Dom St. Johannes (Toruń)

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Dom St. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist

Der Dom St. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist (polnisch Bazylika katedralna Świętych Jana Chrzciciela i Jana Ewangelisty) ist die Kathedrale des Bistums Toruń im nördlichen Polen und die wichtigste Kirche der Stadt. Sie gehört mit der Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Johanneskirche wurde als Pfarrkirche der Altstadt im 13. Jahrhundert errichtet. In der Folgezeit wurde sie mehrfach aus- und umgebaut. 1351 zerstörte ein Brand Teile des Gebäudes. Am Nord- und Südschiff wurden einige Kapellen angebaut. Im Jahr 1406 stürzte der Kirchturm ein. Die Arbeiten standen unter Leitung des Baumeisters Johann Gotland und waren 1433 vollendet.

1473 wurde hier Nikolaus Kopernikus getauft.

Seit 1557 war die Kirche evangelisch. Von 1583 bis 1596 nutzten Protestanten und Katholiken sie gemeinsam. In diesen Jahren wurde das Innere verputzt und übertüncht, wobei die Wandgemälde des 14. und 15. Jahrhunderts verschwanden.

Die Kirche erhielt 1935 durch Papst Pius XI. den Rang einer Basilica minor verliehen.[1] Mit der Schaffung des Bistums Toruń wurde die Basilika zu dessen Kathedrale erhoben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Malereien im Presbyterium und an der Ostwand wieder freigelegt. Sie zeugen vom Reichtum der mittelalterlichen Ausschmückung der Wände.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewölbe des Johannisdoms

Der Dom St. Johannes ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche aus Backstein. Sie ist 56,2 Meter lang und 27,3 Meter hoch. Der Turm ist 52 Meter hoch. Die Hallen sind mit Sterngewölben versehen.

Kapellen

  • Kapelle des Todes der Maria mit Relief, auch Kopernikus-Kapelle genannt
  • Kapelle des St. Stanislaus Kostka; Spätbarockaltar, 1719, mit Gemälde der Anbetung der Muttergottes mit dem Christkindchen von St. Stanislaus, das Bartholomäus Strobel 1634 anfertigte

Vorhallen

  • Die Nordvorhalle ist mit einer zierlichen Ziegelattika versehen.

Fenster

  • Glasmalerei, nach mittelalterlichem Vorbild von dem Toruńer Künstler Edward Kwiatkowski in den Jahren 1949 bis 1951 gestaltet; einige Überbleibsel der gotischen Verglasung wurden eingesetzt.
    Im Oberteil des Fensters (d. h. im Maßwerk) sind einige ursprüngliche Bestandteile der mittelalterlichen Verglasung erhalten geblieben.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hauptaltar mit Schnitzfiguren der Apostel Bartholomäus und Simon neben dem Hl. Wolfgang, auf den gemalten Flügeln die vier großen Kirchenväter. 1502-06, schlesisch.
  • Gemälde auf der Nordwand über dem Eingang in die Sakristei (um 1380 bis 1390) stellt das Jüngste Gericht gemeinsam mit der Kreuzigung dar: oben Gottvater begleitet von Engeln verschiedenen Ranges, darunter der Satan besiegende Erzengel Michael, und von dem die erlösten Seelen im Himmel annehmenden Petrus; unten die Auferstehung der Toten und die Hölle; in der Mitte ein Kruzifix als ein lebendes Kreuz und der aus der Brust des Patriarchen herauswachsende Jesse-Baum; seitlich Maria, St. Johannes, Frauen, ein altrömischer Centurio. Das sind Allegorien der Kirche und der Synagoge, Tugenden und Sünden. Mater Misericordiae, Begegnung von drei Lebenden und drei Verstorbenen. Das Gemälde ist ein bedeutendes Kunstwerk mit besonders vielen bildlichen Andeutungen.
  • Die sogenannte Thorner Madonna (um 1390) ist ein bedeutendes Kunstwerk des Weichen Stils der Gotik. Das Original gilt seit 1944 als verschollen, im Dom ist nur eine Kopie der Skulptur aufgestellt. Immerhin ist die Konsole mit der Mosesdarstellung, auf der die Skulptur steht, ein Original und entstammt der Werkstatt des Meisters der Thorner Madonna[2].*
Ausschnitt aus dem Kopernikus-Epitaph[3]
  • Gemaltes Epitaph für Nikolaus Kopernikus, um 1582.
  • Bronzene Grabplatte für Bürgermeister Johann von Soest, um 1360, Import aus Flandern.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tuba Dei ist mit 2,17 Metern Durchmesser und einem Gewicht von 7200 Kilogramm heute die zweitgrößte Glocke Polens.[4] Sie wurde 1500 in einer Thorner Glockengießerei gegossen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bazylika katedralna Świętych Janów w Toruniu (pod red.Mariana Biskupa, oprac. Jerzy Domasłowski), Toruń, Towarzystwo Naukowe w Toruniu, 2003, ISBN 83-87639-59-1
  • Dzieje i skarby kościoła świętojańskiego w Toruniu. Materiały z konferencji przygotowanej przez Toruński Oddział Stowarzyszenia Historyków Sztuki w X rocznicę ustanowienia diecezji toruńskiej, 22–23 marca 2002, red. nauk. Katarzyna Kluczwajd
  • Skarby toruńskiej katedry – katalog wystawy, red. nauk. Katarzyna Kluczwajd, Toruń, Wydawnictwo Diecezji Toruńskiej, 2002, ISBN 83-916731-1-1
  • Berühmte Orgeln – Meisterwerke europäischer Orgelbauer, Ursula und Ulrich Rüge, Nikol Verlagsgesellschaft mbH, 1994, ISBN 3-933203-08-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dom St. Johannes (Toruń) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bazylika Katedralna św. Jana Chrzciciela auf gcatholic.org
  2. Burkhard Kunkel: Die Stralsunder Junge-Madonna als Ebenbild der Schönen Madonna von Thorn? – Überlegungen zur Herkunft eines Marienbildes aus Stralsunder Perspektive. In: Ernst Gierlich, Matthias Müller (Hrsg.): Terra sanctae Mariae. Bonn 2009, S. 257–278.
  3. Karl Gotthelf Prätorius: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Stadt Thorn und ihres Gebietes, die Vorzeit und Gegenwart umfassend. Thorn 1932, S. 87–92 (books.google.de).
  4. Die Tuba Dei – eine berühmte Großglocke im polnischen Toruń

Koordinaten: 53° 0′ 33,4″ N, 18° 36′ 22,1″ O