Donald Trumps Umgang mit den Medien

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Donald Trump (2017)

Der Umgang des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump mit den Medien und deren Berichterstattung über ihn wird weltweit kontrovers diskutiert. Ihm wird bescheinigt, selbst in Konkurrenz zu den über ihn berichterstattenden Medien zu treten.[1] Trump selbst diskreditierte die Berichterstattung über ihn wiederholt als Fake News (vorgetäuschte Nachrichten).[2]

Von Trump genutzte Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twitter (dauerhaft gesperrt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donald Trump äußerte sich öfter als jeder andere US-amerikanische Präsident auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Nicht selten bereiteten die fast alltäglichen Kurznachrichten, die der amerikanische Präsident ungefiltert verbreitete, Verdruss bei seinen Sicherheits- und Rechtsberatern.[3]

Das politische Magazin The New Republic bezeichnete Trump im November 2016 wegen seiner hohen Aktivität bei Twitter in einer Schlagzeile als „ersten Twitter-Präsidenten“ und meinte: „Sei besorgt.“[4] Diese Schlagzeile verwendete im Dezember 2016 auch Fox News und ergänzte, dass Trump dadurch die Möglichkeit erhalte, per Tweet „Rache“ zu verüben.[5]

Trump hat mehrfach ihm unliebsame Kommentatoren seiner Twittereinträge blockiert, so dass diese nicht mehr auf seine Tweets zugreifen können. Das „Knight Institute“ an der Columbia-Universität in New York sieht darin einen Bruch des Grundrechts auf eine Beteiligung am öffentlichen Diskurs.[6] Ende Mai 2018 entschied ein Gericht in Manhattan, dass Trump Nutzer nicht aus politischen Gründen blockieren dürfe, da es sich bei seinem Twitter-Konto um ein öffentliches Forum handele. Ein Verstoß dagegen stellt laut dem Gericht eine Einschränkung der im 1. Zusatzartikel zur US-Verfassung garantierten Redefreiheit ein, dennoch sei die Funktion des „Stummschaltens“ weiterhin eine mögliche Option.[7]

Nach einer über einen Tweet getätigten Behauptung Donald Trumps am 26. Mai 2020 unterzog Twitter erstmals eine Aussage des US-Präsidenten einem Faktencheck, der die Behauptung als irreführend einschätzte.[8] Darüber erzürnt, verfügte er per Dekret, den durch Paragraph 230 (Section 230) des Communications Decency Act gewährten Schutz sozialer Netzwerke wie Twitter und Facebook vor Strafverfolgung (ähnlich dem deutschen Providerprivileg zur Forenhaftung) zu beenden und die Befugnis der Betreiber jener Plattformen zu beschneiden, durch Nutzer veröffentlichte Inhalte zu moderieren.[9]

Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021 deaktivierte Facebook Inc. Trumps Zugriff auf seine Benutzerkonten bei Facebook und Instagram. Ursprünglich für 24 Stunden angedacht, verlängerte Facebook Inc. die Kontensperre, mit der Ankündigung, diese bis zur Amtseinführung von Joe Biden beizubehalten.[10] Am 8. Januar 2021 teilte Twitter mit, dass der Twitter-Account von Trump (@realDonaldTrump) aufgrund des Risikos einer weiteren Anstiftung zu Gewalt dauerhaft gesperrt wurde.[11]

Breitbart News Network[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im November 2016 berichtete Spiegel Online über eine Initiative Steve Bannons, der die Berichterstattung der US-amerikanische Nachrichten- und Meinungswebsite Breitbart News Network maßgeblich steuerte und später Chefstratege Trumps im Weißen Haus wurde, dass in den Foren der zugehörigen Webseite vorrangig einschlägige Hasskommentare zugelassen sind. Nach Auffassung des Spiegels wurde die Trump-Anhängerschaft bereits im Vorfeld auf den zukünftigen Präsidenten eingeschworen, die auf dem Nachrichtenportal ungefiltert Fremdenhass, LGBTQ-Hass, Frauenhass und Rassismus verbreiten kann.[12]

