Dokumentationszentrum KZ Bergen-Belsen

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Dokumentationszentrum Außenansicht

Das Dokumentationszentrum KZ Bergen-Belsen liegt an der Straße zwischen Bergen, Belsen und Winsen/Aller, wo das nationalsozialistische Konzentrationslager Bergen-Belsen bestanden hat, und entwickelte sich allmählich nach dem Zweiten Weltkrieg. 2007 eröffnete das Land Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Bund einen Neubau.

Geschichtliche und geographische Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das KZ Bergen-Belsen entstand aus einem Kriegsgefangenen-Lager.[1][2] Ursprünglich sollte es Häftlinge aufnehmen, die zum Austausch mit dem Ausland zur Verfügung standen.[3] In unmittelbarer Nachbarschaft liegt seit 1935 der Truppenübungsplatz Bergen.[4] Auf dem „Russenfriedhof“ liegen nach Schätzungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge 50.000 Tote in 14 Massengräbern.[5] Nicht weit entfernt liegen auf der Kriegsgräberstätte Lohheide die Gräber deutscher gefallener Soldaten.[6] Das Gebiet war in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wovon die Sieben Steinhäuser zeugen.[7]

Lagepläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentationsstätte für das KZ Bergen-Belsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentationszentrum Innenansicht

Am Ort des ehemaligen KZ Bergen-Belsen gab es ab 1952 eine Gedenkstätte, bestehend aus einem jüdischen Mahnmal und einer Inschriftentafel mit Obelisk, und ab 1966 auch eine Ausstellungshalle. Als Erinnerungsort wurde Bergen-Belsen über Jahrzehnte hinweg kaum gepflegt. Einige Jahre nachdem Ronald Reagan und Helmut Kohl 1985 den Ort des ehemaligen KZ besucht hatten, begann die Erweiterung der Ausstellung, seit dem Jahr 2000 auch mit Unterstützung des Bundes. Die Arbeit der Gedenkstätte wird ehrenamtlich von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen e.V. unterstützt.

Seit 1993 arbeiten niedersächsische Jugendverbände auf dem Gelände der Gedenkstätte und des sowjetischen Kriegsgräberfriedhofes. Für sie ist die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. In jedem Jahr finden 25 bis 30 Maßnahmen der Jugendverbände in Bergen-Belsen statt.[8] Freilegung, Erforschung, Dokumentation, Vermessung und Sicherung von baulichen Resten des ehemaligen Lagers konnten dabei vorgenommen werden. In der Vergangenheit wurden auch Lagerteile durch solche Workcamps neu gestaltet.

Besuch des KZ Bergen-Belsen durch Ronald Reagan und Helmut Kohl 1985

Henry Friedlander war von 2001 bis 2007 Vorsitzender einer internationalen Kommission aus elf Fachleuten, die ehrenamtlich die Neukonzeption des Dokumentationszentrums KZ Bergen-Belsen beratend begleitete.[9] Am 28. Oktober 2007 wurde das neue Dokumentationszentrum Bergen-Belsen eröffnet.[10] Das 18 Meter breite, teils zweigeschossige, fast 200 Meter lange Betongebäude wurde von den Braunschweiger Architekten Engel und Zimmermann geplant (Büro KSP). Es hat eine Ausstellungsfläche von 1.500 m². Die Kosten in Höhe von 13 Millionen Euro trugen je zur Hälfte die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen. Für den Bau dieser Gedenkstätte erhielt das Architekturbüro gemeinsam mit der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2008. Allerdings gibt es Kritik am Konzept und der konkreten Ausgestaltung der Arbeit des Dokumentationszentrums, die zum Teil Ausdruck in der Presse gefunden haben.[11] Der Historiker, Autor und Herausgeber Thomas Rahe ist wissenschaftlicher Leiter der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Inhalte des Dokumentationszentrums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht 1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Bereich ist unterteilt in:

  • Sowjetische Kriegsgefangene 1941 bis 1942
  • Sowjetische Kriegsgefangene 1942 bis 1945
  • Italienische Militärinternierte 1943 bis 1945
  • Warschauer Aufständische 1944/1945
  • Befreiung 1945
Ein „steinerner Weg“ führt durch das Dokumentationszentrum in die geografische Mitte des früheren Lagerareals. Lage des Gebäudes und Wegführung zeichnen die Trasse einer Landstraße nach, die durch den Lagerbau 1941 gekappt wurde.

