Dorfkirche Hohenkirchen

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Kirche in Hohenkirchen

Die Dorfkirche Hohenkirchen ist ein evangelisch-lutherisches Kirchengebäude in Hohenkirchen, einer Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Sie gehört zur Kirchengemeinde Proseken-Hohenkirchen in der Propstei Wismar des Kirchenkreises Mecklenburg in der Nordkirche.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche mit Eingangstor

Der landschaftsbeherrschenden Position der Dorfkirche auf der Höhe eines Moränenzuges verdankt der Ort seinen Namen. Er ist während der frühen Besiedlung des Küstenstreifens zwischen der Wismarer Bucht und der Wohlenberger Wiek wohl bereits um 1200 gegründet worden.

Die Kirche wurde um 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt und gehörte im Mittelalter zum Bistum Ratzeburg. Als diese Kirche auf Geheiß des Bischofs von Ratzeburg gebaut wurde, kam der Name Honkerken auf und wurde 1260 urkundlich erwähnt.[1] Schon 1308 haben die von Quitzow auf Voigtshagen Besitz in Hohenkirchen, doch das Kirchenpatronat übernimmt an Stelle des Bischofs der Landesherr. Im Kirchenvisitationsprotokoll von 1647 wurde noch der Herzog als Patron der Kirche bezeichnet, doch schon 1653 hatte er es an den Landrat Daniel von Plessen auf Hoikendorf abgetreten.

Die heutige Kirche ist ein Nachfolgebau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Das Äußere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südostansicht

Der äußerlich nicht in Chor und Schiff untergliederte Backsteinbau ist mit vier Jochen kreuzgewölbt. Es wird von einem polygonalen 5/8-Chor abgeschlossen. Während im östlichen Bereich die Strebepfeiler sichtbar sind, wurden sie bei den westlichen drei Jochen nach innen gezogen und ermöglichen so die Anlage von jeweils drei, zum Schiff hin offenen Seitenkapellen. Ihre Außenwände sind bis auf die Fenster völlig glatt. Die spitzgotischen bis unter die Traufe gehenden Fenster sind zumeist dreiteilig gegliedert.

Der wehrhaft wirkende Westturm mit quadratischem Grundriss ist als jüngster Bauteil erst um 1500 errichtet worden. Er besitzt an der Westseite ein mehrfach abgestuftes spitzbogiges Portal mit zwei Rundblenden darüber. Sein Abschluss durch ein Walmdach ist barock. Der Turm ist auch über eine enge Wendeltreppe besteigbar. Aus den in Traufhöhe unvermittelt endenden Blenden und aus der unregelmäßigen Mauerkrone im Turm lässt sich schließen, dass der Turm ursprünglich noch höher werden sollte.

In dieser Zeit entstand auch der zweigeschossige Anbau mit einem Fachwerkobergeschoss vor dem Südportal. Mit Ausnahme dieser Vorhalle sind alle Raumteile, auch die an der Nordseite angefügte Sakristei und der voll zum Schiff hin geöffnete Turmraum, kreuzrippengewölbt. Durch die seitlichen Kapellen wirkt das Innere der Kirche licht und weit.

Die Kirche hatte früher auch Bedeutung als Seezeichen oder als Landmarke gedient. Schlie vermutet daher, dass sie einen hohen Spitzturm hatte, der bei einem Sturm verloren ging.

Das Kirchenschiff wurde 1988/1989 und die Vorhalle 2003 restauriert. Neun der zwölf Glasfenster wurden durch Lehrlinge der Landesfachschule Lübeck des Glaserhandwerks im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung wiederhergestellt.

Das Innere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanzel
Triumphkreuz
Blick zur Orgelempore, im Vordergrund der Taufstein
Doppelgrabplatte

Die Kirche hat eine Ausstattung aus mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Kunstwerken.

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Holzkanzel an einem Nordpfeiler wurde 1739 vom Bildhauer Heinrich Johann Bülle mit reichlichen Figurenschmuck gefertigt. Das Lesepult wird von einem kleinen geschnitzten Pelikan mit seinem Jungen getragen. Um 1900 wurden die Engel mit dem Kreuz, die Tauben, der Kelch, die Bibel sowie der hölzerne Wolkenkranz abgebaut.

Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Altar kam 1749, genau zehn Jahre später, auch aus der Werkstatt des Bildhauers Johann Heinrich Bülle. Eine Inschrift auf der Altarrückwand nennt das Entstehungsjahr 1749. Der Altar ist ein zweigeschossiger architektonischer Aufbau mit vollplastischen Figuren. In dem von gekuppelten Säulen gerahmten Hauptgeschoss dominieren ein Kruzifix und die Freifiguren von Jesaja und Moses. Vor dem Volutengiebel sind der Auferstandene, als Bekrönung die Dreieinigkeit mit seitlichen Engelsfiguren zu sehen. Im Sockel befindet sich ein Abendmahlsgemälde von 1870.

Triumphkreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bedeutendste vorreformatorische Kunstwerk ist das ausdrucksstarke, fast lebensgroße Kruzifix, das einst zu einer Triumphkreuzgruppe gehört haben muss und gegen 1300 entstanden ist. 1675 repariert, wurde 2006 durch die Restauratorin Anette Seiffert eine Fassungsrekonstruktion nach mittelalterlichen Befund durchgeführt.[2]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Westempore steht die 1845 vom Orgelbauer Friedrich Wilhelm Winzer aus Wismar gebaute mechanische Schleifladenorgel (II/P/15).[3] Winzer baute nach altem Werkprinzip die zweimanualige Orgel. 1978 bis 1980 wurde sie durch die Firma Voigt aus Bad Liebenwerda restauriert. Nach Vandalismusschäden nicht mehr spielbar, wurde sie 2006 durch Andreas Arnold von der Orgelbaufirma Mecklenburger Orgelbau restauriert.[4]

Taufstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große romanische Taufstein aus Granit mit reichen Dekor aus Rundbogenarkaden, Lebensbaummotiven und vier plastischen Köpfen am Fuß ist ein schönes Beispiel für die Kunst des ausgehenden 13. Jahrhunderts.

Grabplatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirche befinden sich mehrere sehenswerte Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Doppelgrabstein von 1649 ist mit Bildnissen des Pastors Zacharia Manke und seiner Frau im Flachrelief versehen. Mit der Rechten einen Kelch und mit der Linken eine Bibel fassend, sie die Hände faltend. In den Ecken befinden sich die vier Evangelisten und an den Seiten Umschriften in drei Zeilen.

Glocke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den einst drei Glocken hängt im Turm nur noch die Bronzeglocke von Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts mit einer reich verzierten Majuskelschrift Segne, o Gott, diese Glocke; das Volk sei wohl, die Luft gesund.[5]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Kirchengemeinde Proseeken-Hohenkirchen gehört auch die Dorfkirche Proseken.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 312–318. ISBN 3-910179-06-1
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2000. S. 245–246.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • LHAS 4.12-3/1 Mecklenburgisch-Schwerinsche Ministerium des Innern
    • LHAS 5.12-7/1 Mecklenburg-Schwerinsche Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten
    • LHAS Landratsamt Schönberg
  • Landeskirchliches Archiv Schwerin
    • Specialia Abt. 2, Nr. 285 Hohenkirchen
    • Bauzeichnungen und Pläne kirchlicher Gebäude, 11.01.01, 15/4 Hohenkirchen, vier Karten und Risse mit Grundriß von der Kirche zu Hohenkirchen mit den neuen Chören 1841
  • Stadtarchiv Wismar
    • Ratsakten Nr. 5509, Inventare, 1662 Nachlaßinventar Pastor Zacharias Maenek

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorfkirche Hohenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB) Band II. Schwerin (1864) Nr. 859
  2. Frank Hösel: In: Kulturerbe in Mecklenburg und Vorpommern. Hohenkirchen, Triumphkreuz. Band 2, Schwerin 2007, S. 137–138.
  3. Mecklenburgisches Orgelmuseum Mecklenburgisches Orgelinventar
  4. Beatrix Dräger: In: Kulturerbe in Mecklenburg und Vorpommern, Hohenkirchen, Orgel. Band 2, Schwerin 2007, S. 136–137.
  5. Georg Christian Friedrich Lisch: Über die große Glocke zu Hohenkirchen MJB 23 (1858) S. 356–357.

Koordinaten: 53° 55′ 8,7″ N, 11° 18′ 16,7″ O