Im Februar 2017 wurde mehreren renommierten US-Medien, darunter unter anderem CNN, die New York Times und die Los Angeles Times, der Zugang zu Pressebriefings im Weißen Haus verwehrt, während Breitbart News Zugang erhielt. Andere Medien boykottierten daraufhin die Veranstaltung.[13]

Als Bannon sich als Berater Trumps im Juni 2017 mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zerstritten hatte, benutzte Trump die Medien, um öffentlich mitzuteilen: „sie sollen das klären oder ich werde es tun.“[14]

Staatliches Vorgehen gegen Journalisten während seiner Amtszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Trumps Präsidentschaft wurden mehrere Fällen von staatlichem Vorgehen gegen Journalisten bekannt. So kam es am Rande der Proteste nach der Tötung von George Floyd zu polizeilichen Übergriffen auf Pressevertreter.[15] Im Herbst 2020 berichteten verschiedene Medien über Pläne des Heimatschutzministeriums, Visa für Auslandskorrespondenten auf 240 Tage, mit der Option auf nur eine einmalige Verlängerung, zu beschränken.[16][17]

Einzelfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Attacken gegen einzelne Journalisten und Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner ersten TV-Debatte als Präsidentschaftsbewerber schrieb Trump über die TV-Moderatorin Megyn Kelly „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“[18]

Im November 2015 äffte Trump in einer Rede den körperbehinderten Journalisten Serge Kovaleski nach und versuchte, ihn lächerlich zu machen.[19] Dies wurde weltweit rezipiert.

Am 29. Juni 2017 verunglimpfte Trump per Twitter die TV-Moderatorin Mika Brzezinski, die ihn in einer Morgensendung scharf kritisiert hatte. Trump titulierte sie als die „verrückte Mika mit dem niedrigen IQ.“ Sie habe vor einigen Monaten bei einem Besuch in seinem Golfclub Mar-Lago als Folge einer Schönheits-OP im Gesicht geblutet. Ihren Ko-Moderatoren Joe Scarborough und Ehemann, einen ehemals republikanischen Kongressabgeordneten, beschimpfte Trump als „Psycho Joe“. Die Tweets lösten nicht nur in sozialen Medien eine Welle von Protesten aus. Viele nannten Trumps Einlassung seinen bisher schlimmsten Tweet, er sei ein Sexist. Selbst republikanische Senatoren äußerten sich.[20] Gleichwohl twitterte Trump am 1. Juli 2017 weitere Beleidigungen gegen die beiden.[21]

Am 12. Mai 2020 beschuldigte Trump indirekt Scarborough, einen Mord an seiner ehemaligen Praktikantin Lori Klausutis in Florida begangen zu haben. Obwohl Rechtsmediziner und die Polizei eindeutig zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die 28-jährige Frau wegen einer Herzrhythmusstörung bewusstlos geworden und unglücklich gefallen sei, zog Trump die Anschuldigung nicht zurück.[22]

Am 2. Juli 2017 veröffentlichte Trump einen Videoclip, in dem er (Trump) am Rande eines Wrestlingkampfes den Vorsitzenden der WWE, Vince McMahon, attackiert und ihm mehrmals ins Gesicht schlägt. Der am Boden liegende McMahon hat ein CNN-Logo über seinem Gesicht eingeblendet.[23][24]

Streit um Teilnehmerzahl bei Amtseinführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar 2017 wurde in vielen Medien berichtet, dass die Teilnehmerzahlen vor Ort geringer ausfielen als beispielsweise bei der erstmaligen Amtseinführung von Barack Obama. Trump und sein Pressesprecher Sean Spicer widersprach dieser Darstellung und warf den Medien vor, die Zahl der Teilnehmer absichtlich falsch darzustellen.[25] Vergleichsbilder zeigten jedoch, dass die Fläche vor dem Kapitol weniger voll war als 2009.

