Don Pasquale

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Werkdaten
Originaltitel: Don Pasquale
Luigi Lablache in Don Pasquale.jpeg

Luigi Lablache als Don Pasquale, Paris 1843

Form: Opera buffa in drei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gaetano Donizetti
Libretto: Michele Accursi (= Giovanni Ruffini) und Gaetano Donizetti
Uraufführung: 3. Januar 1843
Ort der Uraufführung: Théâtre-Italien, Paris
Spieldauer: ca. 2 ½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Rom, um 1840[1]
Personen
  • Don Pasquale, ein alter Junggeselle, altmodisch, geizig, leichtgläubig, eigensinnig, im Grunde ein guter Mann (Bass)
  • Dr. Malatesta, einfallsreicher Mann, witzig, unternehmungslustig, Arzt und Freund Don Pasquales und bester Freund Ernestos (Bariton)
  • Ernesto, Neffe Don Pasquales, schwärmerischer junger Mann, glücklich verliebt in Norina (Tenor)
  • Norina, junge Witwe von sprunghafter Natur, kann keinen Widerspruch ertragen, aber ehrlich und liebevoll (Koloratur-Sopran)
  • Ein Notar (Bass)
  • ein Haushofmeister, eine Putzmacherin, ein Friseur (stumme Rollen)
  • Diener, Kammerzofen u. a. (Chor)

Don Pasquale ist eine Opera buffa in drei Akten. Das Libretto stammt von „M. A.“ (Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti nach älterer Vorlage) und die Musik von Gaetano Donizetti. Die Uraufführung war am 3. Januar 1843 im Pariser Théâtre-Italien.

Die Oper ist eine der berühmtesten ihres Genres und gehört zusammen mit L’elisir d’amore und Lucia di Lammermoor zu den wenigen Werken von Donizetti, die seit dem 19. Jahrhundert eine fast durchgehende Aufführungstradition haben.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Libretto geht auf das Thema des ungleichen Paares zurück. In Anlehnung an die Komödien Carlo Goldonis lehnen sich die Figuren zwar mehr oder weniger eng an Typen der Commedia dell’arte an, erhalten aber durch sentimentale Züge, d. h. durch die Fähigkeit, Trauer, Schmerz oder Reue zu empfinden und auszudrücken, eine über ihre Typenhaftigkeit hinausgehende Differenzierung.

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salon in Don Pasquales Haus

Der reiche, geizige und schon etwas ältere Junggeselle Don Pasquale will heiraten. Sein Neffe Ernesto liebt die junge aber mittellose Witwe Norina, soll aber eine reiche Dame heiraten. Als er sich weigert, fordert ihn sein Onkel auf, das Haus zu verlassen. Malatesta erscheint und erzählt, er habe eine geeignete Braut für den alten Hagestolz gefunden: seine eigene, im Kloster erzogene Schwester Sofronia. Dies ist niemand anderes als Norina, nur wurde Ernesto noch nicht in Malatestas Pläne eingeweiht.

Zimmer in Norinas Haus

Beim Lesen eines Romans verfällt die kapriziöse Norina in Träumereien über eigene Liebesabenteuer. Malatesta unterbreitet ihr seinen Plan: Sie soll, verkleidet als Unschuld vom Lande, Don Pasquale zum Schein heiraten und ihm dann als Biest das Leben zur Hölle machen. Beide schwelgen in Schadenfreude.

Zweiter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salon in Pasquales Haus

Don Pasquale, 2. Akt. Aufführung in der Salle Ventadour in Paris, 1843.

Ernesto nimmt innerlich Abschied von Norina und macht sich auf den Weg in die weite Welt. Malatesta führt die verschleierte Norina herein. Don Pasquale ist von ihrer schönen Gestalt und Schüchternheit entzückt und will sie sogleich heiraten. Ein falscher Notar kommt mit einem Ehevertrag, Malatesta und der inzwischen in die Intrige eingeweihte Ernesto sind Zeugen. Kaum ist der Vertrag unterschrieben, bandelt Norina vor den Augen ihres „Ehemannes“ mit Ernesto an und stellt neue Diener an. Sie verhöhnt Don Pasquale und droht ihm mit Ohrfeigen.

