Domingo Martínez de Irala

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Domingo Martínez de Irala
Aufteilung Südamerikas 1534–1539

Domingo Martínez de Irala (* 1509 in Vergara, Gipuzkoa; † 3. Oktober 1556 in Asunción, Paraguay) gehörte in den Jahren 1535/36 neben Juan de Ayolas und Juan de Salazar y Espinosa zu den führende Offizieren der Expedition von Pedro de Mendoza y Luján in das Gebiet des Río de la Plata und seiner Hauptzuflüsse (Río Paraná und Río Paraguay). Ab 1538 befehligte er die Kolonie zusammen mit Juan de Salazar bis zum Eintreffen des neuen Gouverneurs Álvar Núñez Cabeza de Vaca im Jahre 1542. Nach dessen Sturz und Verbannung im Jahre 1544 leitete Irala die spanische Kolonie im Río-de-la-Plata-Gebiet bis zu seinem Tod faktisch uneingeschränkt, wiewohl er zwischen 1547 und 1552 kein offiziell vom König bestätigtes Amt besaß.

Biographie[Bearbeiten]

Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Die insgesamt etwa 100 Soldaten und Seeleute, mit denen Irala Mitte Januar 1536 unter dem Kommando des vom König ernannten Adelantado Pedro de Mendoza y Luján im Mündungsgebiet des Silberflusses angelangt war, gründeten das Fort Nuestra Señora Santa María del Buen Aire, aus dem später die Stadt Buenos Aires hervorgehen sollte. Im Jahr 1537 begleitete Martínez de Irala seinen Vorgesetzten Juan de Ayolas auf eine von Mendoza angeordnete Expeditionsreise, deren Ziel es u. a. war, einen Verbindungsweg zwischen dem La-Plata-Gebiet und den spanischen Besitzungen in der Provinz Neu-Toledo (Peru und Bolivien) zu finden. Die Entdecker zogen den Paraná- und Paraguay-Fluss entlang weit nach Norden und errichteten am äußersten nördlichen Punkt ihrer Reise – vermutlich nahe Corumbá im heutigen Grenzgebiet zwischen Brasilien und Bolivien – am Flussufer ein kleines Fort mit Namen Puerto de la Candelaria; anschließend setzte Juan de Ayolas die Reise westwärts durch den Gran Chaco fort und ließ den um ein Jahr jüngeren Domingo Martínez de Irala als Kommandeur des Forts zurück. Als Juan de Ayolas nicht zurückkehrte – er wurde wahrscheinlich von Chaco-Indianern getötet –, gab Irala La Candelaria 1538 auf und die Soldaten begaben sich in das weiter südlich gelegene und zwischenzeitlich von Juan de Salazar y Espinosa errichtete Fort Nuestra Señora Santa María de la Asunción, das im Jahr 1541 die Stadtrechte erhielt. Erster Bürgermeister (alcalde) der Stadt Asunción war entweder Irala oder Espinosa. Domingo Martínez de Irala verfügte 1541 auch die Übersiedlung der Bewohner der (seit Pedro de Mendozas Abreise und Tod 1537 führerlosen und häufig von feindlichen Indianern bedrängten) Befestigung von Buenos Aires nach Asunción, das damit zum Zentrum der neuen Kolonie im Rio-de-la-Plata-Gebiet avancierte.

In Asunción machte sich der 1540 in Spanien ernannte und im März 1542 eingetroffene Adelantado Álvar Núñez Cabeza de Vaca unter den bereits ‚Alteingesessenen‘ bald wegen seiner zu indianerfreundlichen Haltung unbeliebt, da er die Besitz- und Verfügungsrechte der spanischen Siedler über ihre eingeborenen Arbeitskräfte beschränken wollte und die kurz zuvor verabschiedeten Leyes Nuevas durchzusetzen versuchte. An mehreren Verschwörungen mit dem Ziel seiner Absetzung war maßgeblich auch Domingo Martínez de Irala beteiligt, der vor Núñez Ankunft in Abwesenheit eines königlich ernannten Expeditionsführers als Interimsleiter der Kolonie amtiert hatte. Die Gegner setzten 1544 die Verhaftung und Verurteilung des Álvar Núñez Cabeza de Vaca durch, der noch im selben Jahr – zusammen mit Espinosa – nach Spanien zurückgeschickt und von diesem wegen angeblicher „Tyrannei“ angeklagt wurde. Irala übernahm de facto die Herrschaft in Asunción im Einvernehmen mit der Bürgerschaft, wurde aber vom König zunächst nicht anerkannt, der stattdessen 1547 den extremenischen Kleinadligen Juan de Sanabria zum Adelantado ernannte. Juan de Salazar y Espinosa erhielt gleichzeitig das Amt eines „Schatzmeisters des Silberflusses“ (Tesorero del Río de la Plata) zugesprochen und sollte den neuen Gouverneur nach Asunción begleiten. Juan de Sanabria starb allerdings vor der Abreise aus Spanien und Juan de Salazar blieb auf der Rückreise verschollen und kam erst Ende 1555 in Asunción an.

