Donut Hockey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Donut-Hockey (Spielszene)

Donut Hockey ist eine Mannschaftssportart aus der Gattung der Torschussspiele. Das Spiel kombiniert und integriert Elemente aus den etablierten Sportarten Eishockey, Unihockey und dem kanadischen Ringette zu einer neuartigen, schnellen Hallensportart und richtet sich an Menschen jeden Alters. Spielregeln und -material wurden von der Schweizer Firma Burner Motion entwickelt, ein entsprechendes Lehrbuch von der Sportdozentin und Autorin Muriel Sutter verfasst und 2017 im Hofmann-Verlag publiziert. Am meisten verbreitet ist Donut Hockey bisher in der Schweiz, gespielt und unterrichtet wird aber punktuell auch bereits in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Italien, Finnland, Lettland, Litauen und Taiwan.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1990er-Jahren verbreitete sich der Boom der Sportart Unihockey (Floorball) in Europa. Da das Spiel mit dem kleinen Ball technisch anspruchsvoll ist, wurde in verschiedenen Lehrbüchern und Ausbildungskursen die alternative Spielidee „Ringhockey“ mit umgekehrten Stöcken oder Gymnastikstäben und Gummiringen präsentiert. Bereits 1963 wurde in Kanada das Ringette lanciert und in der Folge als anerkannte Wintersportart etabliert. Die Regeln sind ähnlich wie im Eishockey, jedoch kommt Ringette ohne expliziten Körperkontakt aus. Gespielt wird mit einem gerillten Ring und einem Stock mit gestufter Spitze. Diese Kombination ermöglicht ein präzises Zusammenspiel sowie schnelle, zielgenaue Schüsse.[2]

Turnierszene: Taiwan vs. Schweiz (2017)

Die Idee hinter Donut Hockey ist, diese beiden Sportarten zu einer neuen Spielvariante zu verbinden, die sich niederschwellig sowie ohne aufwändige Schutzausrüstung spielen lässt. Um dem Anspruch einer schul- und freizeittauglichen Sportart gerecht zu werden, musste zunächst indoortaugliches Material entwickelt werden, welches ein attraktives Spiel ermöglicht ohne dabei den Hallenboden zu strapazieren. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Schweizer Hoch- und Mittelschulen wurden entsprechende Stöcke mit Spezialspitzen, ein weicher und ausgezeichnet gleitender „Donut“ sowie eine Torhütermaske mit einem speziellen Visier entwickelt. Parallel dazu entstand ein offizielles Lehrbuch Donut Hockey – Fast Food For Fast People (2017) mit Regeln, Technik und Taktik sowie einer Vielzahl an Spiel- und Trainingsideen.[3]

Spielidee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donut Hockey wird auf einem durch Wände oder Banden begrenzten Spielfeld mit drei Feldspielern sowie einem Torhüter pro Team gespielt und von einem Schiedsrichter geleitet. Die Regeln konstituieren sich aus dem Unihockey, Ringette und Eishockey. Ein weicher, gleitfähiger Ring (Donut) wird mithilfe von Stöcken gedribbelt, gepasst und in ein gegnerisches Tor geschossen. Da die Kontrolle des Donuts kaum technische Fertigkeiten voraussetzt und der Blick problemlos vom Spielgerät gelöst werden kann, ermöglicht Donut Hockey insbesondere Anfängern relativ schnelle Fortschritte und ein effizientes Mitwirken im Team. Sowohl die physische Intensität als auch die einzel- und teamtaktische Vielfalt des Spiels nimmt mit steigenden Fähigkeiten zu. Als technisch einfache aber intensive Spielsportart animiert Donut Hockey zur Bewegung, trainiert dabei die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die koordinativen und taktischen Fähigkeiten der Teilnehmer und fördert zugleich nachhaltig den Spaß am Mannschaftssport.[3]

