Diw

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Illustration einer gekürzten Prosafassung des Schanahmeh aus Kaschmir (18. Jh.); Tahmorath, Bezwinger der Dämonen, empfängt zwei Divs, welche ihn demütig anflehen, sie leben zu lassen.
Szene aus Schāhnāme: Akwān-e Dīw wirft den Helden Rostam ins Meer.

Ein Diw (auch Div oder Dew) ist ein Wesen aus der persischen Mythologie. Diwe (auch Diws, Divs, Dive oder Dewe) kommen immer wieder als Gegner von Helden und Königen in Geschichten des Schahnameh vor, welches von Firdausi verfasst wurde. Der Begriff stellt sprachlich die Weiterentwicklung der avestischen Bezeichnung Daeva dar und erscheint inhaltlich als deren zunehmende Personifikation in dämonenhafter Gestalt. Mit der Ausbreitung des Islams, wurde der Glaube an die Diw in die islamische Weltanschauung integriert.

Divs sind abstoßend, oft raubtierartig oder wie Ungeheuer aussehende Dämonen und nach Firdausis Erzählungen böse Menschen, die sich ihrem Gott gegenüber nicht dankbar gezeigt haben. Man kann ihnen häufig als Personifikation von Ahriman, dem Schwarzen Diw oder Teufel, begegnen. Ihre Herkunft ist jedoch von woandersher begründet: Ursprünglich waren es feindlich gesinnte Könige, welche aus den beiden Regionen „Mazandaran“ und „Tabaristan“ stammten, deren Bewohner auch „Weiße Dämonen“ genannt wurden, von Firdausi jedoch als übernatürliche Wesen und Nachkommen Ahrimans dargestellt werden. Bei den Historikern ist unklar, welche heutigen Gebiete die beiden alten Regionen abgedeckt hatten. Es gibt ein Gebiet in Iran, welches als Mazandaran bekannt ist und südlich des Kaspischen Meeres liegt, aber einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass diese Region woanders (möglicherweise in Indien) lag und der Name letztendlich nur übertragen wurde.

Gewisse Personen und Ortsnamen weisen aber darauf hin, dass im heutigen Maranderan die Divs doch einige Bedeutung haben. Das zeigt im Besonderen der Name eines Stammes mit dem Namen Div, welcher im 16. Jahrhundert in diesem Gebiet ansässig war.

Erstes Auftreten in Schāhnāme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Erscheinen und damit die ersten Auseinandersetzungen mit den Divs gehen auf die Regentschaft der ersten beiden Könige der persischen Mythologie zurück. Die erste Auseinandersetzung manifestiert sich in der Geschichte um Sijamak (Sohn von Kajumars), welcher vom Schwarzen Dämon, dem Sohn Ahrimans getötet wird:

„Der schwarze Unhold zuckt eine Krall',
Und brachte des Fürsten Gestalt zu Fall.
Des Schahsohns Leib warf er an den Grund,
Und macht' ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.[1]

Adaption der Diwen in der islamischen Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diw, Dämon aus der Hölle, der einen Peri entführt. Persische Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert

Die ersten Koranübersetzungen in die persische Sprache belegten die bösen Geister und Dämonen mit dem Ausdruck Diw.[2] Später entwickelten sich die Diwen zu Geistwesen mit eigenen Eigenschaften heraus, die sich teilweise mit den echtislamischen Dschinnen decken, teilweise auch von ihnen unterscheiden. Der islamische Philosoph Rhazes vermutete, dass es sich bei den Diwen, um verwandelte Seelen von bösen Menschen und Geistern handelt. Eine andere Auffassung unter Koranexegeten, der islamischen Vorstellung von der Existenz von Präadamiten folgend, geht davon aus, bei den Diwen handle es sich lediglich um eine weitere Schöpfung, die aber älter als die der Menschen und Dschinnen sei. Im Volksglauben reichen die Vorstellungen von Diwen als dem Oger vergleichbare Gestalt, bis hin zu Monstern denen magische Fähigkeiten nachgesagt werden und meistens nachts aktiv sind, da die Dunkelheit ihre Macht verstärken würde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jalil Doostkhah: Avesta. Übersetzung des Textes. Morvarid, Teheran, 1996. ISBN 964-6026-17-6.
  • Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. Nachdruck: epubli GmbH, Berlin, 2010. ISBN 978-3-86931-356-6.
  • Vesta Sarkhosh Curtis: Persische Mythen. Reclam, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-010432-7.
  • Peter Lamborn Wilson, Karl Schlamminger: Weaver of Tales. Persian Picture Rugs / Persische Bildteppiche. Geknüpfte Mythen. Callwey, München 1980, ISBN 3-7667-0532-6, S. 30–45 (The Devils / Die Dämonen).
  • Uta von Witzleben: Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf und Köln 1960, S. 15–26 (Wie Siamak von einem Diw erschlagen wird ...).
  • Gertsman, Elina; Rosenwein, Barbara H.: The Middle Ages in 50 Objects Cambridge; New York: Cambridge University Press. (2018)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. Nachdruck: epubli GmbH, Berlin, 2010, S. 5.
  2. Thomas Patrick Hughes: Dictionary of Islam 1885. Nachdruck: New Delhi 2001 ISBN 81-206-0672-8 S. 134