Dokumentation Obersalzberg

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Dokumentation Obersalzberg

Die Dokumentation Obersalzberg ist ein Lern- und Erinnerungsort zur NS-Zeit am Täterort Führersperrgebiet Obersalzberg in Berchtesgaden. Sie verbindet die Ortsgeschichte mit der gesamten Geschichte des Nationalsozialismus.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude der Dokumentation Obersalzberg wurde auf den Grundmauern des früheren Gästehauses Hoher Göll errichtet. Dieses gehörte zur KdF-Hotelanlage Platterhof innerhalb des Führersperrgebiets Obersalzberg. Die Dokumentation liegt unweit der Busabfahrtsstelle zum Kehlsteinhaus, das zu den als Big Five bezeichneten touristischen Angebotsschwerpunkten in der Landkreisteilregion Berchtesgadener Land und damit zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landkreises Berchtesgadener Land zählt.[1] Da Touristen auf dem Weg zum Kehlsteinhaus ihre PKWs neben der Dokumentation parken müssen und ab da nur mit Bussen der Kehlsteinlinie zu ihrem Ziel gelangen können, verbinden nicht wenige das auch mit einem Besuch der Dokumentation.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailansicht Beginn des Dokumentationsbereichs
Schaukästen und Textdokumente im oberen Stockwerk
Verbindungsbau zum Bunker
Dokumentationsbereich Bunker

Adolf Hitler hatte Obersalzberg, der damals ein beliebter Zweitwohnsitz- und Urlaubsort prominenter Deutscher war, in den 1920er Jahren als Urlaubsort ausgewählt. Nach der „Machtergreifung“ ließ er den Berghof zu seiner repräsentativen Residenz ausbauen. Er war das Zentrum des Führersperrgebiets Obersalzberg, das auch Wohngebäude zahlreicher weiterer NS-Größen umfasste. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Areal den amerikanischen Streitkräften als Erholungszentrum.

1996 entschieden die USA endgültig, das Areal nicht weiter zu nutzen. Damit konnte der Freistaat Bayern nun über die ihm übertragenen ehemaligen NSDAP-Liegenschaften auch tatsächlich verfügen. Unter Verantwortung des zuständigen bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser (CSU) wurde das Zweisäulenkonzept entwickelt, dessen eine Säule das Wiederaufleben des Tourismus an dieser Stelle ist, die andere ein Dokumentationszentrum zur örtlichen und gesamten NS-Zeit als Gegenpart zur kommerziellen Nutzung des Standorts und um das Entstehen einer Pilgerstätte für Rechtsextreme zu verhindern. Die bayerische Staatsregierung beschloss daraufhin, auf diesem Areal neben einem Hotel der Luxusklasse die Dokumentation Obersalzberg zu schaffen.[2]

Am 20. Oktober 1999 eröffnet, erhielt die Dokumentation Obersalzberg 2005 einen Erweiterungsbau mit Seminarräumen, und 2006 wurde ein neuer Ausstellungsraum in der Bunkeranlage des ehemaligen um Hitlers Gästehaus erweiterten Hotel Platterhofs für Wechselausstellungen fertiggestellt.[3] Aufgrund der hohen Besucherzahlen (siehe Abschnitt Rezeption) beschloss das bayerische Kabinett 2013 die Dokumentation weiter auszubauen.[4] Demnach soll die Ausstellungsfläche verdoppelt werden. Vorgesehen waren der Baubeginn für das Frühjahr 2016, eine dreijährige Bauzeit und Baukosten von 22 Millionen Euro.[5] Nach „langer, aber guter Beratung“ des Bayerischen Landtags um die Kosten hat sich der Baubeginn auf 2017 verzögert.[6] Die Kosten stiegen bis Anfang 2019 auf 30 Mio. Euro.[7] Es kam zu Fehlern der Planer die das Projekt weiter verzögerten. Die Baumaßnahme soll jetzt im Winter 2021/22 fertiggestellt werden und anschließend die neue Ausstellung eingerichtet werden.[8]

Trägerschaft, Betreiber und Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Träger der Dokumentation ist seit ihrer Eröffnung die Berchtesgadener Landesstiftung, die wiederum den Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden als Betreiber dieses Dokumentationszentrums eingesetzt hat.[3]

Die wissenschaftliche und museumsfachliche Leitung liegt beim Institut für Zeitgeschichte, München – Berlin. Staatlicherseits wird die Dokumentation als Liegenschaft des Freistaats Bayern vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen betreut.[3]

Von 1996 bis 1999 war Volker Dahm Projektleiter und von 1999 bis 2009 Wissenschaftlicher Leiter. Derzeitiger Leiter ist Sven Keller, der im Juni 2018 Axel Drecoll ablöste, der zum Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten berufen wurde.[9] Der stellvertretende Leiter und Kurator ist Albert A. Feiber.[10]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dokumentation Obersalzberg bezieht Teile der noch erhaltenen Bunkeranlagen ein und verbindet die Vergangenheit Obersalzbergs als Führersperrgebiet mit Dokumenten und Ausstellungsstücken, die auch die Einbindung der einheimischen Bevölkerung in die nationalsozialistische Politik vorstellt.[11]