Dritter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salon in Pasquales Haus

Diener bringen Unmengen an Luxus- und Modeartikeln herein. Norina erklärt Don Pasquale, sie wolle ins Theater gehen. Als er ihr das verbietet, ohrfeigt und verhöhnt sie ihn. Absichtsvoll lässt sie einen Brief fallen: Statt ins Theater zu gehen, trifft sie sich mit Ernesto im Garten. In seiner Not ruft Don Pasquale Doktor Malatesta. Der zeigt sich erbost über das Verhalten seiner „Schwester“. Beide wollen das junge Paar im Garten in flagranti erwischen.

Garten hinter Pasquales Haus

Don Pasquale 1843 bei der Premiere in London

Ernesto erwartet im Garten sehnsüchtig seine Geliebte, die auch bald erscheint. Beide versichern einander ihre Liebe. Malatesta und Don Pasquale kommen herbei. Malatesta erklärt dem verdutzten Don Pasquale, Ernesto sei gar nicht in „Sofronia“ verliebt, sondern wolle mit seiner Verlobten wieder in das Haus einziehen. Als „Sofronia“ sich entrüstet weigert, das Haus mit einer anderen Frau zu teilen, sieht Don Pasquale eine Möglichkeit, seine Frau loszuwerden und stimmt zu, verspricht Ernesto sogar eine Menge Geld. Da enthüllt ihm Malatesta „Sofronias“ wahre Identität. Don Pasquale steht zu seinen Versprechen, denn er sieht ein, dass ein alter Hagestolz von jungen Frauen keine Liebe zu erwarten hat.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1842, als sich Donizetti in Paris aufhielt, schloss er mit dem Théâtre-Italien einen Vertrag für eine neue Oper. Er wählte ein heiteres Sujet: Ser Marcantonio, ein Libretto von Angelo Anelli, das der heute vergessene Stefano Pavesi schon 1810 vertont hatte. Die Vorlage wurde nur wenig abgewandelt und unter dem Monogramm „M. A.“ veröffentlicht, was für „Maestro Anonimo“ oder „Marc Antonio“ stehen kann. Giovanni Ruffini war sicher an der Ausarbeitung des Librettos beteiligt; inwieweit er und inwieweit Donizetti selbst, lässt sich nicht mehr klären. Als Donizetti erfuhr, dass der für Wien vorgesehene Stoff von Caterina Cornaro gleichzeitig auch von Franz Lachner vertont wurde, unterbrach er die Arbeit an dieser Oper. Am 12. November berichtete er Antonio Vasselli, er habe Don Pasquale fertiggestellt.

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uraufführung, für Dezember 1842 vorgesehen, fand am 3. Januar 1843 in Anwesenheit des Komponisten statt. Die musikalische Leitung hatte Théophile Tilmant, Regie führte Toussaint-Eugène-Ernest Mocker, und das Bühnenbild stammte von Domenico Ferri. Sehr ungewöhnlich für die Uraufführung einer Buffa-Oper war die Starbesetzung mit Luigi Lablache (Don Pasquale), Antonio Tamburini (Malatesta), Mario (Ernesto), Giulia Grisi (Norina) und Federico Lablache (Notar).[2][3]

Don Pasquale war sofort ein Riesenerfolg, wie ihn zuvor in Paris nur Bellinis I puritani (1835) gehabt hatte.[2] Die Oper wurde noch im selben Jahr mit derselben Besetzung in London gegeben (Premiere am 29. Juni 1843), und im Mai 1844 zum ersten Mal am Wiener Kärntnertor-Theater – mit kleinen Änderungen durch Donizetti.[4] Mit unglaublicher Geschwindigkeit verbreitete sich das Werk an anderen Bühnen in Europa und international. Die amerikanische Erstaufführung fand am 7. Januar 1845 in New Orleans statt.[4]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Instrumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Don Pasquale gilt oft als die letzte bedeutende Opera buffa,[4] auch wenn danach noch einige durchaus erfolgreiche Werke dieser Gattung entstanden, unter anderem von den Brüdern Federico und Luigi Ricci. Die Musik des Don Pasquale besteht laut Partitur aus 13 Nummern,[5][6] die durch orchesterbegleitete Rezitative miteinander verbunden sind. Die Oper ist also durchkomponiert, was sie nicht nur von den Opere buffe von Mozart, Cimarosa und Rossini unterscheidet, sondern auch von Donizettis eigenem elf Jahre zuvor entstandenen L’elisir d’amore, wo es noch kurze continuo-begleitete Secco-Rezitative gibt. Schon an diesem Detail wird deutlich, dass Donizetti die Gattung hier zu modernisieren versuchte.

