Dorfkirche Britz

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Dorfkirche Britz im Jahr 1834, Heinrich Wohlers
Dorfkirche Britz

Die Dorfkirche Britz ist eine Feldsteinkirche aus der Zeit um 1300. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe über dem Dorfteich von Berlin-Britz. Die Lage der Kirche, abseits des Dorfes in geschützter Halbinsellage ist ungewöhnlich, vergleichbar nur mit der Komtureikirche Tempelhof oder in Ihlow auf dem Barnim.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundrisstyp der Chorquadratkirche gilt als frühgotisch und deutet in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts, die Qualität des Mauerwerks (Feldsteine ohne Quaderung) jedoch ins 14. Jahrhundert. Cante datiert daher „Frühes 14. Jahrhundert (vermutlich um 1310)“. Der südliche Anbau des Chors erweckt den Eindruck einer mittelalterlichen Sakristei, denn sie ist auf Wohlerschen Zeichnung vom 11. Mai 1834 schon zu sehen, also noch vor dem großen Umbau von 1888. Da aber der Anbau sorgfältigere Quaderung aufweist als der Ursprungsbau, könnte er auch erst 1766 anlässlich des Anbaus der Gruft errichtet worden sein.

Die Kirche war seit dem Barock außen verputzt und hatte große Fenster. Auf einem 1713 errichteten Dachturm aus Fachwerk mit spitzem Helm saß eine Wetterfahne mit der Jahreszahl 1689. Im Laufe der Zeit wurde die Britzer Dorfkirche stetig erweitert: 1720 entstand der barocke Kanzelaltar, und 1766 wurde die heutige Sakristei als Grabkapelle für die Familie des preußischen Außenministers Ewald Friedrich Graf von Hertzberg angelegt. 1888 erfolgte der letzte große Umbau durch den Baumeister Carl Busse. Bei dieser Gelegenheit wurde ein aufwendiger Turm hinzugefügt, in der mittelalterlichen Grundrissform des schiffsbreiten querrechteckigen Westturms, bis weit über die Traufhöhe des Kirchenschiffs, darüber aber eingezogen. Er ist aus Feldsteinquadern errichtet, ist aber an einer Baunaht deutlich als neuzeitlicher Anbau erkennbar. In das vom Putz befreite Mauerwerk wurden neue Portale und Fenster eingefügt.

Der Turm bekam nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg eine vereinfachte Form. Die alte, oft beschriebene Marienglocke von 1268 war ebenfalls dem Luftangriff im Jahr 1943 zum Opfer gefallen. Überreste der Glocke befinden sich nun im Museum Neukölln[1]. Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten von 1948 erhielt die Kirche Glasmalereien von Charles Crodel (Weihnachts- und Tauffenster). In den Jahren von 1955 bis 1959 wurde der Innenraum den alten Bauformen angeglichen und dem Kanzelaltar seine barocke Fassung wiedergegeben.

Die Kirche verfügt über drei Glocken aus Bronze.

Gießjahr Gießer Schlagton Gewicht (kg) Durchmesser (cm) Höhe (cm) Krone (cm) Inschrift
13. Jahrhundert unbekannt h′ 230 87 76 15/16 (keine)
1955 Friedrich Wilhelm Schilling d″ 239 70 59 9/10 IN EXCELSIS DEO.
1956 e″ 150 61 52 9 IN TERRA PAX.

Im Jahr 1826 erhielt die Kirche ihre erste Orgel von Carl August Buchholz, 1888 wurde sie durch die Gebrüdern Dinse umgebaut und erweitert. 1938 baute der Potsdamer Orgelbauer Alexander Schuke unter Verwendung von alten Teilen eine neue Orgel. Die heutige Orgel entstand 1999 durch die Orgelbauwerkstatt Karl Schuke ebenfalls unter Verwendung alter Teile.[2]

In der Kirche werden die Kirchenschätze in einer Vitrine ausgestellt, so beispielsweise

Literatur (chronologisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Pomplun: Berlins alte Dorfkirchen. Hessling, Berlin 1967, S. 26.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. 2. Aufl. CZV, Berlin 1986, ISBN 3-7674-0158-4, S. 86 f.
  • Renate und Ernst Oskar Petras (Hrsg.): Alte Berliner Dorfkirchen – Die Zeichnungen von Heinrich Wohlers. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, Berlin 1988, ISBN 3-374-00543-8, S. 14.
  • Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Alte Kirchen in Berlin. 33 Besuche bei den ältesten Kirchen im Westteil der Stadt. 2. Auflage. Wichern, Berlin 1991, ISBN 3-88981-048-9, S. 55–62.
  • Markus Cante: Kirchen bis 1618, in: Berlin und seine Bauten, Teil VI: Sakralbauten. Hrsg.: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Berlin 1997, S. 333.
  • Christine Goetz und Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Wichern- und Morus-Verlag, Berlin 2003, S. 158.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West) – Geschichte und Inventar. Berlin 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dorfkirche Britz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spazierwege zu Frühgeschichte und Mittelalter (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.museum-neukoelln.de (PDF; 809 kB), S. 6. Abgerufen am 2. Februar 2013.
  2. Informationen zur Orgel

Koordinaten: 52° 26′ 53″ N, 13° 26′ 12″ O