Doppelname (Nachname)

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Ein Doppelname im Sinne eines Nachnamens bezeichnet die Zusammenfügung zweier Nachnamen. Ob, unter welchen Umständen, in welcher Gestaltung und für wen Doppelnamen als Nachnamen in einem Staat zulässig sind, hängt von der soziokulturellen Entwicklung und der zugehörigen Entwicklung des jeweiligen staatlichen Namensrechts ab.

Da Namen ein Schlüsselsymbol sozialer Zugehörigkeit, Identität, Individualität und Selbstdarstellung sind, unterliegt die Gestaltung von Nachnamen weitreichendem soziokulturellen Einfluss - auf der Basis sich allmählich wandelnder sozialer Normen. Von der jeweiligen Kultur bzw. der Sozialordnung hängt insofern ab, welche Konnotation bzw. Wertung ein Doppelname beinhaltet. Wo die Abstammung entlang der männlichen Linie (Patrilinearität) mit großer sozialer Wertschätzung verbunden war, wurde der Nachname meist entlang der väterlichen Linie weitergegeben und nicht der Nachname der mütterlichen Linie. In Deutschland folgt der Nachname beispielsweise traditionell der väterlichen Linie, wird als „Familienname“ bezeichnet und sein Fehlen galt lange als Makel[1][2].

Im spanischen Namensrecht führte die Rekatholisierung durch die Inquisition seit dem 16. Jahrhundert zu einer bilateralen genealogischen Namensbildung von Vater- und Mutterseite über bis zu vier Generationen (Deszendenzregeln). Der Doppelname diente als Ausgrenzungsstrategie gegenüber Juden und Muslimen und sollte die „Reinheit des Blutes“ nachweisen.[3] Dies hatte sich bis Ende des 19. Jahrhunderts vollständig als reguläre Namensgebung durchgesetzt und ging in das spanische Namensrecht über. Im portugiesischen Namensrecht hatte sich eine ähnliche Namensgebung durchgesetzt – allerdings mit umgekehrter Reihenfolge von Mutter- und Vaterseite.

In Europa vollzieht sich seit Ende des 20. Jahrhunderts eine zunehmende Liberalisierung des Namensrechts. Dabei wird einerseits die Doppelnamigkeit eines Ehepartners bei der Heirat zunehmend ermöglicht. Außerdem bieten immer mehr europäische Staaten eine zunehmend freie Wahl mehrerer Nachnamen der Vater- und Mutterlinie eines Kindes. Hierzu zählen beispielsweise Spanien, Portugal oder auch Frankreich.[4][5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berthold Gaaz: Der Doppelname als Menschenrecht? Zum Recht des Kindesnamens in Europa. In: Jens Martin Zeppernick: Lebendiges Familienrecht: Festschrift für Rainer Frank. Frankfurt/M. 2008, S. 381–392.
  • Rainer Wahl: Verfassungsrecht und Familienrecht - eine schwierige Verwandtschaft. In: Jens Martin Zeppernick: Lebendiges Familienrecht: Festschrift für Rainer Frank. Frankfurt/M. 2008, S. 31–58.
  • Tobias Helms: Entkopplung von Abstammungsklärung und Vater-Kind-Zuordnung - der neue §1598a BGB. In: Jens Martin Zeppernick: Lebendiges Familienrecht: Festschrift für Rainer Frank. Frankfurt/M. 2008, S. 225–248.
  • Volker Lipp: Namensrecht und Europa. In: Jens Martin Zeppernick: Lebendiges Familienrecht: Festschrift für Rainer Frank. Frankfurt/M. 2008, S. 393–408.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Heinrich Riehl: Die Familie. Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Social-Politik. Bd. 3. 1.–3. Aufl. Stuttgart 1855, S. 177ff.
  2. Carl Creifelds: Die Gleichberechtigung der Frau im deutschen Recht. In: Juristische Rundschau, 1950, Vol. 1950(15), S. 449–457
  3. Hering Torres, M. S.: Judenhass, Konversion und genealogisches Denken im Spanien der Frühen Neuzeit, in: Historische Anthropologie Bd. 15, /1/2007, S. 42–64.
  4. Volker Lipp: Namensrecht und Europa. In: Jens Martin Zeppernick: Lebendiges Familienrecht: Festschrift für Rainer Frank. Frankfurt/M. 2008, S. 393–408
  5. Agnes Fines: Das neue französische Namensrecht: eine Revolution? In: L'Homme, 2009, Vol. 20(1), S. 91–96.