Donnerskirchen

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Donnerskirchen
Wappen Österreichkarte
Wappen von Donnerskirchen
Donnerskirchen (Österreich)
Donnerskirchen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 33,92 km²
Koordinaten: 47° 54′ N, 16° 39′ OKoordinaten: 47° 53′ 56″ N, 16° 38′ 30″ O
Höhe: 193 m ü. A.
Einwohner: 1.800 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 53 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7082
Vorwahl: 02683
Gemeindekennziffer: 1 03 02
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 29
7082 Donnerskirchen
Website: www.donnerskirchen.at
Politik
Bürgermeister: Johannes Mezgolits (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(21 Mitglieder)
14
7
14 
Insgesamt 21 Sitze
Lage der Marktgemeinde Donnerskirchen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler SeeDonnerskirchenGroßhöfleinHornsteinKlingenbachLeithaprodersdorfLorettoMörbisch am SeeMüllendorfNeufeld an der LeithaOggau am Neusiedler SeeOslipPurbach am Neusiedler SeeSankt Margarethen im BurgenlandSchützen am GebirgeSiegendorfSteinbrunnStotzingTrausdorf an der WulkaWimpassing an der LeithaWulkaprodersdorfZagersdorfZillingtalEisenstadtRustBurgenlandLage der Gemeinde Donnerskirchen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Ortskern mit Bergkirche St. Martin
Ortskern mit Bergkirche St. Martin
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Donnerskirchen ist eine Marktgemeinde mit 1800 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Fertőfehéregyháza.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsplan von Donnerskirchen

Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt. Ihre Nachbargemeinden sind Purbach am Neusiedler See im Norden, Schützen am Gebirge und Oggau im Süden sowie Hof am Leithaberge im Nordwesten.

Teile des Gemeindegebietes befinden sich im Naturpark Neusiedlersee – Leithagebirge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Am Fuß des Leithagebirges wurden im Rahmen einer Notgrabung des Landesmuseums Burgenland in der Flur Wolfsbachried zwei Körperbestattungen aus der Latènezeit freigelegt und geborgen. Die beiden rechteckigen Schächte waren in den Kalksandstein gehauen und mit Holzverschalungen versehen worden. Im einen Grab war ein Mann im Alter zwischen 50 und 70 Jahren beigesetzt, im anderen eine Frau von 60 bis 80 Jahren. Die Gräber waren in Süd-Nord-Richtung ausgerichtet und waren bei ihrer Entdeckung bereits beraubt. Im Männergrab waren eine eiserne Lanzenspitze, ein Lanzenschuh, ein Rasiermesser und zwei Wetzsteine, eine unvollständige Eisenfibel, eine Tonschale, eine Tonflasche und einige Fragmente, die zu einer eisernen Schwertscheide gehörten, als Grabbeigaben vorgefunden worden. Im Frauengrab fanden die Ausgräber vier Bronzefibeln, einen Fingerring, eine Schale und zwei Tonflaschen.[1]

Später unter den Römern lag das heutige Donnerskirchen dann in der Provinz Pannonia. Im Osten des Gemeindegebiets am Rande des Neusiedlersee- Schilfgürtels verläuft die Bernsteinstraße, eine der wichtigsten Handelsrouten des Römischen Reichs.

Donnerskirchen am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Ausschnitt aus dem Aufnahmeblatt Landesaufnahme)

der 1659 wurde Donnerskirchen durch Kaiser Leopold I. das Marktrecht verliehen. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Sopronfehéregyháza verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Donnerskirchen zum Bauabschnitt Mitte (Eisenstadt) des zu errichtenden Südostwalls. Im Lager Donnerskirchen (Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter) kam es Ende 1944 zu Akten extremer Grausamkeit, in deren späterer Verfolgung die Verurteilung des Baustreifenleiters Nikolaus Schorn besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr[2]. Nach Schätzungen von Ortsbewohnern sollen im Lager Donnerskirchen 300 bis 400 Menschen zu Tode gekommen sein. [3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,67
(+9,54)
36,33
(-9,54)


Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 21 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[4] 2012[5] 2007[6] 2002[7] 1997[7]
Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M. Sti.  % M.
ÖVP 757 63,67 14 707 54,13 11 574 46,78 10 558 47,05 9 403 38,38 7
SPÖ 432 36,33 7 599 45,87 10 575 46,86 11 517 43,59 9 460 43,81 9
FPÖ nicht kandidiert nicht kandidiert 31 2,53 0 111 9,36 1 187 17,81 3
FBL nicht kandidiert nicht kandidiert 47 3,83 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
Wahlberechtigte 1664 1593 1511 1408 1291
Wahlbeteiligung 81,01 % 88,95 % 89,08 % 91,12 % 89,93 %

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naben Bürgermeister Johannes Mezgolits (ÖVP) und Vizebürgermeister Elmar Rohrer (SPÖ) gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Josef Bayer (ÖVP), Simone Braunstein (ÖVP), Franz Fuhrmann (ÖVP), Monika Graf-Rohrer (SPÖ) und Johannes Udulutsch (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.[8]

Gemeindekassier ist Michael Hoffmann (ÖVP).[8]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Johannes Mezgolits (ÖVP), der 2012 die Nachfolge von Josef Frippus (SPÖ), der seit 1992 der Gemeinde vorstand, angetreten hat. Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 1. Oktober 2017 wurde Mezgolits mit 66,23 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt. Sein Mitbewerber Hans-Peter Hasieber (SPÖ) musste sich mit 33,77 % begnügen.[4] Hasieber zog daraus die Konsequenzen und gab seinen Verzicht auf ein Gemeinderatsmandat bekannt, weshalb Elmar Rohrer (SPÖ) im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats zum Vizebürgermeister gewählt wurde.[8]

Amtsleiter ist .[9]

Chronik der Richter und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfrichter
von Jahr bis Jahr Dorfrichter[10]
1734 1736 Matthias Frankl
1737 1739 Matthias Hackstock
1740 1744 Georg Wimber
1746 1748 Michael Fux und Georg Wimber
1749 1755 Georg Wimber
1756 1763 Anton Reinprecht
1764 1770 Franz Rohrer
1771 1776 Martin Wimmer
1777 Michael Fux
1778 1786 Josef Palheim
1787 1791 Frantz Payr
1792 1802 Josef Palheim
1803 1816 Franz Kögel
1817 1821 Joseph Eibeck
1822 1829 Joseph Wachter
1830 1840 Johann Schratzenthaler
1841 1855 Joseph Kroyer
1856 1860 Johann Steiner
Dorfrichter
von Jahr bis Jahr Dorfrichter[10]
1861 1862 Michael Ehn
1863 1866 Franz Rohrer
1867 1868 Josef Striok
1869 1871 Josef Hering
1872 1873 Josef Kamper
1874 Michael Büller
1874 1884 Michael Ehn
1885 1887 Andreas Ehn
1888 1890 Paul Ehn
1891 1894 Josef Bayer
1895 1899 Paul Ehn
1900 1902 Michael Reisinger
1903 1908 Nemeth Janos
1912 1920 Stiglitz Ferenz
1920 1921 Bayer Josef
1909 1911 Josef Suchentrunk
1921 1923 Michael Kroyer
Dorfrichter
von Jahr bis Jahr Bürgermeister[10]
1923 1927 Josef Suchentrunk
1927 1931 Franz Schratzenthaler
1931 13.03.1938 Franz Stiglitz
13.03.1938 31.12.1938 Franz Schratzenthaler (Gde-Verw.)
1939 02.04.1945 Franz Schratzenthaler (Bürgerm.)
02.04.1945 1946 Josef Engel
1946 1949 Martin Hauser
1949 1950 Johann Bayer
1951 1958 Michael Weißenbäck
1959 1972 Johann Neumayer
1972 1977 Josef Bayer
1977 1987 Stefan Leeb
1987 1992 Josef Bayer
1992 2012 Josef Frippus
seit 2012 Johannes Mezgolits