In chronologischer Reihenfolge wird unter anderem gezeigt:

  • September 1939: Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Fallingbostel auf dem Truppenübungsplatz Bergen
  • Juni 1940: Nutzung des ehemaligen Bauarbeiterlagers
  • 1943: Übergabe eines Teils des Lagers an die SS und die Unterbringung von italienischen Militärinternierten
  • Oktober 1944: Soldaten der polnischen Heimatarmee kommen als Kriegsgefangene
  • Januar 1945: Das Kriegsgefangenenlager wird geräumt, die SS übernimmt die Gebäude
  • April 1945: Befreiung durch die britische Armee

Konzentrationslager Bergen-Belsen 1943 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier erfolgt eine Untergliederung in:

  • Das Austauschlager 1943 bis 1945
  • Männer- und Frauenlager 1944 bis 1945
  • Auffang- und Sterbelager 1944 bis April 1945
  • Die Befreiung und Bilder der britischen Befreier

Im Einzelnen wird hier gezeigt:

  • April 1943: Übernahme eines Teils des Kriegsgefangenenlagers durch die SS und Einrichtung eines Konzentrationslagers
  • Ab Frühjahr 1944: Erweiterung des KZ, Unterbringung arbeitsunfähiger Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern
  • Ab August 1944: Ankunft weiblicher Häftlinge aus Auschwitz
  • Ab Oktober 1944:Ankunft von Räumungstransporten aus frontnahen Konzentrationslagern
  • 15. April 1945: Befreiung von 55.000 Häftlingen durch britische Truppen.

Displaced Persons Camp Bergen-Belsen 1945 bis 1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(im Obergeschoss des Dokumentationszentrums)

  • Nothospital 1945 und Polnisches DP-Camp 1945 bis 1946
  • Jüdisches DP-Camp 1945 bis 1950

Sonstige Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Topografie des früheren Lagerareals: In sechs phasenchronologischen Karten wird die Geschichte des Ortes von 1938 bis April 1945 dargestellt.
  • Strafverfolgung der Täter, Ermittlungsverfahren, Prozesse (Bergen-Belsen-Prozess), Urteile.
  • Bodenfunde: In 20 Vitrinen werden Gegenstände gezeigt, die auf dem Gelände des früheren Lagers bei Freilegungsarbeiten gefunden wurden.
  • Videointerviews mit Zeitzeugen: Die 340 Interviews der Überlebenden und Zeitzeugen haben eine Gesamtlänge von rund 1.300 Stunden (Stand: Juli 2007).

Verladerampe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transport-Waggon - im Hintergrund ein Teil der Verladerampe
Gedenkstein für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft, die von der Verladerampe in das KZ Bergen-Belsen geführt wurden
Denkmal nahe der Verladerampe

Abseits der neuen Dokumentationsstätte wird auf der Verladerampe deutlich, welchen Weg die Häftlinge ins Lager zurücklegen mussten. Auf der Straße (L 298) von Bergen nach Belsen, etwa auf halbem Wege, führt eine Straßenbrücke über die Bahntrasse, die von Celle über Bergen nach Belsen verläuft. Gleich hinter dieser Brücke links, auf dem Parkplatz, befindet sich ein Mahnmal. Dieses wurde von dem Hannoveraner Künstlerpaar Almut und Hans-Jürgen Breuste geschaffen und am 26. Januar 2008 hier eingeweiht.[12] Es soll an die nahe gelegene Bahnrampe erinnern, auf der die Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge ankamen. Sie wurden von der Reichsbahn hierher transportiert und mussten von hier 5 bis 6 km zu Fuß in das Lager marschieren. Vom Parkplatz führt entlang der Bahntrasse ein schmaler unscheinbarer (aber ausgeschilderter) ca. 550 m langer Fußweg zur Verladerampe. Die AG Bergen-Belsen hat dort einen „gedeckten Güterwagen“ aufgestellt. Ein Teil der Rampe und des Gleises wurde auf deren Antrag im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt.[13]

Zelttheaterfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Nach der Befreiung des KZ Bergen-Belsen evakuierte die britische Armee innerhalb von vier Wochen etwa 29 000 Überlebende in den nahegelegenen Kasernenkomplex und richtete unter Mithilfe von zivilen Hilfsorganisationen in verschiedenen Gebäuden Notlazarette ein. Dort starben noch Tausende Menschen an den Folgen ihrer KZ-Haft. Für sie wurde ein eigener Friedhof am Rand des Kasernenkomplexes angelegt. In der Nähe befand sich ein großes Zelt für Theateraufführungen, weshalb er „Zelttheaterfriedhof“ genannt wurde. Bis Ende 1945 wurden dort etwa 4500 jüdische und nichtjüdische Tote vieler Nationalitäten beerdigt. Bis 1950 wurden auf diesem Friedhof auch die verstorbenen Bewohner des jüdischen DP-Camps begraben.“

