS Cannes 2:0 2:2 1:1 3:4 1:2 1:1 0:0 3:0
Olympique Marseille 4:0 2:0 3:0 2:2 0:0 8:3 0:1 0:0
USO Montpellier 0:1 2:1 3:0 1:3 1:0 1:0 0:1 1:1
OGC Nizza 0:0 0:1 1:3 1:0 1:0 2:0 2:3 0:0
Olympique Nîmes 3:0 2:2 1:0 1:0 1:1 1:0 1:3 0:1
AS Saint-Étienne 1:1 1:0 4:3 2:1 3:0 3:0 1:0 0:4
FC Sète 1:0 0:0 2:2 2:1 3:1 4:0 3:1 1:0
Toulouse FC 5:1 0:3 3:0 6:1 3:0 4:0 4:0 0:1
Pl. Mannschaft Sp G U V Tore Tor-
diff.
Pkte.
1. FC Sète 16 11 3 2 26:11 25:07
2. Toulouse FC 16 8 4 4 31:11 20:12
3. Olympique Alès 16 6 4 6 21:25 –4 16:16
4. AS Saint-Étienne 16 7 2 7 22:30 –8 16:16
5. Olympique Marseille 16 5 5 6 31:25 15:17
6. AS Cannes 16 4 6 6 22:21 +1 14:18
7. OGC Nizza 16 5 4 7 19:27 –8 14:18
8. Olympique Nîmes 16 5 4 7 12:21 –9 14:18
9. USO Montpellier 16 4 2 10 14:27 10:22

Die Spieler der Gruppensieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Reims beziehungsweise Sète waren die folgenden Spieler in Begegnungen der Division 1 zum Einsatz gekommen:[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9.
  • Alex Graham: Football in France. A statistical record 1894-2005. Soccer Books, Cleethorpes 2005, ISBN 1-86223-138-9.
  • Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5.

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Guillet/Laforge, S. 141
  2. Alain Pécheral: La grande histoire de l’OM. Des origines à nos jours. Éd. Prolongations, o.O. 2007, ISBN 978-2-916400-07-5, S. 118
  3. Guillet/Laforge, S. 141, zu Reims ergänzt aus Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 36 und 249, sowie aus Lucien Perpère/Victor Sinet/Louis Tanguy: Reims de nos amours. 1931/1981 – 50 ans de Stade de Reims. Alphabet Cube, Reims 1981, S. 55ff.