Dohnaische Fehde

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Die Dohnaische Fehde war eine von 1385 bis 1402 währende Auseinandersetzung zwischen den im Osterzgebirge ansässigen Burggrafen von Dohna auf der einen und dem sächsischen Adligen Hans von Körbitz sowie dem Meißner Markgrafen Wilhelm I. auf der anderen Seite.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammwappen der Grafen von Dohna
Die Burg Dohna (mit der Bebauung aus dem 19. und 20. Jahrhundert)

Die Auseinandersetzung begann 1385 bei einem Dresdner Adelstanz zunächst als persönlicher Streit zwischen Hans von Körbitz und dem jungen Burggrafen Jeschke. Nachdem Jeschke ungeniert mit Körbitz’ Frau geflirtet hatte, stellte dieser ihm ein Bein, worauf der Dohnaer mit einer Ohrfeige reagierte. Nickel von Köckeritz beschrieb diesen Vorfall 1482 wie folgt: Der erste unwille hadt ein anfangk: es war einer von Korbs, der schlug dem jungen her Jeschken ein beyn under uff dem tantzhawse zu Dresden, so slugk her Jeschko Korbs uffs mawl.[1]

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Die so begonnene Fehde führte dazu, dass Hans von Körbitz Dohna belagerte und Jeschkes Vater, den alten Burggrafen Otto Heyde II., sowie seinen Bruder Otto Heyde III. gefangen nahm. Jeschke selbst konnte sich der Gefangenschaft entziehen. Während sein Bruder wieder aus der Gefangenschaft befreit werden konnte (davon zeugt der Verkauf von Seifersdorf 1387), starb sein Vater in der Gefangenschaft.

Der Privatkrieg zwischen den Donins und den Körbitz zog weite Kreise. Die raubritterischen Aktivitäten der Donins behinderten den Handel zwischen Sachsen und Böhmen und waren Markgraf Wilhelm I. deshalb ein Dorn im Auge. In der Fehde sah der Markgraf eine Möglichkeit, die Burggrafen von Dohna als Konkurrenten im Streit um Macht und Einfluss im sächsisch-böhmischen Grenzraum auszuschalten, wie schon 1365 die Burggrafen von Leisnig, während die Colditzer 1404 ihre Herrschaft an die Markgrafen verkaufen mussten. Hinzu kam, dass sich Wilhelm I. nach der Beseitigung der meißnisch-böhmischen Grenzstreitigkeiten im Jahr 1391 in einer gestärkten Situation befand. Zu dieser Zeit schien das Verhältnis des Markgrafen zu den Donins noch intakt, Burggraf Jeschke war Zeuge beim Abschluss des Grenzvertrages und sein Bruder Otto Mul bezeugte ein Jahr später ebenfalls eine markgräfliche Urkunde. Aber die Loyalitäten wechselten zu dieser Zeit sehr häufig.

Wilhelm I. nutzte den persönlichen Streit zwischen Hans von Körbitz und Jeschke von Dohna, um die reichsunmittelbare Burggrafschaft der Donins seiner Herrschaft zu unterwerfen. Er ließ 1399 die burggräfliche Wehranlage in Rabenau besetzen und übernahm 1401 Dippoldiswalde, was ebenfalls zur Burggrafschaft Dohna gehörte. Im Spätsommer 1401 begann er mit der Belagerung der Burg Dohna. Diese hielt sich fast ein Jahr. Am 16. Juni 1402 stellte der Markgraf vor der Burg eine Urkunde aus. Drei Tage später fiel die Burg und ein Meißner Vogt zog ein. Burggraf Jeschke gelang die Flucht nach Weesenstein. Aber weder dort noch in Königstein wurde er geduldet. In Königstein, das noch zu Böhmen gehörte, wurde er festgesetzt und 1403 in Ofen (Budapest) enthauptet. Ob seine Kinder überlebt haben, ist nicht überliefert. Der treue Diener Jonas Daniel sollte sie zu Verwandten nach Königsbrück bringen. Dieser wurde aber an der Königsbrücker Landstraße (Abzweig Moritzburger Weg) überfallen und getötet. Zumindest glaubt man dies dem dort gefundenen Steinkreuz mit der Inschrift „FINIS MILTIS IHONAS DANIEL“ entnehmen zu können. Der wahrscheinlich einzig Überlebende war Jeschkes Bruder Otto Heyde III., der 1415 in Prag starb.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Donins, die einst eigene Münzen, die doninschen Brakteaten prägen ließen, mit dem Dohnaer Schöppenstuhl die Gerichtsgewalt in Lehns- und Erbsachen hatten und zudem Lehnsherren zahlreicher Vasallen waren, verloren 1402 alle ihre Gebiete im Erzgebirge, die an sächsische Adlige zu Lehen gegeben wurden. Ihre Verwandten begaben sich nach Böhmen unter den Schutz Kaiser Siegmunds, der aber aufgrund der alsbald ausgebrochenen hussitischen Revolution keine Mittel hatte, ihnen wieder zur Herrschaft über Dohna zu verhelfen.

Infolge der hohen Ausgaben des Markgrafen Wilhelm I., die u.a. zu einem wesentlichen Teil durch die Eroberung der Burg Dohna entstanden, wurde Land und Bevölkerung in hohem Maße belastet. Neben besonderen Steuererhebungen war eine zunehmende Verschlechterung der meißnischen Groschenwährung durch erhebliche Verringerung des Silbergehalts der ausgebrachten Münzen in der wettinischen Hauptmünzstätte die unausbleibliche Folge. Erst 1412 gelang es Friedrich dem Streitbaren die Währung wieder zu stabilisieren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Meiche, Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna, Dresden 1927

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Andermann: Adelsfehde zwischen Recht und Unrecht. Das Beispiel der Dohna-Fehde, in: Martina Schattkovsky (Hrsg.): Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008 (= Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde, Bd. 27), ISBN 978-3-86583-235-1, S. 151–166.
  • Hubert Ermisch: Die Dohnasche Fehde, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 22 (1901), S. 225–290. (Digitalisat)
  • Jürgen Helfricht: Wahre Geschichten um Sachsens schönstes Tal. Taucha 2000. ISBN 3-89772-022-1.
  • Christine Klecker: Wie Dohna verlorenging. Museum Schloß Weesenstein 1991.
  • Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927.