Zweikampf

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hallensportart Donut Hockey wird üblicherweise auf einem Kleinfeld ausgetragen. Ein Torraum begrenzt die Zone, in welcher sich der Torhüter auf den Knien und wie im Unihockey ohne Stock aufhalten darf, um den Donut mit allen Körperteilen abzuwehren oder zu fangen. Tore können nur von außerhalb dieses Torraums erzielt werden. Ein Feldspieler darf den Donut mit dem Fuß stoppen und sich vorlegen. Ebenfalls dürfen hohe Pässe bzw. Schüsse mit dem Körper angenommen oder mit der Hand zu Boden geschlagen werden. Ein moderater Körpereinsatz zum Erlangen des Donuts ist im Rahmen des Reglements erlaubt. Body Checks mit Schulter oder Hüfte werden allerdings nur toleriert, solange diese nicht unverhältnismäßig hart sind und dem Gewinn des Donuts dienen – jegliche Checks mit Kopf, Ellenbogen, Knie oder mit dem Stock sind indessen verboten. Das Anheben des Stocks eines Gegenspielers ist im Donut Hockey analog zum Eishockey zwar erlaubt, jedoch muss die Stockspitze dabei aus Sicherheitsgründen stets unter Kniehöhe verbleiben. Weiter darf der Stock prinzipiell nur zum Erobern und Spielen des Donuts verwendet werden. Zu Spielbeginn sowie nach jedem Tor gibt es einen Crush. Dieser funktioniert wie ein Bully im Eishockey, nur dass der Donut flach über den Boden geworfen wird. Verlässt der Donut das Spielfeld (Out), erfolgt ein Freistoß (Freeplay) für die gegnerische Mannschaft an jener Stelle, wo der Ring das Feld verlassen hat.[3]

Torschussszene

Regelverstöße werden bei kleineren Vergehen mit einem Freeplay geahndet, schwere Fouls üblicherweise mit einer 2-Minuten-Strafe sanktioniert. Wird eine klare Torchance durch ein regelwidriges Einsteigen verhindert, kann vom Schiedsrichter ein Penalty verhängt werden. Hierzu startet ein Spieler am Mittelpunkt, läuft aufs Tor und schießt. Der Torhüter darf seinen Torraum dabei nicht verlassen.[3]

Die Spielregeln von Donut Hockey werden laufend aktualisiert und können jederzeit auf der offiziellen Website eingesehen und kostenlos heruntergeladen werden.[1]

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die offizielle Donut Hockey-Ausrüstung umfasst einen Donut, Donut Hockey-Stöcke für die Feldspieler sowie Donut Hockey-Masken mit einem speziell engmaschigen Visier, welches die Torhüter u. a. vor den Stockspitzen schützt. Der Goalie trägt vorzugsweise lange Hosen, da er sein Tor kniend und ohne Stock im dafür vorgesehenen Torraum verteidigen muss.

Donut Hockey-Ausrüstung

Donut Hockey wird üblicherweise auf Eishockeytore gespielt, alternativ können aber auch Unihockeytore verwendet werden. Als Feldbegrenzung dienen entweder Unihockeybanden, Langbänke oder Wände.[3]

Donut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Donut Hockey-Spielring, genannt Donut, besteht aus einem harten Kern, der mit weichem Schaumstoff, stabilisierenden Textilien sowie einer gleitfähigen Außenhaut umschlossen wird. Er verbindet dadurch optimale Weichheit mit perfekter Gleitfähigkeit sowie idealem Grip am Stock und existiert in zwei unterschiedlichen Größen: Aufgrund der geringeren Laufgeschwindigkeit und der großzügigeren Trefffläche eignet sich die größere Variante des Donuts (18,5 cm Durchmesser) eher für Spieleinsteiger. Die kleinere Variante (16,5 cm) ermöglicht ein schnelleres Handling und eine bessere Umsetzung von Schussrichtung und -effet, was insbesondere fortgeschrittenen Spielern zugute kommt.[3]

Der kleine Donut ist dem Ringette-Ring mit einem Durchmesser zwischen 16,3 und 16,8 cm sehr ähnlich. Der Gym Ringette-Ring (11 cm), der Unihockeyball (7,2 cm) und der Eishockeypuck (7,62 cm) sind allesamt deutlich kleiner und auch wesentlich härter als der Donut, zudem unterscheiden sie sich bezüglich Form, Material und Konstruktion.

