Dobl-Zwaring

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dobl-Zwaring
Wappen Österreichkarte
Wappen von Dobl-Zwaring
Dobl-Zwaring (Österreich)
Dobl-Zwaring
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Graz-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: GU
Hauptort: Dobl
Fläche: 37,92 km²
Koordinaten: 46° 57′ N, 15° 23′ OKoordinaten: 46° 56′ 48″ N, 15° 22′ 35″ O
Einwohner: 3.524 (1. Jän. 2017)
Postleitzahlen: 8142, 8143, 8504, 8141, 8410, 8411, 8503
Vorwahl: 03136
Gemeindekennziffer: 6 06 60
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Unterberg 30
8143 Dobl
Website: www.dobl-zwaring.gv.at
Politik
Bürgermeister: Anton Weber (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(21 Mitglieder)
15
4
2
15 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Dobl-Zwaring im Bezirk Graz-Umgebung
Deutschfeistritz Dobl-Zwaring Eggersdorf bei Graz Feldkirchen bei Graz Fernitz-Mellach Frohnleiten Gössendorf Gratkorn Gratwein-Straßengel Hart bei Graz Haselsdorf-Tobelbad Hausmannstätten Hitzendorf Hitzendorf Kainbach bei Graz Kalsdorf bei Graz Kumberg Laßnitzhöhe Lieboch Nestelbach bei Graz Peggau Raaba-Grambach Sankt Bartholomä Sankt Marein bei Graz Sankt Oswald bei Plankenwarth Sankt Radegund bei Graz Seiersberg-Pirka Semriach Stattegg Stiwoll Thal Übelbach Premstätten Vasoldsberg Weinitzen Werndorf Wundschuh Graz SteiermarkLage der Gemeinde Dobl-Zwaring im Bezirk Graz-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Dobl-Zwaring ist eine Marktgemeinde mit 3.524 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) in der Steiermark in Österreich. Sie liegt im Südwesten des Bezirks Graz-Umgebung. Sie entstand am 1. Jänner 2015 im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark[1] aus den mit Ende 2014 aufgelösten Gemeinden Dobl und Zwaring-Pöls.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dobl-Zwaring liegt im südwestlichen Teil des Bezirks Graz-Umgebung, etwa 14 Kilometer südlich von Graz. Die Gemeinde wird von der Kainach, einem Nebenfluss der Mur durchflossen. Das Gebiet gehört zur Weststeiermark.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende elf Ortschaften (Bevölkerung am 1. Jänner 2017 nach Ortschaften (Gebietsstand 1. Jänner 2017)[3]):

  • Dietersdorf (289 Ew.)
  • Dobl (828)
  • Fading (184)
  • Lamberg (117)
  • Muttendorf (604)
  • Petzendorf (83)
  • Pöls an der Wieserbahn (172)
  • Steindorf (211)
  • Weinzettl (412)
  • Wuschan (226)
  • Zwaring (398)

Dobl-Zwaring besteht aus acht Katastralgemeinden (Fläche 2016[4]):

  • Dietersdorf (695,59 ha)
  • Dobl (586,17 ha)
  • Lamberg (62,67 ha)
  • Muttendorf (511,32 ha)
  • Petzendorf (270,86 ha)
  • Pöls (327,35 ha)
  • Wuschan (351,08 ha)
  • Zwaring (968,28 ha)

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lieboch Haselsdorf-Tobelbad Premstätten
Lannach Nachbargemeinden Wundschuh
Sankt Josef (Weststeiermark)

Preding
Hengsberg Wildon

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinden Zwaring und Pöls wurden am 1. Jänner 1968 zusammengelegt. Die heutige Gemeinde entstand am 1. Jänner 2015 durch Zusammenlegung der Gemeindegebiete von Dobl und Zwaring-Pöls.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dobl wurde urkundlich erstmals als „Tobel“ im Jahr 1219 erwähnt als Erzbischof Eberhard  II. von Salzburg den Sprengel dem neu gegründeten Bistum Seckau zuwies. Über Jahrhunderte wurde die Geschichte von Dobl vom Schloss Gjaidhof mitbestimmt, welches ein Jagdschloss Maria Theresias war.

Der Ortsteil Fading wird auf eine Siedlung in karolingischer Zeit zurückgeführt. Seine Siedlungsgeschichte ist eingehend untersucht.[5] Der Name wird vom Vornamen „Fadi-“ abgeleitet, der die Bedeutung „Mann“ im Sinn von „Krieger, Held“[6] hat. Namen auf „-ing“ können, wenn sie sich auf Orts- oder Personennamen zurückführen lassen, im deutschen Sprachraum Belege für Siedlungen aus dem 7. bis 9. Jahrhundert bilden.

