Domenica Niehoff

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Domenica Anita Niehoff (* 3. August 1945 in Köln; † 12. Februar 2009 in Hamburg) war eine Prostituierte in Hamburg. Sie trat in den 1980er Jahren medienwirksam in Talkshows für die Legalisierung der Prostitution als Beruf ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachtszene in Hamburgs Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli – hier galt Domenica als die „Königin der Reeperbahn“.[1]

Niehoff wurde 1945 in Köln geboren; sie stammte aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Ihre Mutter Anna floh mit ihren Kindern vor ihrem italienischen Ehemann und wurde mehrmals wegen Betrugs verhaftet. Sie wuchs bis zu ihrem 14. Lebensjahr mit ihrem Bruder in einem katholischen Waisenhaus auf.

1962 begann sie eine Ausbildung als Buchhalterin und brach diese später ab.[2] Sie lebte mit einem Bordellbesitzer zusammen, den sie später heiratete. Ihr Mann erschoss sich 1972.[3] Von da an arbeitete sie als Prostituierte im Hamburger Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli in dem Großbordell Palais d’Amour und in der Herbertstraße. Später betrieb sie ein eigenes Studio.

Ab 1979 wurde sie in den Medien bekannt und avancierte in den 1980er Jahren zur prominentesten Prostituierten Deutschlands. In Talkshows trat sie wiederholt für die Legalisierung ihres Berufsstandes auf. Sie verkehrte gesellschaftlich u. a. mit Tomi Ungerer, Horst Janssen, Alfred Hrdlicka und dem Ehepaar Gloria und Johannes von Thurn und Taxis. Sie trat in mehreren Filmen auf, u. a. Messalina – Kaiserin und Hure (1980), Desperado City (1981), Taxi nach Kairo (1987), Fernes Land Pa-isch (1994).

Urnengrab von Domenica Niehoff im Garten der Frauen

1994 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Körper mit Seele – Mein Leben, die von Hans Eppendorfer aufgezeichnet worden war.[4] Zum Besuch von Papst Johannes Paul II. in Berlin 1996 sprach Niehoff in einem papstähnlichen Gewand bei einer Demonstration Charlotte von Mahlsdorf „heilig“. Politiker von der CSU veranlasste dies, im Bundestag einen Gesetzentwurf wegen „Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses ohne Störung des öffentlichen Friedens“ vorzustellen, der jedoch von den übrigen Parteien abgelehnt wurde.

1990 beendete sie im Alter von 45 Jahren ihre Tätigkeit als Prostituierte, beteiligte sich ehrenamtlich an sozialen Projekten und arbeitete als Streetworkerin.[5] 1991 war sie Mitinitiatorin des Prostituierten-Hilfsprojektes Ragazza e.V. im Hamburger Stadtteil St. Georg und betreute drogensüchtige Mädchen und Frauen. 1997 gab sie die Tätigkeit wegen Misserfolg und persönlicher Überforderung auf.

Von 1998 bis 2000 betrieb sie am Hamburger Fischmarkt eine kleine Kneipe („Fick“), die sie wegen 20.000 DM Steuerschulden schließen musste. Nachdem ihr Bruder 2001 gestorben war, lebte sie bis 2008 in dem von ihm geerbten Haus in Boos (Eifel), bevor sie wieder nach St. Pauli zog. Domenica Niehoff starb im Februar 2009 in Hamburg an den Folgen des Lungenleidens COPD.[3] Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof im Garten der Frauen beigesetzt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domenica hatte Kontakt mit Prominenten aus Kunst und Kultur und diente ihnen als Muse. Auf dem Plattencover der Single Bum Bum der Popgruppe Trio aus dem Jahr 1983 ist im tiefausgeschnittenen Dekolleté mit Lippenstift zweimal das Wort „Bum“ auf ihren Brüsten zu sehen; sie spielte auch im gleichnamigen Musikvideo mit.

Der Schriftsteller Wolf Wondratschek widmete ihr Gedichte und schwärmte: „eine Hure bis hinein in ihr großes träges Herz“, „und bis in die Beine eine Frau“, „wenn sie mit dem Hintern wackelt, fließen die Flüsse bergauf“. 1993 drehte der Regisseur Peter Kern einen dokumentarischen Spielfilm über ihr Leben. Im selben Jahr widmeten ihr anlässlich der Internationalen Comic-Tage in Hamburg bekannte Comiczeichner ein Portfolio mit neun Blättern. 2005/2006 schenkte die Ausstellung Sexarbeit Prostitution – Lebenswelten und Mythen im Museum der Arbeit in Hamburg bekannten Prostituierten wie Rosemarie Nitribitt, Christine Keeler und auch Domenica Niehoff besondere Beachtung.

Seit April 2011 wird ihre lebensgroße Wachsfigur im Panoptikum Hamburg ausgestellt,[6] und seit 2016 gibt es in Altona-Nord eine Domenica-Niehoff-Twiete.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Domenica Niehoff: Domenicas Kopfkissenbuch. Droemer Knaur, München 1989, ISBN 3-426-03994-X.
  • Fee Zschocke (Texte), Andrej Reiser (Fotogr.): Domenica und die Herbertstraße. Eichborn, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-8218-1701-1.
  • Domenica Portfolio. Grafikmappe, Schreiber & Leser, München 1993. (A-3; 10 Blätter handsigniert auf hundert Exemplare limitiert und 9 Blätter auf 200 Exemplare limitiert.)
  • Domenica Niehoff: Körper mit Seele. Mein Leben. Aufgezeichnet von Hans Eppendorfer, Droemer Knaur, München 1994, ISBN 3-426-75062-7.
  • Barbara Lukesch: Gespräch zwischen den beiden ehemaligen Prostituierten Domenica Niehoff und Brigitte Obrist zum Thema „Prostitution und Ausstieg“. In: Das Magazin. 24. August 1996. (Als Onlinetext verfügbar.)
  • Günter Zint: Domenica. Das Fotobuch »Ich war nicht schön, ich war schlimmer.« Dölling und Galitz, München/ Hamburg 2012, ISBN 978-3-86218-016-5.
  • François Maher Presley: Hans Eppendorfer. Der Ledermann. Versuch einer Biographie. in-Cultura.com, Hamburg 2018, ISBN 978-3-930727-57-5.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Menschen bei Maischberger, frei zugängliches RealVideo der Fernsehsendung Menschen bei Maischberger vom 22. Mai 2007 mit Domenica Niehoff zum Thema Hure – ein ganz normaler Beruf?

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jens Meyer-Odewald: St. Pauli: Der Kiez trauert um Domenica Anita Niehoff. Die „Königin der Reeperbahn“ ist tot. In: Hamburger Abendblatt. 13. Februar 2009. (abgerufen am 13. Februar 2009)
  2. Domenica Anita Niehoff. auf: hamburg.de
  3. a b Edgar S. Hasse: Domenica – die Befreierin der Prostituierten ist tot. In: Welt Online. 12. Februar 2009. (abgerufen am 12. Februar 2009)
  4. Hans Eppendorfer. Der Ledermann. Versuch einer Biographie. in-Cultura.com, Hamburg 2018, ISBN 978-3-930727-57-5.
  5. https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Domenica-Niehoff-Die-Hure-der-Nation-waere-75-geworden,domenica142.html
  6. Erotisch anziehend und gleichzeitig nachdenklich - Domenica als Wachsfigur in Hamburg verewigt. (Memento vom 1. März 2016 im Internet Archive) auf: themenportal.de, abgerufen: 23. Februar 2013.
  7. Statistikamt Nord: Straßen- und Gebietsverzeichnis der Freien und Hansestadt Hamburg