Doppelmayr/Garaventa-Gruppe

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Doppelmayr/Garaventa-Gruppe
(Doppelmayr Holding AG)
Doppelmayr Logo (160317).svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1893
Sitz Wolfurt (Vorarlberg, Österreich)
Leitung Michael Doppelmayr (seit 1992)[1]
Mitarbeiter 2673 (2015/16)[2]
Umsatz 834 Mio. EUR (2015/16)[2]
Branche Seilbahn, Anlagenbau, Transport
Website www.doppelmayr.com
Doppelmayr in Wolfurt

Die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe mit Hauptsitz in Wolfurt (Vorarlberg, Österreich) ist Weltmarktführer im Seilbahnbau. Weitere Standorte befinden sich in Goldau (Schweiz), Salt Lake City (USA), Lana (Italien), Saint-Jérôme (Kanada) sowie weiteren Niederlassungen weltweit.

Das Unternehmen plant und produziert neben Einseil-, Mehrseil-, Umlauf-, Pendel-, fixgeklemmten und kuppelbaren Seilbahnen auch Erlebnisbahnen, Materialbahnen, Hochregallagersysteme, Parkhaussysteme, Langstrecken-Stetigförderer und Cable Liner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzeln von Doppelmayr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typenschild an einem Schlepplift von 1970
Ein vom Tochterunternehmen LTW in Bau befindliches Hochregallager für 55.000 Europaletten

Das österreichische Familienunternehmen Doppelmayr wurde 1892[1] von Konrad Doppelmayr (1855–1933) im Wolfurter Ortsteil Rickenbach gegründet. Neben Reparaturen für die Landwirtschaft und Textilfabriken (Hämmerle, Schindler, etc.) wurden Futterschneidemaschinen, Beile, Äxte und Sapie angefertigt. Ab 1900 begann Konrad Doppelmayr mit der Erzeugung von Würgern, Most- und Weinpressen. Diese wurden größtenteils an Weinbauern nach Südtirol exportiert.[3]

1928 übernahm Emil Doppelmayr (1889–1967), Sohn von Konrad Doppelmayr, die Geschäftsleitung. 1937 baute Emil auf Initiative des Vorarlberger Skipioniers Sepp Bildstein (1891–1970) in Zürs am Arlberg den ersten Schlepplift Österreichs.[3]

In der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich von 1938 bis 1945 war Doppelmayr ein Wehrwirtschaftsbetrieb. Als Unterlieferant der Zahnradfabrik Friedrichshafen wurden dabei Teile für Panzer und Sturmboote produziert. Im Jänner 1945 arbeiteten 150 Personen im Unternehmen, 61 davon waren Fremdarbeiter oder Kriegsgefangene. Nach Kriegsende hatte der Betrieb 34 Mitarbeiter.[4] Bereits 1946 wurde der Bau von Skiliften wieder aufgenommen (Ebenberglift, Zell am See), 1953 erfolgte der erste Überseeauftrag (Skizentren Mount Gabriel und Mount Plante, Kanada).[5]

Als der Sohn von Emil Doppelmayr, Artur Doppelmayr (1922–2017), im Jahr 1955 in das Unternehmen einstieg, forcierte er die Weiterentwicklung der seilgezogenen Systeme. Im Jahr 1977 erhielt das Unternehmen die Staatliche Auszeichnung und darf seither das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden. Im Jahr 1996 erwarb Doppelmayr den Seilbahnbereich der schweizerischen Von Roll in Thun. Von Roll hatte 1945 die erste kuppelbare Sesselbahn der Welt in Flims gebaut.

Wurzeln von Garaventa und Fusion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schweizer Unternehmen Garaventa geht auf Karl Garaventa (1888–1965) zurück, der 1928 eine Materialseilbahn auf die Rigi baute. Einige Jahre später erfolgte die Gründung des Unternehmens Karl Garaventa’s Söhne für Seilbahn- und Maschinenbau, die international, vor allem im Bereich des Baus großer Pendelbahnen, tätig war.