Domingo Martínez de Irala unternahm mehrere Expeditionen in das Chaco-Gebiet und bis nach Oberperu und gründete 1543 die Stadt Ciudad de los Reyes in der Nähe der Laguna La Gaiba im heutigen Bolivien. Die Gründung musste aber wieder aufgegeben werden. 1547 organisierte er eine aus 280 Spaniern und 3000 Indios bestehende Expedition, die das jenseits des Gran Chaco vermutete Silberminengebiet und den Amazonas aufsuchen sollte. Nach erfolgreicher Durchquerung des Chaco mussten die Entdecker jedoch erkennen, dass das Gebiet der reichsten Silberminen im Potosí bereits von Peru aus durch Francisco Pizarro erschlossen worden war. Bei seiner Rückkehr nach Asunción 1549 erfuhr Irala von seiner Absetzung als Gouverneur und der Ernennung Sanabrias. Erst 1552 erhob Karl I. den faktischen Herrscher Paraguays auch offiziell zum Adelantado der Provinz Río de la Plata, da die Sanabria-Expedition mittlerweile als verloren galt. Zwei Hilferufe, die Juan de Salazar und die ihn begleitende Witwe des verstorbenen Adelantado durch den Dschungel nach Asunción übermitteln ließen, da sie an der brasilianischen Küste festsaßen, ignorierte Domingo Martínez de Irala, da die Ankunft der verschollen Geglaubten seine Machtstellung gefährdet hätte; stattdessen ließ er die Überbringer der Nachrichten gefangen setzen. Als die Reste der Sanabria-Expedition Ende 1555 nach fünfeinhalbjähriger Odyssee und abenteuerlicher Dschungeldurchquerung doch noch in Asunción eintrafen, ließ Irala sie allerdings unbehelligt und vermied einen offenen Konflikt mit dem Stadtgründer Espinosa. Wegen seiner tyrannischen und autoritären Führung gefürchtet, blieb Irala bis zu seinem Tode unumschränkter Befehlshaber der Kolonie.

Domingo Martínez de Irala unternahm vor seinem Tode noch mehrere kürzere Expeditionsreisen, auf welchen er auch mit Aufständen der indianischen Bevölkerung konfrontiert war. Er beauftragte auch weitere Expeditionenen in den Chaco, die allerdings erfolglos blieben und von denen eine nicht zurückkehrte. Er selbst starb in Asunción am 3. Oktober 1556, nachdem er sich bei Tempelbauarbeiten in Itá eine fiebrige Erkrankung zugezogen hatte. In seinem Testament vom 13. März 1556 ist u. a. ein Passus zu seinen vielen unehelichen Kindern enthalten, für die er Vorsorge bezüglich ihrer zukünftigen christlichen Eheschließungen trifft. Er selbst hatte sieben indianische Frauen.

Domingo Martínez de Irala gilt als fähiger Entdecker und geschickter politischer Taktierer, dem es mehrfach gelang, aus schwierigen Konstellationen unter rivalisierenden Führungspersönlichkeiten als Gewinner hervorzugehen und seine Interessen und Sichtweisen durchzusetzen. Er besaß trotz harter und rücksichtsloser Maßnahmen unter den Kolonisten immer eine bedeutende Anhängerschaft. Konflikten, die ihm gefährlich werden konnten, ging er aus dem Weg und verstand es, sie durch rechtzeitiges Einlenken und eine gewisse Kompromissbereitschaft zu entschärfen. Gleichzeitig bewies er unterlegenen Gegnern und Widersachern gegenüber Entschlossenheit bis hin zur Skrupellosigkeit.

Das politische Geschick Iralas zeigt sich auch in seiner Indianerpolitik, da es ihm gelang, die Führer der als relativ friedfertig geltenden Guaraní-Indianer großteils für sich zu gewinnen und gleichzeitig die Interessen der Siedler nicht zu enttäuschen (er führte 1555 ein Repartimiento-System ein). Die durch Blutsbrüderschaften mit Indianerführern besiegelten Bündnisse und die damit verbundene Heiratspolitik Iralas, der Verbindungen der hauptsächlich männlichen Kolonisten mit Indianerinnen förderte und Kinder aus diesen Verbindungen als gleichrangige Erben und Mitbürger akzeptierte, gelten als frühes Beispiel für Mestizaje und wurden in der lateinamerikanischen Historiographie deshalb oft sehr positiv als weitsichtige Maßnahme beurteilt, da einige indigene Völker sich auf diese Weise an der Entwicklung nach Ankunft der Europäer beteiligt sehen konnten. Ob Irala hier aber tatsächlich als „Vater Paraguays“ und Begründer einer paraguayischen Mischnation betrachtet werden kann oder schlicht aus der Not heraus handelte, ist nicht ohne Weiteres zu beantworten. In jedem Fall sicherte nicht zuletzt das relativ gute Verhältnis der Spanier zu den Guaraní das Überleben der Kolonie nachhaltig. Allerdings stieß diese Politik auf strikte Ablehnung beim spanischen Hof und den Kolonialbehörden, die von strengen Moralvorstellungen sowie dem Protorassismus der damals in Spanien herrschenden Blutreinheitsideologie geprägt waren. In Spanien bezeichnete man Asunción zeitweise spöttisch als „Garten Mohammeds“ und es verbreiteten sich Gerüchte, wonach die Siedler dort einen Harem aus Indianerfrauen besäßen, die ihrerseits als sittlich minderwertig, unfähig und schmutzig gezeichnet wurden. Nicht zuletzt diese Vorstellungen motivierten die Krone zur Entsendung der Sanabria-Expedition, mit der vor allem (ausschließlich „blutreine“, d. h. nicht von Juden oder Mauren abstammende) kastilische Familien mit Kindern, junge Ehepaare und heiratsfähige kleinadelige Mädchen in die Kolonie gebracht werden sollten, um der als Gefahr für die künftige Entwicklung begriffenen Vermischung zwischen Spaniern und Indigenen entgegenzuwirken.

Iralas Nachfolger als Gouverneur wurde Gonzalo de Mendoza, ein Gefährte von Juan de Salazar y Espinosa.

Ehrungen[Bearbeiten]

Irala, ein Vorort im heutigen Großraum von Buenos Aires, ist nach ihm benannt. Darüber hinaus tragen viele Straßen in Argentinien und Paraguay seinen Namen.

Weblinks[Bearbeiten]