Ausschnitt aus dem Duett Norina-Ernesto „Tornami a dir che m’ami...“, Akt III (Klavierauszug)

Auch wenn er typische Merkmale der italienischen Buffa-Oper – wie den rasant plappernden Parlando-Stil, der an Rossinis Barbiere di Siviglia erinnert – beibehält und effektvoll einsetzt, mischt Donizetti diese in Don Pasquale auch mit Stilelementen der französischen Opéra comique, die ebenfalls durch Rossini beeinflusst war. Da es sich um eine von Donizettis letzten Opern handelt, finden sich hier außerdem die typischen Merkmale seines teilweise schon hochromantischen Spätstils, wie eine feinsinnige (besonders durch französische Vorbilder angeregte) Instrumentation und Harmonisierung. Das Ergebnis ist eine einfallsreiche, über weite Teile spritzige und komödiantische Musik, die aber auch einige lyrische, idyllische und sogar melancholische Momente aufweist.

Die einleitende Ouvertüre ist ein Potpourri mit den interessantesten und schönsten Melodien der Oper. Der ungewöhnlichste Instrumentations-Effekt der Partitur ist die Verwendung einer ganz lyrisch und cantabel geführten Solo-Trompete im Vorspiel zu Ernestos trauriger „Abschieds“-Szene „Povero Ernesto ... Cercherò lontana terra“ zu Beginn von Akt II (dieses sehr berühmte Stück war noch über hundert Jahre später vermutlich Vorbild für die rührende Idee der Trompete spielenden Gelsomina in Fellinis Film La strada). Der poetische Höhepunkt der Oper sind zu Beginn des dritten Aktes die gitarrenbegleitete Serenade „Comé gentil...“ des Ernesto, mit einem hinter der Bühne singenden Chor, und das direkt darauf folgende, pianissimo[7] zu singende Duett „Tornami a dir che m’ami...“, das in seiner zauberhaften belcantistischen Süße an Rossinis Armida (1817) erinnert. Weitere musikalische Glanzstücke sind Norinas Koloraturarien.

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Oper wurden sehr viele Aufnahmen gemacht, sowohl Studio-, als Live-Aufnahmen und auch Filme, eine ausführlichere Liste findet man auf der Website von Operadis (siehe unten Weblinks).

CD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Partitur, Klavierauszug, Orchestermaterial verlegt beim Musikverlag Ricordi.
  • Don Pasquale. In: Illustrirte Zeitung. Nr. 3. J. J. Weber, Leipzig 15. Juli 1843, S. 43–45 (Wikisource).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Don Pasquale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Norbert Miller: Don Pasquale. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München/Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 40–45.
  2. a b William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983, S. 175
  3. 3. Januar 1843: „Don Pasquale“. In: L’Almanacco di Gherardo Casaglia., abgerufen am 3. August 2019.
  4. a b c William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983, S. 176
  5. Gaetano Donizetti: Don Pasquale (Partitur/Conductor's Score), Ricordi, Mailand, ca.1920 (Plate P.R. 36/126830)
  6. Siehe auch Booklet zur CD-Box: Donizetti: Don Pasquale, mit Lucia Popp, Francisco Araiza, Yevgeny Nesterenko, Bernd Weikl u. a., Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Dir.: Heinz Wallberg (RCA, 1979/1996)
  7. Laut Partitur: Gaetano Donizetti: Don Pasquale (Partitur/Conductor's Score), Ricordi, Mailand, ca.1920 (Plate P.R. 36/126830)