Donna Tartt

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Donna Tartt (* 23. Dezember 1963 in Greenwood, Mississippi) ist eine amerikanische Schriftstellerin. Neben einigen kleineren Arbeiten hat Tartt bisher drei Romane veröffentlicht, für die sie sich – was in der Literaturszene der Vereinigten Staaten gegenwärtig sehr ungewöhnlich ist – jeweils rund eine Dekade Zeit genommen hat. Für ihren Roman Der Distelfink wurde Tartt 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donna Tartt wurde als die ältere von zwei Schwestern geboren. Die Mutter, Taylor Tartt, geb. Bousche war Sekretärin. Der Vater, Don Tartt, besaß eine Tankstelle und war zeitweilig Präsident des Board of Supervisors von Grenada County.[1]

Tartt wuchs in Grenada, Mississippi auf. Bereits als Kind schrieb sie Gedichte, und veröffentlichte das erste im Alter von 13 Jahren.[2] Nach dem Besuch der Granada High School studierte sie ab 1981 an der University of Mississippi in Oxford, wo der Schriftsteller Willie Morris auf sie aufmerksam wurde und ihr Zutritt zu einer Schreibklasse von Barry Hannah verschaffte. Auf Empfehlung ihrer Lehrer hin wechselte Tartt bereits 1982 ans exklusive kleine Bennington College in Vermont, wo sie Kreatives Schreiben studierte und Freundschaft mit den jungen Schriftstellern Bret Easton Ellis und Jill Eisenstadt schloss.[3]

Während ihres zweiten Studienjahres in Bennington begann Tartt die Arbeit an ihrem ersten Roman, Die geheime Geschichte.[4] Die Geschichte, die darin erzählt wird, entwickelt sich aus den überaus komplizierten Beziehungen innerhalb einer Gruppe von Elitestudenten und gipfelt in zwei Morden. Im Juni 1986 schloss Tartt ihr Studium ab, setzte die Arbeit am Roman aber fort. Bret Easton Ellis brachte Tartt 1989 mit seiner Literaturagentin Amanda „Binky“ Urban zusammen. Als das Manuskript für Die geheime Geschichte 1991 abgeschlossen war, entfachte Urban darum einen Wettkampf der Verleger. Das höchste Angebot – $450.000 – kam vom renommierten Verlagshaus Knopf. Statt in der für Erstlingsromane sonst üblichen Auflage von 10.000 ließ Knopf 75.000 Exemplare drucken. In den Medien wurde Tartt, schon bevor das Buch überhaupt in den Handel kam, als neuer literarischer Topstar gehandelt. Nachdem es am 4. September 1992 schließlich ausgeliefert worden war, hielt es sich 13 Wochen lang in der Bestsellerliste des Verlages.[5] Das Buch wurde seitdem in 24 Sprachen übersetzt und in einer Gesamtauflage von mehr als 5 Mio Exemplaren verkauft.[6]

Tartts zweiter Roman, Der kleine Freund (2002), ist von Literaturkritikern als ambitioniertes Beispiel moderner Südstaatengotik charakterisiert worden.[7] Tartt hatte an diesem Werk 10 Jahre lang gearbeitet. Diese in der neueren amerikanischen Literaturszene sonst wenig übliche Mühe wurde allgemein damit kommentiert, dass in Zeiten von so außerordentlich guten Autoren wie Philip Roth und Jonathan Franzen die Messlatte für literarische Qualität so hoch gerückt sei, dass gute Romane in kürzerer Zeit kaum noch geschrieben werden können.[8] Das Buch erreichte in den USA zwar eine Gesamtauflage von 323.000 Exemplaren, wurde von Lesern und Kritik aber als Enttäuschung aufgenommen.[9]

