Dolphin Space

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Echolokationslaute von Zahnwalen werden bei der Therapie eingesetzt.

Dolphin Space ist der geschützte Name einer ganzheitlichen therapeutischen Konzeption und eines Unternehmens unter Leitung von Helmut Diez, welches überwiegend im deutschsprachigen Raum arbeitet. Die Gründer von Dolphin Space - Itay P. Behr, Helmut Diez, Bianka Hofmann, Petra Reisch und Michael Scheer - entwickelten diese Konzeption ab 1997 für die Behandlung von Kindern in besonderen Lebenssituationen (Stoffwechselstörungen, Autismus, geistige und körperliche Einschränkungen, Wachkoma usw.).[1] Das Dolphin-Space-Team dehnte seither seine Behandlungsangebote auf Verhaltensauffälligkeit und Lernbehinderung von Kindern und auf Altersdemenz aus, wobei dieser Teil des Programms gleichfalls die betreuenden Angehörigen mit einbezieht. Seit 2005 besteht auch eine sporttherapeutische Gesamtkonzeption für den Hochleistungssport. Dieses besteht aus einer festen Abfolge von vier Modulen (Energiebehandlung, Mental Coaching, Bewegungsoptimierung und Krafttraining).

Kennzeichnend für das Programm ist neben der Verwendung von Echolokationslauten freilebender Zahnwale der ganzheitliche Ansatz. So werden nicht nur die Angehörigen bzw. Betreuungspersonen mit einbezogen, sondern es werden auch komplementäre therapeutische Elemente eingesetzt und Kurzzeitschulungen integriert.

Die Wirksamkeit von Echolokationslauten auf Gewebe gilt unter bestimmten Umständen als nachgewiesen. Dazu gehört eine ausreichende Intensität, wiederholte Anwendung über mehrere Tage oder Wochen sowie eine bestimmte Anwendungsdauer pro Session. Bei einer Untersuchung in den Florida Keys zeigte sich, dass etwa 20 % der Tiere sich gegenüber Patienten anders verhielten, als gegenüber sonstigen Menschen und dass die Kontaktdauer für eine Therapie nicht ausreichte.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangspunkt waren die Erkenntnisse des Entwicklungsteams aus Freiland-Interaktionsforschungen insbesondere mit Pilotwalen vor Teneriffa. Dabei verhielten sich die Forscher überwiegend passiv. Die Wale nutzten regelmäßig Echolokationslaute um die Forscher zu identifizieren. Forscher wie auch Begleitpersonen erlebten bei der Exposition mit diesen Lauten regelmäßig positive Stimmungsänderungen sowie Glücks- und Entspannungszustände, die darauf schließen ließen, dass die Echolokationslaute neurochemische und neuroelektrische Veränderungen im Nervensystem hervorriefen, die die Endorphin- und Hormonproduktion aktivierten. Subjektiv waren nach jeder Begegnung das Aufnahmevermögen und das allgemeine Wohlgefühl deutlich verstärkt, was als Hemisphärenangleichung und -stimulation interpretiert wurde.[3]

In mehreren Expeditionen wurden ab 1997 die während der Begegnung auf die Forscher abgegebenen Echolokationen mit eigens hierfür entwickelten Hydrophonen aufgenommen und systematisch mit den subjektiven Eindrücken der Forscher erfasst und katalogisiert. Aus mehreren hundert Stunden wurden die heute in der therapeutischen Anwendung benutzten Sequenzen ausgewählt und für die therapeutische Anwendung präpariert.

Ab April 2002 wurden im Bad des Bremer St.-Joseph-Stiftes regelmäßig therapeutische Anwendungen durchgeführt,[4][5] doch wurde das Gebäude 2008 abgerissen. Bis 2013 erfolgten Anwendungen in verschiedenen Thermalbädern der Stadt, in der Folge auch in einem Thermalbad bei Nürnberg und auf Mallorca.

Grundannahmen des Kinderprogrammes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kommunikations- und systemtherapeutische Ansatzpunkt liegt in der Annahme, dass auch schon ungesicherte pränatale Diagnosen, die auf Behinderungen schließen lassen, für das Familiensystem Zukunftsängste, soziale Barrieren und besondere Belastungen schaffen, die in ihrer Gesamtheit, unabhängig vom objektiven Befund, „Behinderung“ produziert. Es entsteht schnell eine „maskierte Kommunikation“ zwischen den Eltern und dem Kind, welche von Ängsten geprägt ist, den Kindern die notwendige Therapien nicht rechtzeitig zukommen zu lassen, möglichen Schuldzuweisungen für die Gründe der Entwicklungs- und Verhaltenseinschränkung, sowie einseitige Verteilung der Pflegeaufgaben und Uneinigkeit über die Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen.