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Blau auf Grund eine silber glänzende, rotbedachte Kirche, mit drei geöffneten Rundbogenfenstern und einem großartigen Turm, dessen Dach einmal abgesetzt und mit einem Kreuz besteckt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Donnerskirchen
  • Grabhügel von Donnerskirchen
  • Pfarrkirche Donnerskirchen: Der Barockbau wurde 1680 geweiht. Das Wahrzeichen von Donnerskirchen steht erhöht über dem Ort. Die Kirche war in kriegerischen Zeiten (z. B. während der Türkenbelagerungen) letzter Zufluchtsort der Ortsbevölkerung.
  • Die katholische Filialkirche hl. Johannes Nepomuk in der Ortsmitte von 1783 besitzt einen Hochaltar aus dem Augustinerkloster Bruck an der Leitha.
  • Der historische Leisserhof geht auf Freiherr Christoph Leisser von Idolsberg und Kronseck zurück. 1653 erwarben die Esterházys den Leisserhof und nutzten ihn als ihr zentrales Weinlager.
  • Das Sonnenwaldbad im Westteil des Orts bietet seit 2002 zwei Niro-Becken. Ein Babybecken und eines mit fünf 25-m-Bahnen und 4 m hoher 38,5 m langer GFK-Rutsche. Camping, Skateboard-Park, Tennisplätze und ein Mobilheimpark grenzen an. Zuvor - ab 1970 - gab es hier 3 Betonbecken, mit Sprungbrett und dort 3,6 m Wassertiefe.
  • Die Bergkirche von Donnerskirchen ist häufiger Veranstaltungsort von Konzerten des Geigers und Komponisten Toni Stricker.
  • Prangersäule mit Richtschwert und Steinkugel an Kette für das Bein des zu Strafenden, aus 1660 an der Hauptstraße.
  • Zahlreiche aktive Vereine tragen weiters zum kulturellen Leben und zur Bekanntheit der Marktgemeinde bei:
    • Musikverein 1. Burgenländische Trachtenkapelle Donnerskirchen,
    • St. Martinus Chor,
    • Gordon Highlanders of Austria,
    • D' Original Sautanz-Musi,
    • Fremdenverkehrs-und Verschönerungsverein, ...
  • Die Gemeinde am Osthang des Leithagebirges ist vor allem auf Grund ihrer international ausgezeichneten Winzer und deren Spitzenweine bekannt.
  • Im Frühjahr beeindruckt die Gegend durch die zahlreichen blühenden Kirschbäume.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramabild von Donnerskirchen mit den Keltengrabhügeln im Vordergrund

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindeplatz mit Filialkirche hl. Johannes Nepomuk
Im Leisserhof
Zentrum von Südosten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Ehrenreiter, Ludwig Fingerhut, Simone Rosenitsch (Red.): Chronik Donnerskirchen 1285 – 2010. Tourismusverband Donnerskirchen, Donnerskirchen 2010.
  • Michael Achenbach, Dieter Szorger: Der Einsatz ungarischer Juden am Südostwall im Abschnitt Niederdonau 1944/45. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1997, OBV.
  • Gisela Auer (Red.): Heimatbuch der Marktgemeinde Donnerskirchen. Marktgemeinde Donnerskirchen, Donnerskirchen 1985, OBV.
  • Gisela Auer: Die Freischärler in Donnerskirchen im Herbst 1921. In: Burgenländische Heimatblätter. Band 41.1979. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 1979, ZDB-ID 214233-8, S. 25–30, OBV.
  • Rudolf Kleiner: Chronik der Gemeinde Donnerskirchen. Selbstverlag, Donnerskirchen 1973, OBV.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Donnerskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 433.
  2. Das Scheusal von Donnerskirchen. Die Bestialitäten des Massenmörders Schorn. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 38/1951, ZDB-ID 2588385-9, S. 1, unten Mitte. – Volltext online,
    Lebenslänglich für den Massenmörder von Donnerskirchen. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 39/1951, S. 2, unten links. – Volltext online sowie
    Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), August Ernst (Beiträge): Widerstand und Verfolgung im Burgenland. 1934–1945, Eine Dokumentation. Herausgegeben vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag (u.a.), Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 333 ff.
  3. Eleonore Lappin-Eppel: Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 230–233. – Text online.
  4. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Donnerskirchen 2017 (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  5. Land Burgenland: Wahlergebnis Donnerskirchen 2012 (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  6. Land Burgenland: Wahlergebnis Donnerskirchen 2007 (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  7. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Donnerskirchen 2002 (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  8. a b c Marktgemeinde Donnerskirchen: Gemeinderat (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  9. Marktgemeinde Donnerskirchen: Gemeindeamt (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  10. a b c Geschichts- und Kulturverein Donnerskirchen: Verleihung des Marktrechtes (abgerufen am 12. Dezember 2017)