Internetseite der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Der Zelttheaterfriedhof (siehe Lageplan) liegt auf dem Gelände der britischen Kaserne, er ist deshalb nicht öffentlich zugänglich. Nur nach Absprache mit den britischen Behörden ist der Friedhof zu besuchen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Wiedemann: "Earth Conceal Not The Blood Shed On Thee". Das neue Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen. In: Bergen-Belsen: Kriegsgefangenenlager 1940–1945, Konzentrationslager 1943–1945, Displaced Persons Camp 1945 - 1950. Katalog der Dauerausstellung. Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Göttingen, Wallstein-Verlag 2009. ISBN 978-3-8353-0612-7
  • Wilfried Wiedemann / Joachim Wolschke-Bulmahn (Hrsg.): Landschaft und Gedächtnis: Bergen-Belsen, Esterwegen, Falstad, Majdanek, München 2011, S. 103–124. ISBN 978-3-89975-268-7
  • Knoch, Habbo (ed) (2010). Bergen-Belsen: Wehrmacht POW Camp 1940–1945, Concentration Camp 1943–1945, Displaced Persons Camp 1945–1950. Catalogue of the permanent exhibition. Wallstein. ISBN 978-3-8353-0794-0.
  • Fletcher, David (2007), "Churchill Crocodile Flamethrower", Volume 136 of New Vanguard (Osprey Publishing): 33 & 47, ISBN 1-84603-083-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stalag XI C auf www.relikte.com und
    Zum Stalag 311/XI C in Bergen-Belsen (ak-regionalgeschichte.de; auch ein Grundriss vom Stalag XI B Fallingbostel)
  2. April 1943: „Die Wehrmacht tritt den südlichen Teil des Lagergeländes an die SS ab, die dort ein ‚Austauschlager‘ einrichtet. Hier sollen jüdische Häftlinge als Geiseln festgehalten werden, um sie gegen im Ausland internierte Deutsche austauschen zu können. Das Austauschlager ist Teil des nationalsozialistischen KZ-Systems.“ (Internetseite der Gedenkstätte Bergen-Belsen)
  3. „Aufenthaltslager“ für Austauschgefangene
  4. Truppenübungsplatz, eingerichtet von der Wehrmacht, heute NATO-Übungsplatz
  5. „Russenfriedhof“ Bergen/Hörsten
  6. Liste der auf der Kriegsgräberstätte Lohheide begrabenen deutschen gefallenen Soldaten
  7. Kulturdenkmal „Sieben Steinhäuser“
  8. Überblick über Jugendarbeit in Bergen-Belsen
  9. Annette Langhorst: Geschichte im Gang – Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen eröffnet ihr neues Dokumentationszentrum. In: Jüdische Allgemeine vom 1. November 2007.
  10. Dokumentationszentrum Gedenkstätte Bergen-Belsen
    Stefan Drößler: „Das Herz ist voll – man könnte heulen“. Neues Dokumentationszentrum bewegt Gäste.
  11. Matthias Hannemann: Im schweren Gelände der Geschichte. Aus: FAZ, Feuilleton, 26. Mai 2008
  12. Bericht des freien Journalisten Stefan Drößler über das Mahnmal zur Verladerampe
  13. Unweit der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Kreis Celle) wurde im April 2002 auf Initiative der »Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen e.V.« neben der Rampe am Rande des heutigen Truppenübungsplatzes ein gedeckter Güterwagen alter Bauart aufgestellt, der zuletzt von der Museumsbahn in Weyhe – Leeste (Niedersachsen) gekommen war. Sein eisernes Gerippe wurde durch Soldaten der Bundeswehr in Bergen-Hohne mit neuen Brettern versehen. Im Jahr zuvor war vom Militär am Bahnhof Bergen bei Bauarbeiten irrtümlich ein Teil der seit September 2000 denkmalgeschützten Verladerampe abgerissen worden, die daraufhin wiederhergestellt werden musste. (Hinweis von Frau Elke von Meding, Bergen-Bleckmar, Vorsitzende der AG Bergen-Belsen, siehe Gedenkstättenforum)

Koordinaten: 52° 45′ 28″ N, 9° 54′ 40″ O