Dobrzyca

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dobrzyca (Begriffsklärung) aufgeführt.
Dobrzyca
Wappen von Dobrzyca
Dobrzyca (Polen)
Dobrzyca
Dobrzyca
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Pleszew
Gmina: Dobrzyca
Geographische Lage: 51° 52′ N, 17° 37′ OKoordinaten: 51° 52′ 0″ N, 17° 37′ 0″ O
Höhe: 132 m n.p.m.
Einwohner: 3290 (1. Aug. 2007)
Postleitzahl: 63-330
Telefonvorwahl: (+48) 62
Kfz-Kennzeichen: PPL
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 19 Ortschaften
17 Schulzenämter
Fläche: 117,00 km²
Einwohner: 8268
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 71 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3020033
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Jarosław Piotr Pietrzak[2]
Adresse: Rynek 14
63-330 Dobrzyca
Webpräsenz: www.dobrzyca.bazagmin.pl



Dobrzyca [dɔ'bʒɨtsa] (deutsch Dobrzyca, 1939–1945 Dobberschütz (Wartheland)) ist eine Stadt im westlichen Teil Polens und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde (gmina wiejska) in der Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 90 km südöstlich von Posen sowie 15 km südöstlich von Jarocin und 25 km nordöstlich von Krotoszyn auf einer fruchtbaren Hochebene und gehört dem Powiat Pleszewski an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dobberschütz südöstlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Kalisch auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste schriftliche Erwähnung von Dobrzyca erfolgte im Jahre 1327, als dem Adeligen Mikołaj Dobrzycki der Besitz des Ortes urkundlich bescheinigt wurde. Im Jahre 1440 verlieh der junge König Władysław III. von Warna dem Ort im südlichen Großpolen das Stadtrecht. Diesen Status verlor Dobrzyca 1934 wieder.

Die kleine Stadt lebte in erster Linie vom Handwerk und hatte bis ins 18. Jahrhundert nicht mehr als etwa 1000 Einwohner. Im 17. Jahrhundert wurde Dobrzyca von schwedischen Truppen zerstört. 1655 zogen sich Hetman Jerzy Sebastian Lubomirski, der Führer eines Adelsaufstands gegen König Johann II. Kasimir, nach einem Sieg über die königlichen Truppen bei Częstochowa ins großpolnische Hinterland zurück und schlug sein Hauptquartier in Dobrzyca auf.

Schloss in Dobrzyca

1717 erlosch das Geschlecht der Dobrzycki und der wohlhabende Landadelige Aleksander Gorzeński erwarb die Stadt. Dessen Enkel, General Augustyn Gorzeński, Adjutant des Königs Stanislaus II. August Poniatowski, Sejm-Abgeordneter und Mitgestalter der Verfassung vom 3. Mai (1791), sorgte ab 1772 für eine Neubelebung der städtischen Wirtschaft und begann 1795 mit dem Umbau des alten Schlosses von Dobrzyca zum zeit- und standesgemäßen Adelspalais mit weitläufigem Landschaftspark.

Infolge der Teilungen Polens geriet Dobrzyca ab 1793 unter preußische Herrschaft. Am 24. März 1803 erhielt der Ort die Genehmigung für ein eigenes evangelisches Kirchspiel. Die Stadt und ihre Güter wechselten im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer, bevor 1890 der bibliophile Graf Zygmunt Czarnecki die Stadt erwarb, die sich dann bis 1939 in Familienbesitz der Czarnecki befand. Die Grafen sorgten für eine Anbindung der Stadt an die Eisenbahn, gründeten Landwirtschaftsvereinigungen und eine Landwirtschaftsbank. Die Rückkehr an das wiedererrichtete Polen 1918 beförderte die Gründung weiterer Genossenschaften und Vereine. Dem Ort eng verbunden ist Stanisław Mikołajczyk, Sejm-Abgeordneter und späterer Premierminister der polnischen Exilregierung in London.

Nach der Befreiung von der Besatzung durch das Deutsche Reich während des Zweiten Weltkriegs 1939 bis 1945 entstanden Wohnungsgenossenschaften, was letztlich die Umwandlung des Adelspalastes in ein Museum ermöglichte. Von 1975 bis zur Gebietsreform in Polen 1998 gehörte Dobrzyca zur Woiwodschaft Kalisz.

