Doksy

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Doksy
Wappen von Doksy
Doksy (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 7491,8181[1] ha
Geographische Lage: 50° 34′ N, 14° 39′ OKoordinaten: 50° 33′ 59″ N, 14° 39′ 26″ O
Höhe: 266 m n.m.
Einwohner: 5.168 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 472 01
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Bahnanschluss: Bakov nad Jizerou–Ebersbach
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Krenický (Stand: 2007)
Adresse: nám. Republiky 193
472 01 Doksy
Gemeindenummer: 561495
Website: www.doksy.com
Lage von Doksy im Bezirk Česká Lípa
Karte

Doksy (deutsch Hirschberg am See) ist eine Stadt im Okres Česká Lípa (Böhmisch Leipa) im Liberecký kraj der Tschechischen Republik.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Nordböhmen im Tal des Robečský potok (Robitzer Bach) am Südüfer des Sees Máchovo jezero (benannt nach dem Dichter Karel Hynek Mácha, deutsch: Hirschberger Großteich) in einer waldreichen Umgebung.

Südöstlich erhebt sich der 603 m hohe Phonolith-Kegel des Bezděz (Bösig), auf dessen Gipfel die Ruine der Burg Bezděz steht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtplatz
Rathaus

Da ältere Urkunden verloren gegangen sind, können das Jahr der Erbauung der Ortschaft und der Name ihres Gründers nicht angegeben werden.[3] 1460 gewährte Georg von Podiebrad dem Städtchen das Recht der vollständigen Gerichtsbarkeit sowie, einen Wochenmarkt abhalten und Bier brauen zu dürfen, was darauf hindeutet, dass sich die Herrschaft Hirschberg seinerzeit im Besitz der königlichen Kammer befunden haben könnte.[4] Es ist erwiesen, dass die Pfarrkirche als solche bereits 1585 bestand. Die beiden Seitenkapellen der Kirche sind erst 1748 und 1765 hinzugefügt worden.[3]

Am Anfang des 17. Jahrhunderts befanden sich die Herrschaft Hirschberg und das Städtchen im Besitz von Ladislaw Seidlitz.[5] Dessen sämtliche Güter wurden nach der Schlacht am Weißen Berg vom königlichen Fiskus konfisziert und am 13. Mai 1623 an den Grafen Jaroslaw Boržita veräußert. Danach kam die Herrschaft Hirschberg an die Familie Heißenstein, dann an die Grafen Waldstein. Im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts befand sich die Herrschaft im Besitz von Vincenz Reichsgraf von Waldstein und Wartenberg.[5] Um 1834 besaß sie Christian Graf Waldstein von Wartenberg, der sie von seinem Vater, Ernest Graf Waldstein von Wartenberg († 1832), geerbt hatte.[4]

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaft im 19. Jahrhundert wurde das Städtchen dem Gerichtsbezirk Dauba zugeordnet.

Die Haupteinnahmequellen der Bewohner waren traditionell die Landwirtschaft mit Schwerpunkt Hopfenanbau sowie regional übliche bürgerliche Gewerbe. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrieb der Unternehmer Franz Wünsche auf einer Anhöhe außerhalb des Städtchens eine Kattun- und Zitzfabrik.[3] Am Ausgang des 19. Jahrhunderts hatte der Ort mehrere Sägewerke.[6]

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Ortschaft zur neu geschaffenen Tschechoslowakei. Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte Hirschberg von 1938 bis 1945 zum Landkreis Dauba, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Stadtrecht wurde nicht gewährt, und Hirschberg hatte nur noch den Status eines Marktes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung größtenteils enteignet und vertrieben. Die Ortschaft erhielt wieder Stadtrecht.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Hirschberg vorwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 1946 in 247 Häusern, darunter eine israelitische Familie[7][3]
1850 ca. 2300 [8]
1857 2142 am 31. Oktober[9]
1900 2050 deutsche Einwohner[6]
1930 3114 davon 412 Tschechen[10]
1939 3139 [10]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[11]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 4 685 5 468 5 075 5 063 5 025

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Doksy besteht aus den Ortsteilen[12]:

  • Břehyně (Heidemühl)
  • Doksy (Hirschberg am See) – Stadt
  • Kruh (Kroh)
  • Obora (Wobern am Bösig)
  • Staré Splavy (Thammühl), 1850 eingemeindet
  • Vojetín (Wojetin)
  • Zbyny (Binai)
  • Žďár (Zdiar)

Grundsiedlungseinheiten sind Bílý Kámen (Weißer Stein), Borný, Břehyně, Doksy-střed, Hajda, Jiráskova čtvrť, Klůček, Kruh, Máchovo jezero, Masarykovy sady, Obora, Pláž Doksy, Pod Borným, Selská rokle, Sídliště Pražská, Staré Splavy, Střelnice, Štědrá, Tovární vrch, U Čeplu, U dřevařských závodů, Vojetín, Za Šroubeným, Zbyny und Žďár[13].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Doksy u Máchova jezera, Kruh v Podbezdězí, Obora v Podbezdězí, Vojetín, Zbyny und Žďár v Podbezdězí[14].

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heutigen Stadt spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. In der Umgebung des Hirschberger Großteichs stehen ausgedehnte Campingplätze zur Verfügung. In den Sommermonaten Juli und August ist Doksy ein beliebtes Ferien- und Erholungsgebiet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Hirschberg
  • Das im 17. Jahrhundert in seiner jetzigen Form erbaute Schloss Hirschberg, das in einem schönen englischen Park liegt, beherbergt heute eine Lehranstalt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Doksy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/561495/Doksy
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. a b c d Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis, Prag 1834, S. 176–177, Ziffer 1).
  4. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis, Prag 1834, S. 169.
  5. a b Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 4: Bunzlauer Kreis, Prag 1786, S. 213.
  6. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 9, Leipzig und Wien 1907, S. 369–370, Ziffer 3).
  7. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 196, Ziffer 14).
  8. Topographisches Lexikon von Böhmen. Prag 1852, S. 120, linke Spalte.
  9. Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 39, rechte Spalte.
  10. a b Verwaltungsgeschichte Landkreis Dauba (M. Rademacher, 2006)
  11. Czeski Urząd Statystyczny
  12. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561495/Obec-Doksy
  13. http://www.uir.cz/zsj-obec/561495/Obec-Doksy
  14. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561495/Obec-Doksy