Kellyanne Conway, eine Beraterin von Präsident Trump, verteidigte die Darstellung mit der Begründung, es lägen „alternative Fakten“ vor, welche die Darstellung von Spicer stützen.[26]

„Last night in Sweden“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Rede vor Anhängern in Florida am 18. Februar 2017 verteidigte Trump sein umstrittenes Dekret über Einreiseverbote und sagte: „You look at what’s happening, we’ve got to keep our country safe. You look at what’s happening in Germany, you look at what’s happening last night in Sweden. Sweden, who would believe this?“ (deutsch: „Seht ihr, was passiert ist? Wir müssen unser Land schützen! Seht ihr, was in Deutschland geschieht? Seht ihr, was letzte Nacht in Schweden passiert ist? Schweden, wer hätte das für möglich gehalten?“).[27]

Schwedens früherer Außenminister Carl Bildt richtete an Trump die Frage: „Schweden? Terrorangriff? Was hat er geraucht?“. Die schwedische Boulevardzeitung Aftonbladet hakte ironisch nach: „Ja, was ist denn in Schweden passiert?“ und präsentierte einige Meldungen der vergangenen Nacht, etwa eine Sturmwarnung im Norden Schwedens.[28] Trumps Äußerungen veranlassten viele Twitterbenutzer unter dem Hashtag „LastNightinSweden“ ironische Nachrichten zu verbreiten, die alles mögliche behandelten, nur keinen terroristischen Anschlag. Trump schrieb am späten Abend des 19. Februar 2017 auf Twitter, seine Aussage habe sich auf eine Fernsehsendung über Flüchtlinge in Schweden bezogen, die er bei Fox News gesehen habe.[29]

covfefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliche Twitter-Nachricht von Donald Trump

covfefe ist eine bis dahin unbekannte Zeichenfolge, mit der eine Nachricht endet, die der US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf den 31. Mai 2017 (Ortszeit) über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete: “Despite the constant negative press covfefe” (deutsch: „Trotz der dauerhaften negativen Presse covfefe“). Die abrupt, ohne abschließendes Satzzeichen endende Mitteilung rief umfangreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken hervor und führte zu einem weltweiten Medienecho.[30][31]

Während allgemein angenommen wird, dass Trump „press coverage“ (Medienberichterstattung) meinte und sich vertippte,[32] ließ er die Bedeutung der Zeichenfolge offen. Die Nachricht wurde nach rund sechs Stunden gelöscht.[31] Bis dahin war sie über 100.000-mal geteilt worden.[32] Kurze Zeit nach der Löschung fragte der Präsident via Twitter, wer die „wahre Bedeutung“ des Wortes herausfinden könne. Der damalige Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, erklärte später, covfefe sei kein Tippfehler Trumps gewesen. Ein kleiner Personenkreis habe Kenntnis über die wahre Bedeutung dieser Zeichenfolge.[33]

Viele, darunter Hillary Clinton, griffen die Zeichenfolge covfefe ironisch oder satirisch auf.[34] Bei der Wahl zum deutschen Wort des Jahres 2017 gelangte covfefe auf Platz vier. Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass diese „neumedial gestützte Informationsverknappung“ das „Symbol für den populistischen Politikstil dieser Tage“ darstelle.[35]

Unter der Bezeichnung COVFEFE Act of 2017 brachte Mike Quigley ein Gesetz in den Kongress ein, das den Presidential Records Act auch auf soziale Medien zur Anwendung brächte.[36]

