Dominikanerkirche (Münster)

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Dominikanerkirche Münster

Die Dominikanerkirche ist ein Kirchbau im Zentrum von Münster an der Salzstraße, unweit der Lambertikirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche war Teil einer Klosteranlage, von der nur noch eine Wand erhalten ist, die an die Sandsteinfassade der Kirche angrenzt. Bernhard III. von Droste zu Hülshoff (1634–1700) förderte die Kirche, indem er Gelände seines Münsteraner Stadthofes verkaufte.[1]

Die Kirche wurde in den Jahren 1708 bis 1725 nach Entwürfen des Architekten Lambert Friedrich Corfey erbaut. Nach der Ausstattung wurde sie 1728 konsekriert und dem Patrozinium des heiligen Josef unterstellt. Sie diente bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Konventskirche der Dominikaner in Münster.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Dominikanerkloster 1811 aufgehoben. Die Klosteranlage ging in staatlichen/städtischen Besitz über, die Kirche wurde ab 1826 für militärische Zwecke genutzt. 1880 erwarb die Stadt Münster die Kirche und nutzte sie ab 1889 als Schulkirche für das städtische Realgymnasium. Nach weitgehender Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges zog sich der Wiederaufbau der Kirche bis zum Jahr 1974 hin. Auf dem ehemaligen Klostergelände errichtete das Land Nordrhein-Westfalen (Architekt Karlheinz Sundermann, Staatsneubauleitung Münster) 1959 das Behördenhaus am Alten Steinweg, das ursprünglich an den Sandsteingiebel des Klosters anschließen sollte. Da dort ein Straßendurchbruch vorgesehen war, der nicht durchgeführt wurde, blieb der Klostergiebel nur als Ruine erhalten. Mit der Wiedererrichtung der Kuppel konnte erst 1961 begonnen werden. Später wurde die Kirche von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität verwaltet und maßgeblich von der katholischen Universitätsgemeinde genutzt, die dort ihre sonntäglichen Gottesdienste feierte. Rector Ecclesiae war Professor Klaus Müller. Am 12. November 2017 wurde die Kirche durch Weihbischof Stefan Zekorn profaniert. Die Universitätsgemeinde feiert ihre Gottesdienste seither in der St.-Ludgeri-Kirche.[2]

2018 wurde Gerhard Richters Arbeit Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel unter der Vierungskuppel installiert. Das Foucaultsche Pendel besteht aus einer 48 Kilogramm schweren und 22 cm dicken Messingkugel an einem 29 Meter langen Seil. Von einem Magnetfeldantrieb in Bewegung gesetzt, schwingt das Pendel über einer Bodenplatte mit einem zwölfgeteilten Kranz von 5,6 Meter Durchmesser. Infolge der Erdrotation dreht sich die Platte in rund 30 Stunden einmal unter dem Pendel weg. Eingerahmt wird das Kunstwerk von an den Vierungswänden aufgehängten Spiegeln, die das Bild des Pendels und des Publikums zurückwerfen und so den Betrachter in das Kunstwerk einbeziehen. Die Kosten für die Einrichtung des Kunstwerks schlugen mit 650 Tsd. Euro zu Buche, die zu großen Teilen aus Drittmitteln bestritten werden konnten.[3][4]

Kirchbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchbau besteht aus einem erhöhten Mittelschiff sowie Querhaus und zwei niedrigen Seitenschiffen. Mittelschiff und Querhaus sind 15,7 m hoch. Das Mittelschiff ist 33 m lang, die Kirche insgesamt, mit Chorraum, circa 42 m. Die barocke Kuppel über der Vierung ist innen rund (Durchmesser circa 9 m), außen achteckig. Sie ist circa 29 m hoch, mit der Kuppellaterne circa 34 m. Ebenso hoch sind die beiden Türme.

Die Sandsteinfassade der Kirche ist zweigeschossig und mit zurückhaltend gliedernden Pilastern angelegt. Die Mittelachse wird von einem vorspringenden Ädikulaportal mit Säulen dorischer Ordnung beherrscht. In zwei Rundnischen seitlich des Portals befinden sich die Statuen der Ordenspatrone Dominikus und Thomas von Aquin.

Im Zuge der Wiedererrichtung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Altarinsel in die Vierung unterhalb der Kuppel verlegt. Die ursprüngliche Chortrennwand wurde wiederhergestellt, ist allerdings durch eine Öffnung zur Kirche hin begehbar. Der Chorraum diente zuletzt als Sakramentskapelle und beherbergt einen barocken Hochaltar (1699), der ursprünglich für die Gaukirche in Paderborn erbaut worden war und 1903 für die Dominikanerkirche erworben wurde.

In der Kirche befindet sich unter anderem das Epitaph für den Architekten der Kirche, Lambert Friedrich Corfey, der 1733 in der Gruft unter der Dominikanerkirche beigesetzt wurde. Der Entwurf stammt von Johann Conrad Schlaun.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel erbaute 1958 der Orgelbauer Paul Ott (Göttingen). Sie stand ursprünglich im großen Hörsaal des Fürstenberghauses am Domplatz und wurde 1975 in die Dominikanerkirche versetzt. Der Registerbestand blieb weitgehend unverändert, die Orgel erhielt lediglich ein neues Gehäuse. Das rein mechanische Instrument hat 29 Register auf zwei Manualen und Pedal.[5] 1996 wurde das Instrument überarbeitet.[6] 2018 wurde die Orgel aus der Kirche ausgebaut.[7]

II Hauptwerk C–f3
1. Quintade 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spitzflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Gemshorn 2′
7. Sesquialtera II 223
8. Mixtur VI 113
9. Quintzimbel III 23
10. Trompete 16′
11. Trompete 8′
Tremulant
I Rückpositiv C–f3
12. Holzgedackt 8′
13. Prinzipal 4′
14. Blockflöte 4′
15. Oktave 2′
16. Quinte 113
17. Terz 135
18. Oktave 1′
19. Scharff IV 1′
20. Rankett 16′
21. Regal 8′
Tremulant
Pedal C–f1
22. Subbass 16′
23. Prinzipal 8′
24. Oktave 4′
25. Holzflöte 4′
26. Nachthorn 2′
27. Mixtur V 2′
28. Posaune 16′
29. Trompete 8′

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nord-Turm der Dominikanerkirche befinden sich drei Glocken. Das Ensemble besteht aus zwei Glocken aus dem Jahre 1977, und einer historischen Glocke aus dem Jahre 1670.[8]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1 1977 760 ~290 c2 - 6
2 1670 Petr Hemony 705 ~205 d2 - 7
3 1977 604 ~140 e2 - 7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen, Bd. 2: 1570–1798. Regensberg, Münster i.W. 1869.
  2. Andreas Rossmann: Richters Pendel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Oktober 2017, S. 11.
  3. FAZ Printausgabe vom 19. Juni 2018
  4. Die Welt vom 16. Juni 2018: Gerhard Richter präsentiert in Münster Foucaultsches Pendel
  5. Informationen zur Orgel
  6. Eine alte Dame zieht um. In: Westfälische Nachrichten vom 18. Juli 2000
  7. Mehr Platz fürs Pendel: Orgel wird ausgebaut. In: Westfälische Nachrichten vom 16. Januar 2018
  8. Informationen zu den Glocken (PDF-Datei; 90 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dominikanerkirche (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 57′ 43″ N, 7° 37′ 51″ O