Im Jahr 2002 fusionierten die beiden Unternehmen zur „Doppelmayr/Garaventa-Gruppe“. Garaventa brachte in die Unternehmensgruppe die Anfang der 1990er Jahre erworbenen Unternehmen WSO Städeli Lift, den Korneuburger Seilbahnhersteller Girak, CTEC USA und die Seilbahnsparte von Swoboda Seilbahnbau mit. Zur selben Zeit wurde von Doppelmayr auch der Schweizer Karosseriebauer CWA Constructions SA in Olten übernommen. Die Eigner von Garaventa hielten zunächst ein Drittel der neuen Holding, verkauften diese aber später an die Eigentümer von Doppelmayr.[6] Anfang 2008 begann Doppelmayr mit dem Bau einer „Mountain Glider“-Anlage auf dem eigenen Werksgelände in Wolfurt, um dort Fahrzeuge für Vergnügungsparks testen und weiterentwickeln zu können.[7]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzernmutter ist die Doppelmayr Holding AG (Sitz in Wolfurt, Österreich) mit den Vorständen Michael Doppelmayr (Vorstandsvorsitzender) und Hanno Ulmer. Darunter sind weitere Aktiengesellschaften wie z. B. die Doppelmayr Urban Transport Systems AG (Wolfurt) oder auch die Ropetrans Holding AG mit Sitz in Rotkreuz, Schweiz. Über die Ropetrans Holding AG wurde im Jahr 2001/2002 die Fusion von Doppelmayr und Garaventa durchgeführt. Delegierte des Verwaltungsrates sind Michael Doppelmayr, Hanno Ulmer und Werner Inderbitzin.

Anteilseigner der Doppelmayr Holding AG sind zu 80 Prozent die AMD (Artur Michael Doppelmayr) Privatstiftung und jeweils zu 10 Prozent Michael und Artur Doppelmayr.[8]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsjahr Gesamtumsatz
in Millionen Euro
Mitarbeiter
weltweit
2001/02 407 n.a.
2002/03 418 n.a.
2003/04 464 2.102
2004/05 490 2.099
2005/06 581 2.223
2006/07 659 2.479
2007/08 680 2.605
2008/09 616 2.660
2009/10 603 2.608
2010/11 618 2.214
2011/12 628 2.297
2012/13 795 2.378
2013/14 858 2.452
2014/15 794 2.546
2015/16 834 2.673

(Quelle: Pressemitteilungen der jeweiligen Jahre)

n.a. nicht angegeben

Doppelmayr/Garaventa war 2012 mit einem Marktanteil von 60 Prozent Weltmarktführer im Seilbahnbereich.[6] Mit Tochtergesellschaften, Niederlassungen und Vertretungen in mehr als 40 Ländern realisierte das Unternehmen bis dato 14.800 Anlagen in 91 Ländern.[2]

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelmayr Cable Car[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen baut in erster Linie Produkte für den öffentlichen Personennahverkehr. Diese Systeme werden in städtische Infrastrukturen, Flughäfen und Kongresszentren sowie große Industrie- und Verwaltungskomplexe eingebunden.[9]

Doppelmayr Transport Technology[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Materialtransportsysteme der DTT finden Einsatz im Bereich Schütt- und Stückguttransport. Das Angebot reicht von Materialseilbahnen bis hin zu Langstreckenfördersystemen.[10]

LTW Intralogistics[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kernkompetenz von LTW sind Regalbediengeräte für Hochregallager. Darüber hinaus liefert das Unternehmen die zugehörige Fördertechnik und Software für die Lagersteuerung und -verwaltung.[11] Von Doppelmayr 1981 zunächst als Ein-Mann-Betrieb im Logistikbereich gegründet, führte Peter Malin LTW mit eigenen Patenten[12] zum international operierenden Komplettanbieter.[13]