Der Ausdruck hat es bis in die Welt der Computerspiele geschafft: Die Spielentwickler Paradox Development Studio haben ein Sternensystem in der Weltraumsimulation Stellaris Covfefe genannt.[37]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald Trump Is the Media – The Atlantic. In: theatlantic.com. Abgerufen am 8. Juni 2017 (englisch).
  2. "Fake News": Trump verhöhnt Journalisten und inszeniert sich als Mann des Volkes. In: focus.de. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  3. Trumps Team verzweifelt an seinen Tweets. In: faz.net. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  4. Trump Is America’s First Twitter President. Be Afraid. – New Republic. In: newrepublic.com. 15. November 2016, abgerufen am 26. Juni 2017 (englisch).
  5. Trump the Twitter president: Social media gives him tweet revenge. In: foxnews.com. 7. Dezember 2016, abgerufen am 26. Juni 2017 (englisch).
  6. Trump und Twitter: US-Präsident soll Kritiker nicht mehr blockieren. In: heise.de. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  7. US-Präsident auf Twitter: Trump darf nicht blocken. In: Süddeutsche.de, 23. Mai 2018, abgerufen am 24. Mai 2018.
  8. DER SPIEGEL: Twitter zerpflückt Trump-Tweet in erstem Faktencheck – DER SPIEGEL – Politik. Abgerufen am 28. Mai 2020.
  9. tagesschau.de: Trump unterzeichnet Erlass zu Sozialen Medien. Abgerufen am 28. Mai 2020.
  10. tagesschau.de: Trumps Facebook-Seite bleibt gesperrt. Abgerufen am 12. Januar 2021.
  11. Permanent suspension of @realDonaldTrump. In: blog.twitter.com. 8. Januar 2021, abgerufen am 8. Januar 2021.
  12. Breitbart News: Donald-Trump-Berater Steve Bannon und seine Hass-Webseite. In: spiegel.de. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  13. US-Regierung schließt zahlreiche Medien von Pressebriefing aus. In: spiegel.de. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  14. Harte Zeiten für Steve Bannon – Streit mit Trump. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  15. Michael Safi, Caelainn Barr, Niamh McIntyre, Pamela Duncan, Sam Cutler: „I'm getting shot“: attacks on journalists surge in US protest. Auf theguardian.com vom 5. Juni 2020, abgerufen am 23. September 2021
  16. USA wollen Journalisten-Visa beschränken. Auf tagesspiegel.de vom 20. Oktober 2020, abgerufen am 23. September 2021
  17. Peter Freitag: Einschränkung der Pressefreiheit. In ver.di Publik 7/2020, S. 15
  18. Trump gerät erneut mit Journalisten aneinander. In: zeit.de, 26. August 2015
  19. Donald Trump Says His Mocking of New York Times Reporter Was Misread. In: The New York Times. Abgerufen am 27. November 2015.
  20. Trump beschimpft kritische Moderatorin als „verrückt“. In: FAZ.net
  21. Trump beleidigt weiter Journalisten. In: FAZ.net
  22. Wie imun sind US-Präsidenten? In zeit.de
  23. Trump twittert Prügelvideo gegen CNN. In: spiegel.de, 2. Juli 2017
  24. Lawmakers blast Trump’s ‘crude, false, and unpresidential’ CNN tweet. In: washingtonpost.com, 2. Juli 2017
  25. Trumps Sprecher rechnet der Presse die Zuschauerzahl vor. In: welt.de. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  26. Trump-Beraterin: "Unser Pressesprecher hat alternative Fakten dazu". In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  27. ‘Last Night in Sweden’? Trump’s Remark Baffles a Nation. In: nytimes.com. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  28. Trump erfindet Vorfall: #LastNightInSweden. In: tagesschau.de. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  29. Nach Trump-Rede: Schweden bittet um Erklärung der USA. In: tagesschau.de. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  30. Rätselhafte Wortschöpfung: Ist Trump beim Twittern eingeschlafen? In: Spiegel Online. Abgerufen am 6. August 2017.
  31. a b Matt Flegenheimer: What’s a ‘Covfefe’? Trump Tweet Unites a Bewildered Nation. In: NYTimes.com. 31. Mai 2017, abgerufen am 6. August 2017.
  32. a b Was bedeutet «Covfefe»? – Trump löscht missglückten Tweet. In: stern.de, 31. Mai 2017.
  33. Spicer refuses to say Trump’s ‘covfefe’ tweet was a typo. In: Politico. Abgerufen am 31. Mai 2017 (englisch).
  34. Clinton zieht Trumps covfefe gnadenlos durch den Kakao. In: Welt Online, abgerufen am 1. Juni 2016.
  35. Timo Frasch: Wort des Jahres. Covfefe! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Dezember 2017.
  36. The Covfefe Act Has A Silly Name — But It Addresses A Real Quandary : The Two-Way : NPR. In: npr.org. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  37. Easter eggs – Stellaris wiki