Dominique Varlet

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Dominique Valet.

Dominique Marie Varlet, lateinisch Dominicus Maria Varlet (* 15. März 1678 in Paris; † 14. Mai 1742 in Den Haag) war römisch-katholischer Titularbischof von Askalon. Er gehörte zu den Mitbegründern der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande.

Leben[Bearbeiten]

Varlet wurde am 15. März 1678[1] als Sohn von Schauspielern in Paris geboren. Sein Vater war Achille Varlet, bekannt als Sieur de Verneuil; sein Onkel Charles Varlet (Künstlername La Grange) war einer der bekanntesten Schauspieler in der Truppe von Molière. Wie Molière und dessen Freunde, darunter auch der Naturwissenschaftler und Philosoph Blaise Pascal, standen wohl auch Varlets Eltern den jansenistischen Kreisen des Klosters Port-Royal sehr nahe.

Er studierte im Hauptseminar der Oratorianer in Paris, die ebenfalls von Port-Royal beeinflusst waren, und promovierte 1706 an der Sorbonne. Im selben Jahr wurde er zum Priester geweiht und übte sein Amt zunächst in verschiedenen Pfarreien um Paris aus. 1711 wurde er in die Societé des Missions Etrangères aufgenommen, die ihn 1712 nach Kanada entsandte. Dort wirkte er in den Jahren 1713 bis 1718 in der Region Québec sowie in Louisiana und Illinois.

Bischofsamt[Bearbeiten]

Varlet wurde nach Paris zurückgerufen, weil man ihn in Persien brauchte. Papst Clemens XI. ernannte ihn 1718 zum Koadjutor des Bischofs vom Babylon. Am 19. Februar 1719 wurde er zum Bischof mit dem Titularbistum Askalon geweiht. Am anderen Tag traf in Paris die Meldung ein, dass der bisherige Bischof von Babylon schon Ende 1717 verstorben war.

Varlet machte sich sofort auf den Weg in sein Bistum. Mit einem französischen Konsul reiste er nach Holland, wo er bei Cornelius Steenoven, dem späteren Erzbischof von Utrecht, einkehrte. Der bischöfliche Sitz von Utrecht war zu jener Zeit vakant, daher nahm Varlet dort einige Firmungen vor, was in Rom allgemeine Bestürzung hervorrief. Die Nuntiaturen in Polen und Deutschland wurden angewiesen, Varlet sofort zu verhaften.

Nichts ahnend nahm Varlet ein Schiff nach St. Petersburg. Nach siebeneinhalb Monaten kam er endlich in Schamake (heute Aserbaidschan) an, konnte aber wegen eines Bürgerkrieges nicht in seine Bischofsstadt Hamadan weiterreisen. Am 26. März 1720 überreichte ihm ein Vertreter der Kurie die Suspension, die der Papst ein Jahr vorher ausgesprochen hatte, weil er in Holland gefirmt und die Bulle Unigenitus nicht unterzeichnet hätte.

Varlet in Holland[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Paris wehrte sich Varlet gegen seine Verurteilung, was in Rom sehr übel aufgenommen wurde. Der Aufenthalt in Paris wurde ihm zu unsicher, Varlet floh nach Holland ins Exil. Der Druck aus Rom wurde noch stärker, als das Domkapitel von Utrecht zur Wahl eines Erzbischofs ohne die Einwilligung Roms schritt. Am 27. April 1723 wählte es dennoch Cornelius Steenhoven, der am 15. Oktober 1724 von Varlet zum Bischof geweiht wurde. Dies trug allen Beteiligten die Exkommunikation ein. Nach dem frühen Tod von Steenhoven wählte das Domkapitel Barchman Wuytiers zum Erzbischof, der 1725 wiederum von Varlet geweiht wurde. Wuytiers starb bereits 1733, noch nicht vierzig Jahre alt. Das Domkapitel wählte Theodorus van der Croon zum Nachfolger. Varlet weigerte sich nun zuerst, die Weihe vorzunehmen. In den Fragen von Wucher („Ist es erlaubt, Zins zu nehmen?“ von Varlet abgelehnt) und Wundern (wunderhafte Heilungen in Holland, von Varlet verteidigt) hatte sich Varlet in eine Außenseiterposition manövriert, in die ihm das Domkapitel jedoch folgen musste, um für den neugewählten Erzbischof die Bischofsweihe zu erhalten. Diese erfolgte 1734, nach eineinhalb Jahren. Schon vier Jahre später starb auch dieser Erzbischof. Das Domkapitel wählte Petrus Johannes Meindaerts zum Nachfolger, der im Oktober 1739 von Varlet geweiht wurde.

Varlet, zu dieser Zeit bereits ein schwerkranker Mann, starb 1742.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Mason Neale: A History of the So-Called Jansenist Church of Holland. Oxford 1858.
  •  Bastiaan Abraham van Kleef: Dominicus Maria Varlet (1678-1742): ein Beitrag zur Geschichte der Utrechter Kirche. In: IKZ. Nr. 71, 1963, S. 78-104, 149-177, 193-225 (auch als Separatdruck, 89 S.).
  • Serge A. Thériault: Dominique-Marie Varlet. Lettres Du Canada Et De La Louisiane 1713–1724. Québec 1985, ISBN 2-7605-0378-X.
  • Old Catholic Church of the Netherlands, Utrecht Archives (Hrsg.): Gallicanism And Ultramontanism In Catholic Europe In The 18th Century. Foreign Correspondence And Other Documents From The Archive Of The Jansenist Archbishops Of Utrecht, 1723–1808 on microfiche. Utrecht / Amsterdam 2003.
  •  Serge A. Thériault: Msgr. Dominique M. Varlet. Originator of the Old Catholic Apostolic Succession 1678-1742. Berkeley 2008, ISBN 978-1933993966.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. so nach van Kleef, Thériault nennt in Msgr. Dominique M. Varlet, 2008, S. 19 (wohl irrtümlich) dagegen den 5. März als Geburtsdatum