Neben der oft selbst gewählten sozialen Ausgrenzung des Familiensystems, wird den entwicklungs- und verhaltenseingeschränkten Kindern häufig die Kommunikation abgenommen. Dies verbaut den Kindern die Möglichkeit ihre kommunikativen und sozialen Potentiale zu entfalten. Daraus resultiert wiederum eine gesteigerte Abhängigkeit von Eltern und Pflegepersonen, die dazu führt, dass über sie verfügt wird, sowohl körperlich als auch kommunikativ. Zusätzlich zu den körperlichen Beschränkungen entsteht so eine kommunikative Isolation, ein Mangel an Reflexion und somit eine mangelhafte Eigenwahrnehmung.

Verfahren und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Speziallautsprechern die einen sehr hohen Frequenzgang und Schalldruck erzeugen, werden diese Echolokationssequenzen bei der Wasser-Shiatsu-Behandlung (Watsu und Wata) zugespielt, beziehungsweise zur Klangmassage benutzt.[6] Unter Wasser wirken diese Laute auf den gesamten Körper und nicht auf das Trommelfell. Die positiven Wirkungen sind von mehreren hundert Personen wie auch von einer großen Zahl von Wassertherapeuten bestätigt worden. Ab 2002 stieß dann das Dolphin Space Program als „Delfintherapie ohne Delfine“ auf erhebliches Interesse der Medien.[7] Auch die Walschutzvereinigungen und engagierte Wissenschaftsjournalisten sehen im Dolphin Space Program eine nachhaltige und positive Nutzung der „Ressource Wal“.

Die Wassertherapie wird in verschiedenen Behandlungskonzeptionen eingesetzt und mit mentalem Coaching kombiniert.[8] Die Behandlung der Kinder in besonderen Lebenssituationen - Schwerstbehinderungen, Autismus, Wachkoma, Verhaltensauffälligkeiten und Lernbehinderungen – dauert eine Woche und findet in üblichen therapeutischen Behandlungsbädern statt. Parallel dazu reflektieren die meist elterlichen Bezugspersonen ihre Situationen und Belastungen in einem mentalen Coaching. Die Eltern erhalten eine Kurzausbildung im Triple P - Positive Parenting Program - und eine Unterweisung für die selbstständige Entwicklungsbeobachtung.[9]

Die Wassertherapie der Kinder findet unabhängig von den Eltern statt. In allen Fällen entstehen tiefe Entspannungszustände und die Erweiterung der Wahrnehmung und Stimulation des Nervensystems und des Bewegungsapparates.

Das parallel stattfindende Elterncoaching fokussiert die elterliche Situation, analysiert die Familienbeziehungen, eruiert Selbstblockaden, sucht nach Einstellungsänderungen, Freiräumen und erhöhter Selbstbestimmung in der Auswahl von therapeutischen Folgemaßnahmen.

Das Dolphin Space Program wird auch bei Familien und ihren dementen Angehörigen fast gleichartig angewendet. Hier lernen die Betreuungspersonen noch die täglichen Trainingseinheiten, die sie selbstständig mit ihren dementen Angehörigen durchführen können.

Für den Spitzensport werden die Elemente der Wasserbehandlung, des mentalen Coachings mit einem gezielten Aufbau- und Muskeltraining und Elementen aus dem Hochleistungspilates kombiniert. Insgesamt werden für Trainer, Therapeuten und Sportler 30 elementare Erfolgsfaktoren festgelegt, die sportartenspezifisch in Trainings- und Behandlungsabfolgen münden. Dies dient der gemeinsamen Orientierung und Effektivierung für die Arbeit aller am Trainingsprozess Beteiligten.

