Dom zu Odense

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Sankt Knuds Kirke

Der St.-Knuds-Dom zu Odense (dän. Odense Domkirke, Sankt Knuds Kirke) ist die Bischofskirche des Bistums Fünen. Mit 62 mal 22 Metern Grundfläche gehört sie zu den großen Kirchen Dänemarks.

Politischer Rahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor 988 wurde ein Bistum namens Othinia (heutiges Odense) als Suffraganbistum von Hamburg-Bremen gegründet. Es umfasste auch die südlichen dänischen Ostseeinseln. 1072 fiel es unter die Gerichtsbarkeit von Roskilde, wurde aber bereits kurz danach dem Erzbistum Lund untergeordnet.

Der Namensgeber König Knud IV. wurde am 10. Juli 1086 mit 17 Gefolgsleuten, darunter sein Bruder Benedikt, in unmittelbarer Nähe – in der Albani-Kirche – von Aufständischen erschlagen und daraufhin vierzehn Jahre später heiliggesprochen. An seinem Grab unter dem Hochaltar der neuen Kirche fanden der Überlieferung nach auch Wunderheilungen von Blinden, Tauben und Kranken statt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicht aus dem Langhaus in den deutlich höher liegenden Chor

Die erste Kirche am Ort, Sankt Albani, hatte etwas nordöstlich gestanden. Die dreischiffige hölzernen Kreuzbasilika mit überwölbter Krypta konnte großenteils durch archäologische Grabungen erschlossen werden. Über den Westabschluss mit einem oder zwei Türmen besteht allerdings Unklarheit.

Bald nach der Ermordung Knuds begann man südwestlich der Albanikirche mit der Errichtung des direkten Vorgängers des heutigen Doms. Das Bauwerk aus Travertin sollte fast so groß werden wie der damals gerade erst begonnene Dom zu Lund. 1095 war der Bau so weit gediehen, dass der Leichnam Knuds in die Krypta überführt werden konnte, also noch vor seiner Heiligsprechung am 10. Juli 1100. 1122 wurde die Kirche fertiggestellt und auf Knuds Namen geweiht. Über ihre Gestalt fehlen genauere Informationen. Ein Stadtbrand verwüstete Odense 1247. Er wird als Grund für den Bau der heutigen Kirche gesehen.

Mit der Errichtung dieses gotischen Gotteshauses wurde allerdings erst 1280 begonnen. Die gewölbte Backsteinbasilika wurde auf den Fundamenten der Travertinkirche errichtet. Vom romanischen Vorgänger wurde die Krypta und damit der das hohe Fußbodenniveau des Chors übernommen, und der gerade Chorabschluss. Der Charakter des Gebäudes ist jedoch neu und entspricht der Backsteingotik – nicht nur der südlichen Ostseeküste. Zunächst wurden Langhaus und Chor errichtet. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dann das zwischen beiden stehende Querhaus aus Travertin abgerissen und durch eine gerade Fortsetzung des Langhauses ersetzt. Dieser Verzicht auf ein Querhaus ist eine besonders starke Abweichung vom Vorgängerbau. Wie schon der frühgotisch begonnene Magdeburger Dom und die (nach Zerstörung durch den Deutschen Orden) ab 1340 gotisch wiederaufgebaute Kathedrale von Gniezno hat der Dom zu Odense keine Strebebögen.

Nach 1466 begann man den Glockenturm zu planen, der schließlich 1586 fertiggestellt wurde. Im Turm sind fünf Glocken untergebracht von 1300, 1597, 1677, 1767 und 1880.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotischer Altar

Prunkstück der Kirche ist ein Altar von 1521, das Hauptwerk des Lübecker Holzschnitzers Claus Berg. Er weist Ähnlichkeiten mit dem ebenfalls von Berg stammenden Altars in der Wittstocker Marienkirche auf. Es stammt aus der 1807 abgebrochenen Franziskanerkirche.

Bei der letzten Restaurierung 1870 wurde die Krypta wieder freigelegt, die während der Reformation geschlossen wurde. Knuds und Benedikts Überreste werden unterhalb des Altars in der Nähe der Krypta aufbewahrt. Christina von Sachsen wurde in der Kirche bestattet.

Ein Epitaph zur Erinnerung an Christoph von Dohna, der ebenfalls in der Kirche bestattet wurde, wird Willem van den Blocke zugeschrieben.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Der barocke Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1756 wurde von Amdi Worm gefertigt. Daher befindet sich ein Orgelwerk der Orgelbaufirma Marcussen & Søn, das in drei Bauphasen 1862, 1935 und 1965 errichtet wurde. Der Großteil des heutigen Instruments geht auf das Jahr 1965 zurück. 2006 wurde eine elektronische Setzeranlage mit 4 x 2000 Kombination hinzugefügt sowie ein weiteres Register im Schwellwerk (Crescendowerk), so dass die Orgel heute 57 Register auf vier Manualen und Pedal hat.[1][2]

I Hauptwerk C–g3
Quintatön 16′
Principal 8′
Spidsfløjte 8′
Oktav 4′
Spidsfløjte 4′
Quint 223
Oktav 2′
Mixtur V
Scharf IV
Trompet 16′
Trompet 8′
II Rückpositiv C–g3
Principal 8′
Quintatön 8′
Gedakt 8′
Oktav 4′
Rørfløjte 4′
Oktav 2′
Gemshorn 2′
Quint 113
Sesquialtera II
Scharf IV–VI
Dulcian 16′
Krumhorn 8′
Tremulant
Zimbelstern
III Brustwerk C–g3
Gedakt 8′
Principal 4′
Gedaktfløjte 4′
Oktav 2′
Waldfløjte 2′
Sivfløjte 1′
Cymbel III
Regal 16′
Skalmeje 8′
Tremulant
IV Crescendowerk C–g3
Bordun 16′
Rørfløjte 8′
Fugara 8′
Vox celeste 8′
Principal 4′
Traversfløjte 4′
Spidsquint 223
Nathorn 2′
Terz 135
Oktav 1′
Mixtur IV–V
Fagot 16′
Obo 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
Principal 16′ (C-F akust. aus 8′+513′)
Subbas 16′
Oktav 8′ (C-f aus Principal 16′)
Gedakt 8′ (C-f aus Subbas 16′)
Oktav 4′
Hulfløjte 4′
Nathorn 2′
Mixtur VI
Basun 32′ (c-f1 aus Basun 16′)
Basun 16′
Trompet 8′
Trompet 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, IV/I, IV/II (elektrisch), IV/III (elektrisch), I/P, II/P, III/P, IV/P
  • Spielhilfen: Tutti, Generalcrescendo, Zungen- und Mixturenabsteller, 4 x 2000 Setzerkombinationen
  • Traktur: mechanische Spieltraktur, pneumatische Registertraktur, Schleifladen

Bischof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die derzeitige Bischöfin der zur dänischen Volkskirche gehörenden Kirche ist Tine Lindhardt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sankt Knud (Odense) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kirchenhomepage zur Orgel (dänisch)
  2. Die Orgel im organistbogen (dänisch)
  3. Biskop Tine Lindhardt. Website des Bistums Fünen. Abgerufen am 23. August 2013.

Koordinaten: 55° 23′ 43,4″ N, 10° 23′ 20,3″ O