Dom St. Marien (Fürstenwalde)

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St. Marien
Der Dom und das damalige Bischofsschloss um 1880.
Der bis 1945 im Dom stehende Kanzelaltar.

Der Dom St. Marien ist eine evangelische Kirche in Fürstenwalde/Spree in Brandenburg.

Geschichte bis Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweislich ist die Stadtkirche St. Marien in Fürstenwalde (Spree) seit der päpstlichen Bestätigung im Jahr 1385 Sitz der Bischöfe des Bistums Lebus.

Die Bischöfe wurden seitdem hierin auch beigesetzt. 1432 erfolgte die weitgehende Zerstörung der Stadtkirche, sodass – beginnend 1446 – ein Neubau als Dom erfolgte. 1528 plünderte der Raubritter Nickel von Minckwitz mit seinen Truppen den Dom. 1555 verstarb mit Bischof Johann VIII. Horneburg der letzte katholische Bischof von Lebus. Am 12. April 1557 fand im Beisein des Kurfürsten Joachim II. und seines Bruders Hans von Küstrin als Markgraf der Neumark der erste evangelische Gottesdienst in diesem Dom statt.

Bemerkenswerte Ausstattungsstücke sind ein in das Jahr 1517 datiertes und mit der Signatur „FHM“ versehenes, frei stehendes und hoch aufragendes Sakramentshaus aus Sandstein und das mit der gleichen Signatur versehene Grabmal des Bischofs Dietrich von Bülow, das nach dessen Tod 1523 geschaffen wurde. Die frühere Annahme, beide Werke habe der Freiberger Bildhauer Franz Maidburg (um 1480–1533) geschaffen, hat sich als irrig erwiesen.

1771 wurde das ehemals gotische Gotteshaus radikal barockisiert. Das Deckengewölbe, die Domverkleidung, der Turm und die Exponate wurden restlos umgestaltet.

In den Jahren von 1908 bis 1910 wurde der Dom erneut in stand gesetzt und das barocke Gotteshaus wieder in ein gotisches umgebaut. Die Glasmalereiwerkstatt Rudolf und Otto Linnemann schuf 1910 ein Fenster mit der Darstellung Christus bei Maria und Martha und ein Fenster mit ornamentaler Malerei.

Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs in der Woche vom 16. bis 23. April 1945 fast vollständig zerstört. Das Gewölbe und wertvolle Teile der Innenausstattung wie der Kanzelaltar wurden zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische St.-Marien-Domgemeinde baute den Dom bis in die 1970er Jahre im Wesentlichen wieder auf. Nach der Wiederherstellung des Äußeren ging es an die Gestaltung des Gebäudeinneren. Dafür wurde 1988 die Dombauhütte gegründet. Im gleichen Jahr begann die teilweise Rekonstruktion des Dominneren, das nicht wieder vollständig in der alten Form entstand, sondern die Domgemeinde errichtete im Dom ihr Gemeindezentrum. Am 31. Oktober 1995 wurde die Wiedereinweihung gefeiert. Am 31. Oktober 2005 weihte Bischof Huber die von der Firma Schuke aus Potsdam geschaffene neue Orgel.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Dom gehört eine auf Bischof Dietrich von Bülow zurückgehende Bibliothek, deren durch die Jahrhunderte gewachsener Altbestand jedoch durch Kriegseinwirkungen dezimiert wurde; sie enthält auch die Reste der Gutsbibliothek der Familie von Massow aus Steinhöfel.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Domorgel wurde von der Firma Schuke aus Potsdam erbaut. Das Instrument geht zurück auf die Orgel, die 1967 auf der Nordempore der Leipziger Thomaskirche erbaut wurde. Als dieses Instrument der neuen Bach-Orgel weichen musste, wurde das Pfeifenmaterial an die Domgemeinde Fürstenwalde verkauft. Das Instrument wurde neu konzipiert und die Disposition auf nun 64 Register auf vier Manualen und Pedal erweitert. Die Orgel hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen.[1]

I Rückpositiv C–g3
1. Rohrflöte 8′ L
2. Quintadena 8′ L
3. Principal 4′
4. Holzflöte 4′ L
5. Sesquialtera II 22/3 L
6. Octave 2′ L
7. Quinte 11/3 L
8. Septime 11/7 L
9. Octave 1′ L
10. Mixtur IV–V L
11. Krummhorn 8′ L
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
12. Principal 16′
13. Bordun 16′ L
14. Octave 8′
15. Spillpfeife 8′ L
16. Gambe 8′
17. Octave 4′ L
18. Spitzflöte 4′ L
19. Quinte 22/3 L
20. Octave 2′ L
21. Cornett II–V 8′
22. Mixtur VI–VII L
23. Scharff IV L
24. Trompete 16′ L
25. Trompete 8′ L
III Schwellwerk C–g3
26. Gedackt 16′
27. Geigenprincipal 8′
28. Doppelgedackt 8′
29. Unda maris 8′
30. Salicional 8′
31. Nachthorn 4′
32. Fugara 4′
33. Hohlquinte 22/3
34. Piccolo 2′
35. Terz 13/5
36. Quinte 11/3
37. Oboe 8′
38. Clarine 4′
Tremulant
IV Unterwerk C–g3

39. Principal 8′
40. Gedackt 8′ L
41. Octave 4′ L
42. Blockflöte 4′ L
43. Rohrnassat 22/3 L
44. Octave 2′ L
45. Waldflöte 2′ L
46. Terz 13/5 L
47. Sifflöte 1′ L
48. Mixtur VI L
49. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–f1
50. Untersatz 32′ L
51. Prinzipal 16′
52. Subbaß 16′ L
53. Zartbaß (Nr. 26) 16′
54. Quinte 102/3 L
55. Octavbaß 8′ L
56. Spitzflöte 8′ L
57. Octave 4′ L
58. Gemshorn 4′ L
59. Weitoctave 2′ L
60. Rauschpfeife III L
61. Mixtur VI L
62. Posaune 16′ L
63. Trompete 8′ L
64. Clairon 4′ L
L = Register aus dem Instrument der Thomaskirche; Register ohne nähere Bezeichnung sind neu gebaut worden

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Krohm und Alexander Binder: Das Sakramentshaus im St. Marien-Dom zu Fürstenwalde. Neuenhagen 2002.
  • Uwe Richter: Franz Maidburg in Freiberg. Neue Archivalienfunde zu einem Freiberger Bildhauer der Spätgotik. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 101 (2008), S. 7–25.
  • Yves Hoffmann: Franz Maidburg in Köln, Mainz und Fürstenwalde? In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 101 (2008), S. 29–50.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dom St. Marien (Fürstenwalde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Geschichte und Disposition der großen Schuke-Orgel

Koordinaten: 52° 21′ 29″ N, 14° 3′ 55″ O