Die ersten Ortsgemeinden als autonome Körperschaften entstanden 1850. Nach der Annexion Österreichs 1938 kamen die Gemeinden zum Reichsgau Steiermark, 1945 bis 1955 waren sie Teil der britischen Besatzungszone in Österreich. Die damalige Gemeinde Pöls an der Wieserbahn wurde mit 1. Jänner 1957 aus dem Bezirk Leibnitz in den Bezirk Graz-Umgebung übernommen.[7]

Die Gemeinden Zwaring und Pöls wurden am 1. Jänner 1968 auf Vorschlag der Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung zusammengelegt. Beide Gemeinden stimmen im Oktober 1967 für die freiwillige Zusammenlegung, da sie dadurch einen höheren Anteil der Steuereinnahmen erhielten. Lediglich bei der Festlegung des Gemeindenamens herrschte Uneinigkeit. Während die Gemeinde Zwaring und die Bezirkshauptmannschaft für Zwaring-Pöls plädierten, spracht sich die Gemeinde Pöls für Pöls-Zwaring aus, da das 1244 erstmals erwähnte Pöls der ältere Gemeindeteil ist und da Zwaring-Pöls alphabetisch am Ende der Gemeinden im Bezirk Graz-Umgebung stand.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren die Wappen der aufgelösten Gemeinden mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit.

AUT Dobl-Zwaring COA.gif

Am 29. Oktober 2015 fasste der Gemeinderat den Beschluss, das bisherige Dobler Wappen als Wappen der neuen Marktgemeinde Dobl-Zwaring festzulegen. Nach Absprache mit dem Landesarchiv und Erstellung einer entsprechenden Vorlage hat die Steiermärkische Landesregierung mit Beschluss vom 25. Februar 2016 der Marktgemeinde das Recht zur Führung des neuen Gemeindewappens ab 10. März 2016 verliehen.[9]
Die Blasonierung lautet:

„In einem von Silber zu Grün geteilten Schild oben ein Paar rote Hirschstangen, unten ein silbernes Jagdhorn an ebensolcher Schnur.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptort Dobl liegt an der Süd Autobahn A 2, die nächstgelegenen Anschlussstellen sind Lieboch (exit 194) in 3 km Entfernung und Unterpremstätten (exit 188) in 5 km Entfernung. Die Pyhrn Autobahn A 9 ist über die Anschlussstelle Schachenwald (exit 192) in 5 km zu erreichen.

Der südliche Gemeindeteil liegt abseits der Hauptverkehrsstraßen, ist aber gut an das überregionale Straßennetz angebunden. Die Pyhrn Autobahn A 9 ist über die Anschlussstellen Wundschuh (exit 197) und Wildon (exit 202) zu erreichen.

Ein Bahnhof ist im Gemeindegebiet nicht vorhanden, allerdings bieten die Nachbargemeinden Zugang

Der Flughafen Graz ist von allen Ortsteilen leicht erreichbar.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet befinden sich u. a.:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Dobl-Zwaring

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schloss Pöls wurde erstmals 1244 als Zehenthof des Bischofs von Salzburg erwähnt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde es zu einem Edelmannssitz ausgebaut, der in der Folgezeit häufig den Besitzer wechselte. Ende des 18. Jahrhunderts diente das Schloss schließlich als Brauerei, die allerdings schon 1801 wieder geschlossen wurde. Im Jahre 1840 war das Gut im Besitze der Familie von Saffran, zuletzt bis 1855 von Ludwig Freiherr von Saffran. Gut und Schloss Pöls wurden 1855 von Friederike, Herzogin von Oldenburg, verehelichte Freifrau von Washington nach ihrer Eheschließung mit Maximilian Emanuel von Washington, einem Verwandten des ersten Präsidenten der USA, George Washington, erworben. Die Familie beauftragte den Wiener Architekten Moritz Wappler mit grundlegenden Umbauarbeiten, die teilweise als „Bauten im Schweizerstyle“ ausgebildet wurden. Hervorgehoben wurde in einer zeitgenössischen Quelle der „Geflügelstall …, der nach den rationnellsten Prinzipien erbaut, mit Eier-, Brut- und Maststube versehen, Raum für circa 30 Racen verschiedener Hühner und Fasanen bietet, die ihren Auslauf zu den mit niedrigen Drahtgittern eingefriedeten Plätzen nach der Gartenseite haben.“ Weiters befand sich im Wirtschaftsbereich des Schlosses ein Luxuspferdestall. Der Grundbesitz umfasste 108 ha Land und einige Hektar Pachtland.[10]
Das Schloss Pöls wurde unter der Familie Washington zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Max von Washington wurde in der zeitgenössischen Literatur als „eine der hervorragendsten Autoritäten Oesterreichs im Bereiche der Landwirthschaft und Züchter“ bezeichnet,[11]
Der Betrieb hatte besonders bei der Geflügel-, Fisch-, Schweine- und Pferdezucht, aber auch bei der Arbeit mit landwirtschaftlichen Maschinen Vorbildwirkung. Bei seiner Krönung zum König von Ungarn 1876 ritt der österreichische Kaiser Franz Joseph I. auf einem Hengst aus dem Pölser Stall.[12] Maximilian von Washington veranstaltete 1863 in Pöls die erste Landwirtschaftsausstellung der Steiermark.[13]
Die Anlage des Schlossparks, dessen Gelände beim Erwerb 1855 fast kahl gewesen war, geht auf Friederike von Oldenburg zurück, die hierfür auch exotische Pflanzen wie Tulpenbaum, schlitzblättrige Buche, Blauglockenbaum und andere Gewächse pflanzen ließ. In späteren Jahren lag der Schwerpunkt auf der Geflügelzucht, in deren Rahmen auch ein umfangreicher Versand von Bruteiern dokumentiert ist.[14]
In den Jahren 1870/71 war das Gut aus familiären Gründen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, konnte sich aber wieder davon erholen, blieb bis zum Tod von Friederike von Washington am 20. März 1891 in ihrem Besitz und ging dann an ihren Sohn George von Washington über. Anlässlich seiner zweiten Eheschließung mit Maria Kreuzig am 24. November 1924 übertrug George von Washington seinen gesamten Besitz (mit Ausnahme von kleinen Schenkungen an seine außereheliche Tochter Huberta von Hohenpriel) an seine Frau. Maria von Washington verkaufte das Schloss mitsamt dem Gutsbesitz 1928 an die Familie Freiherren von Allesch, in deren Eigentum es sich noch heute befindet. (H. Rößmann, Urenkel der Maria von Washington).
  • Als Sehenswürdigkeit ist der Sender Dobl, eine Mittelwellensendeanlage aus dem Zweiten Weltkrieg, zu erwähnen. Der Sendemast steht ebenso wie das Sendegebäude, in dem der private Radiosender Antenne Steiermark seinen Sitz hatte, unter Denkmalschutz.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Juni 2003 wurde im Schlosspark von Pöls eine Riesenfichte (oder Riesentanne) entwurzelt, welche im Jahre 1856 von König Otto I. von Griechenland (Cousin von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich - der Vater Ottos I. und die Mutter Franz Josephs waren Geschwister - und Schwager von Marie Friederike von Washington), anlässlich seines Besuches auf Schloss Pöls gemeinsam mit seiner Gemahlin Amalie (geb. Herzogin von Oldenburg und Schwester der Friederike von Washington), gepflanzt wurde und einen Stammumfang von 5 m hatte. (H. Rößmann - zitiert aus dem oberbayerischen Archiv/Band 131).