Gezeigt werden eine Dauerausstellung sowie regelmäßig wechselnde Ausstellungen. Dabei geht es nicht nur um das Geschehen in Obersalzberg, sondern um die gesamte NS-Diktatur.[12] Die Dokumentation Obersalzberg will die Geschichte von Obersalzberg während der Zeit des Nationalsozialismus und die Verbindungen zur gesamten nationalsozialistische Politik vorstellen, um damit u. a. auch den bis dahin allein auf kommerzielle Ausbeutung bedachten Fremdenverkehrsinteressen entgegenzuwirken.

Beginnend mit der „Vorzeigeseite“ im hellen Gebäude – u. a. anhand von Bild- und Tondokumenten über begeisterte junge Mädchen, die zu Tausenden vor dem Berghof auf ihren „Führer“ warteten – wird schrittweise in die Darstellung der Auswirkungen des Nazi-Regimes übergeleitet, die im Dunkel und in der Kühle des Bunkers mit Dokumenten zur Judenvernichtung ihr Ende findet.

Nicht zuletzt eine Tonbildschau mit Interviews früherer Bewohner von Obersalzberg sucht eine erhellende Kommentierung der Ereignisse vor Ort und des Weltgeschehens jener Zeit vorzustellen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Dokumentation Obersalzberg konnte 2007 der einmillionste, am 19. Juli 2010 der 1,5 millionste Besucher und am 18. Juli 2013 der zweimillionsten Besucher durch den Bayerischen Staatsminister der Finanzen, Markus Söder begrüßt werden. Mittelfristig wird nun jährlich mit 150.000 bis 160.000 Besuchern gerechnet,[13] was 2013 zum Beschluss des bayerischen Kabinetts führte, die Dokumentation weiter auszubauen.[4] Die Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen Zentrums ist für 2023 geplant.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dokumentation Obersalzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. oete.de (Memento vom 27. April 2014 im Internet Archive) PDF-Dokumentation von Ökologischer Tourismus in Europa S. 61 f., 64 f., 70 f.
  2. „Täterort“ und historische Aufklärung. Vortrag von Dr. Volker Dahm (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte; München-Berlin, fachlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg) anlässlich eines Symposiums in zwei Teilen (5. bis 7. Dezember 2002, 16. bis 17. Januar 2003), nachzulesen im Tagungsband S. 198–210, Zitat S. 199 f. (online (Memento vom 28. April 2015 im Internet Archive) auf ns-dokumentationszentrum-muenchen.de; Direktlink zur PDF-Datei mit 1652 kB in der aufgerufenen Seite).
  3. a b c obersalzberg.de Über uns, letzter Abschnitt u. a. zu Erweiterungen und Trägerschaft
  4. a b Heiner Effern, Nike Szymanski: 17 Millionen für Ausbau des NS-Dokumentationszentrums. in der Süddeutschen Zeitung (noch mit alten Zahlen zu Baubeginn und Kosten), online eingestellt am 11. Juni 2013.
  5. Kilian Pfeiffer: Wirtschaftsplan 2016 vorgestellt Meldung im Berchtesgadener Anzeiger vom 13. Februar 2016, online unter berchtesgadener-anzeiger.de
  6. Ulli Kastner: Dr. Markus Söder: „Den Obersalzberg entmystifizieren“, Bericht im Berchtesgadener Anzeiger vom 22. November 2016, online unter berchtesgadener-anzeiger.de
  7. kbl: Berchtesgaden: Obersalzberg wird noch viel teurer, Meldung vom 27. Januar 2019 in der Süddeutschen Zeitung, online unter sueddeutsche.de
  8. Dokumentation Obersalzberg: Erweiterungsbau wird erst 2021/22 fertig, Bericht vom 22. Februar 2020, online auf evangelisch.de.
  9. Bundesregierung.de: Historiker Axel Drecoll wird neuer Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
  10. Dokumentation Obersalzberg: Mitarbeiter. Abgerufen am 26. Juli 2021., online unter obersalzberg.de
  11. Isabel Scheppe: Dokumentation Obersalzberg. (Nicht mehr online verfügbar.) Dokumentation Obersalzberg, 25. September 2012, ehemals im Original; abgerufen am 12. Oktober 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rfo.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  12. Dokumentation Obersalzberg. Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  13. Entwicklung der Dokumentation Obersalzberg (Memento vom 28. Juni 2012 im Internet Archive), online unter obersalzberg.de
  14. Voraussichtlicher Termin der Wiedereröffnung 2023

Koordinaten: 47° 37′ 54″ N, 13° 2′ 25″ O