CWA Constructions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CWA Constructions mit Sitz in Olten, Schweiz, ist ein Unternehmen der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe und Hersteller von seil- und schienengebundenen Fahrzeugen. CWA-Kabinen und -Gondeln kommen bei diversen Seilbahnsystemen zum Einsatz.[14]

Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelstation der kuppelbaren 8er-Kabinenbahn auf dem Golm (bei Matschwitz)
Rote Linie des Seilbahnnetz La Paz
Cable Liner in Las Vegas

Beispiele von Seilbahn-Typen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Götze: Internationalisierungsstrategien industrieller Unternehmungen am Beispiel der Firma Konrad Doppelmayr & Sohn, Wolfurt. Diplomarbeit. Universität Innsbruck, Innsbruck 1986, OBV.
  • Peter Busarello: Die betriebswirtschaftlichen Prämissen für die Einführung von Service- und Wartungsverträgen bei der Firma Doppelmayr. Diplomarbeit. Universität Innsbruck, Innsbruck 2000, OBV.
  • Michael Doppelmayr (Geleitwort): 1892–2012. 120 Jahre Familienunternehmen Doppelmayr. Eine Erfolgsgeschichte im Überblick. (Broschüre). Doppelmayr (Hrsg.), Wolfurt 2012. – Volltext online (PDF; 2,3 MB)
  • Doppelmayr – Garaventa. International 2013. Doppelmayr, Wolfurt 2013, OBV. (Ausgabe 2003: OBV).
  • Wir. Werkszeitung für Mitarbeiter, deren Angehörige und Firmenpensionisten. Doppelmayr, Wolfurt 1975–, OBV.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Doppelmayr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Doppelmayr: 1892–2012. 120 Jahre Familienunternehmen Doppelmayr.
  2. a b c Zahlen, Daten, Fakten der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe
  3. a b Doppelmayr: 1892–2012. 120 Jahre Familienunternehmen Doppelmayr, S. 4 (unpaginiert).
  4. Burkhard Reis: Industrie im Jahr 1945, Firma Doppelmayr. In: Heimat Wolfurt. Zeitschrift des Heimatkundekreises, Heft 17, März 1996, S. 20. (PDF; 4,75 MB).
  5. Der Aufbau. In: Doppelmayr: 1892–2012. 120 Jahre Familienunternehmen Doppelmayr, S. 6 (unpaginiert).
  6. a b Julia Kern: Anteile: Wenige Branchenhelden. Artikel auf DiePresse.com vom 31. Mai 2012; abgerufen am 2. Juni 2012.
  7. Doppelmayr baut Vergnügungsfahrzeug-Testanlage (vom 30. Januar 2008)
  8. Eigentümerstruktur Doppelmayr Holding AG, auf trendtop500.at. Abgerufen am 14. April 2016
  9. Doppelmayr Cable Car
  10. Doppelmayr Transport Technology
  11. LTW Intralogistics
  12. Peter Malin, Hans A. Guttner (Autoren), Heinz Langer (Illustrator): Die zehn Streiche, Langer Malin 1999
  13. NEWSFLOW Ausgabe 4 2011
  14. CWA Constructions
  15. 3-S Pardatschgrat A2, www.ischgl.com
  16. Doppelmayr-Seilbahn in Whistler Mountain eröffnet
  17. Doppelmayr baut zur Koblenzer Buga eine der größten Seilbahnen Europas über Rhein in: Rhein-Zeitung, 27. November 2008
  18. Bolivien: Doppelmayr verbindet Großstädte mit Seilbahn. DiePresse.com, 11. September 2012
  19. Bolivien: Urbanes Doppelmayr-Seilbahnnetz eröffnet DiePresse.com, 30. Mai 2014
  20. Khởi công cáp treo Hòn Thơm - Phú Quốc dài nhất thế giới (4. September 2015) (vietnamesisch), abgerufen am 7. September 2015
  21. Weltrekord: Doppelmayr baut die längste Seilbahn der Welt in Vietnam (7. September 2015), abgerufen am 7. September 2015

Koordinaten: 47° 27′ 25″ N, 9° 45′ 14″ O