Heilige Rinn’[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Heilige Rinn’“ ist eine Quelle in einem Waldgebiet im Süden der Gemeinde. Dem Wasser dieser Quelle werden besondere Kräfte nachgesagt, seit im 19. Jahrhundert ein fast blinder Holzknecht durch das Waschen seiner Augen mit diesem Wasser wieder besser zu sehen begonnen haben soll. Der Ort wurde in den Jahren 2001/02 restauriert und am 14. August 2006 durch den Pfarrer von Preding geweiht.[15]

Historische Landkarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dobl-Zwaring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  2. Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 19. Dezember 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinde Dobl und der Gemeinde Zwaring-Pöls, beide politischer Bezirk Graz-Umgebung. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 30. Dezember 2013. Nr. 188, 38. Stück. ZDB-ID 705127-x. S. 764.
  3. Bevölkerung am 1.1.2017 nach Ortschaften (Excel-Datei, 835 KB); abgerufen am 15. Juni 2017
  4. Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Regionalinformation, Stichtag 31. Dezember 2016, abgerufen 19. Februar 2017
  5. Heinrich Purkarthofer: Fading im Kainachtal. Zur Problematik und Methode siedlungsgeschichtlicher Forschung im Topographiebezirk Graz-Umgebung. In: Gerhard Pferschy: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag. Veröffentlichungen des steiermärkischen Landesarchives. Band 12. Graz 1982. Keine ISBN. Seiten 23–44.
  6. Purkarthofer: Fading, Seite 39.
  7. Verordnung der steiermärkischen Landesregierung vom 18. September 1956 über die Zuweisung der Gemeinde Pöls an der Wieserbahn zum politischen Bezirk Graz-Umgebung. Landesgesetzblatt für das Land Steiermark. Jahrgang 1956, Nummer 66. 20. Stück, Seite 100.
  8. http://www.zwaringpoels.at/gemchronik.php
  9. 31. Verlautbarung der Steiermärkischen Landesregierung vom 25. Februar 2016 über die Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Marktgemeinde Dobl-Zwaring (politischer Bezirk Graz-Umgebung), abgerufen am 24. September 2016
  10. Margarethe Pauly, Michael Reinbold: Friederike von Washington, Herzogin von Oldenburg (1820-1891) und ihre Familie. Eine Spurensuche in der Steiermark. Oldenburger Forschungen Neue Folge/Band 25. Isensee-Verlag Oldenburg 2008. ISBN 978-3-89995-550-7. Seiten 21–25.
  11. Zeitschrift des Landwirthschaftlichen Vereins in Bayern. Jahrgang 1868. Seite 450. Zeitschrift des ldw. Vereins in der Google-Buchsuche
  12. Pauly, Seite 25.
  13. Pauly, Seite 27.
  14. Pauly, Seite 29–33.
  15. Weststeirische Rundschau, 82. Jahrgang, Nummer 1, 3. Jänner 2009, S. 10.