Tartts dritter, 2013 veröffentlichter Roman Der Distelfink ist ein klassischer Bildungsroman. Im Mittelpunkt steht der junge Theodor Decker, der als Dreizehnjähriger seine Mutter verliert, als diese bei einem Terroranschlag auf das New Yorker Metropolitan Museum of Art umkommt. Theo überlebt die Explosion und nimmt im weltuntergangsartigen Durcheinander gedankenlos das Meisterwerk des niederländischen Malers Carel FabritiusDer Distelfink – an sich, das seither als verloren gilt. Wie sehr das kleine Gemälde sein weiteres Leben bestimmt, wird Theo erst nach und nach erkennen.[10] 2014 wurde Tartt für Der Distelfink mit dem Pulitzer-Preis für Belletristik ausgezeichnet.[11]

Aufgrund ihrer klassischen Erzählweise und des überbordenden Detail- und Bildreichtums ihrer Narration sind Tartts Romane wiederholt mit dem Werk von Charles Dickens verglichen worden;[12] andere Rezensenten, die Tartts Arbeiten eher als anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur einstufen, haben diesen Vergleich kritisiert, weil ihre Prosa mit der Schöpfungskraft von Dickens’ Beschreibungen und seiner delikaten Sprache am Ende doch nicht Schritt halten könne.[13]

Tartt lebt in Mississippi und New York City und lässt keine Einzelheiten über ihr aktuelles persönliches Leben an die Öffentlichkeit dringen.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Distelfink von Carel Fabritius (1654)

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tracy Hargreaves: Donna Tartt’s „The Secret History“. The Continuum International Publishing Group, New York/London 2001, ISBN 0-8264-5320-1. (englisch)
  • Ilka Piepgras: Die Unabhängige. In: Zeit-Magazin, 14 / 27. März 2014, S. 16–21. (online. Abgerufen am 5. Mai 2014.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Donna Tartt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Smart Tartt. Abgerufen am 23. November 2015.
  2. Donna Tartt – On Childhood. Abgerufen am 23. November 2015.
  3. Donna Tartt. Abgerufen am 23. November 2015.
  4. Thomas Hüetlin: Die Frau vom Jupiter. In: Der Spiegel, Nr. 11 v. 10. März 2014, S. 121.
  5. Donna Tartt Bio. Abgerufen am 23. November 2015.
  6. Donna Tartt: the slow-burn literary giant. Abgerufen am 23. November 2015. The Guardian, 12. Oktober 2013; Donna Tartt to publish third novel two decades after The Secret History. Abgerufen am 23. November 2015.
  7. Incest, insanity and murder. Abgerufen am 24. November 2015. The Telegraph, 26. Oktober 2002
  8. The Little Friend by Donna Tartt. Abgerufen am 24. November 2015. The Guardian, 26. Oktober 2002
  9. Donna Tartt Leaves Knopf: Can Publishing Be Saved? Abgerufen am 24. November 2015.; It’s Tartt—But Is It Art? Abgerufen am 24. November 2015. Vanity Fair, 30. Juni 2014
  10. Felicitas von Lovenberg: Zum Entsetzen, zum Entzücken, FAZ, 8. März 2014, S. 9
  11. 2014 Pulitzer Prize Winners
  12. A Painting as Talisman, as Enduring as Loved Ones Are Not. Abgerufen am 24. Oktober 2015. New York Times, 7. Oktober 2013; Flights of Fancy. Abgerufen am 24. November 2015. New York Times, 10. Oktober 2013; Q&A: Donna Tartt on 'The Goldfinch'. Abgerufen am 24. Oktober 2015. Chicago Tribune, 27. Oktober 2013; Book Review: ‘The Goldfinch,’ by Donna Tartt. Abgerufen am 24. Oktober 2015. Washington Post, 22. Oktober 2013; Donna Tartt: Is this the year of The Goldfinch? Abgerufen am 24. Oktober 2015. The Guardian, 30. Mai 2014.
  13. It’s Tartt—But Is It Art? Abgerufen am 24. November 2015. Vanity Fair, 30. Juni 2014.
  14. Donna Tartt. Abgerufen am 23. November 2015.; Donna Tartt – Love. Abgerufen am 23. November 2015.