Stock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Donut Hockey-Stock ist zweiteilig, besteht aus einem Schaft aus Polycarbonat oder Carbon- bzw. Fiberglas-Verbund sowie einer auswechselbaren Spitze mit Spezialprofil und existiert ebenfalls in zwei verschiedenen Größen: regular (120 cm) und short (97 cm).[3] Ein Donut Hockey-Stock unterscheidet sich von herkömmlichen Unihockey- und Eishockeystöcken insofern, als dass er anstelle einer Kelle oder Schaufel eine gestufte Spitze zur Kontrolle des Spielgeräts aufweist.

Torhüter mit Maske und Donut

Maske[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Donut Hockey ausschließlich in der Halle gespielt wird, muss die Schale der Donut Hockey-Maske entsprechend stabil und schlagfest gefertigt, gleichzeitig aber möglichst leicht sein, so dass die Torhüter nicht allzu stark schwitzen. Das Visier ist massiver und engmaschiger als beim Unihockey und übernimmt diesbezüglich die im Ringette aus Sicherheitsgründen standardisierten Maße der Maschengröße im Verhältnis zur Breite der Stockspitzen.

Spielbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit findet noch kein regulärer Wettkampf-Spielbetrieb statt. Es werden aber punktuell Donut Hockey-Turniere organisiert, so z. B. am 26. Juli 2017 die 1st Donut Hockey International Open in Mals (Italien) und am 1. August 2018 die 2nd Donut Hockey International Open in Vierumäki (Finnland).

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma Burner Motion arbeitet bei der Weiterentwicklung von Donut Hockey und dessen Materialien für Unterricht und Training eng mit dem Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation entstanden u. a. diverse Bachelor-Arbeiten über die Sportart Donut Hockey und deren Umsetzung und Bedeutung für den Schul- und Freizeitsport. Ferner wurden kompetenzorientierte pädagogische Testformen für alle Leistungsstufen erarbeitet, welche sich an den Lernzielen für Spielsportarten orientieren.[4]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgend eine Auflistung bisheriger Arbeiten und Artikel über Donut Hockey (Auswahl):

  • Gmünder, G. (2020): Donut Hockey auf Basis der Kompetenzen im Lehrplan 21. Theoretische Arbeit mit Umsetzungsvorschlag für einen kompetenzorientierten Test für alle Schulstufen
  • Hunziker, S. (2017): Die neue Sportart Donut Hockey – geeignet für den Schulsport? Bachelor-Arbeit, DSBG der Universität Basel
  • Küng, O. (2017): Donut Hockey: Aufbau von technischen und individualtaktischen Fähigkeiten im Donut Hockey. Bachelor-Arbeit, DSBG der Universität Basel
  • Lauber, S. (2017): Buchtipp: Donut Hockey – Fast Food for Fast People. https://www.mobilesport.ch/aktuell/116947/
  • Niederer, R. (2018): Donut Hockey – das ideale Spiel für die Schule. Videoprojekt
  • Schlegel, D. (2019): Donut Hockey als Komplementärsportart im Eishockey? Rückmeldungen von Trainern und Nachwuchsathleten. Untersuchung in Zusammenarbeit mit der Ochsner Hockey Academy
  • Schumacher, M. (2017): Newsmeldung „Donut Hockey“ auf Ochsner News, https://www.ochsneracademy.ch/news
  • Sutter, M.: „Was ist denn Donut Hockey?“. in: Schulblatt AG/SO, Ausgabe 13/2017
  • Sutter, M.: Donut Hockey – Hockeyspass für alle. in: Praxis Bewegung, Sport und Spiel, Ausgabe 69/2018
  • Sutter, M.: Donut Hockey. Feature zu Donut Hockey, erschienen als Monatsthema 08/2020 auf https://www.mobilesport.ch/de/

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Muriel Sutter: Donut Hockey – Fast Food For Fast People. Hofmann-Verlag, Schorndorf 2017, ISBN 978-3-7780-9020-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Muriel Sutter: Donut Hockey. Abgerufen am 25. Juli 2020.
  2. Ringette Canada - What is ringette? Abgerufen am 25. Juli 2020 (englisch).
  3. a b c d e f g Muriel Sutter: Donut Hockey - Fast Food For Fast People. Hofmann, Schorndorf 2017, ISBN 978-3-7780-9020-6.
  4. Muriel Sutter: DONUT HOCKEY KOMPETENZ-TEST. Abgerufen am 19. August 2020.