Dolphin Space plant verschiedene in- und ausländische Behandlungszentren in eigens entwickelten Dolphin Space Pavillons, die als Plusenergiegebäude auch die zukünftigen Nachhaltigkeitsstandards erfüllen sollen. Es unterstützt die Wal- und Deflinschutzvereinigungen und lehnt jegliche Art der Gefangenschaft für wissenschaftliche wie auch für therapeutische Zwecke ab.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Diez: dolphin space (PDF)
  • J. Akiyama, M. Ohta: Increased number of whistles of bottlenose dolphins, Tursiops truncatus, arising from interaction with people, in: Journal of Veterinary Medical Science 69 (2007) 165-170.
  • Erwin Breitenbach, Lorenzo von Fersen, Eva Stumpf, Harald Ebert: Delfintherapie für Kinder mit Behinderungen. Analyse und Erklärung der Wirksamkeit. Würzburg: Edition Bentheim 2006.
  • Erwin Breitenbach, Eva Stumpf, Lorenzo von Fersen, Harald Ebert: Hoffnungsträger Delfin. Mögliche Effekte und Wirkfaktoren tiergestützter Therapie bei Kinderm mit Behinderungen, aufgezeigt am Beispiel der Delfintherapie, Geistige Behinderung 43,4 (2004) 339–357
  • Karsten Brensing, K. Linke: Behavior of dolphins towards adults and children during swim-with-dolphin programs and towards children with disabilities during therapy sessions, in: Anthrozoös 16 (2003) 315–331.
  • Karsten Brensing, K. Linke, D. Todt: Can dolphins heal with ultrasound?, in: Journal of Theoretical Biology 225 (2003) 99-105.
  • Nicole Kohn, Rolf Oerter: Delphintherapie hilft: wissenschaftliche Befunde aus Eilat und Florida, in: Kirsten Kuhnert (Hrsg.): Delphintherapie – Beweise eines Wunders, Heinrich Hugendubel Verlag, München, S. 55–87.
  • Lori Marino, Scott Lilienfeld: Dolphin-assisted therapy: more flawed data and more flawed conclusions, in: Anthrozoös 20 (2007) 239–249.
  • David E. Nathanson: Reinforcement effectiveness of animatronic and real dolphins, in: Anthrozoös 20 (2007) 181–194.
  • Michael Scheer, Bianka Hofmann: Das Dolphin Space Programm, in: Krankendienst 1 (2004) 12-15. (online, PDF)
  • Michael Scheer, Bianka Hofmann, Itay Peter Behr: Ethogram of selected behaviors initiated by free-ranging short-finned pilot whales (Globicephala macrorhynchus) and directed to human swimmers during open water encounters, in: Anthrozoös 17 (2004) 244-258.
  • Michael Scheer: Können Delfine heilen? Neue wissenschaftliche Befunde zum Thema „Delfinassistierte Therapie“, in: Krankendienst 7 (2008) 208–211.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung auf der Seite http://www.dolphin-space.de/, archive.org, 3. Februar 2011.
  2. „Based on publications in medicine, we will show that ultrasound emitted by dolphins could have an effect on biological tissue under some circumstances; such as sufficient intensity, repeated application over several days or weeks and a certain application duration per session. We recorded 83 sessions at the "Dolphins Plus", a fenced area with ocean water in the Florida Keys. Our observations demonstrate that only one out of five observed dolphins behave significantly differently towards patients compared to other humans and that the duration of the observed close contacts did not meet the requirements for common ultrasound therapies“ (K. Brensing, K. Linke, D. Todt: Can dolphins heal by ultrasound? In: Journal of theoretical biology. Band 225, Nummer 1, November 2003, S. 99–105, PMID 14559063.).
  3. Beitrag Radio Bremen 1, 16. September 2005, archive.org, 5. März 2016.
  4. Behinderte Kinder spüren Sprache der Pilotwale körperlich, in: Die Welt, 2. August 2002.
  5. Delphin-Laut-Therapie, Weekly Whale News, 24. Juni 2002, cetacea.de, Wale, Delfine und Menschen.
  6. Therapeutische Beschallung mit Delphinlauten.
  7. Heilende Töne - Therapie mit Delfinlauten, arte.tv, 24. Februar 2005.
  8. Heilende Töne - Therapie mit Delfinlauten (Memento vom 20. November 2010 im Internet Archive), arte.tv, 24. Februar 2005.
  9. ZDF Ratgeber, Sendung vom 5. April 2005.
  10. Delfinarien und Therapien. Das traurige Geschäft mit Delfinen, ZDF Umwelt, 11. April 2010.