Dominikanerkirche St. Blasius (Regensburg)

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West-Portal am Albertus Magnus Platz und Blick auf Ost-Chor, Straße am Ölberg West-Portal am Albertus Magnus Platz und Blick auf Ost-Chor, Straße am Ölberg
West-Portal am Albertus Magnus Platz und Blick auf Ost-Chor, Straße am Ölberg

Die Dominikanerkirche St. Blasius in der westlichen Altstadt von Regensburg, gelegen auf einem großen Areal zwischen den Gassen Am Ölberg, Predigergasse und den Plätzen Bismarckplatz / Albertus Magnus-Platz und Ägidienplatz wurde in einer mehr als hundertjährigen Bauzeit, beginnend 1229 als Kirche der Dominikaner errichtet. Die Kirche zählt zu den Hauptwerken der Frühgotik in Deutschland, ist eine der größten Kirchen der Dominikaner überhaupt und ist zweimal so hoch, wie es die damaligen Gebräuche des Ordens vorsahen. Heute ist die Kirche Kongregationskirche der Marianischen Männer-Congregation Regensburg.

Bau und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruder Diemar

Die betont schlichte Kirche ist eine mächtige dreischiffige gotische Basilika ohne Querschiff, 73&nbs;m lang und 25&nbs;m breit. Wie bei Bettelordenskirchen üblich, fehlt ein hoher Kirchturm, jedoch ist das vorhandene Dachtürmchen mehr als ein einfacher Dachreiter. Das Langhaus besitzt sechs Joche. Der nach Osten vorspringende Hauptchor mit vier Jochen wird auf beiden Seiten von Seitenchören mit je drei Jochen flankiert. Die Langschiffe sind mit Kreuzrippengewölben ausgeführt. Ein ursprünglich vorhandener Lettner wurde entfernt, so dass der Blick heute vom Portal bis zum Hauptchor geht. Altar und Kanzel wurden im Zuge der Regotisierung 1869 geschaffen. Im Nordchor befindet sich ein zweites Portal mit einem Rosettenfenster. Besonders auffallend sind die Figuren, die die Dienste auf den Dienstkapitälen abstützen. Die östlichste Dienstfigur zeigt einen knienden Mönch in der umgürteten Kutte der Dominikaner. Die rechte Hand trägt ein Richtscheit [1] und einen großen Zirkel, wahrscheinlich als Attribut seiner Tätigkeit als Bauleiter beim Bau der Kirche. Neben der Figur in einem Quader findet sich die Aufschrift „Bruder Diemar“. Am östlichen Strebepfeiler finden sich mehrere Tier-Skulpturen aus der Zeit um 1280.[2]

Durch eine Nische gegenüber mit einem nachträglich eingearbeiteten Durchstich zum Chor war es den von den Dominikanern betreuten Beginen möglich, dem Gottesdienst im Chor zu folgen. Der Chor ist mit Chorgestühl aus dem späten 15. Jahrhundert ausgestattet. An den Wänden über und hinter dem Gestühl finden sich Fresken aus dem frühen 14. und spätem 15. Jahrhundert. Im Südschiff befindet sich ein neugotischer Durchgang zur Sakristei. Dort schließt sich der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert an. Am Westende befindet sich auf der Südmauer ein 16-teiliges Fresko aus dem 15. oder 16. Jahrhundert.

Fresko

Ein Büstenreliquiar von Albertus Magnus in einem Seitenaltar stammt aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Über dem Eingangsportal befindet sich eine barocke Empore mit einem barocken Orgelgehäuse (um 1727) mit einem Werk von Willibald Siemann aus dem Jahr 1904.

Langhaus
Langhaus

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1229 wurden die Bettelmönche der Dominikaner vom Regensburger Bischof Siegfried, einem Anhänger von Kaiser Friedrich II., nach Schenkung einer Eigenkirche samt Hofstätten mit Grund und Boden nach Regensburg gerufen. Nach Trier, Koblenz, Straßburg und Magdeburg begann der Orden hier sein fünftes Kloster auf deutschem Boden zu errichten. Ausgangspunkt war der Bau der Kirche am westlichen Stadtrand von Regensburg noch innerhalb der Arnulfinischen Stadtmauer. Um den Kirchbau gruppierten sich im Laufe der folgenden Jahre weitere Bauten des Klosters und Hofstätten. Es entstand ein geschlossenes Klosterareal, was dazu führte, dass die Stadt Regensburg 1306 dem Orden den Erwerb weiterer Grundstücke verbot. Wie die anderen Bettelorden unterlagen auch die Dominikaner nicht der bischöflichen und der städtischen Gerichtsbarkeit und erfreuten sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung, von der sie materielle und finanzielle Hilfe erhielten.

