Dom zu Verden

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Südansicht
Ansicht von Nordwesten

Der Dom St. Maria und Cäcilia war die Kathedrale des ehemaligen römisch-katholischen Bistums Verden; nach Einführung der Reformation in Verden 1568 bis zum Westfälischen Frieden 1648 Sitz der lutherischen Fürstbischöfe von Verden. Heute beherbergt er die evangelisch-lutherische Domgemeinde in Verden.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der romanische Dombau des 12. Jahrhunderts fiel gegen Ende des 13. Jahrhunderts einem Brand zum Opfer. Von ihm sind nur die unteren Geschosse des massiven Turms erhalten.

Die erste Bauphase des gotischen Doms dauerte von 1290 bis 1323. In dieser Zeit entstanden der Hallen-Umgangschor, das Querhaus und das erste Langhausjoch. Von 1473 bis 1490 wurden die übrigen drei Langhausjoche angefügt.

Bei einer Renovierung 1829 unter der Leitung des Baumeisters Leo Bergmann wurden Veränderungen der Renaissance und des Barock beseitigt und der Dom im romantischen Geist regotisiert. Für den Chor wurde ein neugotischer Hochaltar geschaffen.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Langhaus (Firsthöhe 38 m) ist eine dreischiffige Halle mit vier Jochen. Der Chor ist mit einem gleich hohen Umgang versehen. Das Querschiff ist kurz, die Vierung quadratisch. Chor- und Langhauswände sind durch große Maßwerkfenster und Strebepfeiler gegliedert. Die Querschiff-Fassaden zieren reiche Backsteingiebel. Das Innere charakterisieren Rundpfeiler mit kräftigen Gurtbögen und dünnen Diensten.

Bewertung[Bearbeiten]

Die Gesamterscheinung des Baus ist trotz der langen Bauzeit einheitlich. Der Dom ist eine Hallenkirche mit dem vermutlich ältesten Hallenumgangschor Deutschlands. Architektonisch angelehnt ist der Dom an die Kathedrale von Reims und den Dom zu Minden. Er selbst war auch Vorbild für verschiedene Kirchen, unter anderem für die Johanniskirche in Lüneburg und den Chor des Lübecker Doms.

Orgeln[Bearbeiten]

Neben zwei kleinen Orgelpositiven hat der Dom zu Verden drei Orgeln: Die „romantische Orgel“ auf der Westempore, die große Orgel auf der Nordempore, sowie die Chororgel.[1]

„Romantische Orgel“[Bearbeiten]

Prospekt der Furtwängler & Hammer-Orgel auf der Westempore

Die so genannte „romantische Orgel“ auf der Westempore wurde 1916 von der Orgelbaufirma Philipp Furtwängler & Hammer (Hannover) errichtet. Das Instrument hat pneumatische Taschenladen und 51 klingende Register (3496 Pfeifen).

I Hauptwerk C–g3

1. Prinzipal 16’
2. Major-Prinzipal 8’
3. Fugara 8’
4. Doppelflöte 8’
5. Bordun 8’
6. Dulciana 8’
7. Oktave 4’
8. Rohrflöte 4’
9. Kornett V 8’
10. Mixtur IV
11. Posaune 16’
12. Trompete 8’
II Schwellwerk C–g3
13. Bordun 16’
14. Viola 16’
15. Prinzipal 8’
16. Gamba 8’
17. Quintatön 8’
18. Harmonieflöte 8’
19. Zartflöte 8’
20. Dolce 8’
21. Hornprinzipal 4’
22. Traversflöte 4’
23. Waldflöte 2’
24. Rauschquinte II
25. Mixtur II–III
26. Klarinette 8’
III Schwellwerk C–g3
27. Quintatön 16’
28. Geigen-Prinzipal 8’
29. Viola 8’
30. Konzertflöte 8’
31. Offenflöte 8’
32. Gedeckt 8’
33. Aeoline 8’
34. Vox coelestis 8’
35. Prinzipalflöte 4’
36. Fugara 4’
37. Fernflöte 4’
38. Flautino 2’
39. Sesquialtera II
40. Harmonia aeth. IV
41. Trompete harm. 8’
42. Oboe 8’
Pedal C–f1
43. Prinzipalbaß 16’
44. Kontrabaß 16’
45. Subbaß 16’
46. Violabaß (Nr. 14) 16’
47. Zartbaß (Nr. 13) 16’
48. Oktavbaß 8’
49. Cello 8’
50. Flötenbaß 8’
51. Zartflöte (Nr. 19) 8’
52. Oktave 4’
53. Posaune 16’
54. Bariton 8’
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Superoktavkoppeln: III/III, III/II, II/II, III/I, II/I
    • Suboktavkoppeln: III/III, II/II, III/II, II/I
  • Spielhilfen: Feste Kombinationen (Tutti, Pedal pp), 2 Freie Kombinationen, diverse Absteller, Crescendowalze