Seit dem 1. Januar 2014 ist Dobrzyca wieder Stadt.[3]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung der Juden in Dobrzyca stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Eine erste Synagoge, Bad und Cheder stand in der Koźmińska-Straße. In dieser Straße befand sich auch die Wohnung des Rabbiners Jakob Levy sowie die Verwaltung der jüdischen Gemeinde. Um 1850 wurde eine Synagoge im neo-spätgotischen Stil an der Bulsiewicza-Alfreda-Straße erbaut.[4] Nach der deutschen Besetzung Dobrzycas wurden die Juden am 21. Oktober 1939 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert.[5]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dobrzyca hatte einen Bahnhof an der Kreisbahn Krotoschin–Pleschen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontalansicht des Schlosses

Sehenswert sind in Dobrzyca vor allem das Gorzeński-Schloss und der Park. Ähnliche Anlagen finden sich in zahlreichen weiteren Orten Großpolens und Masowiens – so auch im nahegelegenen Gołuchów, knapp 20 km östlich von Dobrzyca, sowie im 25 km nördlich gelegenen Śmiełów, dessen Schloss von derselben Adelsfamilie erbaut wurde.

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pantheon im Landschaftspark
Monopteros auf künstlicher Insel

Das Palais des Generals Augustyn Gorzeński entstand 1795–1799 und wurde von Stanisław Zawadzki entworfen, dem führenden polnischen Baumeister der Epoche. Man errichtete es anstelle des alten Schlosses von Dobrzyca. Architektonisch ist es ein Werk des Frühklassizismus, das im Innern noch einige spätbarocke Stilmerkmale aufweist (beispielsweise illusionistische Malereien italienischer Dekorateure aus Warschau). In seiner Außenerscheinung verbindet es traditionelle bauliche Elemente eines polnischen Adelssitzes mit den Ansprüchen eines zweiflügeligen Repräsentationsbaus. Auffallend am Gebäude ist die freimaurerische Symbolik.

1940, während des Zweiten Weltkriegs (nach der Zwangsaussiedlung der Gräfin Czarnecka und ihrer Töchter ins Generalgouvernement), funktionierten die nationalsozialistischen Besatzer den Palast zu einem Getreidespeicher um. In den Nachkriegsjahren diente der heruntergekommene Bau unter anderem als Grundschule. 1988 gelangt er in den Besitz des Nationalmuseums Posen und wird ab 1990 im Rahmen eines Public-Private-Partnership aufwändig restauriert. Heute ist er Museum und gehört zu einer halböffentlichen Stiftung.

Landschaftspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch sehenswerter als das Schloss ist der Landschaftspark, der ebenfalls um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert angelegt wurde und im englischen Stil gehalten ist. Er umfasst zwei Flussläufe sowie mehrere Teiche und Kanäle. Der Pantheon genannte Rundpavillon (dessen architektonisches Vorbild der römische Pantheon darstellt) war im 19. Jahrhundert Versammlungsort einer Loge der Freimaurer. Auf einer künstlichen Insel erhebt sich in einem der Teiche ein Monopteros, ferner gibt es ein Gartenhaus und exotische Pflanzenarten.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Evangelisches Kirchspiel Dobrzyca

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Dobrzyca besteht aus den folgenden kleineren Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Geokoordinaten
Czarnuszka Czarnuszka
1908–1919 Schwarzwaldau
Schwarzwaldau
Dobrzyca Dobrzyca Dobberschütz
Fabianów Fabianow Ottosfelde
Galew Galewo
Gustawów Vorwerk Gustawowo Gustelfeld
Izbiczno Izbiczno
1905–1919 Eichdorf
1939–1943 Eichdorf
1943–1945 Langeneichdorf
51° 51′ N, 17° 37′ O
Karmin Karmin Buchenhof
Karminek Karminek Kleinrothendorf
Karminiec Rothendorf Rothendorf
Koźminiec Deutsch Koschmin Hauland
1905–1919 Deutsch Koschmin
Horlebrunn
Lutynia Lutynia Lutinia
Nowy Karmin Neu Karmin Neurothendorf
Polskie Olędry Polnisch Koschmin Hauland Horlenhauland
Ruda Vorwerk Ruda Vorwerk Ruda
Sośnica Sosnica
1905–1919 Steinicksheim
Steinicksheim 51° 52′ N, 17° 41′ O
Sośniczka Sosnica Hauland
1905–1919 Blumenau
Blumenau 51° 51′ N, 17° 39′ O
Strzyżew Grünau Grünau
Trzebin Trzebin
1907–1919 Ellerode
Ellerode
Trzebowa Trzebow

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 288.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dobrzyca – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Pałac w Dobrzycy – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Urząd Miejski Gminy Dobrzyca, abgerufen am 7. Februar 2015
  3. Internetowy System Aktów Prawnych
  4. Zeichnung der Neo-gotischen Synagoge auf yairgil.com
  5. History - Jewish community in Dobrzyca auf sztetl.org.pl.