In den Anfangsjahren der Gründung hatte die Anwesenheit von Albertus Magnus einen besonderen Stellenwert. Der Gelehrte wirkte von 1237 bis 1240 als Lektor im Konvent des Kloster und war von 1260 bis 1262 Bischof von Regensburg. Mit dem Aufbau einer Bibliothek wurde er zum Mitbegründer der wissenschaftliche Bedeutung des Klosters. Die Bibliothek wurde in der Glanzzeit des Klosters nach 1350 in Regensburg nur übertroffen von den Klosterbibliotheken von St. Emmeram und Prüfening. Im späten 15. Jahrhundert zählte das Kloster mit 49 Konventualen zu den größten Dominikanerklöstern im Reich. In die darauf folgende Zeit der beginnenden Reformation und der Vertreibung der Juden aus Regensburg fällt das Begräbnis des Reichshauptmanns Thomas Fuchs von Wallburg in der Dominikanerkirche, dessen Grabstätte mit einem Epitaph geschmückt wurde.

Thomas Fuchs, Grabplatte in der Dominikanerkirche St. Blasius Jörg Gartner

In der Zeit der Reformation kam es ab 1542 zu einem finanziellen Niedergang des Klosters und zur Abwanderung von Mönchen, weil viele der bisherigen testamentarischen Vermächtnisse und sonstige Gaben der Bürger ausblieben. Wegen des Mangels an protestantischen Kirchen und wegen starker Nachfrage nach protestantischem Gottesdienst wurde auf Beschluss des Rates der Stadt Regensburg nach 1563 die von den meisten Mönchen verlassene Dominikanerkirche als Simultankirche genutzt. Das Langhaus stand für die Gottesdienste der Protestanten zur Verfügung, der durch Vorhang abgetrennte Chorbereich wurde den im Dominikanerkloster verbliebenen Mönchen überlassen. Im Zuge der Rekatholisierung am Beginn des Dreißigjährigen Krieges ließen die Dominikaner 1626 die gemeinsame Nutzung ihrer Kirche durch den Reichshofrat untersagen. Eine Übergangszeit wurde nur bis 1628 gewährt. Daraufhin beschloss der Rat der Stadt Regensburg im Februar 1627 die Nutzung der Dominikanerkirche für protestantische Gottesdienste gegen Zahlung einer Entschädigung von 6.000 Gulden aufzugeben. Als Ersatz wurde mit dem Bau der Dreieinigkeitskirche begonnen, die Ende des Jahres 1631 fertiggestellt war.[3] Während der schwedischen Besetzung von Regensburg im Dreißigjähriger Krieg kam es zu Einquartierungen in der Kirche, zu weiteren finanziellen Verlusten und baulichen Zerstörungen. Das Kloster verfiel mehr und mehr und wurde 1806 in der Regierungszeit von Fürstbischof Carl Theodor von Dalberg aufgelöst. Die Kirche wurde 1810 Kongregationskirche der Marianischen Männerkongregation. 1966 bis 1971 erfolgten in der Kirche Restaurierungsarbeiten, die am Beginn des 20. Jahrhundert fortgesetzt wurden und seit 2015 erneut begonnen haben.

Gebäude Ägidienplatz 1 (2010)

Nach Auflösung des Klosters wurden in den Klostergebäuden am Ägidienplatz 1 eine Knabenschule, ein Lyzeum und die Philosophisch Theologische Hochschule untergebracht, aus der später die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Regensburg hervorging, die dort bis 1973 untergebracht war. Ab 1875 bezog das neue Königlich-Bayerische Gymnasium hier am Ägidienplatz ein neues Domizil, das 1880 zunächst in Altes Gymnasium, und 1962 in Albertus-Magnus-Gymnasium umbenannt wurde und 1965 einen Neubau im Stadtwesten bezog.[1]

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom mittelalterlichen Kloster sind der Kreuzgang und ein früherer Hörsaal mit mittelalterlichen Lehrstühlen für Professoren und Assistenten erhalten, der heute als Albertus-Magnus-Kapelle dient.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dominikanerkirche St. Blasius in Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Morsbach: Regensburger Kirchen, ein Führer. Pustet Verlag, Regensburg 1990, ISBN 3-7917-1253-5, S. 14–18.
  2. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 497–499.
  3. Regensburg, Dominikanerkloster St. Blasius, Basisdaten und Geschichte:
    Peter Morsbach:  Das Dominikanerkloster St. Blasius - Keimzelle der Universität Regensburg in der Datenbank Klöster in Bayern im Haus der Bayerischen Geschichte

Koordinaten: 49° 1′ 5″ N, 12° 5′ 27″ O