Große Orgel auf der Nordempore[Bearbeiten]

Hillebrand-Orgel von 1968

Die große Orgel auf der Nordempore wurde 1968 von der Orgelbaufirma Hillebrand, Altwarmbüchen (Hannover) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 43 Register (2996 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.

I Rückpositiv C–g3
1. Prinzipal 8’
2. Rohrflöte 8’
3. Quintade 8’
4. Oktave 4’
5. Gedaktflöte 4’
6. Blockflöte 2’
7. Sifflöte 11/3
8. Sesquialtera II
9. Scharf IV
10. Regal 16’
11. Krummhorn 8’
Tremulant
II Hauptwerk C–g3

12. Quintadena 16’
13. Prinzipal 8’
14. Gedakt 8’
15. Oktave 4’
16. Rohrflöte 4’
17. Quinte 22/3
18. Oktave 2’
19. Rauschpfeife II
20. Mixtur IV–VI
21. Terzzimbel III
22. Trompete 16’
23. Trompete 8’
III Brustwerk C–g3
24. Gedakt 8’
25. Spitzflöte 4’
26. Oktave 2’
27. Quinte 11/3
28. Flöte 1’
29. Terzian II
30. Scharf III
31. Vox humana 8’
Tremulant
Pedal C–f1
32. Prinzipal 16’
33. Subbass 16’
34. Oktave 8’
35. Oktave 4’
36. Nachthorn 2’
37. Spitzflöte 1’
38. Rauschpfeife II
39. Mixtur IV
40. Posaune 16’
41. Dulzian 16’
42. Trompete 8’
43. Trompete 4’

Chororgel[Bearbeiten]

Die Chororgel wurde 1972 durch die Firma Hoffmann Orgelbau erbaut und besitzt 11 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das rein mechanische Schleifladeninstrument hat folgende Disposition:[2]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintadena 8'
2. Prinzipal 4'
3. Waldflöte 2'
4. Mixtur II 1'
II Schwellwerk C–g3
5. Gedackt 8'
6. Rohrflöte 4'
7. Oktave 2'
8. Quinte 11/3'
Pedal C–d1
9. Pommer 16'
10. Nachthorn 4'
11. Dulzian 8'

Trivia[Bearbeiten]

Das Orgelspiel im Dom sorgte in den Jahren 2009–2011 für einen Rechtsstreit über die (Un-)Zumutbarkeit von Geräuschimmissionen im Umfeld des Doms. Eine unmittelbare langjährige Anwohnerin hatte auf Unterlassung geklagt. Das Oberlandesgericht Celle hat das klageabweisende erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Verden bestätigt. Die festgestellte Lärmimmission wurde als „unwesentliche“ Lärmbeeinträchtigung eingestuft, die „nach dem Empfinden eines Durchschnittsmenschen“ und „auch unter Würdigung anderer öffentlicher und privater Belange billigerweise (...) zumutbar“ sei. Die Entscheidung ist rechtskräftig.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Urs Boeck u.a.: Der Dom zu Verden (DKV-Kunstführer 394). Deutscher Kunstverlag, München 2001
  • Adolf E. Hofmeister: 500 Jahre gotischer Dom zu Verden. Dokumente zur Geschichte des Verdener Domes. Domgemeinde, Verden 1990
  • Ernst Andreas Friedrich: Der Dom zu Verden, S.54-56, in: Wenn Steine reden könnten, Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Geschichte der Domorgeln
  2. Informationen über die Chororgel
  3. Zum Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom 29. Juni 2011 - 4 U 199/09.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dom zu Verden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.9179.2289Koordinaten: 52° 55′ 1″ N, 9° 13′ 44″ O